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Ellenbogenschmerzen: Woher kommen sie und was hilft?

Schmerzen im Ellenbogen können viele Ursachen haben. Verletzungen oder Verschleiß am Ellenbogengelenk kommen ebenso infrage wie der durch Überbelastung ausgelöste Tennisarm. Hier erfahren Sie alles über das Symptom Ellenbogenschmerzen, die häufigsten Ursachen und besten Therapiemöglichkeiten.

ellbogenschmerzen
Hinter einem schmerzenden Ellenbogen können Entzündungen, aber auch Verstauchungen und Verspannungen stecken.
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Eine kleine Unachtsamkeit und man hat sich den Musikantenknochen gestoßen. Diesen gemeinen Schmerz kennt jeder, aber er geht ja glücklicherweise rasch wieder vorbei. Langwieriger ist da schon der Tennisarm, der entgegen landläufiger Meinung weit mehr Handwerker und Musiker betrifft als Tennisspieler. Die Ursachen für Ellenbogenschmerzen sind vielfältig und reichen von Über- oder Fehlbelastungen bei alltäglichen Arbeiten bis hin zu Zerrungen, Knochenbrüchen, Gelenkverschleiß oder rheumatischen Erkrankungen. Kein Wunder, dass Schmerzen im Ellbogen bei uns der häufigste Grund für einen Besuch beim Orthopäden sind.

Tennisarm: Woher kommt der schmerzende Ellenbogen

Symptom Ellenbogenschmerz – ein Schmerz mit vielen Gesichtern

Ellenbogenschmerzen können sich auf verschiedene Weise äußern. Sie können stechend, ziehend oder brennend sein oder als Druckschmerz auftreten, je nachdem ob eine Überbeanspruchung, eine Entzündung oder eine Verletzung zugrunde liegt. Außerdem können die Schmerzen akut auftreten und bisweilen sehr heftig in das Gelenk schießen, aber dann auch bald wieder verschwinden. Oder es kommt bei langzeitiger Fehlbelastung oder altersbedingten Abnutzungserscheinungen zu chronischen Schmerzzuständen.

Begleitende Symptome, die je nach Ursache des Ellenbogenschmerzes gleichzeitig auftreten können, sind:

  • entzündliche Schwellungen im Gelenk
  • Wärmegefühl
  • eingeschränkte Beweglichkeit
  • ausstrahlende Schmerzen in den Oberarm oder Unterarm
  • Druckschmerz am Ellenbogenspalt, Radiusköpfchen oder Unterarm

Anatomie des Ellenbogens: drei Gelenke in einem

Der Ellenbogen verbindet den Oberarmknochen (Humerus) mit den beiden Unterarmknochen Elle (Ulna) und Speiche (Radius). Er ist praktisch an allen Bewegungen beteiligt, die wir mit dem Unterarm und mit der Hand durchführen. Um all diese unterschiedlichen Bewegungsmuster ausführen zu können, ist das Ellbogengelenk ganz besonders aufgebaut und vereint genaugenommen drei Gelenke in einer Gelenkkapsel: zwei Scharniergelenke und ein Rad-Zapfengelenk. So können wir den Arm nicht nur beugen und strecken (Flexion und Extension), sondern auch einwärts und auswärts drehen (Pronation und Suspination). Ein kleines Knöchelchen am unteren Ende, das Olekranon, wirkt wie eine Bremse. Es sorgt dafür, dass wir den Arm nach hinten nicht überstrecken und gibt Stabilität. Zusammengehalten wird der ganze Apparat von drei kräftigen Bändern, den beiden Seitenbändern und einem Ringband. Kein Wunder, dass dieses komplizierte und viel beanspruchte Gelenk empfindlich ist und gewissen Verschleißerscheinungen unterliegt. Vor allem, wenn wir mal wieder Bewegungen ausführen, die wir eigentlich gar nicht gewohnt sind.

Ellenbogenschmerzen innen oder außen? Hinweis auf Ursache

Ellenbogenschmerzen treten häufig nach ungewohnten, außergewöhnlichen oder einseitigen Belastungen des Ellenbogengelenkes auf oder auch nach besonderer Beanspruchung der Handgelenksmuskulatur. Ausgelöst werden sie etwa durch sportliche oder berufliche Aktivitäten, aber auch durch ganz alltägliche Tätigkeiten wie Fenster putzen, Zaun streichen oder Umzugskisten schleppen.

Vom Beschwerdebild her unterscheidet man:

Berühmtberüchtigt ist der Tennisarm, der aber meist eher von Alltagstätigkeiten wie Haushalts- oder Gartenarbeit verursacht wird. Er entsteht durch übermäßige Belastung beim Strecken des Handgelenkes, eine typische Bewegung beim Tennisspielen. Davon zu unterscheiden ist der durch verstärkten Druck beim Beugen des Handgelenks verursachte Golferellenbogen. Beim Tennisarm treten Schmerzen außen am Gelenk auf, beim Golferarm hingegen eher innen.

Ausgesprochen häufig ist inzwischen der Mausarm, auch RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury Syndrom) genannt, was so viel heißt wie "Verletzung durch wiederholte Beanspruchung". Zum Mausarm kommt es aufgrund einer falschen, unergonomischen Sitzhaltung am Computer, weshalb man diese Form auch als Sekretärinnenkrankheit bezeichnet. Auslöser für die Schmerzen ist in allen drei Fällen ein durch Überlastung entzündeter Sehnenansatz.

Manchmal stecken auch Muskelverspannungen im Rücken und Nacken hinter den Ellenbogenschmerzen. So ziehen von Schulter, Hals, Brustkorb und auch vom Rücken her zahlreiche Muskeln bis in den Arm, die bei Verkrampfungen und Verspannungen auch im Ellenbogen zu Schmerzzuständen führen können.

Die besten Tipps gegen Verspannungen

Auch altersbedingte Abnutzungserscheinungen im Bereich des Ellenbogens und chronisch-entzündliche Erkrankungen können zu Ellenbogenschmerzen führen. Die häufigsten Ursachen sind:

Ein besonders häufiger Schmerzzustand im Ellenbogen, den wirklich jeder kennt, ist das Stoßen am sogenannten Musikantenknochen. Hier kommt es zu einer heftigen, akuten und sehr schmerzhaften Reizung des Ellennervs. Selbst wenn einem dieser Schmerz schon mal ein Taubheitsgefühl durch den ganzen Arm schicken kann, er ist nicht gefährlich und lässt zum Glück auch schnell wieder nach.

Stürze auf den ausgestreckten oder angewinkelten Arm wiederum führen schnell zu Verletzungen im empfindlichen Ellbogengelenk. Die häufigsten Verletzungen sind:

  • Verrenkung/Auskugeln des Ellenbogengelenks (Luxation): vor allem bei Stürzen auf den ausgestreckten Arm

  • Verletzungen der Ellenbogensehnen, Bänderriss oder Zerrung: häufige Ursache von Über-und Fehlbelastung oder auch Sportunfällen

  • Knochenbruch (Ellenbogenfraktur): Bei Stürzen auf den angewinkelten Ellenbogen kommt es häufig zu einer Absplitterung des kleinen Ellenbogenknöchelchens (Olekranon-Fraktur)

Diagnose: So stellt der Arzt die Ursache der Schmerzen fest

Zur Abklärung der Ursache und der folgerichtigen Therapie bei Ellenbogenschmerzen sollten Sie zu einem Facharzt für den Bewegungsapparat gehen, einem Orthopäden. Bei einem ersten Anamnesegespräch wird er zunächst klären, ob sich eine akute Verletzung, eine Überbelastung oder eine andere Ursache als Auslöser für die Schmerzen feststellen lässt. Im Anschluss wird der Arzt Unterarm, Oberarm und Ellenbogengelenk auf Schwellungen oder Entzündungen hin abtasten und überprüfen, welche Bewegungen den Schmerz auslösen. Zur weiteren Abklärung können verschiedene Untersuchungsverfahren herangezogen werden, je nach vermuteter Ursache und Art der Verletzung oder Erkrankungen, beispielsweise:

Therapiemöglichkeiten: Was tun bei Ellenbogenschmerzen?

Die Therapie bei Ellenbogenschmerzen richtet sich sowohl nach der zugrundeliegenden Ursache wie auch nach dem Ausmaß der Schmerzen. Sie kann von konservativen Maßnahmen wie Schmerzmittel oder Salbenverband über gezieltes Ruhigstellen, Physiotherapie bis hin zum operativen Eingriff reichen. Ziel ist es dabei, eine Schmerzfreiheit des Patienten zu erreichen und eine möglichst volle Funktionalität des Ellbogens wiederzuerlangen. Zu den häufig angewandten konservativen Therapieformen gehören:

  • schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente und Salben
  • Krankengymnastik (Physiotherapie)
  • Ruhigstellung oder Unterstützung des Ellenbogengelenks mit einer Schiene oder Epicondylitisbandage
  • Gelenkinjektionen mit Kortison
  • Dehnungsübungen
  • Kälte- oder Wärmebehandlung
  • Elektrotherapie
  • Ultraschallbehandlung (Sonophorese)
  • Tapen mit Kinesiotape
  • Akupunktur
Kinesio Tapes: Typische Anwendungen

Bei langanhaltenden chronischen Schmerzzuständen, Gelenkverschleiß und auch Knochenbrüchen im viel bewegten Ellenbogengelenk ist häufig ein operativer Eingriff nötig, um die volle Funktion des Gelenkes wiederherzustellen. Häufige operative Methoden sind die Arthroskopie, die beispielsweise bei Arthrose eingesetzt wird, sowie die Implantation eines künstlichen Gelenks (Ellenbogenprothese) bei stark degenerativen Prozessen im Gelenk.

Was ist besser: Wärme oder Kälte bei Ellenbogenschmerzen?

Orthopäden und Sportmediziner empfehlen bei akuten Schmerzzuständen im Ellenbogenbereich Kälteanwendungen. Hilfreich ist eine sogenannte Kryotherapie vor allem, wenn sich der Ellenbogen nach übermäßiger Belastung heiß anfühlt oder geschwollen ist. Kälte ist ebenfalls empfehlenswert nach jeglicher Art von Verletzung wie Prellung, Luxation, Sehnen- oder Muskelzerrung und auch bei Knochenbrüchen, wenn die Haut noch intakt ist. Hierzu legt man ein Kühlkissen oder einen Eisbeutel auf die betroffene Stelle. Allerdings sollte man Eis nie direkt auf die Haut geben, um Gewebeschäden zu vermeiden, sondern ein Handtuch dazwischenlegen.

Bei chronischen Schmerzzuständen hingegen ist Wärme wirksamer. So wird die Durchblutung im Gewebe gefördert und der Heilungsprozess anregt.

Gezielte Übungen für Tennisarm und Golferellenbogen

Gerade bei Tennisarm, Golferellenbogen und Mausarm helfen Übungen, die man selber regelmäßig zuhause durchführt, die Beschwerden zu lindern. Sprechen Sie aber vorher mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten, welche Übungen für Sie persönlich geeignet sind. Sinnvoll sind sowohl Dehnübungen, die im akuten Schmerzstadium angewendet werden können, wie auch Übungen zur Kräftigung der Muskulatur, die besonders zur Vorbeugung und Vermeidung von Überbelastungen dienen.

Ellenbogenschmerzen kann man vorbeugen

Je nach Ursache der Schmerzen, kann man selber sehr viel tun, um Überbelastungen im Ellenbogengelenk zu vermeiden:

  • Achten Sie am Schreibtisch und Computer auf eine ergonomische Sitzhaltung.

  • Übernehmen Sie sich bei ungewohnten Arbeiten im Haushalt oder Garten nicht, lassen Sie sich helfen und machen Sie immer wieder Pausen.

  • Hören Sie auf Ihren Körper, der Ihnen meist deutlich sagt, wenn eine Belastung zu viel wird.

  • Vor dem Sport gut aufwärmen – nach dem Sport dehnen

  • Achten Sie auf eine gesunde Ernährung, um Arthritis, Arthrose und Osteoporose zu vermeiden.

  • Speziell für Tennisspieler und Golfer gilt: Falsche Grifftechnik und Schlägerhaltung sind mit die häufigsten Ursachen für Fehlbelastungen und entsprechende Schmerzen. Konsultieren Sie einen Trainer, der Ihnen beim Erlernen einer gelenkschonenden Technik hilft.

Gehen Sie bei Ellenbogenschmerzen bitte frühzeitig zum Arzt, denn ist der Schmerz erst mal chronisch geworden, ist die Behandlung meist wesentlich langwieriger und aufwändiger.

Zehn Tipps gegen Gelenkschmerzen

 

 

Autor:
Letzte Aktualisierung:19. Februar 2018
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinie für die Begutachtung von Schmerzzuständen, AWMF-Registernummer 094-003 (Stand: 7.11.2017); Deutsche Gesellschaft für Orthopädie: Leitlinie Epicondylopathia radialis humeri, AWMF-Registernummer 033-019 (Stand: 22.9.2011); Deutscher Verlag für Gesundheitsinformation (Hrsg.): Leading Medicine Guide - Medizinischer Fachartikel zum Thema Ellenbogenschmerzen (Abgerufen am 19.2.2018); Pschyrembel (Hrsg.): Klinisches Wörterbuch. Berlin, 2013;

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