Ratgeber Pharmazie und Gesundheit

Erstversorgung offener Wunden

Ein Unfall, der zu kleinen oder großen offenen Wunden führt, kann jederzeit passieren: zuhause und unterwegs. Die schnelle und richtige Erstversorgung entscheidet über den Verlauf der Wundheilung, das Risiko von Infektionen und vieles mehr. Während kleine Schürf- und Schnittwunden sich meist problemlos selbst versorgen lassen, gehören Biss-, Platz-, Quetsch- und Risswunden in der Regel in ärztliche Behandlung.

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Bei kleinen offenen Wunden reicht meist ein Pflaster.
Getty Images/iStockphoto

Ein Unfall, der zu einer kleinen oder großen offenen Wunde führt, kann jederzeit passieren: zuhause und unterwegs. Die schnelle und richtige Erstversorgung entscheidet über den Verlauf der Wundheilung, das Risiko von Infektionen und vieles mehr. Während kleine Schürf- und Schnittwunden sich meist problemlos selbst versorgen lassen, gehören Biss-, Platz-, Quetsch- und Risswunden in der Regel in ärztliche Behandlung.

Schürfwunden:

Sie entstehen, wenn unbekleidete Haut auf unregelmäßigen Oberflächen "entlangschlittert", zum Beispiel beim Ausrutschen auf Asphalt. Die meist großflächigen, unregelmäßig begrenzten Verletzungen betreffen überwiegend die oberste Hautschicht (Epidermis). An deren zahlreichen kleinen Blutgefäßen tritt das Blut punktförmig aus. Schürfwunden sind üblicherweise äußerst schmerzhaft und - je nach Quelle der Verletzung - häufig durch Sand, Steinchen oder andere Fremdkörper verunreinigt.

Schnittwunden:

Der Einfluss scharfkantiger Gegenstände (z. B. Messer, Glasscherbe) führt zu stark blutenden Wunden mit glatten Wundrändern. In Abhängigkeit von der Tiefe (können bis zum Knochen reichen) klaffen diese mehr oder weniger stark auseinander. Sind gleichzeitig Sehnen oder Nerven durchtrennt, treten Missempfindungen, Einschränkungen der Beweglichkeit oder sogar Lähmungen auf. Die Gefahr einer Infektion ist eher gering, weil die Blutung die Wunde "reinigt".

Bisswunden:

Ihr Erscheinungsbild ist sehr unterschiedlich und von der Größe und Form des Gebisses des Übeltäters (meist ein Hund, eine Katze oder ein kleines Haustier) abhängig. Die Stärke der Blutung wird im Wesentlichen von der Tiefe und dem Ort der Bisswunde bestimmt. Da sich im Speichel und an den Zähnen von Tieren zahlreiche Keime befinden, besteht ein hohes Infektionsrisiko.

Platzwunden:

Sie entstehen durch den Einfluss stumpfer Gewalt an Stellen, an denen sich zwischen Haut und Knochen keine "polsternden" Weichteile befinden: beispielsweise am Kopf oder Schienbein. Das Zerplatzen von Hautgewebe und Blutgefäßen führt zu unregelmäßigen, teilweise regelrecht zerfetzten Wundrändern, die - weil von Blut unterlaufen - meist bläulich aussehen.>

Quetschwunden:

Ähnlich wie Platzwunden sind sie eine Folge von stumpfer Gewalt, allerdings wird weiches Gewebe zusammengepresst. Dabei werden auch Blutgefäße in Mitleidenschaft gezogen, wodurch Blutergüsse auftreten. Quetschwunden sind in der Regel unscharf begrenzt.

Risswunden:

Durch Überdehnen der Haut unter Einfluss von spitzen Gegenständen reißt die Haut, manchmal auch das unmittelbar darunterliegende Gewebe. Die Wundränder sind unregelmäßig. Platz-, Quetsch- und Risswunden sind - bedingt durch ihre Entstehung - meist verschmutzt.

Hilfe aus der Apotheke

Die Auswahl an Desinfektionsmitteln, Pflastern und anderem Verbandmaterial ist riesig. Bagatellverletzungen, zum Beispiel eine kleine Schnittwunde am Finger, können problemlos mit einem herkömmlichen Wundpflaster versorgt werden: egal, ob zum Zurechtschneiden oder in Form einzeln verpackter Strips. Menschen mit sensibler Haut sollten hypoallergene Produkte bevorzugen. Besonders gut geeignet für nässende Verletzungen sind feuchte Wundauflagen (z. B. Hydrokolloide, Hydrogele). Sie vermeiden eine Krustenbildung (Schorf), fördern den Heilungsprozess und lassen sich schmerzlos wechseln. Zusätzlich gibt es mit Silber beschichtete Pflaster. Diese verkleben ebenfalls nicht mit der Wunde; außerdem wirken sie Bakterien entgegen. Größere Verletzungen lassen sich mit Kompressen (auch mit Silberbeschichtung erhältlich) abdecken, die mit einer Mullbinde oder einem Rollenpflaster befestigt werden. Für eine Verletzung im Gesicht (z.B. beim Rasieren) empfehlen sich kleine, durchsichtige Pflaster oder flüssige Pflaster, die auf die Haut aufgepinselt werden. Flüssigpflaster zum Sprühen sind für Schürfwunden geeignet.

Wann zum Arzt?

Grundsätzlich zum Arzt gehören Biss-, Platz-, Quetsch- und Risswunden. Es besteht erstens Infektionsgefahr und zweitens kann das tatsächliche Ausmaß einer solchen Verletzung nur ein Arzt beurteilen. Möglicherweise muss diese chirurgisch versorgt werden (z. B. Wundränder glätten, Wunde nähen oder klammern), damit diese schneller heilt und/oder keine unschönen Narben hinterlässt. Auch bei größeren Schürf- und Schnittwunden sollte ein Arztbesuch erfolgen.

Erste Hilfe bei kleinen Schürf- und Schnittwunden

  • Eventuell eingedrungene Fremdkörper (z. B. Glasscherbe, Splitter, Steinchen) entfernen, gegebenenfalls mit einer Pinzette oder einem Mulltupfer.
  • Reinigen der Wunde durch Spülen unter fließen­dem, kaltem Wasser, ohne mit dem Wasserstrahl Druck auf die Wunde auszuüben.
  • Desinfizieren der Hautbereiche, die die Wundränder umgeben. Vorsicht gilt bei der Anwendung von Desinfektionsmitteln direkt auf der Wunde, da einige von ihnen die Wundheilung behindern können.
  • Gegebenenfalls erneut prüfen, ob sich noch Fremd­körper in der Wunde befinden und diese - falls erforderlich - entfernen.
  • Anbringen eines Wundschutzes.

Wissenswertes

Zeichen für eine Wund­infektion (Arztbesuch!) sind Rötung, Überwärmung, Schwellung, pochende Schmerzen und/oder eitriges Sekret.

Wichtig: Tetanus-Impfschutz

Jede Wunde, und wenn sie noch so klein ist, erleichtert Krankheits­erregern das Eindringenin den Körper. Lebensgefährlich sind Tetanusbakterien, die unter anderem in Erde und Straßenschmutz leben und den häufig tödlich verlaufenden Wundstarrkrampf (Tetanus) auslösen. Bei dieser schweren Erkrankung des Nervensystems erstarrt die gesamte Muskulatur krampfartig; die Patienten können nicht mehr sprechen und letztendlich nicht mehr atmen. Die Tetanusimpfung erfolgt bereits im Säuglingsalter. Sie muss regelmäßig aufgefrischt werden; bei Erwachsenen alle zehn Jahre.

So ist es richtig!

Wunden, die ein Arzt versorgen muss, dürfen nicht berührt, nicht ausgewaschen und nicht von eingedrungenen Fremdkörpern befreit werden. Dadurch wird vermieden, dass die betroffene Stelle zusätzlich infiziert oder noch weiter verletzt wird. Erste-Hilfe-Maßnahmen bestehen lediglich im Ruhigstellen des verwundeten Körperteils und dem Anlegen eines sterilen Verbandes. Der Verletzte sollte sich außerdem hinlegen oder hinsetzen, da die Gefahr besteht, dass ihm übel oder schwindelig wird.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. Dezember 2013

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