Fläschchenkost

Babynahrung Pre, 1 und HA: Wann welche Babymilch?

Muttermilch ist das Beste für den Säugling und bislang unerreicht in seiner Zusammensetzung. Industriell hergestellte Babynahrung ist zwar keine ebenbürtige Kopie, aber was die Nährstoffe betrifft als Ersatz durchaus geeignet. Das zeigen auch Tests zu Pre-Nahrung und Co. – wobei es unschöne Ausreißer gibt.

Baby trinkt aus Flasche, Mutter himmelt es an
An die Muttermilch kommt nichts ran. Steht sie nicht zur Verfügung, ist industriell hergestellte Babynahrung die beste Wahl.
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Babynahrung, eine genauere Bezeichnung lautet Säuglingsanfangsnahrung, kommt im ersten Lebensjahr zum Einsatz, wenn das Stillen nicht möglich ist oder wenn die Muttermilch nicht ausreicht. Babymilch gibt es in aufeinander aufbauenden Stufen. Begonnen wird meist mit der Pre-Nahrung.

Pre-Nahrung am Anfang

Die Pre-Nahrung ist weitestgehend an Muttermilch angepasst und wird daher auch adaptierte Milchnahrung genannt. Sie enthält wie Muttermilch nur Kohlenhydrate in Form von Milchzucker (Laktose), auch der Eiweißgehalt orientiert sich in Menge und Qualität an der Muttermilch. Daher kann Pre-Nahrung nach Bedarf gefüttert werden, ohne dass die Gefahr der Überernährung besteht. Eltern sollen und können immer dann füttern, wenn das Kleine sich meldet. Auch im Rahmen der "Zwiemilchernährung", also wenn die Muttermilch alleine nicht ausreicht, ist Pre-Nahrung als Ergänzung gut geeignet.

Wichtig ist, dass Eltern den richtigen Sauger für die Fütterung mit Säuglingsmilch der Stufe "Pre" verwenden. Eine feine Lochung des Saugers ist empfehlenswert, da die Milch sehr dünnflüssig ist und sonst zu viel Milch in den Mund des Babys gelangt und es sich leicht verschluckt. Die richtige Lochung erkennt man daran, dass die Milch nur langsam heraustropft, nicht herausfließt.

Babynahrung mit der Ziffer "1"

Säuglingsmilch der Stufe 1 enthält neben Milchzucker auch Kohlenhydrate in Form von Stärke und ist deshalb sämiger als die Pre-Nahrung. Die Babymilch 1 enthält zwar nicht mehr Kalorien als Pre-Nahrung, sättigt jedoch länger aufgrund der enthaltenen Stärke.

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Da die Natur keine Stärke in Säuglingsmilch vorgesehen hat, sollte man sich vor dem Füttern der Babynahrung 1 von Kinderarzt, Hebamme oder im Expertenrat des Lifeline-Schwesterportals 9monate.de beraten lassen.

Die Säuglingsanfangsnahrung 1 sollte nicht mehr "ad libitum" (aus dem Lateinischen für "nach Belieben") gefüttert werden, da sonst die Gefahr der Überernährung besteht. Sie wird daher in regelmäßigen Abständen und nur nach Anweisung des Herstellers gefüttert.

Für die dickflüssigere Babymilch 1 ist ein Sauger mit mittelfeiner statt feiner Lochung zu empfehlen. Sonst müsste sich das Baby zu sehr anstrengen, um an die Milch zu kommen und würde zu wenig trinken.

Flüssige Beikost: Folgemilch 2 und 3

Folgemilch ist in der Zusammensetzung weniger an die Muttermilch angepasst als Anfangsnahrung Pre und 1. Folgemilch 2 darf erst ab 6 Monate gefüttert, mit Folgemilch 3 sollte bis zum 10. Lebensmonat gewartet werden.

Folgemilch ist kein Muttermilchersatz im eigentlichen Sinne, sondern als flüssige Beikost zu bewerten. Kinder sind jetzt lebhafter und brauchen viel Energie. Trotzdem bleibt die Milchmahlzeit ein wichtiger Baustein in der Ernährung. Folgemilch kann dann sinnvoll sein, wenn Ihr Kind am Abend keinen Brei essen mag.

Besprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt, der Hebamme oder Kinderkrankenschwester, ob Folgemilch für Ihr Kind sinnvoll ist. Neben der herkömmlichen Folgemilch ist auch probiotische und präbiotische Folgemilch erhältlich. Derzeit gibt es aber keinen gesicherten Beweis dafür, dass sie einen Vorteil bieten.

HA-Nahrung

Babys mit erhöhtem Allergierisiko sollten mit einer hypoallergenen Säuglingsnahrung, die mit HA gekennzeichnet ist, gefüttert werden. Säuglinge gelten als allergiegefährdet, wenn mindestens ein Elternteil oder Geschwisterkind an einer Allergie erkrankt ist. HA-Nahrung wird in einem Spezialverfahren hergestellt. Dabei wird das Kuhmilcheiweiß in kleine Bausteine aufgespalten und damit allergenarm gemacht. Die HA-Nahrung wird in den Stufen Pre, 1, 2 und 3 angeboten.

Babynahrung im Test: Vorsicht vor Schadstoffen

Die Zusammensetzung von Babynahrung als Muttermilchersatz ist über die Diätverordnung streng geregelt. Hersteller haben aber die Möglichkeit, zusätzliche Inhaltsstoffe beizumischen, zum Beispiel Probiotika, Mikroorganismen für die Darmgesundheit, sowie bestimmte Mehrfachzucker, die den Darmbakterien als Nahrung dienen (auch Präbiotika genannt). Deren Effekt auf die Darmflora ist bisher allerdings nicht hinreichend belegt, wie Stiftung Warentest in ihrem Test von Pre-Nahrung sowie Pre-HA-Nahrung bemängelt.

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Die optional zugesetzte mehrfach ungesättigte Fettsäure Docosahexaensäure (DHA), die sich auch in der Muttermilch befindet, hat dagegen einen nachweislich positiven Effekt auf Gehirn und Sehfähigkeit. Die Babymilch Aptamil Pre wies im Vergleich zu den anderen Milchnahrungen am meisten DHA auf.

Generell zeichnet der Test ein positives Bild: Die 15 getesteten Produkte schnitten gut ab, was die Nährstoffzusammensetzung betrifft. Zudem waren alle frei von krankmachenden Keimen. Allerdings enthielten vier Produkte vermeidbare Mengen an Schadstoffen, die teilweise unter Krebsverdacht stehen.

Glycidyl-Fettsäureester

Bei Glycidyl-Estern handelt es sich um einen Fettschadstoff, der bei der Raffination von pflanzlichen Speiseölen entsteht. Während der Verdauung werden Glycidyl-Fettsäureester aufgespalten und zu Glycidol umgewandelt, das von der Krebsbehörde der WHO (IARC) als wahrscheinlich krebserregend eingestuft wird.

Babydream, eine Marke der Drogeriekette Rossmann, machte dabei den schlechtesten Eindruck: Die von Stiftung Warentest als mangelhaft eingestufte Babynahrung enthielt bedenkliche Mengen an Glycidyl-Estern.

Diese lassen sich laut Stiftung Warentest zwar nicht gänzlich vermeiden, aber auf ein Mindestmaß reduzieren. Trotzdem stellen Glycidyl-Ester in Babynahrung ein Problem dar. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt, im ungünstigsten Fall könne nicht ausgeschlossen werden, "dass Säuglinge, die ausschließlich mit industriell gefertigter Säuglingsnahrung ernährt werden, gesundheitlich bedenkliche Mengen an Glycidol aufnehmen könnten."

3-MCPD-Fettsäureester

Ein weiterer Fettschadstoff, der bei der industriellen Herstellung von Speiseöl entsteht, sind 3-MCPD-Ester. Sie sind ebenfalls kaum zu vermeiden, werden jedoch im Vergleich mit Glycidyl-Estern als weniger kritisch eingestuft. Babydream, sowie die HA-Nahrung von Alnatura und Hipp wiesen im Test höhere Mengen der 3-MCPD-Ester auf.

Chlorat

Chlorat wird etwa in Desinfektionsmitteln verwendet. Gelangt es in den Körper, kann es die Jodaufnahme der Schilddrüse hemmen. Das Produkt Babylove fiel im Test durch einen hohen Gehalt an Chlorat auf.

Babynahrung: Die Testsieger mit Note gut

Babynahrung ist in Drogerien, einigen (Bio-) Supermärkten sowie im Internet erhältlich. Folgende Produkte sind laut Testergebnissen am ehesten zu empfehlen:

Babymilch Note
Milasan Pre Anfangsmilch 2,1
Beba Pro Pre 2,3
Aptamil mit Pronutra Anfangsmilich Pre 2,4
Bebivita Anfangsmilch Pre 2,4
Humana Anfangsmilch Pre 2,4
Töpfer Lactana Pre Bio Anfangsmilch 2,5
Beba HA Pre 2,5
Bebivita Hypoallergene Anfangsnahrung Pre HA 2,5

Eine ähnliche Untersuchung von Säuglingsmilch durch Öko-Test konzentrierte sich überwiegend auf Babynahrung der Stufe 1:

  • Beba Pro 1 von Nestlé war Testsieger und wurde als einziges Produkt mit Note sehr gut bewertet.

  • Die einzige Note gut wurde an die Hipp Combiotik Bio-Anfangsmilch 1 vergeben.

  • Alle Produkte wiesen Spuren von Chlorat auf, manche zu hohe Mengen an bedenklichen Fettsäureestern.

  • Als mangelhaft bewertet wurden die Babydream Bio Anfangsmilch 1 aufgrund des hohen Gehalts an Perchlorat sowie die Holle Bio-Anfangsmilch 1 von Demeter, weil Clostridien nachgewiesen wurden.

Ebenfalls bedenklich: Palmöl in Babynahrung

Säuglingsnahrung ist meistens mit Palmöl angereichert. Dieses Fett enthält in verstärktem Maße die oben genannten schädlichen Glycidol-Ester. Außerdem hat eine Studie an 26 nicht gestillten Neugeborenen gezeigt, dass Palmitinsäure, eine im Palmöl vorkommende gesättigte Fettsäure, die Kalziumaufnahme im Darm behindern und sich dadurch der Knochenaufbau verlangsamen kann. Muttermilch beinhaltet zwar ebenfalls Palmitinsäure, jedoch mit einer veränderten chemischen Struktur, die für Säuglinge unschädlich ist.

So wird Babynahrung zubereitet

Bei der Herstellung der Säuglingsmilch ist es unbedingt notwendig, die auf der Packungsbeilage vorgeschriebene Mengenangabe zu beachten, denn:

  • Ein Zuviel an Pulver macht die Nahrung zu dickflüssig und liefert zu viel Energie. Das Baby wird schnell unruhig und fängt an zu weinen, da es Durst hat. Auch können schmerzhafte Verdauungsprobleme wie Verstopfung oder Durchfall auftreten.

  • Ein Zuwenig an Pulver führt dazu, dass die Nährstoff-Empfehlungen unterschritten werden, was auf Dauer das Auftreten von Mangelerscheinungen fördert.

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Das Immunsystem der Kleinen lernt noch, daher ist es wichtig den Organismus nicht mit Keimen zu belasten. Bei der Zubereitung von Säuglingsmilchnahrung müssen Eltern besonders sauber arbeiten:

  • Fertig zubereitete Säuglingsmilch ist ein idealer Nährboden für Krankheitserreger. Stellen Sie die Säuglingsmilch immer frisch her und bewahren Sie angerührte Milch nicht länger als eine Stunde auf.

  • Vermeiden sie es, fertige Flaschenmilch unterwegs in Wärmebehältnissen aufzubewahren. Hierbei können sich Keime besonders gut vermehren. Babynahrung für unterwegs kann stattdessen als Pulver mitgenommen werden. Zusätzlich abgekochtes Wasser in einer Thermoskanne mitführen und erst bei Bedarf zusammenrühren.

  • Angebrochene Packungen Milchpulver sollte man nach Gebrauch immer gut verschließen.

  • Leitungswasser vor dem Mischen mit dem Milchpulver abkochen. Falls Mineralwasser für die Zubereitung verwendet wird, muss es nach dem Öffnen im Kühlschrank festverschlossen aufbewahrt werden und vor Zubereitung der Säuglingsmilch ebenfalls abgekocht werden.

  • Fläschchen vor dem Einfüllen der Säuglingsmilch auskochen. Wichtig: Flasche und Sauger mindestens drei Minuten in kochendes Wasser tauchen, damit Keime vollständig abgetötet werden. Nachher die Sachen mit einem sauberen Küchentuch abgedeckt aufbewahren.

Leitungswasser für Babynahrung?

Um die Babymilch zuzubereiten, kann in der Regel auf Leitungswasser zurückgegriffen werden. Verwenden Sie Kaltwasser, das Sie laufen lassen, bis es fühlbar kälter geworden ist. So ist im Getränk nur die minimal mögliche Menge Metall aus den Leitungen enthalten.

Zubereitung von Säuglingsmilch
Zur Zubereitung von Babynahrung kann in der Regel normales Leitungswasser verwendet werden.
Getty Images/BananaStock RF

Wenn Eltern ganz sicher gehen wollen, ob Leitungswasser in ihrer Region zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet ist, können sie sich bei dem zuständigen Wasserwerk oder Gesundheitsamt erkundigen.

Mineral- statt Leitungswasser sollte man benutzen, wenn:

  • Blei- oder Kupferrohre in ihrem Haus verlegt sind

  • der pH-Wert des Leitungswassers sehr niedrig ist. Dann kann sich Metall auch aus Kupferrohren lösen.

Achtung: Das Mineralwasser sollte die Aufschrift "für Säuglingsnahrung geeignet" tragen.

Keine Vollmilch oder vegane Getreidedrinks als Babynahrung

Vollmilch ist für Säuglinge ungeeignet, weil sie einen höheren Gehalt an Eiweiß und Mineralstoffen hat als Muttermilch und somit die unreifen Verdauungs- und Ausscheidungsorgane des Säuglings überfordert. Der Gehalt an Vitaminen und Spurenelementen ist dagegen zu gering.

Sollen Säuglinge mit einer selbst hergestellten Nahrung aus Vollmilch ernährt werden, kommt nur Halbmilch infrage, bei der Vollmilch verdünnt wird und hochwertige Fettsäuren zugesetzt werden. Vorsicht: Eine gleichbleibende Nährstoffzusammensetzung ist bei Halbmilch durch das Selbstmischen der Zutaten schwer einzuhalten. Zudem fehlt eine strenge, den Anforderungen für Säuglingsnahrung entsprechende hygienische Kontrolle der Zutaten auf Schadstoffbelastung.

Auch Milchernährung auf Basis von Ziegen-, Schafs- oder Stutenmilch ist wie die Milchernährung mit herkömmlicher Kuhmilch nicht empfehlenswert. Ziegenmilch enthält zudem noch einen besonders geringen Gehalt an Folsäure und Vitamin B12.

Manche Mütter möchten ihre Kinder von Anfang an vegan ernähren und benutzen etwa Frischkornmilch, Mandelmilch oder Reismilch. Diese Nahrungen sind ebenso wie Vollmilch für Säuglinge auf gar keinen Fall geeignet. Je nach Rezept ist der Proteingehalt zu gering, die Proteinqualität unzureichend und es bestehen Mängel in der Vitamin- und Mineralstoffzusammensetzung. Bei Säuglingen, die auf diese Weise ernährt werden, sind nicht mehr zu behebende Entwicklungsstörungen keine Seltenheit.

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Letzte Aktualisierung: 27. September 2016
Durch:
Quellen: Stiftung Warentest 07/2016: Babymilch im Test; Öko-Test Jahrbuch Kleinkinder für 2016: Muttermilchersatz, Anfangsnahrung; Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR); Institut für Produktqualität (ifp); Pediatrics (Mai/2003); Lucia Cremer, Kinderkrankenschwester

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