Vor- und Nachteile der Langzeitverhütung

Die Sterilisation bei Frauen

Viele Frauen, die keine Kinder mehr haben möchten, denken über eine Sterilisation nach. Dabei werden die Eileiter verschlossen oder durchtrennt, weshalb die Frau dauerhaft unfruchtbar wird. Wer eine Sterilisation in Erwägung zieht, sollte sich deshalb für die Entscheidung ausreichend Zeit nehmen und alle Vor- und Nachteile abwägen.

Älteres Paar, das freudig in die gemeinsame Zukunft blickt
Eine Sterilisation kann für Frauen eine geeignete Verhütungsmethode sein, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist.
© iStock.com/Yuri_Arcurs

Eine Sterilisation hat den Vorteil, dass sie viel Unabhängigkeit schafft und vielen Frauen zu einem unbeschwerteren Sexualleben verhilft. Auch hat der Eingriff in der Regel keine Auswirkungen auf die Funktion der Eierstöcke. Damit bleibt der Hormonhaushalt nach dem Eingriff normalerweise unverändert.

Sterilisierte Frauen haben somit weiterhin wie gewohnt einen Eisprung und die Eizelle gelangt auch in den Eileiter. Dort kommt sie jedoch nicht weiter als bis zur verschlossenen Stelle, wo sie schließlich unbefruchtet von der Schleimhaut aufgenommen und auf natürlichem Wege abgebaut wird. Ebenfalls baut sich die Schleimhaut der Gebärmutter auf und wird mit der Monatsblutung auch bei sterilisierten Frauen wieder aus dem Körper geleitet. Der Zeitpunkt des Eintritts der Wechseljahre sowie das sexuelle Empfinden unterliegen durch eine Sterilisation im Normalfall ebenfalls keinen Veränderungen.

Artikelinhalte auf einen Blick:

Vorteile einer Sterilisation:

  • Die Sterilisation gilt als sehr sichere Verhütungsmethode.
  • Eine Sterilisation verschafft hohe Unabhängigkeit, denn im Alltag muss nicht mehr über Verhütung nachgedacht werden.
  • Viele sterilisierte Frauen können ein unbeschwerteres Sexualleben als vor dem Eingriff genießen.
  • Die Verhütungsmethode hat normalerweise keinen Einfluss auf den Hormonhaushalt.
  • Eine Sterilisation erfordert nur einen einmaligen Eingriff.
  • Es sind keine Folgekosten nach der Operation zu erwarten.
  • Nur selten treten Komplikationen oder Nebenwirkungen auf.

Nachteile einer Sterilisation:

  • Eine Sterilisation gilt zwar als sehr sicher, bietet aber trotzdem keinen absoluten Schutz.
  • Eine Sterilisation kann, wenn überhaupt, nur sehr aufwendig und schwer rückgängig gemacht werden. Bei einer Sterilisation sollte deshalb mit einer andauernden Unfruchtbarkeit gerechnet werden.
  • Möglich sind seelische Belastungen auf Grund der Unfruchtbarkeit. Einige Frauen fühlen sich nach dem Eingriff nicht mehr wie eine "richtige Frau".
  • Es bestehen, wie auch bei anderen Operationen im Bauchraum, allgemeine Operationsrisiken.
  • Sehr selten sind Störungen der Hormonproduktion und damit vereinzelt ein vorzeitiger Beginn der Wechseljahre möglich.
  • Eine Sterilisation bietet keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
Kennen Sie diese Mythen übers Verhüten?

Mögliche Komplikationen einer Sterilisation

  • Hormonveränderungen: Obwohl eine Sterilisation normalerweise keinen Einfluss auf den weiblichen Hormonhaushalt hat, berichten Frauen nach dem Eingriff vereinzelt von Hormonveränderungen und damit einhergehenden Symptomen in Bezug auf ihre Sexualität, etwa Unregelmäßigkeiten im Zyklus. Auch vorübergehende Beschwerden – wie sie typisch für die Wechseljahre sind – oder sogar ein vorzeitiger Eintritt der Wechseljahre können nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Als Ursache für die Störungen in der Hormonproduktion wird eine verminderte Durchblutung der Eierstöcke vermutet, da je nach Operationsverfahren umliegende Blutgefäße in Mitleidenschaft gezogen werden können. Das veränderte Empfinden des eigenen Hormonhaushaltes ist in einigen Fällen aber auch darauf zurückzuführen, dass viele der Frauen, die sich für eine dauerhafte Unfruchtbarkeit entscheiden, zuvor mit der Antibabypille verhütet haben. So werden temporär auftretende, hormonelle Veränderungen teilweise fälschlicherweise mit der Sterilisation in Verbindung gebracht, die eigentlich durch das Absetzen der Pille hervorgerufen werden.

  • Psychologische Folgen: Auch das Wissen, nicht mehr schwanger werden zu können, kann Veränderungen im sexuellen Empfinden und im allgemeinen Wohlbefinden in Bezug auf die eigene Sexualität sich bringen. Es ist eine denkbare psychologische Folge, dass Frauen, die keine Kinder mehr bekommen können, sich vereinzelt nicht mehr wie eine "richtige Frau" fühlen.

  • Komplikationen bei der Operation: Wie jeder operative Eingriff im Bauchraum, kann auch eine Sterilisation zu typischen Komplikationen führen. Dazu zählen: Verletzungen nebenliegender Blutgefäße oder benachbarter Organe sowie Entzündungen und Störungen der Wundheilung. Ebenfalls bestehen die gängigen Risiken einer Narkose, falls eine solche beim gewählten Verfahren notwendig ist. 

  • Falsche Einnistung der Eizelle: Bei sterilisierten Frauen erhöht sich die Gefahr für eine Bauchhöhlen- oder Eileiterschwangerschaft, die beide ernsthafte gesundheitliche Folgen nach sich ziehen können.

Alternativen zur Pille im Überblick

 

Wie sicher ist eine Sterilisation?

Anders als allgemein angenommen, besteht bei sterilisierten Frauen ein geringes Restrisiko, trotzdem schwanger zu werden. Wie sicher eine Sterilisation ist, hängt sowohl von der gewählten Operationsmethode, als auch vom chirurgischen Können ab. Das Verschließen der Eileiter mit Clips gilt als die unzuverlässigste Methode. Beim Durchtrennen und Veröden der Eileiter ist die Versagerrate geringer.

Die Sterilisation bei Frauen wird mit einem Pearl Index von 0,2 – 0,3 beziffert. Das bedeutet, dass von 1.000 sterilisierten Frauen innerhalb eines Jahres zwei bis drei Frauen trotzdem schwanger werden.

Auch sollte eine bestehende Schwangerschaft zum Zeitpunkt des Eingriffs ausgeschlossen werden. Daher wird empfohlen, die Operation in der ersten Hälfte des Zyklus, also vor dem nächsten Eisprung, durchzuführen.

Wer trägt die Kosten für eine Sterilisation?

Je nach Operationsmethode schwanken die Kosten für eine Sterilisation zwischen 600 und 1.000 Euro. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist nur in sehr seltenen Fällen möglich. In der Regel wird eine Erstattung der Kosten durch die Krankenkasse nur dann geleistet, wenn eine medizinische Indikation besteht und andere Verhütungsalternativen, wie beispielsweise die Pille oder Spirale, aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage kommen. Sprechen sie bezüglich der Kostenübernahme mit Ihrem Arzt und Ihrer Krankenkasse. 

  • Zum Ratgeber Hormonspirale

    Einfach nicht täglich an das Thema Verhütung denken müssen – immer mehr Frauen suchen nach einer Alternative zur Anti-Baby-Pille. Die Hormonspirale ist sicher, gut verträglich und bietet zuverlässigen Empfängnisschutz über bis zu fünf Jahre. Ohne Östrogen.

Sterilisationsverfahren im Überblick

Es gibt drei verschiedene Sterilisationsverfahren für Frauen. Alle haben zur Folge, dass die Durchlässigkeit der Eileiter unterbrochen wird und eine Befruchtung nicht mehr möglich ist. 

1. Laparoskopie: Sterilisation mittels Bauchspiegelung

Die gängigste Sterilisationsmethode wird mittels einer Bauchspiegelung (laparoskopisches Verfahren) durchgeführt. Durch einen kleinen Schnitt nahe des Bauchnabels wird dabei ein Zugang zum Bauchraum geschaffen. Eine kleine Kamera wird durch einen dünnen Schlauch bis zu den Eileitern geschleust. So kann der Operateur die Eileiter auf einem Monitor sehen. Gängig sind drei Vorgänge, um die Eileiter zu verschließen:

  • Circa 2,5 cm der Eileiter werden durch die Einwirkung von Strom (Elektrokoagulation) verödet.
  • Die Eileiter werden durchtrennt und die abgeschnittenen Enden abgebunden (Tubenligatur). 
  • Die Eileiter werden mechanisch abgeklemmt, beispielsweise mit Klammern aus Metall oder Kunststoffbändern. 

Eine Laparoskopie wird bei lokaler Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt und dauert ungefähr eine halbe bis ganze Stunde. Die betroffene Frau kann in der Regel noch am Tag der Operation nach Hause.

Alternative zur Sterilisation: Hormonspirale

2. Hysteroskopie: Die Sterilisation ohne Schnitt

Ein schnittloses Verfahren ist mit der sogenannten "Essure-Methode" möglich. Anstelle einer Bauchspiegelung wird "von unten" eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) durchgeführt. Das Operationsinstrument wird dabei von der Scheide bis in die Eileiter geschoben. Dort werden Spiralen aus Kunststoff oder Metall eingesetzt. Wo die Spiralen platziert werden, wird das Gewebe gereizt und es entsteht nach und nach Narbengewebe. Dadurch werden die Eileiter undurchlässig und ein Zusammenkommen von Spermien und Eizelle ist nicht mehr möglich.

Bei dieser Methode ist – wie auch bei der Laparoskopie – kein anschließender stationärer Aufenthalt erforderlich. Der Eingriff hat gegenüber der Laparoskopie jedoch den Vorteil, dass er ohne Vollnarkose durchgeführt werden kann. Neben der lokalen Betäubung wird oft zusätzlich ein Beruhigungsmittel verabreicht. Doch es gibt auch einen Nachteil: Der Erfolg der Operation muss nach drei Monaten mit Hilfe einer Röntgenuntersuchung überprüft werden. Bis dahin muss – anders als bei der Laparoskopie – ein zusätzliches Verhütungsmittel genutzt werden.

3. Minilaparotomie: Sterilisation zusammen mit einer anderen Operation

Ein weiteres Sterilisationsverfahren stellt die Minilaparotomie beziehungsweise Laparotomie dar. Sie wird in viel selteneren Fällen als die anderen Methoden durchgeführt – beispielsweise dann, wenn eine Sterilisation mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie) nicht wie gewünscht vollzogen werden konnte. Das kann bei ungewünschten Verwachsungen im Bauchraum oder einem sehr geringen Gewicht der Frau der Fall sein kann.

Auch ist dieses Operationsverfahren eventuell eine geeignete Option, wenn zeitnah bereits eine andere Operation in der selben Region ansteht. Es ist beispielsweise denkbar, dass sich eine schwangere Frau im Vorfeld für eine Entbindung mittels Kaiserschnitt entscheidet oder schon klar ist, dass ein solcher notwendig sein wird und die Patientin zudem bereits weiß, dass sie nach der Entbindung keine weiteren Kinder mehr bekommen möchte.

Bei allgemeiner oder örtlicher Betäubung werden bei einer (Mini-)Laparotonie mittels Bauchschnitt die Eileiter entweder verklebt oder mittels Bändern beziehungsweise Clips verschlossen. in einigen Fällen werden auch Teile der Eileiter entfernt. Diese Methode stellt einen massiveren Eingriff dar, weshalb sie auch eine längere Regenerationszeit mit einem stationären Aufenthalt von drei bis vier Tagen und stärkere Schmerzen nach sich zieht.

Tabellarische Übersicht: Sterilisationsverfahren

  Laparoskopie Hysteroskopie Minilaparotomie
Anwendungsfälle Die häufigste Sterilisationsmethode bei gesunden Frauen Bei gesunden Frauen, die bereit sind, ein bisschen mehr Geld zu investieren. Verwachsungen im Bauchraum; sehr geringes/hohes Körpergewicht; in Kombination mit einer anderen, zeitnah geplanten Bauchoperation
Invasivität des Eingriffs Geringe bis mittlere Invasivität: Bauchspiegelung Geringere Invasivität: Schnittlose Methode Höhere Invasivität: Bauchschnitt
Betäubung Lokale Betäubung oder Vollnarkose Lokale Betäubung (häufig zusätzliches Betäubungsmittel) Allgemeine oder örtliche Betäubung
Regenerationszeit Meist kein anschließender stationärer Aufenthalt notwendig Kein anschließender stationärer Aufenthalt notwendig Drei bis vier Tage stationärer Aufenthalt
Kosten 600 bis 100 Euro 1200 bis 1600 Euro Kostenübernahme häufig durch die Krankenkasse
  • zum Expertenrat Verhütung

    Wann wirkt die Pille, was tun, wenn das Kondom gerissen ist? Unsere Experten beantworten alle Fragen rund um Sex und Verhütung.

Kann eine Sterilisation rückgängig gemacht werden?

Eine Refertilisation, also die Wiederherstellung der Fruchtbarkeit, ist nach einer Sterilisation nur sehr schwer oder gar nicht möglich. Es kann zwar gelingen, die Eileiter wieder freizulegen, doch selbst, wenn dies der Fall ist, garantiert das noch nicht, dass die Frau wieder schwanger werden kann. Je nachdem, welches Operationsverfahren durchgeführt wurde, stehen die Chancen, erneut schwanger zu werden, bei 25 bis 80 Prozent. Ist es nicht möglich, die Fruchtbarkeit nach einer Sterilisation wieder herzustellen, kann alternativ eine künstliche Befruchtung in einigen Fällen zum Erfolg führen. 

Obwohl die Chancen für eine Wiederherstellung der Fruchtbarkeit in Abhängigkeit von der gewählten Operationsmethode gut liegen können, sollte dies bei der Entscheidungsfindung für oder gegen eine Sterilisation keine Rolle spielen. Nach jetzigem medizinischem Stand muss immer davon ausgegangen werden, dass der Eingriff einer Refertilisation die angestrebte Fruchtbarkeit möglicherweise nicht zurückbringen kann. Deshalb ist eine Sterilisation nur jenen Frauen zu empfehlen, die sich wirklich sicher sind, dass sie mit der Familienplanung abgeschlossen haben.

Eine Sterilisation sollte wohlüberlegt sein

Eine Sterilisation kann für eine Frau – in Abhängigkeit ihrer Lebensumstände – eine geeignete Verhütungsmethode sein. Sie erfordert jedoch einen operativen Eingriff, dessen Folgen gründlich überdacht werden müssen. Die Einstellung zur Familienplanung kann sich mit der Veränderung der eigenen Lebensumstände wandeln. Ein neuer Partner oder eine Scheidung können gute Gründe dafür sein, dass unerwartet doch noch ein (erneuter) Kinderwunsch geweckt wird. Daher ist eine Sterilisation ganz besonders in jungen Jahren nur nach reiflicher Überlegung zu empfehlen. Das Risiko, den Eingriff später einmal zu bereuen, ist umso höher, je jünger die betroffene Frau bei der Sterilisation ist. Vor allem einschneidende Ereignisse wie eine Fehlgeburt, ein Schwangerschaftsabbruch, eine schwere Geburt oder belastende Ereignisse in der Partnerschaft können schnell zu kurzfristigen Fehlentscheidungen führen. Schätzungsweise jede dritte Frau, die sich für den Weg der Sterilisation entscheidet, bereut ihre einstige Entscheidung im weiteren Verlauf ihres Lebens in irgendeiner Form. Bevor eine Sterilisation durchgeführt wird, sollte man sich absolut sicher sein, dass auch in späteren Lebensumständen kein Kinderwunsch bestehen wird.

Lebt eine Frau in einer festen Partnerschaft, sollten beide Partner abwägen, ob anstatt der Sterilisation der Frau eventuell auch eine Vasektomie, also eine Sterilisation des Mannes, bei der die beiden Samenleiter im Hodensack durchtrennt werden, in Frage kommen könnte. Obwohl eine Vasektomie einfacher durchzuführen ist, werden mehr Sterilisationen bei Frauen vorgenommen. 

Neben der Sterilisation gibt es zahlreiche weitere Verhütungsmethoden – mit uns ohne Hormonen – die wir für Sie verglichen haben.

Elf vermeidbare Verhütungspannen

Meistgeklickt zum Thema
Femidom: Kosten und Anwendung des Frauenkondoms
Vor- und Nachteile im Überblick

Wie das Kondom gehört auch das Femidom zu den hormonfreien Verhütungsmitteln und schützt nicht nur vor Schwangerschaft, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Allerdings fallen die Kosten des... mehr...

Coitus interruptus: Wie sicher ist das "Aufpassen"?
Umstrittene Verhütungsmethode

Schwanger nach Coitus interruptus? So hoch ist die Versagerrate bei der "Rausziehmethode" mehr...

Pearl Index – so sicher sind Verhütungsmittel
Wichtige Messgröße

Als Entscheidungshilfe für oder gegen ein Verhütungsmittel kann man sich am sogenannten Pearl Index orientieren mehr...

Artikel zum Thema
  • HormonspiraleHormonspirale

    Was ist eine Hormonspirale? Wie wirkt sie und für wen ist sie geeignet? Alles rund um diese Langzeitverhütung mehr...

Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Unsere Empfehlung
  • Gürtelrose (Herpes zoster): Ursache, Symptome und BehandlungGürtelrose

    Gürtelrose ist mehr als Herpes – oft bleiben danach chronische Schmerzen! mehr...

Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang