Mastektomie

Beide Brüste amputieren lassen

Angelina Jolie schockt mit Nachricht von radikaler Brustkrebs-Vorsorge

Beide Brüste amputieren
Frauen, die wie Angelina Jolie ein Brustkrebs-Gen in sich tragen, sollten selbst über geeignete Vorsorgemethoden entscheiden.
(c) Getty Images/iStockphoto

Manche Frauen, bei denen Brustkrebsgene nachgewiesen wurden, lassen sich die Brüste entfernen – wie Angelina Jolie und Sharon Osbourne. Lifeline fragte eine Expertin, wie sinnvoll diese extreme Form der Krebs-Prävention ist.

Angelina Jolie hat mit der Nachricht von ihrer beidseitigen Mastektomie für Aufsehen gesorgt. Aus Furcht vor erblich bedingtem Brustkrebs ließ sich der 37 Jahre alte Hollywood-Star beide Brüste operativ entfernen. Jolie begründete diese extreme Entscheidung in einem Beitrag für die "New York Times". Demnach habe ihr Brustkrebsrisiko nach Einschätzung ihrer Ärzte 87 Prozent betragen, das Risiko für Eierstockkrebs 50 Prozent. Untersuchungen hatten ergeben, dass die Lebensgefährtin und Kollegin von Brad Pitt ein fehlerhaftes Brustkrebs-Gen BRCA1 in sich trägt.

Vergangenes Jahr entschied sich auch Sharon Osbourne, die Frau des Kultrockers Ozzy Osbourne, zu diesem radikalen Schritt: Sie ließ sich in einer 12-stündigen Operation beide Brüste abnehmen und wieder aufbauen.  Die Amerikanerin war bereits vor zehn Jahren an Darmkrebs erkrankt, gilt zwar als geheilt, doch Tests zeigten, dass sie genau wie Angelina Jolie ein mutiertes Gen in sich trägt. Mit der Amputation wollte sie sicher gehen, keinen Brustkrebs zu bekommen.

Doch ist die doppelseitige Mastektomie – so der medizinische Fachbegriff – eine echte Versicherung, keinen Brustkrebs zu entwickeln? „Leider nicht“, sagt Nina Ditsch, Oberärztin an der Uniklinik München Großhadern und Leiterin der Sprechstunde für familiären Brust- und Eierstockkrebs. „95 bis 98 Prozent der Erkrankungen können dadurch verhindert werden", erklärt die Expertin - "ein Restrisiko bleibt jedoch.“

Doppelseitige Mastektomie - eine Entscheidung der Frau

In Deutschland gehen Mediziner mit dieser radikalen Maßnahme etwas vorsichtiger um als in den USA, wo Experten schneller für diesen Eingriff plädieren. „Wir klären die Patientinnen aber selbstverständlich darüber auf, beraten auch über Maßnahmen zum Wiederaufbau der Brüste“, erklärt Oberärztin Ditsch. Die doppelseitige Mastektomie ist darüber hinaus inzwischen ein Routineeingriff. Letztendlich liegt es dann an der Frau, ob sie sich dafür entschließt oder nicht.

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Angenommen, ein Gentest ergibt in Ihrem Fall ein stark erhöhtes Brustkrebs-Risiko: Würden Sie sich wie Angelina Jolie von ihren natürlichen Brüsten trennen, um dem Tumor vorzubeugen?

Zusammenhang zwischen Eierstöcken und erblichem Brustkrebs

Betroffenen Frauen, die eines der beiden Brustkrebsgene BRCA 1 oder BRCA 2 aufweisen, empfehlen Experten in Deutschland zuerst noch einen anderen Weg: „Ist die familiär belastete Patientin über 40 Jahre alt, raten wir zu einer Entfernung der Eierstöcke und Eileiter“, sagt Dr. Ditsch. Diese Adnexektomie senkt das Risiko, erblichen Brustkrebs zu bekommen, um mindestens 50 Prozent. Denn diese Form von Brustkrebs steht im engen Zusammenhang mit der Funktion der Eierstöcke.

Engmaschige Vorsorgemaßnahmen bei Patientinnen mit Brutkrebsgenen

Allen Frauen mit Nachweis einer BRCA1- oder BRCA2-Mutation werden im Rahmen des „Deutschen Konsortiums für erblichen Brust- und Eierstockkrebs" regelmäßige Früherkennungsmaßnahmen - Ultraschall, Mammographie und Kernspintomographie - angeboten. Vor allem junge Frauen profitieren von der zusätzlichen Kernspintomographie, deren Kosten in diesem Fall von der Krankenkasse übernommen werden.

Bluttest deckt Brustkrebsgene auf

Ist oder war eine sehr junge oder mehrere Blutsverwandte betroffen, besteht das Risiko für familiären Brust- bzw. Eierstockkrebs. „Inzwischen gehen wir davon aus, dass es sich bei 20 Prozent aller Brustkrebsfälle um familiären handelt“, sagt die Gynäkologin. Noch vor wenigen Jahren wusste man nur von zehn Prozent. Das Ansteigen liegt daran, dass heute Ärzte genauer nach dem familiären Hintergrund fragen, und dass sich mittlerweile mehr als die zwei Hauptbrustkrebsgene (BRCA 1 und BRCA 2) in einem Bluttest nachweisen lassen. BRCA 1 ist mit einem Brustkrebsrisiko von etwa 85 Prozent verbunden, BRCA 2 mit etwa 40 bis 60 Prozent. Erst vor kurzem haben Forscher der Ludwigs-Maximilians-Universität zwei weitere entdecken können im Team von Professor Alfons Meindl von der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar.

Bei familiär bedingtem Brustkrebs: von Spezialisten beraten lassen!

Frauen, bei denen in der Familie bereits ein oder mehrmals Brustkrebs aufgetreten ist, sollten sich deshalb am besten in einem der 15 spezialisierten Zentren des Deutschen Konsortiums für erblichen Brust- und Eierstockkrebs, die es in Deutschland gibt, in einer Spezialsprechstunde beraten lassen und die empfohlenen Vorsorgemaßnahmen durchführen. Die Adressen gibt es über die Website des BRCA-Netzwerkes der Deutschen Krebsgesellschaft.

Denn eines gilt auch für familiär bedingten Brustkrebs: Je früher er erkannt wird, desto präziser sind die Therapien – und höher die Heilungschancen.

Autor: Monika Preuk / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 14. Mai 2013

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