Krank durch Klinikaufenthalt

Was sind Krankenhauskeime und wie kann man sich schützen?

Jährlich infizieren sich schätzungsweise rund 9 Millionen Patienten in Europa in Krankenhäusern und Pflegeheimen mit einem gefährlichen Krankenhauskeim (nosokomiale Keime). Die Mehrzahl der Krankenhausinfektionen heilt komplikationslos aus. Dennoch verursachen Krankenhauskeime mehr Todesfälle in Europa als jede andere Infektionskrankheit: Denn jeder dritte Bakterienstamm ist inzwischen resistent gegen herkömmliche Antibiotika.

Arzt desinfiziert sich im Krankenhaus die Hände
Krank durchs Krankenhaus: Die Hälfte aller Infektionen mit einem Krankenhauskeim ist vermeidbar.
© iStock.com/TommL

In Krankenhäusern lauern lebensgefährliche Krankenhauskeime (nosokomiale Keime), gegen die Antibiotika kaum noch helfen. Etwa drei bis fünf von 100 Patienten bekommen während einer Krankenhausbehandlung eine Infektion. Hochgerechnet ergibt das 400.000 bis 600.000 Infektionen mit einem Krankenhauskeim in Deutschland. Daran sterben etwa 10.000 bis 15.000 Patienten – wobei berücksichtigt werden muss, dass viele an schweren Grundkrankheiten leiden, die auch ohne Krankenhausinfektionen zum Tod führen.

Artikelinhalte im Überblick:

Krankheiten, bei denen Antibiotika überflüssig sind

Was ist eine Infektion mit Krankenhauskeimen? 

Immer wieder landen stationär aufgenommene Patienten mit einer an sich harmlosen Verletzung oder Erkrankung auf der Intensivstation. Der Grund ist eine Infektion mit einem Krankenhauskeim, eine Krankenhausinfektion. Das ist eine Infektion, die sich Menschen erst während einer Behandlung in einem Krankenhaus zuziehen. Das heißt nicht, dass die Infektion in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Tätigkeit des medizinischen Personals zu tun hat. Die Krankenhauskeime können überall sein – eine hundertprozentige Sterilität gibt es so gut wie nicht. 

Kann ich mich nur im Krankenhaus anstecken? 

Krankenhausinfektionen heißen so, weil sich die Patienten hauptsächlich bei einer Behandlung im Krankenhaus mit den Erregern anstecken. Die Gefahr, sich mit einem nosokomialen Keim zu infizieren, besteht aber nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in Pflegeeinrichtungen, in ambulanten Praxen oder Reha-Kliniken. Etwa zehn Prozent der Infektionen werden durch Krankenhauskeime verursacht, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Bei diesen multiresistenten Erregern sind viele gängige Antibiotika nicht mehr wirksam. Auch Viren und in seltenen Fällen Pilze und Parasiten können nosokomiale Infektionen auslösen.

 

Das sind die häufigsten Krankenhauskeime 

  • Staphylococcus aureus: Mutierte Erreger vom Typ Staphylococcus aureus sind in Deutschland die häufigsten und gefährlichsten Verursacher von Krankenhausinfektionen. Sie sind schwer behandelbar, da sie gegen gängige Antibiotika wie Methicillin resistent sind. Deshalb heißen sie auch Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (kurz MRSA). MRSA sind die bekanntesten multiresistenten Erreger.

     
  • Clostridium difficile: Dieses Bakterium kommt weltweit vor. Er wird mit dem Stuhl ausgeschieden und ist hoch ansteckend. Über einen Händedruck oder kontaminierte Alltagsgegenstände wie Türklinken oder Lichtschalter wandern Clostridien weiter. Häufig genügen kleine Spuren von Stuhlresten an der Hand des Erkrankten, um die Keime zu übertragen. Schon geringe Mengen des Erregers reichen für eine Ansteckung bei geschwächten Personen aus.

     
  • Escherichia coli (E. coli): Kolibakterien kommen in jedem Darm vor. Sie werden im Krankenhaus über infizierte Personen weitergegeben. Eine weitere Übertragungsmöglichkeit sind kontaminierte Lebensmittel. Sogenannte Extended Spectrum Beta-Lactamase-bildende Bakterien (kurz ESBL) kommen neben E. coli auch bei Klebsiella pneumoniae-Erregern vor. Das Vorkommen dieser Erreger hat sich seit 2005 verdreifacht.

     
  • Enterococcus faecalis (auch Streptococcus faecalis) : Diese Bakterien besiedeln die normale Darmflora des Menschen. Pathogene Stämme des Erregers können bei immungeschwächten Personen eine Krankenhausinfektion auslösen. 

     
  • Enterococcus faecium: Enterokokken wie das Bakterium Enterococcus faecium können bei immungeschwächten Personen gefährliche Blutvergiftungen, Darminfektionen, Harnwegsinfektionen oder eine Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) auslösen. Da viele Enterokokken gegen das Antibiotikum Vancomycin resistent sind, spricht man auch von Vancomycin-resistenten Enterokokken (kurz VRE).

     
  • Acinetobacter baumannii: Bakterien der Gattung Acinetobacter wie das Bakterium Acinetobacter baumannii entwickeln zunehmend Resistenzen gegen gängige Antibiotika. Bei immungeschwächten Patienten können sie eine Krankenhausinfektion auslösen. Häufig betroffen sind Beatmungspatienten auf Intensivstationen, bei denen die Keime eine Lungenentzündung auslöst.

     
  • Pseudomonas aeruginosa: Dieses Bakterium kommt vor allen in feuchten Milieus wie Leitungswasser, Waschbecken, Duschen oder Toiletten vor. Es gehört zu den am häufigsten auftretenden Krankenhauskeimen.

Was sind die Ursachen für Krankenhausinfektionen? 

Die Haut und der Darm sind von 100 Billionen Mikroorganismen besiedelt. Sie bilden gemeinsam das sogenannte Mikrobiom. 100 Millionen Bakterien siedeln allein im Verdauungstrakt. Bei einem erwachsenen Menschen wiegen alle Mikroorganismen zusammengezählt rund zwei Kilogramm. Die meisten dieser Keime sind an sich völlig harmlos, sie bilden eine Art biologischen Schutzschild gegen krankmachende Eindringlinge. Im Darm helfen sie bei der Verdauung.  

Problematisch wird es, wenn diese Keime in Körperbereiche gelangen, in die sie nicht gehören, zum Beispiel in Wunden, in die Blutbahn, Lunge oder Harnblase. Die Folge sind beispielsweise Wundinfektionen, Sepsis, Lungenentzündung oder Harnwegsinfektionen. Krankenhauskeime sind nicht zwangsläufig aggressiver als andere. Richtige Probleme bereiten diese Keime erst, wenn sie gegen gängige Antibiotika resistent sind.  

Symptome einer Infektion mit Krankenhauskeimen

Da Krankenhauskeime unterschiedliche Erkrankungen verursachen können, sind auch mögliche Symptome einer solchen Infektion vielfältig. Typische Symptome von Infektionen mit einem Krankenhauskeim sind folgende:

Wie gelangen Krankenhauskeime in unseren Körper? 

Typische Bakterien, die Krankenhausinfektionen auslösen, sind Staphylokokken oder bestimmte Darmbakterien. Über invasive Untersuchungen und Behandlungen gelangen sie dann fälschlicherweise in andere Körperbereiche: Zum Beispiel über Gefäßkatheter, Harnwegskatheter, Ernährungssonden oder durch künstliche Beatmung. Auch mangelnde Hygiene, insbesondere bei der Handhygiene, sorgen für die Verbreitung eines Erregers.  

Zudem tragen Behandlungen, die das Immunsystem unterdrücken, immer häufiger dazu bei, dass die körpereigenen Abwehrkräfte reduziert und damit das Eindringen der Krankenhauserreger begünstigt wird.

Inkubationszeit spielt wichtige Rolle bei der Diagnose 

Zunächst ist es für den Arzt wichtig festzustellen, ob ein Patient die Infektion im Krankenhaus erworben hat oder ob er bereits vorher mit dem Erreger infiziert war. Infektionen werden bei entsprechenden Symptomen erst dann als nosokomiale Infektionen eingestuft, wenn sie mindestens 72 Stunden nach der Aufnahme des Patienten in eine Einrichtung auftreten (Inkubationszeit).  

Behandlung von Infektionen mit einem Krankenhauskeim

Nicht alle Krankenhausinfektionen heilen problemlos ab. Denn rund zehn Prozent dieser nosokomialen Infektionen werden inzwischen durch multiresistente Erreger hervorgerufen. Das sind Erreger, bei denen viele Antibiotika-Klassen nicht mehr wirken. Mit der Folge, dass die zuerst angesetzte Antibiotika-Therapie, die ein Arzt wählt, weil noch kein mikrobiologischer Befund vorliegt, nicht greift. Dann wird erst mit entsprechender Zeitverzögerung ein wirksameres Antibiotikum eingesetzt (Breitband- oder Reserveantibiotikum). Währenddessen kann sich die Infektion ungehindert im Körper des Betroffenen ausbreiten. Wichtige Zeit geht dabei verloren. Die möglichen Folgen sind Amputationen einzelner Gliedmaßen bis hin zum Tod des Patienten durch eine Sepsis.

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Krankenhauskeime – wer ist besonders gefährdet? 

Ein besonders hohes Risiko haben Menschen auf der Intensivstation, denn dort führt der Arzt in der Regel besonders viele invasive diagnostische und therapeutische Maßnahmen durch. Auch Patienten, die eine Tumorbehandlung bekommen, sind gefährdet, da bei ihnen das körpereigene Immunsystem durch Immunsuppressiva unterdrückt wird. Zu den weiteren besonderen Risikogruppen zählen chronisch Kranke, Kinder und alte Menschen. Je länger der Aufenthalt im Krankenhaus dauert, umso höher ist das Risiko für eine nosokomiale Infektion.  

Was sind die Ursachen für Multiresistenzen? 

Die Multiresistenz von Erregern wie MRSA hat verschiedene Ursachen. Dazu zählt der nicht ordnungsgemäße oder übermäßige Einsatz von Antibiotika beim Menschen und in der Tierhaltung. Weitere Faktoren sind falsche Maßnahmen zur Hygiene in Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

Mehr zum Thema Antibiotiotikaresistenz erfahren Sie un unserem Ratgeber.

Wie werden Krankenhauskeime übertragen? 

Die Übertragung von Krankenhauskeimen ist über verschiedene Wegen möglich: über die körpereigene Flora, über den direkten Hautkontakt, über den Kontakt mit kontaminierten Gegenständen oder Oberflächen und über die Luft. Nicht immer lässt sich der Infektionsweg eindeutig nachvollziehen.

  • Infektion über die körpereigene Flora: Am häufigsten kommt es zu Infektionen über die körpereigene Flora eines Patienten. Dabei gelangen körpereigene Erreger, die auf der Haut oder im Darm siedeln, in normalerweise sterile Körperregionen (Blutbahn, Harnwege, tiefere Atemwege).  

  • Infektionen von Körperflora zu Körperflora: Ebenfalls sehr häufig ist die Infektion über die Hände. Deshalb ist die konsequente Händedesinfektion die wichtigste Präventionsmaßnahme im Kampf gegen Krankenhauskeime. Häufig gelangen die Erreger durch den direkten Kontakt von einem Patienten zum nächsten. Oder das Pflegepersonal oder der Arzt gibt die Erreger zum Beispiel beim Austauschen von Verbänden oder beim Legen eines Katheters weiter.  

  • Übertragung durch Kontakt mit kontaminierten Gegenständen, Stoffen oder Oberflächen: Ebenfalls sehr häufig ist die sogenannte Umgebungs- und Kreuzkontamination, zum Beispiel über Türklinken, Kleidung oder Mobiliar. Um eine Ausbreitung von Krankenhauskeimen zu verhindern, ist die konsequente Reinigung mit Desinfektionsmitteln sowie die gewissenhafte Entsorgung kontaminierter Gegenstände wichtig. 

  • Übertragung über die Tröpfcheninfektion: In diesem Fall gelangen die Krankenhauskeime über die Luft durch Tröpfcheninfektion auf Oberflächen, Gegenstände oder direkt auf Personen. Die wichtigste Präventionsmaßnahme für die Tröpfcheninfektion ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Wie kann ich mich vor einer Infektion schützen? 

Der beste Schutz vor Infektionen ist, die Krankenhauskeime nicht weiterzuverbreiten. Dazu können Sie einige Hygieneregeln beachten: 

So schützen Sie sich im Krankenhaus vor einer Infektion 

  • Achten Sie immer auf eine sorgfältige Hygiene, vor allem der Hände! 

  • Desinfizieren Sie sich die Hände vor und nach dem Besuch mit dem bereitgestellten Desinfektionsmittel. 

  • Fragen Sie behandelnde Pflegekräfte und Ärzte nach zusätzlichen Schutzmaßnahmen, wenn Sie Kontakt zu Personen mit MRSA hatten.

So schützen Sie sich im Alltag vor Krankenhauskeimen

  • Achten Sie im Alltag immer auf eine sorgfältige Hygiene der Hände! Vor allem in öffentlichen Räumen wie Krankenhäusern, Flughäfen, Flugzeugtoiletten etc. 

  • Reinigen Sie Ihre Hände gründlich mit Wasser und Seife. 

  • Decken Sie Wunden und Hautverletzungen mit einem sauberen Verband oder Pflaster ab. 

  • Waschen Sie sich vor und nach einem Verbandswechsel gründlich die Hände. 

  • Vermeiden Sie engen körperlichen Kontakt zu Menschen mit offenen Wunden. 

  • Verwenden Sie nur Ihre eigenen persönlichen Hygiene- und Badartikel.  

  • Halten Sie Ihr Wohnumfeld sauber.

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