Humane Papillomviren

HPV: Folgen der Infektion

HPV-Infektionen heilen meist von alleine aus, sie können jedoch auch zu Feigwarzen und Gebärmutterhalskrebs führen. Was vor einer HPV-Infektion und ihren Folgen schützt.

Frau bekommt Impfung
Die Impfung gegen HPV kann vor Gebärmutterhalskrebs schützen.
© iStock.com/Foremniakowski

Humane Papillomviren (HPV) infizieren menschliche Haut- oder Schleimhautzellen. Es gibt über 200 verschiedene HPV-Typen. Einige Typen befallen vorwiegend den Genitalbereich: Niedrigrisiko-Typen wie HPV 6 und 11 verursachen Feigwarzen (auch Genitalwarzen oder Condylomata acuminata genannt), Hochrisiko-HPV-Typen wie HPV 16 und 18 können Krebs auslösen.

Artikelinhalte im Überblick:

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Wie verbreitet ist HPV?

Die meisten Menschen infizieren sich mindestens einmal im Leben mit humanen Papillomviren. Die Viren werden durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Zu den Risikofaktoren für eine Infektion im Genitalbereich zählen eine hohe Anzahl verschiedener Sexualpartner, homosexuelle Sexualkontakte, Oral- und Analverkehr sowie Immunschwäche. Da eine Übertragung auch durch sehr engen Körperkontakt möglich ist, schützt die Verwendung eines Kondoms nicht sicher vor einer Infektion.

Die meisten Infektionen kann das körpereigene Immunsystem erfolgreich bekämpfen – nach ungefähr ein bis zwei Jahren sind die Viren dann nicht mehr nachweisbar. In Deutschland treten bei circa 1,2 Prozent der sexuell aktiven Erwachsenen zwischen 15 und 49 Jahren Feigwarzen auf. Durch HPV bedingte Krebsformen werden laut Krebsregister jährlich bei etwa 6.250 Frauen und 1.600 Männern diagnostiziert.

Symptome einer Infektion durch HPV

Einige humane Papillomviren können gewöhnliche Hautwarzen (Verrucae) hervorrufen. Diese harmlosen Warzen treten häufig an Händen und Füßen sowie im Gesicht auf und werden kosmetisch oft als störend empfunden.

HPV-Infektionen im Genitalbereich verlaufen meist asymptomatisch, das heißt es treten keinerlei Symptome auf und die Betroffenen bemerken die Infektion gar nicht. Dauert eine Infektion mit einem Niedrigrisiko-HPV-Typ an, kann es zur Bildung von Genitalwarzen kommen. Bei einer langjährigen Infektion mit einem Hochrisiko-HPV-Typen ist die Entstehung von Krebsvorstufen und schließlich von Krebs möglich. Da auch diese Infektionen zunächst keine Beschwerden verursachen, sind Untersuchungen zur Krebsvorsorge wichtig.

Welche Krebsformen werden durch HPV verursacht?

Nahezu 100 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs werden durch HPV verursacht. Daneben sind die Viren bei Frauen für Tumoren im Bereich von Vagina und Vulva verantwortlich. Beim Mann können humane Papillomviren Peniskrebs auslösen. Durch HPV bedingte Tumoren im Mund-, Rachen- und Analbereich, wie beispielsweise Kehlkopfkrebs, finden sich bei beiden Geschlechtern.

Wie Gebärmutterhalskrebs entsteht

Bei etwa zehn Prozent aller Frauen, die mit Hochrisiko-HPV-Typen infiziert sind, heilt die Infektion nicht von allein aus. Bei den Betroffenen können nach einigen Jahren Zellveränderungen im Bereich des Gebärmutterhalses auftreten. Mediziner unterscheiden drei Stadien:

• Stadium 1: leichte Zellveränderungen, die sich oft von selbst zurückbilden

• Stadium 2: mittelschwere Zellveränderungen, spontane Heilungen sind seltener als in Stadium 1

• Stadium 3: fortgeschrittene Krebsvorstufe, die Entfernung des betroffenen Bereichs wird empfohlen 

Durchschnittlich vergehen zwischen der Infektion und dem Vorliegen einer fortgeschrittenen Krebsvorstufe circa drei bis sechs Jahre. Ohne Behandlung kann aus dieser Krebsvorstufe nach etwa zehn bis 30 Jahren Gebärmutterhalskrebs entstehen. Wenn Frauen regelmäßig Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung durchführen lassen, können die Zellveränderungen aber frühzeitig erkannt und meist erfolgreich behandelt werden.

Selbsttest
HPV: Selbsttest für Mädchen

Eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) kann unangenehme und auch gefährliche Folgen haben. Teste dein Wissen über HPV – wie kannst du dich vor einer Ansteckung schützen?

Vorsorge: Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs

In Deutschland führen Frauenärzte bei Frauen ab dem Alter von 20 Jahren einmal jährlich kostenlos eine Krebsvorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs durch. Wichtigste Untersuchung ist der sogenannte "Pap-Test". Es handelt sich dabei um einen Zellabstrich vom Gebärmutterhals. Bei der Untersuchung des Abstrichs im Labor werden durch die Papillomviren verursachte Veränderungen in den menschlichen Zellen nachgewiesen.

Der Pap-Test kann fünf verschiedene Befunde ergeben:

• PAP I: normale, gesunde Zellen

• Pap II: leichte Zellveränderungen, aber kein Verdacht auf Krebsvorstufen oder Krebs


• Pap III: unklarer Befund, dessen Ursache ohne weitere Untersuchungen nicht festgestellt werden kann

• Pap IV: Krebsvorstufen, Krebs im Frühstadium oder Krebs möglich; weitere Untersuchungen erforderlich

• Pap V: eine Krebsdiagnose ist sehr wahrscheinlich

Als weiterführende Untersuchung können Ärzte bei den betroffenen Frauen eine Scheidenspiegelung (Kolposkopie) vornehmen: Sie betrachten Scheide und Gebärmutterhals mit einer Art Vergrößerungsglas und können auch kleine Schleimhautveränderungen erkennen. Während der Scheidenspiegelung ist auch die Entnahme einer Gewebeprobe möglich, die dann im Labor auf das Vorhandensein von Krebs oder Krebsvorstufen untersucht wird.

HPV-Test: Wann ist er sinnvoll?

Der HPV-Test kann DNA (Erbmaterial) des HPV-Virus und dadurch eine Infektion mit HPV nachweisen. Krebs oder Krebsvorstufen werden durch diesen Test aber nicht erkannt. Da junge Frauen häufig nur vorübergehend mit HPV infiziert sind, gilt die Durchführung eines HPV-Tests zur Krebsvorsorge bei Frauen unter 30 Jahren als nicht sinnvoll. Frauen ab 35 Jahren soll jedoch ab dem Jahr 2020 im Rahmen der Vorsorge alle drei Jahre eine Kombination aus Pap-Test und HPV-Test angeboten werden.

Die wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen für Frauen

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei HPV-Infektionen?

Die HPV-Infektion selbst kann nicht behandelt werden, jedoch die durch die Viren verursachten Krankheitsbilder. Für Haut- und Feigwarzen stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung, etwa die Anwendung spezieller Wirkstoffe oder die operative Entfernung. Bei Feigwarzen ist es wichtig, dass sich auch die Sexualpartner der Betroffenen untersuchen und gegebenenfalls therapieren lassen.

Die Behandlung von durch HPV verursachten Krebserkrankungen hängt von der Krebsart und dem Schweregrad ab. Zum Einsatz kommen Strahlentherapien, Chemotherapien oder operative Therapien. Krebsvorstufen am Gebärmutterhals werden in der Regel durch eine sogenannte Konisation (kegelförmiges Ausschneiden des betroffenen Bereichs am Gebärmutterhals) entfernt.

Welche Heilungschancen haben durch HPV verursachte Krankheiten?

Genitalwarzen sind in der Regel gut behandelbar. Allerdings kommt es bei vielen Betroffenen nach einigen Monaten zu einem erneuten Auftreten der Warzen, da die HPV-Infektion selbst durch die Therapie nicht beseitigt wird. Deshalb sind auch nach Abschluss einer Therapie regelmäßige Nachkontrollen sinnvoll. Durch HPV verursachte Hautwarzen verschwinden oft von selbst. Um eine Übertragung auf weitere Personen zu vermeiden, ist eine Therapie trotzdem empfehlenswert.

Die Prognose von durch HPV hervorgerufenen Krebserkrankungen ist abhängig von der Art des Tumors und dem Stadium, in dem dieser diagnostiziert wird. Generell gilt, dass in einem früheren Stadium entdeckte Krebserkrankungen eine bessere Aussicht auf Heilung haben.

HPV-Impfung kann vor Infektionen schützen

Die HPV-Impfung beugt einer Infektion mit den gefährlichsten HPV-Typen vor und senkt damit das Risiko für durch HPV verursachte Krebserkrankungen. Die derzeit in Deutschland erhältlichen Impfstoffe gelten als sicher und weisen nur eine geringe Nebenwirkungsrate auf. Am häufigsten kommt es wie bei anderen Impfungen zu Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Fieber und Übelkeit.

Die Impfung sollte möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr stattfinden. Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie für Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren. Um einen ausreichenden Schutz gegen die Viren aufzubauen, sind zwei Impfungen im Abstand von fünf Monaten notwendig. Wurde die Impfung in diesem Alter nicht durchgeführt, soll sie bis zu einem Alter von 17 Jahren nachgeholt werden. Ab dem 15. Lebensjahr sind drei Impfdosen für einen ausreichenden Impfschutz erforderlich.  

Wie lange der durch eine Impfung erworbene Schutz gegen HPV anhält, ist noch nicht bekannt. Bisherige Daten weisen auf einen langfristigen Impfschutz hin. Geimpfte Frauen sollten weiterhin regelmäßig Krebsvorsorgeuntersuchungen durchführen lassen. Zwar lässt sich durch die Impfung das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, deutlich senken – einen hundertprozentigen Schutz gibt es allerdings nicht.

Die wichtigsten Impfungen
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