Brustkrebs-Früherkennung

Mammografie-Screening: Was bringt es, und wie läuft es ab?

Wird Brustkrebs in einem frühen Stadium erkannt und behandelt, bestehen gute Heilungschancen. Die Mammografie ist eine geeignete Methode zur Früherkennung.

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Mammografie: Die Brust wird für die Röntgenaufnahme fest in einer Halterung fixiert.
Getty Images/Hemera

Warum ein Mammografie-Screening?

Das frühzeitige Erkennen bösartiger Brusttumoren kann - wie bei vielen anderen Krebsarten auch - den weiteren Krankheitsverlauf entscheidend beeinflussen und die Prognose verbessern. Dabei gilt die Mammografie, eine Röntgenuntersuchung der Brust, in Deutschland als die bislang einzige wirksame Methode zur Erkennung von Brustkrebs im Frühstadium oder seinen Vorstufen. Die Selbstuntersuchung der Brust, da sind sich die Experten einig, ist selbst bei regelmäßiger Durchführung und guter Einweisung durch den Frauenarzt allein nicht geeignet, die Brustkrebssterblichkeit zu senken.

Zahlreiche Studien wiesen in der jüngeren Vergangenheit nach, dass durch ein flächendeckendes Mammografie-Screening die Brustkrebssterblichkeit um mindestens 20 bis 40 Prozent gesenkt werden könnte. In den Leitlinien zur Brustkrebsfrüherkennung kommen Experten unter Einbezug aller bis dato vorliegenden Daten zu der Einschätzung, dass durch ein Mammografie-Screening bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, wie es in Deutschland existiert, eine Senkung des Sterberisikos an Brustkrebs um 15 Prozent erreicht werden kann. Dies würde bedeuten, dass von 2.000 Frauen, die zehn Jahre lang regelmäßig am Screening teilnehmen, eine Frau weniger an Brustkrebs verstirbt als ohne Screening.

Wer hat Anspruch?

Das in Deutschland mittlerweile flächendeckend angebotene Mammografie-Screening richtet sich an gesetzlich krankenversicherte Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren. Sie werden auf der Grundlage von Angaben der Meldebehörden im Abstand von zwei Jahren persönlich zur Teilnahme in einem zertifizierten Brustkrebszentrum eingeladen. Eine Überweisung vom Haus- oder Frauenarzt wird nicht benötigt. Die Kosten der Mammografie trägt die jeweilige Krankenkasse.

Die Teilnahme am Mammografie-Screening ist freiwillig. Dadurch bleibt es jeder Frau letztlich selbst überlassen, ob sie daran teilnimmt oder nicht.

Ablauf der Mammografie

Der Zeitpunkt der Untersuchung ist für Frauen nach der Menopause unerheblich. Bei Frauen, bei denen die Menopause noch nicht eingetreten ist, sollte eine Mammografie möglichst während der Monatsblutung oder in der ersten Woche danach durchgeführt werden. Die Brust ist zu diesem Zeitpunkt weniger empfindlich. Außerdem ist das Gewebe weicher und kann auf der Röntgenaufnahme besser beurteilt werden.

Bei der Mammografie-Untersuchung werden beide Brüste jeweils zweimal - von oben nach unten sowie von der Mitte zur Seite - geröntgt. Die Brust wird dabei in einer Halterung aus Plexiglas fixiert, wobei das Gewebe möglichst flach zusammengedrückt werden muss. Dies kann besonders bei einer kleinen Brust unangenehm sein. Die Untersuchung wird von speziell ausgebildeten Röntgenassistenten durchgeführt. Sie dauert in der Regel nur wenige Minuten.

Die erstellten Röntgenbilder werden von zwei Radiologen unabhängig voneinander beurteilt und befundet. Hinweise auf einen bösartigen Tumor sind z.B. Verdichtungen des Gewebes mit unscharfen Rändern oder kleine Verkalkungsherde. Innerhalb von etwa sieben Werktagen erhalten alle Teilnehmerinnen des Screenings einen schriftlichen Bescheid über die Untersuchungsergebnisse. Nur bei unklaren Befunden oder bei einem begründeten Verdacht auf Brustkrebs wird zu einer weiteren Untersuchung eingeladen.

Falsche Befunde

Nicht jeder Tumor kann durch eine Mammografie entdeckt werden. Experten gehen davon aus, dass ca. fünf bis 15 Prozent der vorhandenen Tumoren beim Screening unerkannt bleiben. Umgekehrt kommt es auch zu falsch positiven Befunden, bei denen eine Veränderung im Brustgewebe fälschlicherweise als Krebs eingestuft wird und sich erst bei der Entnahme einer Gewebeprobe während der Operation als gutartige Erkrankung herausstellt. Bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, an die sich das Screening-Angebot richtet, liegt diese Rate bei etwa zwei bis vier Prozent.

Für die betroffenen Frauen ist eine falsche Diagnose in der Regel eine große Belastung. Durch die Einhaltung von Qualitätskriterien wird deshalb versucht, die Quote an falsch positiven wie falsch negativen Befunden so niedrig wie möglich zu halten. Ein Schritt in diese Richtung ist die Einrichtung zertifizierter Brustkrebszentren, die über große Erfahrung bei der Beurteilung von Mammografie-Befunden verfügen.

Screening in anderen Altersgruppen

Bislang wird das Mammografie-Screening von Experten nur für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren als sinnvoll bewertet. So können bei jüngeren Frauen Tumoren mit der Mammografie schlechter erkannt werden, weil ihr Brustgewebe in der Regel dichter ist. Außerdem wäre bei einem regelmäßigen Screening jüngerer Frauen der Schaden, der durch die Röntgenstrahlung entstehen könnte, vermutlich größer als der anzunehmende Nutzen. Bei Frauen über 70 Jahren liegen bislang zu wenige Daten vor, um eine aussagekräftige Risiko-Nutzen-Analyse des Mammografie-Screenings vorzunehmen.

Frauen, die aufgrund erblicher Veränderungen (z.B. Veränderungen in den sogenannten Brustkrebsgenen BRCA1 und BRCA2) ein stark erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, werden bereits in früherem Lebensalter regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen empfohlen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2011
Quellen: Albert, U.-S. für die Mitglieder der Planungsgruppe und Leiter der Arbeitsgruppen Konzertierte Aktion Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland (Hrsg.): Stufe-3-Leitlinie Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland. 1. aktualisierte Auflage, München, Wien, New York: W. Zuckschwerdt Verlag, 2008 Olsen, A. H. et al.: Breast cancer mortality in Copenhagen after introduction of mammography screening: cohort study. In: British Medical Journal 330, (2005), S. 220-222 Paap, E. et al.: A remarkable reduction of breast cancer deaths in screened versus unscreened women: a case-referent study. In: Cancer Causes and Control 21(10), (2010), S. 1569-1573 Bailey, S.L. et al.: A Simulation Model Investigating the Impact of Tumor Volume Doubling Time and Mammographic Tumor Detectability on Screening Outcomes in Women Aged 40–49 Years. In: Journal of the National Cancer Institute 102 (16), (2010), S. 1263-1271 Deutsche Krebsgesellschaft e.V., URL: http://www.krebsgesellschaft.de/pat_ka_brustkrebs_mammographie_screening,114332.html (Stand: 11.10.2010)

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