Brustkrebs früh erkennen

Mammographie

Mammographie ist ein Röntgenverfahren, das zur Früherkennung von Brustkrebs sowie zur Abklärung von verdächtigen Befunden in der weiblichen Brust eingesetzt wird.

mammographie
Bei jungen Frauen wird die Mammographie nur bei Verdacht auf Brustkrebs durchgeführt, ab 50 Jahre gehört sie zur Krebsvorsorge.
iStock

Die Mammographie (alternativ: Mammografie) bezeichnet die Röntgenuntersuchung der Brust. Der Begriff leitet sich ab von "Mamma", dem medizinischen Fachausdruck für die weibliche Brust, und "Graphie", was für Darstellungsverfahren steht. Kleinste Weichteilkontraste und Mikroverkalkungen bis zu 0,1 Millimeter können durch die Mammographie abgebildet werden. Das macht sie zum wichtigsten bildgebenden Verfahren in der Brustkrebsdiagnostik.

Ab 50 Jahren: Mammographie auch zur Vorsorge

Teil der gesetzlichen Krebsvorsorge ist unter anderem das Abtasten der Brust durch den behandelnden Gynäkologen. Werden beim Abtasten Unregelmäßigkeiten entdeckt, wird als nächster Schritt eine Mammographie durchgeführt. Mit den Röntgenaufnahmen lassen sich Symptome oder Verdachtsbefunde eingehender untersuchen. In Verdachtsfällen gilt sie als Kassenleistung.

2004 wurde der Umfang der Krebsfrüherkennung in Deutschland um die Mammographie erweitert. Es werden organisierte Reihenuntersuchungen (Screenings) für alle Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren angeboten. Alle zwei Jahre werden Frauen dieser Altersgruppe zur Mammographie eingeladen. Die Teilnahme an der Untersuchung ist freiwillig und ihre Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen getragen.

Vorbereitung auf die Mammographie

Da die Untersuchung am freien Oberkörper durchgeführt wird, sollten Frauen auf leicht ablegbare Kleidung zurückgreifen. Desweiteren sollte man vor der Untersuchung auf Deodorant verzichten, da dieses einen irritierenden Rückstand auf dem Röntgenbild hinterlässt.

Der günstigste Zeitpunkt für eine Mammographie ist während der Periode oder in der Woche darauf. Zu dieser Zeit ist der Flüssigkeitsgehalt in der Brust am geringsten, die Röntgenbilder sind somit am aussagekräftigsten und am besten zu beurteilen.

Frauen, die die Menopause bereits überschritten haben, können sich zu jedem Zeitpunkt die Brust röntgen lassen. Bei Beschwerden oder Symptomen wird ebenfalls jederzeit eine Mammographie veranlasst.

Ablauf und Dauer der Mammographie

Eine Mammographie dauert maximal eine halbe Stunde. Die Aufnahmen werden am freien Oberkörper im Stehen durchgeführt. Die Brust wird zwischen zwei strahlendurchlässige Plexiglasscheiben flach zusammengedrückt. Dies wird teilweise als unangenehm und schmerzhaft empfunden.

Diese Prozedur optimiert jedoch das Ergebnis: Eine geringe Brustdicke minimiert die Strahlendosis und bildet Schärfe und Kontrast bestmöglich ab. Es werden von jeder Seite zwei Aufnahmen angefertigt. Einmal von oben nach unten sowie einmal schräg von der Mitte zur Seite. Das Röntgen beider Brüste ist notwendig, um im Vergleich Abweichungen besser erkennen zu können. Auf den zweidimensionalen Schwarzweißbildern begutachtet der untersuchende Arzt Haut und Unterhaut sowie Hauteinziehungen und Brustdrüsengewebe. Besteht ein begründeter Verdacht, werden weitere Untersuchungen eingeleitet.

Bei Befund weitere Diagnostik nötig

Denn mit einer Mammographie kann man nicht hundertprozentig belegen, dass es sich tatsächlich um einen bösartigen Befund handelt. Weitere Behandlungsmethoden sind notwendig, um die Untersuchung abzusichern und der Frau ein klares Ergebnis mitzuteilen. Das kann erneut eine Mammographie sein, aber auch Ultraschall oder eine Biopsie können zu den weiteren Schritten zählen.

Bei 80 Prozent der Frauen, die noch einmal untersucht werden, kann der erste Verdacht widerlegt werden. Bei einer befundlosen Untersuchung ist das Screening abgeschlossen und eine erneute Einladung erfolgt nach zwei Jahren.

Anwendungsgebiete der Mammographie

Jährlich erkranken 55.000 Frauen in Deutschland neu an Brustkrebs. Damit ist Brustkrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung bei Frauen. Die Hauptaufgaben der Mammographie sind die Früherkennung von symptomlosen Stadien des Brustkrebs sowie die genaue Diagnose verdächtiger Befunde.

Die Röntgenbilder ermöglichen eine Darstellung von kleinsten Karzinomen und Unregelmäßigkeiten, die durch Abtasten nicht erkennbar wären. Vor allem durch den Einsatz zur Früherkennung konnte die Mortalitätsrate bei Frauen über 50 Jahren deutlich gesenkt werden.

Folgende Indikationsbereiche gelten für eine Mammographie:

  • Tumorfrüherkennung: Eine Basismammographie wird zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr empfohlen, ab dem 40. Lebensjahr in jährlichen Abständen.

  • Hochrisikopatientinnen: Basismammographie vor dem 35. Lebensjahr, jährliche sonographische Kontrolle (Ultraschall), bis eine ausreichende Beurteilung durch die Mammographie gegeben ist.

  • Abklärung von verdächtigen Befunden: Mammographie zeigt Veränderungen an Drüsen-, Binde- und Fettgewebe, darüber hinaus können die exakte Größe des Tumors festgestellt sowie weitere Karzinome oder Streuungen nachgewiesen werden.

  • Tumornachsorge: Nach brusterhaltender Therapie wird in den ersten drei Jahren alle sechs Monate, danach einmal jährlich die betroffene Seite geröntgt; die nicht betroffene jährlich.

Als Indiz für krankhafte Veränderungen, die eine Mammographie notwendig machen, gelten folgende Symptome:

  •     unscharf begrenzter Knoten
  •     Knoten in der Achselhöhle
  •     Verhärtungen, Vorwölbungen oder Verdickungen
  •     Veränderungen von Größe und Umriss der Brüste
  •     Veränderungen der Haut durch Rötungen oder Einziehungen des Hautgewebes
  •     Einziehung oder Hautveränderungen an der Brustwarze
  •     Flüssigkeitsabsonderung aus der Brustwarze

Nachteile: Kritik an der Mammographie

Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung und erzeugt somit Strahlung, die den Körper belastet. Allerdings ist die Gefahr, durch Röntgenstrahlen an Krebs zu erkranken, wesentlich geringer als das Risiko, dass ein Tumorbefund unentdeckt bleibt. Durch moderne Technik und Geräte wird die Strahlenbelastung gering gehalten. Eine Mammographie benötigt eine durchschnittliche Strahlendosis von 0,2 bis 0,3 Millisievert. Als Vergleich wird häufig die durchschnittliche natürliche Strahlung, der man in Deutschland jährlich ausgesetzt ist, genannt. Diese beträgt 2,1 Millisievert.

Als Manko der Mammographie gelten auch falsch positive sowie falsch negative Befunde. Die Sensitivität der Untersuchung liegt bei 70 bis 75 Prozent. Das bedeutet, trotz einer Mammographie bleiben 25 bis 30 Prozent der Brustkrebserkrankungen unentdeckt. Findet die nächste Untersuchung erst nach zwei Jahren statt, können diese falsch negativen Befunde ein rechtzeitiges Eingreifen durch eine Behandlung bedeutend erschweren.

Bei falsch positiven Befunden steht vor allem der psychische Aspekt im Vordergrund: Frauen, die diese Diagnose erhalten, werden unnötig beunruhigt und müssen sich weiteren, überflüssigen Untersuchungen unterziehen.

Viele Frühformen von Brustkrebs werden durch die Mammographie gefunden. Allerdings ist mittels eines Röntgenbilds die Weiterentwicklung zu einem bösartigen Tumor nicht einschätzbar. Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, wird in den häufigsten Fällen vorsorglich zur Operation geraten. Das Problem, nicht zwischen kritischen und harmlosen Befunden unterscheiden zu können, führt oft zur Überbehandlung von Frauen. Trotz der hier aufgeführten Probleme ist der Nutzen, den die Früherkennung erzielt, von weit größerer Bedeutung.

Bessere Heilungschancen durch Früherkennung

Die Mammographie verhindert weder Brustkrebserkrankungen noch mindert sie das Risiko einer Erkrankung. Allerdings ermöglicht sie, Tumoren bereits in einem frühen Stadium zu erkennen und steigert damit die Chancen auf eine schnelle Behandlung. Die Untersuchung zeigt mit hoher Treffsicherheit Veränderungen in der Brust an, schon bevor sie tastbar sind.

Kleine Kalkablagerungen, sogenannter Mikrokalk, können erste Anzeichen für eine Tumorbildung sein und sind im Röntgenbild als kleine weiße Flecken gut sichtbar. Durch die Früherkennung können die Heilungschancen durch rechzeitige Therapie verbessert werden und damit wird letztendlich auch die Sterblichkeitsrate gesenkt.

Sonographie und MRT als ergänzende Diagnostik

Unter den bildgebenden Verfahren gibt es kaum Alternativen zur Brustkrebsfrüherkennung. Häufig werden diese Methoden eher ergänzend angewendet, um einen Befund abzuklären.

Sonographie: Die Ultraschalluntersuchung der Brust wird vor allem bei jungen Frauen durchgeführt, weil das Drüsengewebe noch eine hohe Dichte aufweist, was die Beurteilung der Röntgenbilder erschwert. Eine Mammographie vor dem 35. Lebensjahr ist daher weniger sinnvoll. Das gilt auch für Frauen, die hormonell verhüten sowie für solche, die eine Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden durchführen. Die Sonographie ist jedoch kein Ersatz für die Mammographie. Sie wird eher als ergänzende Methode genutzt, um Befunde abzuklären.

Magnetresonanztomographie der Brust: Diese Methode zählt ebenfalls nicht zu den Routineuntersuchungen in der Brustkrebsdiagnostik. Ein gezielter Einsatz erfolgt bei Frauen, denen bereits eine Brustkrebsdiagnose gestellt wurde, um nach weiteren Knoten zu suchen. Nach brusterhaltender Operation wird die Magnetresonanz-Tomographie angewendet, um Operationsnarben nach Auffälligkeiten besser beurteilen zu können. Nur dann ist dieses Diagnoseverfahren auch Kassenleistung.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. Februar 2016
Durch: es

Meistgeklickt zum Thema
Erhöhte Leberwerte
Blutwerte

Ab wann sind erhöhte Leberwerte gefährlich und welche Krankheiten können dahinterstecken? mehr...

Entzündungswerte im Blut
Blutwerte

CRP, Blutsenkung, Leukozyten: Was sagen hohe Werte aus und wo liegen ihre Grenzen? mehr...

Zungendiagnose: Symptome und Warnzeichen im Mund
Brennen, Flecken und Belag

Erkältung, Vitaminmangel oder Scharlach? Belag und Farbe der Zunge zeigen, wie gesund Sie sind. mehr...

Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Untersuchungen
  • DiagnoseDas macht der Arzt

    Wir erklären Ihnen medizinische Verfahren einfach und verständlich. Damit Sie Bescheid wissen, was der Doktor mit Ihnen vorhat. mehr...

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang