Gefahr im ersten Lebensjahr

Plötzlicher Kindstod: Ursachen und welche Babys besonders gefährdet sind

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Beim plötzlichen Kindstod handelt es sich um eine reale, aber seltene Bedrohung für ansonsten gesund erscheinende Säuglinge um das erste Lebensjahr herum. Welche Ursachen hinter dem plötzlichen Kindstod stecken und wie Eltern vorbeugen können.

Plötzlicher Kindstod: Ursachen und Häufigkeit
© Getty Images/Westend61

Fachkreise bezeichnen den plötzliche Kindstod auch als SIDS, die Abkürzung leitet sich vom Englischen Begriff „Sudden Infant Death Syndrome“ ab. Bei Eltern ist das plötzliche Ableben des sonst gesunden Säuglings ein gefürchtetes Ereignis, auch wenn der plötzliche Kindstod als eher selten gilt.

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Plötzlicher Kindstod: Was steckt hinter SIDS?

Der plötzliche Kindstod beziehungsweise SIDS wird durch Fachleute als der plötzliche und unerwartete Tod eines sonst gesunden Säuglings definiert, der auch nach eingehender Untersuchung keinen eindeutigen medizinischen Grund als Auslöser hat. Zur Feststellung des plötzlichen Kindstodes ist immer eine Obduktion notwendig, Vorerkrankungen und Fremdeinwirkung durch die Eltern oder andere Personen müssen sicher ausgeschlossen werden.

In der Regel ereignen sich die unerwarteten Todesfälle während die Säuglinge schlafen, die betroffenen Babys hören dann im Schlaf einfach auf zu atmen und versterben. Deshalb beziehen sich viele Vermeidungsstrategien zum Schutz von Babys auf das Schlafverhalten.

Rund 90 Prozent der Fälle von plötzlichem Kindstod ereignen sich im ersten Lebensjahr, das Risiko ist zwischen dem zweiten und vierten Monat am höchsten. Nach Vollendigung des zwölften Lebensmonats reduziert sich das Risiko deutlich.

Häufigkeit: Plötzlicher Kindstod wird seltener

Während der plötzliche Kindstod früher häufig eintrat, nehmen entsprechende Todesfälle in Deutschland und anderen westlichen Industrieländern in der Tendenz immer weiter ab. So verstarben im Jahr 2020 von insgesamt 773.144 Neugeborenen nur 84 Babys mit unklarer Todesursache, während im Jahr 1990 noch bei 905.675 Geburten 1.283 SIDS-Todesfälle registriert worden waren.

Plötzlicher Kindstod: Ursachen und Risikofaktoren

Auch wenn die genaue Ursache für die plötzlichen Todesfälle nicht endgültig geklärt ist, gibt es viele Hinweise, denen derzeit wissenschaftlich nachgegangen wird. So wird vor allem vermutet, dass die Atmung bei betroffenen Kindern nicht ganz ausgereift ist beziehungsweise ein Weckmechanismus bei Atemausfällen im Schlaf noch nicht zuverlässig funktioniert.

Ursache hierfür könnte ein Enzymmangel sein. Ein australisches Forschungsteam untersuchte Blutproben von Kindern im Rahmen eines Neugeborenen-Screenings, um mögliche Biomarker für den plötzlichen Kindstod zu identifizieren. Es zeigte sich, dass die an SIDS verstorbenen Babys wenige Tage nach der Geburt einen verminderten Blutspiegel des Enzyms Butyrylcholinesterase (BChE) aufwiesen im Vergleich mit anderen Säuglingen des Alters. Ob ein Frühgeborenen-Screening und eine Behandlung des möglichen Mangels die Sterberaten für den plötzlichen Kindstod weiter reduzieren kann, ist allerdings bislang noch unklar.

Darüber hinaus wird diskutiert, ob Anomalien des Gehirns für den plötzlichen Kindstod verantwortlich sein könnten. Diese Besonderheiten sollen über den Hirnstamm die Atmung und Herzfrequenz beeinträchtigen. Erste Studien zeigen Zusammenhänge auf, es bedarf allerdings noch weiterer Forschung.

Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod

Darüber hinaus gibt es noch weitere Einflussfaktoren, die den plötzlichen Kindstod begünstigen können. Nicht alle lassen sich gezielt vermeiden, so sind etwa Jungen häufiger betroffen als Mädchen. Des Weiteren können vorangegangene Infektionen mit Viren oder Bakterien zu einer Schädigung des Herzens und zu einem Herzstillstand führen. Außerdem kommt es im Winter vermehrt zu Fällen, während ein plötzlicher Kindstod im Sommer eher selten ist.

Weitere Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod:

  • Frühgeburt
  • Geringes Geburtsgewicht
  • Drogenabhängigkeit der Mutter
  • Alleinstehende Mutter
  • Junge Mutter
  • Organfehlbildungen
  • Genetische Vorbelastung (etwa bei familiärer Häufung)
  • Rauchen in der Schwangerschaft 
  • Rauchen in der Nähe des Kindes
  • Frühes Abstillen

Darüber hinaus sind die Schlaflage des Kindes sowie die Beschaffenheit der Matratze besonders entscheidend. So sollten Säuglinge nicht in Bauchlage schlafen oder zu weich gebettet werden. Auch das Schlafen im Elternbett kann einen Risikofaktor darstellen, weshalb ein eigenes Bett zu bevorzugen ist. Zudem sollte die Überhitzung des Babys durch eine zu warme Raumluft oder einen zu dicken Schlafanzug vermieden werden.


Anzeichen für drohenden plötzlichen Kindstod: Was tun im Notfall?

In den meisten Fällen versterben Kinder am plötzlichen Kindstod in den frühen Morgenstunden oder nachts, während die Eltern schlafen. Anzeichen werden entsprechend selten entdeckt. Kommt es allerdings zu den gefährlichen Atemaussetzern und dem Herzstillstand und sind die Eltern wach zugegen, bemerken diese in der Regel schnell die Gefahrensituation.

Bei folgenden Symptomen sind sofort Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten und der Notruf zu wählen:

  • Atmung kann nicht festgestellt werden

  • Kind reagiert nicht auf Berührung oder Ansprache (Nicht schütteln!)

  • Säugling läuft blau an oder wird ganz blass

  • Herz schlägt kaum noch

  • Baby erschlafft merklich

Für die Wiederbelebungsmaßnahmen ist das Baby vorsichtig auf dem Rücken abzulegen. Dabei sollte eine angewärmte und harte Unterlage gewählt werden. Dafür eignet sich unter anderem der Wickeltisch und eine Wärmelampe.

Zur Reanimation von Babys empfehlen sich folgende Vorgehensweise:

  • Kontrolle der Atemwege: Zuerst müssen die Atemwege kontrolliert werden, indem der Kopf des Babys vorsichtig nach hinten gestreckt wird, während der Kopf am Kinn und Hinterkopf mit den den Händen fixiert wird. Dabei sollte der eigene Blick zur Brust des Kindes gerichtet sein, um Atembewegungen registrieren zu können. Mit den Ohren nahe an Mund und Nase des Kindes ist nun auf Geräusche zu achten.

  • Atemspende: Atmet das Kind nicht, muss sofort eine Atemspende erfolgen. Dafür wird der eigene Mund über Mund und Nase des Kindes gelegt und vorsichtig Luft hineingepustet. Die Beatmung wird fünfmal wiederholt. Dabei sollte sich der Brustkorb des Babys heben und senken.

  • Herzdruckmassage: Zeigen sich weiterhin keine Lebenszeichen, muss eine Herzdruckmassage durchgeführt werden. Dafür sollten nur die Finger verwendet werden, um das Kind nicht weiter zu verletzen. Für die Druckmassage bei Säuglingen zweimal pro Sekunde auf das kindliche Brustbein gedrückt. Dies sollte 30 Mal wiederholt werden, bevor eine erneute Beatmung durchgeführt wird.

Plötzlichem Kindstod vorbeugen

Einige Maßnahmen können helfen, dem plötzlichen Kindstod vorzubeugen und das Risiko zu minimieren.

Tipps für Eltern, um dem plötzlichen Kindstod zu vermeiden:

  • Rauchfreie Umgebung: Rauchen in der Schwangerschaft oder nach der Geburt in der Nähe des Säuglings sollte vermieden werden, nicht nur um das Baby vor dem plötzlichen Säuglingstod zu bewahren.

  • Richtige Raumtemperatur: Um das Baby vor einer Überhitzung zu schützen, sollte die Raumtemperatur gut angepasst sein. Idealerweise liegt sie zwischen 16 und 18 Grad Celsius.

  • Nahrung: Babys, die im ersten Jahr gestillt werden, haben ein geringeres Risiko, am plötzlichen Kindstod zu sterben.

  • Bett: Babys sollten im eigenen Bett schlafen, nicht im Familienbett mit den Eltern. Trotzdem sollte das Bettchen neben dem Elternbett stehen. Darüber hinaus sind eine feste, atmungsaktive Matratze sowie ein Schlafsack für Babys wichtig. Kopfkissen, Decken und Kuscheltiere können auf das Kind fallen oder dazu führen, dass es sich verheddert – sie stellen somit eine Gefahrenquelle dar und haben im Babybett nichts zu suchen.

  • Schlafposition: Im ersten Lebensjahr sollten Babys stets in Rückenlage schlafen, niemals auf dem Bauch. Studien zeigen, dass dies das Risiko für den plötzlichen Kindstod deutlich senkt.

  • Überhitzung vermeiden: Säuglinge können ihre Körpertemperatur noch nicht so gut regulieren wie größere Kinder und Erwachsene. Eine Überhitzung stellt somit eine große Gefahr dar. Säuglinge sollten deshalb nicht zu warm angezogen werden. Ein leichter Schlafanzug reicht meist aus. Eine Mütze und dicke Socken braucht es in der Regel nicht.

  • Schnuller: Nicht jedes Kind nimmt einen Schnuller an, Studien zeigen allerdings, dass die Verwendung eines Schnullers das Risiko für SIDS reduziert.

  • Kein festes Einwickeln (Pucken): Vom Pucken (oder Swaddling) ist abzusehen. Es kann Studien zufolge das Risiko für den plötzlichen Kindstod erhöhen – insbesondere in Kombination mit der Bauch- oder Seitenlage.

Darüber hinaus ist es ratsam, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen und bei akuten Infekten kinderärztlichen Rat einzuholen.

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