Mythen rund ums Gemächt

Riesenpenis und andere Männer-Märchen

Meistens befürchten Männer, ihr Penis sei zu klein. Doch was passiert, wenn der Penis zu groß ist? Lifeline befragte einen Experten zum Riesenpenis und anderen Mythen rund um die Männlichkeit.

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Ein Penis in XXL - größer als eine mittelgroße Karotte, also mehr als 19 Zentimeter, ist die absolute Ausnahme.
Thinkstock

Existiert er wirklich, der Riesenpenis, von dem man immer wieder liest und hört? In einem jetzt erschienenen, nicht ganz ernst gemeinten Buch (Leben mit einem großen Penis, Dr. Richard Jacob, Riva Verlag) wird er sogar als neue Krankheit vorgestellt: Opulentes-Männliche-Genitalien-Syndrom, kurz OMG. „Der Riesenpenis ist nur ein Riesenmythos“, sagt dazu Dr. Wolfgang Bühmann, Sprecher des Berufsverbands der Deutschen Urologen.

25 Mythen und Fakten zum Penis

 

Erigiert sind Fleisch- und Blutpenis fast gleich groß

Den Riesenpenis gibt es nämlich nicht. 95 Prozent der Männer haben ein ganz normal großes Glied. Normal bedeutet, dass der Penis in Ruhe zwischen 7,5 und 15 Zentimeter lang ist. Im erigierten Zustand erreichen beide Exemplare eine Durchschnittslänge von 14 Zentimeter. „Denn der kleine Penis wächst während der Erektion wesentlich mehr als der große“, erklärt der Urologe.

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Ein Penis, der über 19 Zentimeter lang wird, ist die absolute Ausnahme. „In 29 Jahren Praxis hatte ich nur einmal einen Patienten mit einem 25-Zentimeter-Penis“, berichtet Bühmann. Auch seine Kollegen in aller Welt, mit denen er über urologische Themen diskutiert, kennen in diesem Zusammenhang nur wenige Einzelfälle.

Ein Viertel Liter Blut für eine Erektion

Doch welche Probleme haben Männer mit diesem großen Penis – fallen sie in Ohnmacht, wenn das Glied erigiert? Nein, denn der große Penis wächst kaum noch weiter. Zur Erektion, auch der eines großen Gliedes, „ist etwa ein Viertel Liter Blut nötig“, erklärt Bühmann. Wenn man bedenkt, dass ein gesunder Mann über fünf bis sechs Liter Blut verfügt und beim Blutspenden problemlos ein halber Liter Blut in 20 Minuten abgezapft werden kann, leuchtet es ein, dass eine Erektion nicht zur Bewusstlosigkeit – egal, wie groß das Glied ist.

Riesenpenis ist Ergebnis einer Manipulation

Aus Bildern, Forenbeiträgen oder Internet-Pornos sind diese riesenhaften Ausmaße aber durchaus bekannt. „Dabei handelt es sich jedoch um digitale Manipulationen“, weiß Bühmann. Manche Erotik-Seiten geben das auch offen zu.

Frauen brauchen den Penis eigentlich nicht

Ob es für Frauen ein Riesenglück ist, Sex mit einem Mann mit besonders langem Penis zu haben, ist ebenfalls mehr als fraglich. Um den Höhepunkt zu erreichen, ist das überhaupt nicht nötig. Studien und nicht zuletzt die Erfahrung der meisten Frauen haben gezeigt, dass etwas kleinere und dafür dickere Penes, so der offizielle Plural von Penis, Frauen eher glücklich machen als große Exemplare.

„Salopp ausgedrückt brauchen Frauen den Penis eigentlich gar nicht, um einen Orgasmus zu bekommen“, fügt Bühmann hinzu. Obwohl nicht wenige Männer und manche Frauen immer noch vom Gegenteil überzeugt sind: Die Klitoris und das gesamte Genital der Frau reagieren auf die verschiedensten Reize, wobei der Fantasie des Mannes keine Grenzen gesetzt sind. Hier sind Einfühlungsvermögen, Zärtlichkeit und Einfallsreichtum eher gefragt als das „Kolbenprinzip“ mit einem Riesenpenis.

Harter Penis nach dem Orgasmus

Ebenso in den Bereich der Penis-Märchen gehört die stundenlange Standfestigkeit der Darsteller von Pornos. Nach dem Orgasmus bleibt ihre Erektion und der Riesenpenis beglückt die nächste Partnerin. „Nach der Ejakulation ist kein Penis mehr hart“, stellt Bühmann klar. „Bei jungen Männer um die 20 herum ist es zwar durchaus möglich, danach ziemlich schnell wieder eine Erektion zu bekommen und nochmal zwei oder drei Höhepunkte zu erreichen.“ Für die Mehrzahl der Männer sei nach dem ersten Mal jedoch wenigstens für eine Zeit lang Schluss.

Koitus dauert nur drei Minuten

Weil Männer schneller zum Orgasmus kommen als Frauen, wird ein guter Liebhaber deshalb zuerst die Frau soweit erregen, bis sie fast soweit ist und dann erst eindringen. Die Penetrationszeit, also die Zeit, während der Penis in der Vagina ist, „beträgt nur zwei- bis dreieinhalb Minuten“, weiß der Urologe. Das haben zahlreiche Studien bewiesen. Stundenlanges Penetrieren, wie es Pornos vorgaukeln, gibt es in Wirklichkeit kaum.

Pornos sind Sex-Märchen, manchmal sogar amüsant

Erwachsene Paare wissen das. Für sie sind die entsprechenden Filme im besten Fall anregend oder amüsant. Für junge, unerfahrene Männer ist das jedoch anders. Penisgröße, Erektionsdauer und Orgasmusfähigkeit im Film verwechseln sie mit der Realität. Sie messen sich – im wahrsten Sinne des Wortes – an diesen Fake-Vorlagen und sind überzeugt, ein zu kleines Glied zu haben oder zu schnell zum Ende zu kommen. Mit schlimmen Folgen: Das Ego leidet, Betroffene fühlen sich „unmännlich“, was  - genau wie übrigens exzessiver Pornokonsum an sich - zu Erektionsstörungen führen kann.

Männer sollten sich von Mythen wie dem Riesenpenis nicht verunsichern lassen. Auch die Fotos von Pornodarsteller Long Dong Silver, auf denen er mit einem 46 Zentimeter langem Penis posiert, sollen manipuliert sein. Die Abkürzung OMG für das überdimensionale Gemächt dürfte also eher für Oh Mein Gott stehen und dafür, was für eine blühende Fantasie manche Photoshop-Künstler haben.

Mehr Fakten und Mythen zum Penis finden Sie in der Bildergalerie.

Kamasutra: Prickelnde Sex-Stellungen für Bettsportler

Autor:
Letzte Aktualisierung:15. August 2014
Durch: sw / ag / lifeline

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Sexualmedizin
    Riesen Penis
    02.01.2002 | 10:01 Uhr

    Ich bin zur Zeit auf Kur, und habe ge4stern mit einen Mann Sex gehabt der einen Riesen...   mehr...

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