Nicht nur Kindern wird im Auto schlecht

Reisekrankheit und Seekrankheit: Was hilft am besten?

Die einen überfällt sie plötzlich, die anderen fürchten sie schon Tage, bevor sie reisen: Bei der Reisekrankheit oder Seekrankheit können Symptome wie Übelkeit und Erbrechen die Fahrt in den Urlaub oder die Segeltour verderben.

Kind ist im Auto schlecht
Kindern wird im Auto häufig schlecht. Übelkeit und Erbrechen sind typisch für die Reisekrankheit.
© iStock.com/djedzura

Reisekrankheit, Seekrankheit, Flugkrankheit oder Reiseübelkeit – hinter diesen Synonymen stecken eine Reihe von Symptomen, die auf Reisen auftreten. Bei vielen Menschen macht sich die Reisekrankheit auf kurvenreichen Autofahrten, bei starkem Wellengang auf einem Schiff oder bei Langstreckenflügen bemerkbar.

Übersicht:

Hausmittel gegen Übelkeit: Das beruhigt den flauen Magen

Welche Medikamente helfen gegen Reisekrankheit?

Zur Bekämpfung der Reisekrankheit gibt es verschiedene Medikamente. Die darin enthaltenen Wirkstoffe unterdrücken das Brechzentrum (Antiemetika) und dämpfen die Ausschüttung von Botenstoffen (Antihistaminika wie Dimenhydrinat), sodass Übelkeit und Erbrechen abklingen können. Die Wirkstoffe gibt es als Pflaster, Kaugummi, Tabletten oder Zäpfchen. Sie entfalten ihre Wirkung zeitverzögert, sodass die Medikamente mehrere Stunden, teilweise am Tag vor der Reise eingenommen werden.

Betroffene sollten bei der Einnahme von Medikamenten gegen die Reisekrankheit beachten, dass manche Wirkstoffe Nebenwirkungen haben: Sie können zum Beispiel die Reaktionsfähigkeit herabsetzen und schläfrig machen. Auch sind nicht alle Medikamente gegen Reiseübelkeit für Kinder geeignet. Deshalb sollte mit dem Hausarzt oder Apotheker vor der Reise besprochen werden, was unter welchen Bedingungen von wem eingenommen werden kann.

Was kann man noch bei Reisekrankheit tun?

Die Reisekrankheit ist unangenehm, aber in der Regel harmlos. Wer keine Medikamente gegen die Reisekrankheit einnehmen möchte, kann andere Maßnahmen ausprobieren – egal ob im Auto, auf dem Schiff oder im Flugzeug.

Das hilft im Auto

Tritt beispielsweise Reiseübelkeit beim Kind im Auto auf, sollte man zunächst eine Pause abseits der Strecke einlegen und dabei den Innenraum des Autos lüften, denn stickige Luft fördert Übelkeit und Erbrechen. Bewegung an frischer Luft kann manchmal schon ausreichen, die Reiseübelkeit zu bekämpfen. Unterstützend können Eltern ihrem Kind kühles Wasser mit Zitrone zu trinken geben oder ein feucht-kühles Tuch in den Nacken oder auf die Stirn legen. Auch Kaugummi kauen hilft gegen die Reiseübelkeit.

Anschließend sollte der Fahrer seinen Fahrstil anpassen. Das Kind am besten beschäftigen und sich dabei nicht am Inneren des Autos orientieren, sondern an der äußeren Umgebung. Wenn es der Kindersitz zulässt, kann das Kind die Fahrt auf dem Beifahrersitz beenden.

Im Flieger: ablenken

Beim ersten Anzeichen für Reiseübelkeit den Kopf möglichst nicht bewegen, sondern fest in die Kopfstütze drücken. Dabei ruhig und gleichmäßig atmen und nach vorn statt aus dem Seitenfenster schauen.

Im Flugzeug sind die Symptome der Reisekrankheit meist nicht so stark und ausdauernd ausgeprägt wie auf dem Schiff oder im Auto. Über den Wolken tritt sie häufig in Verbindung mit Flugangst auf. Wer bei Turbulenzen unter Schwindel leidet, sollte nicht lesen, sich ablenken (Musik hören, Film schauen), ruhig atmen und regelmäßig in kleinen Schlucken trinken. Bei Start und Landung möglichst Kaugummi kauen, da dies beim Druckausgleich hilft.

Auf dem Schiff: viel schlafen

Statt in der engen, stickigen Kabine zu sitzen, ist ein Aufenthalt an Deck, am besten in der Mitte des Schiffs, ratsam. Dabei kann man den Horizont fixieren und viel frische Luft einatmen. Mit ätherischen Ölen, Lutschbonbons und kühlen Getränken bekämpft man Übelkeit und Brechreiz. Bekannte Mittel gegen Übelkeit sind zum Beispiel Ingwer, Zitrone oder Pfefferminze. Tee aus Fenchel, Anis und/oder Kümmel beruhigt den Magen.

Auch mit viel Schlaf kann man die Seekrankheit überlisten, denn beim Schlafen ist der Gleichgewichtssinn inaktiv. Vermeiden sollten Seekranke Alkohol, schwer verdauliche Speisen, Kaffee und Nikotin während der Reise. 

Bei diesen Symptomen zum Arzt!

Lifeline/Wochit

Was ist Reisekrankheit?

Die Reisekrankheit (Kinetose) entsteht, wenn die Bewegungen, die unser Gleichgewichtsorgan im Innenohr und anderen Sensoren (zum Beispiel an den Fußsohlen und Gelenken) registriert, nicht mit den von den Augen empfangenen visuellen Signalen übereinstimmen. Das Gehirn registriert widersprüchliche Informationen und deutet sie als Gefahr. Es werden Stresshormone und Histamine ausgeschüttet körperliche Abwehrmechanismen in Gang gesetzt und das Brechzentrum im Gehirn aktiviert. Die Folge sind Übelkeit, Erbrechen und Schwindel während der Reise.

Risikofaktoren und Auslöser der Reiseübelkeit

Die Reisekrankheit kann immer dann auftreten, wenn das Gehirn einen Konflikt zwischen den aufgenommenen Sinneswahrnehmungen und den Signalen des Gleichgewichtsorgans erkennt.

  • Beim Autofahren ist das Risiko vor allem auf Strecken mit vielen Kurven oder bei wiederholtem abrupten Bremsen und Wiederanfahren im Stau sehr hoch. Typischerweise ist der Fahrer nicht von der Reiseübelkeit betroffen: Bei ihm werden schon vorab Signale an die lenkenden Hände gesendet, wo es demnächst hingehen soll, Innenohr und Augen können sich darauf einstellen. Meist trifft es die Mitfahrer auf der Rückbank und den Beifahrer, wenn dieser während der Fahrt liest.

  • Bei Flugreisen sind es vor allem auftretende Turbulenzen.

  • Im Bus erhöhen kurvenreiche Strecken, die Lage des Sitzplatzes und bei einer Zugfahrt zusätzlich Fahrzeuge mit Neigetechnik das Risiko für Übelkeit und Erbrechen.

  • Zudem wird einem auf Reisen leichter schlecht, wenn man nicht in Fahrtrichtung schaut, sondern liest oder auf Smartphone oder Tablet schaut.

Auf dem Schiff: An Bug und Heck ist es am schlimmsten

Viele moderne, große Schiffe verfügen über Systeme an Stabilisatoren, welche die Bewegungen des Schiffsrumpfes auf den Wellen ausgleichen. Auf etwas kleineren Schiffen und Segelbooten können empfindliche Menschen jedoch schon bei leichtem Seegang seekrank werden. Das Auf und Ab des Schiffes verbunden mit dem Schaukeln in der Querachse und anderen Schiffsbewegungen sorgt zusammen mit den Sinneseindrücken für eine Vielzahl widersprüchlicher Informationen, die das Gehirn nicht verarbeiten kann. Besonders "gefährdet", seekrank zu werden, ist man an Bug und Heck, weniger in der Mitte des Schiffes.

Reisekrank ganz ohne Reise

Reisekrankheit ist nicht immer mit einer Reise verbunden: Sie trifft empfindliche Menschen mitunter auch bei einem 3D-Film, bei Computerspielen, beim Nutzen von Virtual-Reality-(VR-)-Brillen, im Flugsimulator oder in Fahrgeschäften wie Karussells und Achterbahnen.

Wer ist von Reisekrankheit betroffen?

Die Reisekrankheit tritt nicht bei jedem Menschen auf. Ganz kleine Kinder bis zwei Jahren sind selten betroffen, denn bei ihnen ist das Gleichgewichtsorgan noch nicht voll entwickelt. Auch ältere Menschen leiden weniger unter Übelkeit und Erbrechen auf Reisen. Bei ihnen gehen Mediziner davon aus, dass der Alterungsprozess die Wahrnehmungsfähigkeit im Gehirn und Funktion des Gleichgewichtsorgans herabgesetzt hat.


Besonders häufig leiden Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren unter Reiseübelkeit. Bei einigen Kindern ist offenbar das Gleichgewichtsorgan so empfindlich, dass vor allem die Fliehkräfte in Kurven zu Übelkeit führen können.

Symptome bei Reisekrankheit und Seekrankheit

Die Symptome der Reiseübelkeit können sich bei verschiedenen Menschen unterschiedlich stark bemerkbar machen.

  • sich steigerndes Unwohlsein
  • Schwindel und Benommenheit
  • Müdigkeit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Blässe, kalter Schweiß auf der Stirn
  • Frösteln

In schweren Fällen reichen die Symptome bis zu Schläfrigkeit und Apathie und sogar depressiven Zuständen und Todesangst.

Die Dauer der Symptome richtet sich meist nach der Länge der Reise: In der Regel verschwinden die Symptome schnell wieder, wenn die Reise – also die Bewegung – vorbei ist. Schlaf, Ruhe und leichte Kost sorgen dafür, dass sich das vegetative Nervensystem wieder erholen kann. Auf Seereisen tritt meist nach zwei bis drei Tagen ein Gewöhnungseffekt auf: Der Körper hat sich dann an die ungewohnten Eindrücke angepasst, Sinnesorgane, Gleichgewichtssystem und Gehirn arbeiten wieder im gleichen Takt.

Vorbeugung: Die besten Tipps gegen Reisekrankheit

Von Reiseübelkeit und Erbrechen kann jeder betroffen sein. Mit einigen Maßnahmen kann man dafür sorgen, dass sie seltener oder nicht so heftig während der Reise auftritt:

  • Die Reise möglichst ausgeruht und stressfrei beginnen. Gönnen Sie sich vor Fahrtantritt ausreichend Schlaf, essen Sie nur leichte Kost, verzichten Sie auf Alkohol, Nikotin und Kaffee.

  • Trinken Sie während der Fahrt keine kohlensäurehaltigen Getränke.

  • Wer anfällig für Reiseübelkeit ist, sollte möglichst selbst fahren. Ansonsten ist im Auto der Beifahrersitz der beste Platz für empfindliche Mitfahrer.

  • Der Fahrer sollte eher behutsam statt sportlich fahren.

  • Ausreichend Fahrpausen mit viel frischer Luft einplanen. Nicht immer sind volle Autobahnraststätten dafür der geeignete Platz.

  • Unterwegs am besten immer in Fahrtrichtung schauen.

  • Im Flieger sitzt man bei Neigung zu Übelkeit am Besten in der mittleren Reihe auf Höhe der Tragflächenansätze.

  • Bei Schiffsreisen: Wenn es die Möglichkeit gibt, besser eine Außenkabine mit Fenster buchen. Seekranke halten sich auf dem Schiff oder der Fähre besser mittig auf und bei kurzen Überfahrten an Deck an der frischen Luft.

  • Im Bus sitzt man bei Neigung zu Reiseübelkeit am besten vorne. Im Zug ist ein Gangplatz optimal, hier kann man öfter aufstehen und ein paar Schritte gehen.

Training gegen Reisekrankheit?

Das Zusammenspiel zwischen Gleichgewicht und Gehirn kann auch gezielt trainiert werden. Vor allem bei Piloten, Astronauten und Militärangehörigen wird der Organismus darauf geschult, die unterschiedlichsten Bewegungs- und Sinnesreize ohne Übelkeit und andere Anzeichen zu überstehen.

Als Training des Gleichgewichtssinns vor der Reise bieten sich zum Beispiel Trampolinspringen oder Tanzen mit vielen Drehungen an.

Sicherheit auf Reisen: Hier lauert Infektionsgefahr
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