Erkrankung des Ohres

Lagerungsschwindel

Die häufigste Form von Schwindel, unter dem vor allem Menschen im höheren Lebensalter zu leiden haben, ist der Lagerungsschwindel. Er wird auch gutartiger (benigner), anfallsweise auftretender (paroxysmaler) Lagerungsschwindel genannt.

Lagerungsschwindel
Der Lagerungsschwindel trifft sehr häufig ältere Menschen. Die Schwindelattacken sind gut behandelbar.
istockphoto / Raev Denis

Der Lagerungsschwindel ist eine harmlose Erkrankung, für die Betroffenen jedoch höchst unangenehm und beängstigend. Die Schwindelattacken sind jedoch gut behandelbar. Bis zum 70. Lebensjahr leidet jeder Dritte irgendwann mal unter dieser Schwindelform. Weitere Bezeichnungen sind peripherer paroxysmaler Lagerungsschwindel (PPLS), benigner peripherer paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPPV) und benigne paroxysmale positionale Vertigo (BPPV).

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Ursache für Lagerungsschwindel: Kristalle im Ohr

Der Auslöser für die kurzzeitigen Schwindelattacken findet sich im Innenohr. Dort ist das Gleichgewichtsorgan angesiedelt. Es sorgt dafür, dass wir nicht aus dem Gleichgewicht kommen und uns räumlich orientieren können. Die Bogengänge des Gleichgewichtsorgans sind mit Flüssigkeit gefüllt, die sich bei Veränderung der Kopf- oder Körperlage bewegt. Spezielle Sinneszellen reagieren auf diese Bewegung und leiten die empfangenen Reize an den Gleichgewichtsnerv weiter.

Beim Lagerungsschwindel bilden sich in der Flüssigkeit der Bogengänge körpereigene kristallartige Steinchen, sogenannte Otolithen. Bei ruckartigen Bewegungen und Lageveränderungen zum Beispiel vom Sitzen zum Liegen werden sie aus ihrer Verankerung gerissen, schwimmen unkontrolliert im Gleichgewichtsorgan und reizen die Sensorzellen im Innenohr. Diese Reize vermitteln dem Gehirn falsche Informationen, die nicht mit den Informationen aus dem Lageempfinden und dem Sehen übereinstimmen.

Zu Schwindelanfällen kommt es typischerweise, wenn der Betroffene die Lage des Kopfes im Raum verändert, beispielsweise den Kopf in den Nacken legt, sich hinlegt, sich im Bett umdreht oder aus liegender Haltung aufsteht.

Typische Symptome vom Lagerungsschwindel

Der durch die Veränderung der Lage des Kopfes ausgelöste Schwindel dauert meist nur Sekunden an, spätestens nach einer Minute ist er abgeklungen. Im Unterschied dazu dauert der Drehschwindel (Morbus Menière) länger – bis zu mehrere Stunden – an.

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Begleitet wird der kurze Schwindelanfall von schnellem, unkontrolliertem Zittern der Augenlider (Nystagmus). Mitunter treten auch Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüche auf. Häufig verschwinden die Symptome des Lagerungsschwindels nach wenigen Wochen von allein, in vielen Fällen kehren sie jedoch wieder.

Diagnose bei Lagerungsschwindel: Provokationstest

Zur Diagnose Lagerungsschwindel wird der Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder ein Neurologe zunächst den Patienten zu seinen Beschwerden, der Dauer, Häufigkeit und Auslösern befragen. Die Diagnose wird mittels eines speziellen Provokationstests, der Dix-Hallpike-Lagerungsprobe gefestigt. Dabei wird der Schwindel gezielt hervorgerufen, der Arzt beobachtet dabei das Augenzittern. Das tritt beim Lagerungsschwindel typischerweise ein bis zwei Sekunden nach dem Provokationstest auf.

Therapie von Lagerungsschwindel

Der gutartige Lagerungsschwindel ist sehr gut behandelbar. Mit speziellen Lagerungs- und Bewegungsübungen klingen die Symptome in recht kurzer Zeit vollständig ab.

Bei diesem therapeutischen Lagerungstraining werden wiederholt bestimmte Körperbewegungen durchgeführt, wodurch die Ablagerungen im Innenohr in einen Bereich befördert werden, in dem sie die Sinneszellen nicht mehr reizen können.

Betroffene sollten wissen, dass bei den Übungen der bekannte Lagerungsschwindel ausgelöst wird. Deshalb sollte das Training zumindest am Anfang nicht allein durchgeführt werden.  Auch ist es empfehlenswert, sich die Übungen zunächst von einem Physiotherapeuten zeigen zu lassen.

Epley- und Semont-Manöver zur Behandlung der Schwindelattacken

Beim Epley-Manöver sitzt der Patient mit ausgestreckten Beinen auf einer Liege, dreht den Kopf zur betroffenen Ohrenseite und nimmt dann zügig die Rückenlage ein. Der Kopf sollte in dieser Stellung überstreckt sein. Nach einer etwa 30-sekündigen Wartezeit im Liegen wird zunächst der Kopf auf die andere Seite gedreht, dann folgt der restliche Körper. Nach einer weiteren Wartezeit von 20 bis 30 Sekunden (und abklingendem Schwindel) richtet man sich aus der Seitenlage auf. Diese Bewegungsreihe sollte dreimal hintereinander und dreimal am Tag ausgeführt werden.

Die zweite mögliche Übung bei Lagerungsschwindel ist das Semont-Manöver. Dabei sitzt der Patient auf einer Liege, die Beine hängen entspannt von der Sitzfläche. Der Kopf wird zur gesunden Seite gedreht, das Kinn zeigt zur Schulter. Ohne Änderung der Kopfhaltung legt sich der Übende nun abrupt auf die gegenüberliegende, die betroffene Seite. Dabei tritt der typische Schwindel auf. In der Position liegen, bis der Schwindel vorbei ist (ca. zwei bis drei Minuten)und anschließend zügig genau auf die andere (gesunde) Seite legen. Die Kopfhaltung soll beibehalten werden. Nach weiteren zwei bis drei Minuten Wartezeit aufrichten. Auch diese Übung wird dreimal wiederholt und mehrfach am Tag durchgeführt. Sobald sich bei den Übungen kein Schwindel mehr auslösen lässt, können sie beendet werden.

Meist reichen bereits fünf bis zehn Tage, an denen das Training durchgeführt wird, um den Lagerungsschwindel zu beseitigen. Bei 30 bis 50 Prozent der Betroffenen tritt der Lagerungsschwindel innerhalb von zwei Jahren wieder auf. Diese erneuten Schwindelattacken lassen sich dann mit den gelernten Therapie-Übungen behandeln.

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