Tiefbohrungen in der Nase

Popel essen: Gesund oder nicht – was stimmt?

In der Nase bohren und die Popel essen? Das machen doch nur Kinder und verlotterte Leute! Oder etwa nicht? Wie es scheint, ist Popeln eine ziemlich natürliche Verhaltensweise – die nicht nur Menschen ausüben.

Kind popelt in der Nase
Zwar popeln besonders häufig Kinder, Erwachsene tun es aber auch regelmäßig.
iStock

Wer öffentlich in der Nase bohrt, muss mit strengen Blicken seiner Mitmenschen rechnen. Denn es gilt als unrein und eklig, ist ein gesellschaftliches Tabu. Ungesund soll es auch noch sein. Aber stimmt das wirklich? Was wissen wir überhaupt über Popel und Nasebohren?

Gesund oder nicht? Sieben Fakten übers Popeln

Lifeline/Wochit

Popel, Borke, Mömmes – ein Stoff, viele Namen

Der Popel hat viele weitere Bezeichnungen – je nachdem, wo jemand darüber spricht: Ob Mömmes, Nasengold, -mann, -stein oder Borke: Alle Begriffe beschreiben das getrocknete und verklumpte Sekret. Ist es noch ein bisschen flüssig, heißt es umgangssprachlich auch Schnodder oder Rotz(e).

Popel entstehen aus einem natürlichen Sekret, das die Schleimhäute der Nase produzieren. Dieses befeuchtet die Atemluft, die wir durch unser Riechorgan einatmen und befreit sie von Staub und Schmutz. Der Großteil dieser Absonderung ist dünnflüssig und läuft über den Rachen in den Magen ab. Im Bereich der Nasenlöcher trocknet die Atemluft allerdings das Sekret, es verfestigt sich und bildet die typischen Krusten. Neben Nasensekret bestehen Popel aus Härchen, einigen Keimen und Staub- sowie weiteren Schmutzpartikeln.

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Studien beweisen: Kaum jemand ist sich zu fein fürs Popeln

Wer jetzt denkt "Was betrifft das mich? Ich popel doch nicht!", ist wahrscheinlich nicht ganz ehrlich: In Studien aus den USA und Indien befragten die Forscher die Teilnehmer nach deren Popelgewohnheiten. Bei beiden Untersuchungen stellte sich heraus, dass mehr als 90 Prozent der Probanden hin und wieder in der Nase bohren. Diese Zahlen lassen sich auch auf die Allgemeinheit übertragen und zeigen: Fast jeder popelt mal.

Doch warum tun wir das? Es gibt verschiedene Gründe für das Nasebohren. Zum einen aus Langeweile, quasi als Zeitvertreib. Zum anderen aber auch aus Nervosität oder weil der Popel ein Jucken oder Fremdkörpergefühl hervorrufen kann. Befreien wir unsere Nase dann von der Borke, können wir wieder besser atmen und fühlen uns erleichtert.

Rhinotillexomanie: Zwanghaftes Nasebohren ist ungesund

Ungesund ist Nasebohren nicht – sofern man es nicht exzessiv, also zwanghaft, betreibt. Dann handelt es sich um eine anerkannte Verhaltensstörung, die Rhinotillexomanie. Oft verbergen sich dahinter schwere psychische Probleme. Wer zu stark bohrt, riskiert, die empfindlichen Schleimhäute zu verletzen. Dadurch kann es zu intensivem Nasenbluten und schlimmstenfalls der Zerstörung von Organgewebe kommen.

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Viele Menschen, die ihr Riechorgan von Borken befreien, essen die gefundenen Popel anschließend. Dafür gibt es sogar einen wissenschaftlichen Begriff: Mukophagie. Muko bedeutet Schleim, phagie stammt vom griechischen Wort für essen, phagein, ab. "Igitt!", denken sich jetzt wahrscheinlich viele. Tatsächlich soll Popel essen aber gesund sein – zumindest laut neueren Studien. So fand das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) heraus, dass die im verfestigten Sekret enthaltenen Mikroorganismen vor anderen schädlichen Mikroben schützen.

Forscher: Popel essen unterstützt Immunsystem

Ebenso glaubt der kanadische Biochemie-Professor Scot Napper (University of Saskatchewan), dass Popel essen eine Art natürliche Impfung ist: Die Keime im Sekret würden dem Immunsystem helfen, gute (gesunde) Mikroben besser von schlechten (ungesunden) Mikroorganismen zu unterscheiden.

Übrigens sind wir Menschen nicht allein mit unserer Popellust: Auch Affen bohren regelmäßig in der Nase und verzehren dann ihre Fundstücke.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. November 2017
Quellen: Interview mit Dr. med. Achim Beule, Universitätsklinikum Münster; Jefferson, J.W., Thompson, T.D.: Rhinotillexomania: psychiatric disorder or habit?, The Journal of Clinic Psychiatry, 1995; Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2018, 2017, abgerufen unter: http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/kodesuche/onlinefassungen/htmlgm2018/block-f90-f98.htm; Caruso, R. D. et al.: Self-induced ethmoidectomy from rhinotillexomania, American Journal of Neuroradiology, 1997

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