Biologische Ursachen

Die Rolle der Nervenbotenstoffe bei Depressionen

Nach Ansicht vieler Wissenschaftler liegen die Ursachen während einer Depression bei einer Stoffwechselstörung des Gehirns: Botenstoffe, namentlich Serotonin und Noradrenalin, sind aus der Balance geraten. Sie sind entweder in zu geringer Konzentration vorhanden oder aber die Übertragung funktioniert nicht richtig.

Senior mit Depressionen
Neurotransmitter spielen bei der Ursache von Depressionen eine wichtige Rolle.
(c) George Doyle

Schon lange ist die Forschung den Ursachen einer Depression auf der Spur. Wenn wir ein Bild sehen oder Musik hören, fühlen oder denken, sind unsere Nervenzellen aktiv. Wenn eine Nervenzelle Signale „abfeuert", wird der Impuls elektrisch entlang der Nervenfaser bis zu den Nervenenden und Kontaktstellen mit anderen Nervenzellen, den Synapsen, transportiert. Zwischen den Nervenenden und der nachgeschalteten Nervenzelle befindet sich ein Spalt, den ein elektrischer Impuls nicht überspringen kann. Diesen Spalt können nur chemische Substanzen, die Neurotransmitter, überwinden. Diese heften sich an Andockstellen (Rezeptoren) der nächsten Nervenzelle, lösen dort einen erneuten elektrischen Impuls aus und geben so die Aktivität weiter.

Solche Neurotransmitter sind das Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Studien der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass diese bei der Entstehung von psychischen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen und dort auch Ursachen einer Depression zu finden sind. Ist die Übertragung zwischen den Nervenzellen gestört oder besteht ein massives Ungleichgewicht zwischen diesen einzelnen Neurotransmittern, wie sie in der Fachsprache genannt werden, so schlägt sich das auch in den Gefühlen und Gedanken nieder. Grübeleien und gedrückte Stimmung sind die Folge.

Serotonin – der ausgleichende Botenstoff

Serotoninhaltige Nervenzellen finden sich hauptsächlich im limbischen System, dem emotionalen Zentrum unseres Gehirns. Sie sind an der Steuerung des , der Körpertemperatur und dem Verhalten beteiligt. Serotonin gleicht normalerweise überschießende Reaktionen des Noradrenalins wieder aus. Bei einem depressiven Menschen, so eine Hypothese, mangelt es an Serotonin, deshalb reagiert der Körper verstärkt auf Reize, die der Botenstoff Noradrenalin vermittelt.

Noradrenalin – der Stimmungsmacher

Noradrenalinhaltige Nervenzellen haben viele Verbindungen zum limbischen System und sind an der Steuerung von Stimmungen und Verhalten beteiligt. Ein Noradrenalin-Mangel scheint bei den unipolaren Depressionen eine Rolle zu spielen. Ein Überschuss löst vermutlich manische Phasen bei einer bipolaren Depression aus.

Dopamin – der emotionale Botenstoff

Dopaminhaltige Nervenzellen sind auf das Mittelhirn und die Frontallappen begrenzt. Sie haben mit der Kontrolle von Bewegung und emotionalem Verhalten zu tun. Entsprechend wirkt sich ein Dopaminmangel vor allem auf Bewegungsabläufe und emotionales Verhalten, aber auch auf das vegetative – unbewusste – Nervensystem aus.

Ursachen einer Depression begegnen: Antidepressiva

Antidepressiva gleichen den Mangel an Botenstoffen aus. Die Haupttheorie bezüglich der biologischen Ursachen einer Depression konzentriert sich auf einen Mangel an Noradrenalin und Serotonin. Diese Überlegungen basieren darauf, dass Antidepressiva und Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) in den für Motivation, Stimmung und Antrieb zuständigen Hirnstrukturen die Konzentration dieser Nervenbotenstoffe erhöhen. Dadurch kommt es zur Stimmungsaufhellung. Antidepressiva verhindern entweder den Abbau oder die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin in den Nervenzellen, sodass mehr Botenstoffe im Zwischenzellraum der Hirnnerven zur Verfügung stehen. Man kann also davon ausgehen, dass ein Mangel an diesen Botenstoffen ursächlich mit den Depressionen in einem Zusammenhang steht. Unklar ist allerdings, wodurch genau dieser Mangel ausgelöst wird. Hierfür können durchaus psychosoziale Ursachen oder kritische Lebensereignisse für eine Depression verantwortlich sein.

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