Sexsucht: Wenn Lust zur Droge wird

Suchen ein Mann oder eine Frau die schnelle Erregung, den Rausch des Höhepunktes, täglich, mehrmals täglich, egal, wer die Sexualpartner sind - dann leiden sie unter Sexsucht. Für manchen Zeitgenossen ist diese Abhängigkeit Anlass für derbe Witze. Tatsächlich aber ist Sexsucht vergleichbar mit Alkoholismus, Spielsucht, Bulimie und Magersucht.

Die Dunkelziffer der Sexsüchtigen ist hoch: Manche Wissenschaftler schätzen, dass fünf bis sechs Prozent der Menschen in westlichen Ländern unter Sexsucht leiden. Andere halten diese Zahl für maßlos übertrieben. Dazu gehört Rolf Hüllinghorst, Chef der Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren (DHS) in Hamm. Die Zahl der Sexsüchtigen in Deutschland liege weit unter einem Prozent der Bevölkerung, schätzt Hüllinghorst. Einig sind sich die Experten jedoch, dass Männer etwa viermal häufiger von sexueller Sucht betroffen sind als Frauen, die dann Nymphomaninnen genannt werden.

Ausweg aus der Sexsucht: Arzt oder Selbsthilfegruppe

Da die Droge Sex kein Stoff wie oder Nikotin ist, sondern aus Vorstellungen, Fantasien und sexuellen Aktionen besteht, bezeichnen Wissenschaftler sie als "nichtstoffliche Sucht". Für Sexsüchtige ist Sexualität nicht lustvoll und befriedigend, sondern zwanghaft und selbstzerstörerisch. Reale Gefahren wie oder nehmen sie in Kauf. So beginnt für viele Sexsüchtige der Weg ins soziale Aus: Sie setzen sich unwürdigen Situationen aus, um einen Sexpartner zu finden; sie belügen und betrügen ihre Partner und Familien.

Sex-Abhängige zeigen den für eine Sucht typischen Kontrollverlust: Sie spüren, dass sie ihr Verhalten nicht mehr im Griff haben, doch können sie aus eigenen Kräften kaum etwas dagegen unternehmen - schließlich leiden sie unter einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Erst wenn Sexsüchtige sich ihre Abhängigkeit eingestehen, werden sie den Schritt in eine Selbsthilfegruppe oder zum Arzt wagen.

Spezielle Einrichtungen für Sexsüchtige fehlen

Der Süchtige muss erkennen, dass er krank ist. Ein schwieriger Prozess für einen Abhängigen, der oft erst dann einsetzt, wenn Krankheiten und auftreten oder Selbstmordgedanken auftauchen. Der Weg in eine Beratungsstelle, eine Klinik oder zu einem Experten ist dann immer noch ein steiniger Pfad. Eine spezielle medizinische Einrichtung für Sexsüchtige gibt es nicht. Sexsucht äußert sich bei jedem Betroffenen anders, folglich muss auch die Behandlung individuell sein.

Meist gehen die Patienten wegen anderer Schwierigkeiten zum Arzt - an denen orientiert sich dann auch die Therapie. Kommt jemand zum Beispiel wegen zum Psychologen, kann eine Paartherapie im Vordergrund stehen. Die Entwöhnung lässt sich mit der Entwöhnung vom Alkohol vergleichen. An erster Stelle steht die Abstinenz, das heißt der vollständige Verzicht.

"Trockenrausch": Wenn Sexsüchtige ihren Trieb unterdrücken

Eine gewisse Gefahr besteht in dem so genannten Trockenrausch: Der lässt sich mit Ex-Rauchern vergleichen, die zu militanten Nichtrauchern werden. "Trockenrausch" bedeutet, dass das Zwangsverhalten der Sexsucht nicht überwunden, sondern lediglich nicht ausgelebt wird. Die meisten Rückfälle gibt es nach etwa einem halben Jahr, zeigen die Erfahrungen von Psychologen. Fantasien bilden sich zuletzt zurück: Bis ein Sexsüchtiger sich wieder als frei erlebt, können Jahre vergehen.

Zahl der Sexsucht-Selbsthilfegruppen wächst

Fast in jeder größeren Stadt gibt es Selbsthilfegruppen für alle Arten von Süchtigen - und ihre Zahl wächst ständig. Einige Experten stehen diesen Selbsthilfegruppen skeptisch gegenüber. Für Nymphomaninnen und männliche Sexsüchtige aber kann das Angebot von unschätzbarem Wert sein. Sie erzählen in Selbsthilfegruppen oft das erste Mal anderen Menschen von ihrem Problem und machen so den ersten Schritt aus der Sexsucht.

Eine mögliche Gruppe sind die "Anonymen Sex- und Liebessüchtigen" (S.L.A.A.). In dieser Gruppe sind vor allem solche Betroffenen organisiert, die ein stark gestörtes Verhältnis zur Sexualität haben. "A.S." sind "Anonyme Sexaholiker". Unter ihnen sind diejenigen, die Sex mit häufig wechselnden Partnern praktizieren, zu gefährlichen Praktiken übergehen, häufig Sex mit Prostituierten haben oder viel Geld in Sexshops ausgeben. Hier sind tendenziell mehr Männer als Frauen vertreten.Bei "S-Anon" sind Angehörige zusammengeschlossen, die unter der Sexsucht ihres Partners leiden.

Viele Sexsüchtige wurden in ihrer Kindheit missbraucht

Viele Sexsüchtige fühlen sich wertlos, minderwertig und klein. Mit jemandem Sex zu haben, gibt diesen Menschen ein Gefühl von Macht: Plötzlich haben sie wieder das Sagen, sie können bestimmen, wo sie Sex haben wollen, mit wem und wie oft. Der Grundstein für eine Sexsucht wird oft schon in der Kindheit gelegt.

Psychologische Studien zeigen: Die meisten Sexsüchtigen wurden in jungen Jahren sexuell missbraucht oder geschlagen. In ihren Familien wurde Sex häufig tabuisiert und Zärtlichkeit abgelehnt. Kinder aus solchen Familien lernen zudem, dass Sex schmutzig und schlecht sei - als Erwachsener ist das Bedürfnis nach dem Verbotenen dann oft umso stärker, es entstehen .

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