Vorteile und Nebenwirkungen der Hormonspirale

Das von der Hormonspirale freigesetzte Hormon Levonorgestrel wirkt vorwiegend lokal in der Gebärmutter und lässt dadurch den natürlichen Hormonzyklus im Körper nahezu unbeeinflusst. Die Spirale verursacht so wenig Nebenwirkungen und ist gut verträglich.

Paar beim gesunden Frühstück
Die lokale Wirkung des Hormons senkt das Risiko für Nebenwirkungen.
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Die Hormonspirale verhütet, wie die Pille auch, eine Schwangerschaft auf hormonellem Weg. Im Gegensatz zur Pille wirkt das von ihr freigesetzte Gestagen Levonorgestrel jedoch vorwiegend lokal in der Gebärmutter. Ins Blut gelangt es nur in geringen Mengen, sodass eine Wirkung durch Levonorgestrel außerhalb der Gebärmutter kaum auftritt.

Das Risiko für Nebenwirkungen im Vergleich zu anderen hormonellen Methoden, deren Wirkstoffe über den Blutkreislauf in stärkerem Maße in den gesamten Körper gelangen, sinkt. Da das Hormon der Hormonspirale Levonorgestrel außerdem kontinuierlich in geringen Mengen freigesetzt wird, werden Schwankungen der Hormonkonzentration im Blut vermieden, wie sie bei der Einnahme der Pille vorkommen. Stattdessen reichern sich bei der Hormonspirale die erforderlichen Mengen des Gestagens in der Gebärmutterschleimhaut an und sorgen dort für die empfängnisverhütende Wirkung.

Der Monatszyklus bleibt unbeeinflusst

Durch die vorwiegend „lokale“ Wirkung der Hormonspirale in der Gebärmutter bleiben der Monatszyklus und der Eisprung in den meisten Fällen unbeeinflusst. Daher ist die Fruchtbarkeit nicht beeinträchtigt. Schon im ersten Zyklus nach dem Entfernen der Hormonspirale kann wieder eine Schwangerschaft eintreten. Untersuchungen zeigen, dass etwa 80 Prozent der Frauen mit Kinderwunsch innerhalb von zwölf Monaten nach Entfernung der Hormonspirale schwanger werden. Das entspricht der Schwangerschaftsrate von Frauen, die nicht verhüten.

Hormonelle Verhütungsmethoden hingegen, die im ganzen Körper wirken, wie die Pille oder der Hormonring, hemmen den Eisprung. Nach deren Absetzen kann es deshalb bei manchen Frauen einige Monate dauern, bis sich der Monatszyklus wieder normalisiert und eine Schwangerschaft möglich wird.

Die Regelblutung wird schwächer

Ein weiterer Vorteil der lokalen Wirkung der Hormonspirale besteht darin, dass sie bei den meisten Anwenderinnen die Intensität und Dauer der Regelblutung verringert. Das freigesetzte Levonorgestrel verhindert, dass sich die Gebärmutterschleimhaut im Monatszyklus aufbaut. Dadurch nehmen die Blutmenge und die Menge der während der Blutung abzustoßenden Schleimhautreste oft deutlich ab. Das sorgt für weniger schmerzhafte, beschwerdefreiere Blutungen.

Nach einem Jahr der Anwendung haben die meisten Frauen eine Menstruation, die nur noch wenige Tage anhält. Bei einigen Frauen bleiben die Blutungen sogar ganz aus. Aus medizinischer Sicht ist dies unbedenklich und hat keinen Einfluss auf den Eintritt einer Schwangerschaft nach dem Entfernen der Hormonspirale.

Kein erhöhtes Krebsrisiko

"Erhöht die Hormonspirale das Risiko, an Krebs zu erkranken?" Diese Frage wird von den Anwenderinnen dieser Verhütungsmethode häufig gestellt. Jedoch genau das Gegenteil ist der Fall, zumindest in Bezug auf Endometriums- und Gebärmutterhalskrebs. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Spirale allgemein das Risiko für diese Krebserkrankungen deutlich reduzieren kann.

Mediziner vermuten, dass der "Fremdkörper" Spirale in der Gebärmutterschleimhaut das Immunsystem stimuliert. Ein weiterer Erklärungsversuch beruht darauf, dass die Spirale einer Verdickung der Gebärmutterschleimhaut entgegenwirkt. Sie gilt als Risikofaktor für die Entstehung von Endometriumskrebs.

Bei Anwendung der Hormonspirale besteht allerdings ein etwas erhöhtes Risiko für die Ausbildung gutartiger Zysten in den Eierstöcken. Dabei handelt es sich um flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die in den meisten Fällen harmlos sind. Jeden Monat bilden sich in den Eierstöcken natürlicherweise Follikelzysten um heranreifende Eizellen, die wieder verschwinden, wenn keine Befruchtung stattgefunden hat. Auch ohne Hormonspirale bleiben sie in seltenen Fällen bestehen, wachsen und verursachen dann Beschwerden. Das kann auch nach Einlage der Hormonspirale passieren, da sie den Eisprung nicht unterdrückt.

Welche Nebenwirkungen Sie erwarten können

Die Spirale hat mögliche Nebenwirkungen. Dies können beispielsweise Schmier- und Zwischenblutungen sein, die vorwiegend in den ersten drei Monaten auftreten. Sie klingen in der Regel nach der ersten Zeit wieder ab. Meist reichen leichte Slipeinlagen aus, um sie aufzufangen.

Auch Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Spannungen in der Brust, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Übelkeit und Wassereinlagerungen (Ödeme) können vorübergehend vorkommen. Diese Spirale-Nebenwirkungen betreffen während der Eingewöhnungsphase etwa ein bis drei Prozent der Anwenderinnen, danach oft nur weniger als ein Prozent von ihnen. Lediglich Bauchschmerzen sind zumindest am Anfang etwas häufiger. Unmittelbar nach dem Einlegen der Hormonspirale verspüren viele Frauen ein Ziehen im Unterleib, das mit Regelschmerzen vergleichbar ist.

Einige Frauen berichten auch von Akne oder Unreinheiten der Haut nach dem Einsetzen der Hormonspirale. Diese können durch die Wirkung des Gestagens Levonorgestrel hervorgerufen werden. Allerdings kann es auch sein, dass nach dem Einsetzen der Hormonspirale lediglich das normale Hautbild wieder zutage tritt. Oftmals steigen Frauen bei der Schwangerschaftsverhütung direkt von der Pille auf die Hormonspirale um. Viele Pillen enthalten Östrogene und Gestagene, die eine Verbesserung des Hautbilds bewirken. Nach dem Absetzen einer solchen Pille fällt der Schutz vor Hautunreinheiten und Akne praktisch weg. Frauen könnten auch daher den Eindruck gewinnen, ihr Hautbild verschlechtere sich.

Hormonspirale erhöht Infektionsrisiko nicht

Oftmals wird die Befürchtung geäußert, die Spirale hat Nebenwirkungen wie ein erhöhtes Infektionsrisiko. Doch nicht die Spirale selbst verursacht Infektionen, eine Ansteckung erfolgt vielmehr zum Beispiel durch Geschlechtsverkehr. Das Infektionsrisiko ist bei der Hormonspirale deutlich geringer als bei der Kupferspirale. Es wird sogar vermutet, dass die Hormonspirale indirekt vor einer Infektion schützt: Durch die Verdickung des Schleimpfropfens im Gebärmutterhals können nicht nur die Spermien schlechter in die Gebärmutter gelangen, sondern auch Krankheitserreger.

Infektionen im Zusammenhang mit der Hormonspirale treten zumeist in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Einlage auf, in der Regel  innerhalb der ersten Tage und Wochen. Sie lassen sich mit Medikamenten (Antibiotika) wirksam behandelt. In vielen Fällen kann die Hormonspirale dann liegen bleiben. Zeigt sich trotz Therapie keine rasche Besserung, ist eine Entfernung der Hormonspirale notwendig.

Zyklusbedingte Stimmungsschwankungen und PMS

Da die Hormonspirale den normalen Monatszyklus kaum beeinflusst, bleiben hormonell bedingte Stimmungsschwankungen innerhalb des Zyklus erhalten. Nur in seltenen Fällen sind depressive Verstimmungen oder unkontrollierte Gefühlsausbrüche eine Auswirkung der Hormonspirale.

Vor allem bei Frauen, die bereits vorher unter zyklusbedingten Stimmungsschwankungen gelitten haben, wird sich durch das Einlegen der Hormonspirale diesbezüglich kaum etwas ändern.

Bei welchen Nebenwirkungen zum Arzt?

In den meisten Fällen sind bei der Spirale die Nebenwirkungen auf die Eingewöhnungsphase beschränkt. Bei länger anhaltenden oder mehr als leichten Beschwerden ist es jedoch sinnvoll, den Frauenarzt aufzusuchen, um die Ursache abklären zu lassen.

Grund für einen Arztbesuch sollten beispielsweise ein anhaltendes Ziehen im Unterleib, anhaltende oder stärker werdende Rückenschmerzen oder unerwartet starke Zwischenblutungen sein, die auch nach einem halben Jahr wiederholt auftreten. Scheuen Sie sich nicht, Ihren Gynäkologen zu kontaktieren, wenn Sie sich bei bestimmten Beschwerden unsicher sind. Er kann klären, ob dabei tatsächlich die Spirale die Nebenwirkungen hervorruft oder ob sich eine andere Ursache dahinter verbirgt.

Die Vorteile der Hormonspirale

 

Autor:
Letzte Aktualisierung: 08. Februar 2017
Durch: es
Quellen: Nach Informationen von „Mirena ®. Intrauterinpessar mit Hormonabgabe“, Hrsg. Rote Liste Service GmbH (Stand: Januar 2009); Leitlinie „Empfängnisverhütung. Familienplanung in Deutschland“, AWMF 015/015 (S1), Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Deutsche Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin, Berufsverband der Frauenärzte (Stand: August 2008); Raudaskoski, T. et al.: Intrauterine 10μg and 20μg levonorgestrel systems in postmenopausal women receiving oral oestrogen replacement therapy: clinical, endometrial and metabolic response. BJOG 2002, 109(2):136-144; Andersson K. et al.: Levonorgestrel-releasing and copper-releasing (Nova T) IUDs during five years of use: a randomised comparative trial. Contraception 1994, 49:56-72

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