Detox im Alltag

Feinstaub, Elektrosmog, Glyphosat: Entgiften Sie Ihr Leben!

Glyphosat im Bier, Parabene in Kosmetika und Schimmel in den eigenen vier Wänden: Im Alltag sind wir einer Vielzahl von Umweltgiften ausgesetzt. Viele dieser Gefahren lassen sich aber zum Glück entschärfen.

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Spritzmittelreste, belastete Schuhe und Kleidung, Elektrosmog: In unserem Alltag sind wir einer Vielzahl schädlicher Einflüsse ausgesetzt.
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Hertha Krüger freute sich: Im Zuge einer Rundum-Sanierung ließ ihr Vermieter den alten Teppichboden im Wohnzimmer gegen Laminat austauschen. Doch die vermeintliche Verbesserung erwies sich als trügerisch. Schon nach dem Verlegen des Fußbodens nahm die Mieterin einen unangenehmen Geruch war, ihre Schleimhäute waren gereizt. In den folgenden Monaten ging es ihr zunehmend schlechter: Kopfschmerzen, Atemnot und juckender Hautausschlag quälten die 54-Jährige. Ein Baubiologe, den Hertha Krüger schließlich bestellte, brachte die Ursache an den Tag: Der schöne neue Laminatboden dünstete den Schadstoff Formaldehyd aus. Am Ende musste Hertha Krüger umziehen, damit sich ihr Gesundheitszustand besserte.

Und sie ist mit derartigen Symptomen nicht allein. Jeder dritte Deutsche leidet heutzutage unter Allergien – bedingt durch Wohngifte. Aber auch andere Schadstoffe wirken täglich auf uns ein.

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Trinkwasser, Kosmetika und Kleidung: Hier lauert die unsichtbare Gefahr

Erst vor kurzem warnten die deutschen Wasserversorger angesichts der wachsenden Menge von Chemikalien im Trinkwasser, dass sogar modernste Kläranlagen überfordert seien: Sie bekommen die Schadstoffe nicht mehr aus dem Wasser. Schuld sind Waschmittel, Kosmetika und Medikamenten-Rückstände. Aber auch in der Luft, die wir einatmen, und selbst in unseren Kleidungsstücken finden Experten immer wieder gefährliche Krankmacher. Aber dagegen können Sie etwas tun! Die Toxikologin Dr. Marike Kolossa vom Umweltbundesamt untersucht, wie sich Chemikalien auf die Umwelt, Mensch und Tier auswirken – und gibt hier Tipps, wie man sich schützen kann.

Feinstaub: Zehntausende Todesfälle jährlich gehen auf sein Konto!

Anfang März hat Stuttgart als erste deutsche Stadt den dritten Feinstaub-Alarm ausgelöst. Schuld sind winzige Stickstoffdioxid-Teilchen in der Luft – ihre Anzahl hatte den zulässigen Grenzwert überschritten. Die Staubkörner sind nicht sichtbar und werden vor allem von Fahrzeugen im Straßenverkehr ausgestoßen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes gingen in Deutschland zwischen 2007 und 2013 im Durchschnitt jährlich rund 46.000 vorzeitige Todesfälle auf die Belastung mit Feinstaub zurück! Die Behörde hat außerdem festgestellt: In Innenräumen ist die Feinstaub-Konzentration häufig höher als in der Außenluft. Der Grund: Die Luft kann hier weniger stark zirkulieren.

abgase mit auto-auspuff
Feinstaub kommt zum Beispiel aus dem Auto-Auspuff. Besonders aggressive Nanopartikel aber strömen aus manchen Druckern.
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Durch offene oder undichte Fenster oder durch Anhaftungen an Schuhen oder Kleidung gelangt die belastete Außenluft in die Wohnung. Feinstaub kann aber auch von uns selbst erzeugt werden – etwa durch Rauchen, Staubsaugen oder das Abbrennen von Kerzen. Besonders tückisch: Manche Computerdrucker produzieren Teilchen von nur wenigen Nanometern Größe, die sogar bis in die Blutbahn vordringen können.

Risiko: "Schon kleinste Konzentrationen schaden den Atemwegen und können Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen", warnt Marike Kolossa. Im schlimmsten Fall können die winzigen Eindringlinge sogar Herzinfarkte verursachen.

Was tun? Feinstaub-Messgeräte liefern detaillierte Auskunft über die Belastung zu Hause. Geräte wie "testo 308" kann man kaufen oder im Internet mieten. Bei erhöhter Konzentration Partikelfilter für Staubsauger und Abluftanlagen verwenden. Gut zu wissen: Eine optimale Raumfeuchte von 40 bis 60 Prozent sorgt dafür, dass die Staubteilchen benetzt werden und zu Boden sinken. Mehr Luftfeuchtigkeit soll es allerdings nicht sein, da sonst das Schimmelpilzrisiko steigt. Kontrollmöglichkeit bietet ein Hygrometer.

Wohngifte: Wenn Wände und Möbel krank machen

Apropos Schimmel: Wer Sporen in seiner Wohnung entdeckt, sollte schnell reagieren. Denn diese Art der Wohngifte kann hochgradig gesundheitsschädlich sein! "Schimmelpilze verteilen ihre Sporen in der Luft, die Menschen atmen sie ein", erklärt Expertin Kolossa. Das Problem: sehr viele Wohnungen sind befallen – meist ohne das Wissen der Bewohner. Einer besorgniserregenden Studie von immowelt.de zufolge wohnt jeder sechste Deutsche in einer Schimmelwohnung!

schimmel in der wohnung
Lüften und Heizen kann Schimmelbildung in der Wohnung vorbeugen, indem es die Luftfeuchtigkeit reduziert.
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"Erste Hinweise können Flecken an den Wänden und muffiger Geruch sein", sagt Marike Kolossa. Zugestellte Wände sollten besonders genau untersucht werden. Aber auch Duschkabinen und Gummidichtungen etwa am Kühlschrank sind Gefahrenquellen.

Neben dem tückischen Schimmel gibt es noch weitere Wohngifte: "Aus Möbeln und Bodenbelag können kontinuierlich Schadstoffe ausgasen", warnt die Toxikologin. In Holzspanplatten etwa, die in Möbeln oder als Träger für Parkett oder Laminat verwendet werden, ist oft Formaldehyd enthalten. Aber auch Wandfarben und Lacke können Konservierungsstoffe wie Isothiazolinone freisetzen. Und: Energiesparlampen beinhalten oft bis zu vier Milligramm Quecksilber, das ausdünsten kann.

Risiko: Allergiker, Asthmatiker und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders anfällig für jegliche Art von Wohngiften. Kopfschmerzen und Atembeschwerden sind typische Symptome.

Was tun? Beim Streichen emissionsarme Farben mit dem Siegel "Blauer Engel" verwenden. Was Leuchtmittel angeht, sind LEDs und Halogenlampen die ungiftige Variante. Schimmel sollte immer sachkundig entfernt werden. Das Umweltbundesamt stellt auf seiner Webseite einen Schimmelleitfaden mit wertvollen Infos zur Vorbeugung, Untersuchung und Sanierung zur Verfügung. In akuten Fällen immer einen Luftentfeuchter einsetzen!

Textilchemikalien: Besonders Outdoor-Kleidung ist betroffen

Nicht nur in unserer Wohnung, auch in unserer Kleidung lauert schädliche Chemie! Doch wer denkt beim Einkauf schon daran, dass der neue Pullover mit Schadstoffen belastet sein könnte? Dabei haben viele Stücke im Laden oft schon einen ganz typischen Geruch. Der stammt von einem Cocktail chemischer Substanzen, die beim Herstellungsprozess verwendet werden.

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Outdoor-Sportbekleidung ist besonders häufig und stark mit Schadstoffen belastet.
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"Diese sogenannten Ausrüststoffe sollen der Kleidung bestimmte Eigenschaften verleihen, sie etwa färben oder knitterfrei machen", erklärt Marike Kolossa. Manchmal werden sie auch nur verwendet, um die Garne für den Lagerungsprozess haltbarer zu machen. Vor allem Rückstände von Weichmachern, Chromsalzen und Schwermetallen finden sich in vielen Kleidungsstücken. Besonders betroffen: Outdoor-Kleidung.

Perfluoroctansäure (PFOA) etwa macht die Textilien wind- und wetterfest. Chemie hautnah? In der Tat sind die Giftstoffe nicht fest mit den Fasern verbunden. Beim Tragen eines Pullis etwa können sich die Substanzen aus dem Textil lösen und über die Haut aufgenommen werden – vor allem, wenn wir schwitzen.

Risiko: Hautreizungen und Allergien sind die Folge. Die Chemikalien wirken aber auch störend auf den Hormonhaushalt und das Immunsystem. Und: Formaldehyd etwa lässt nachweislich Tumore wachsen. Es soll für eine Form von Brustkrebs verantwortlich sein. Und Weichmacher – sogenannte Phthalate – in der Bekleidung können die Fruchtbarkeit schädigen und Asthma-Anfälle auslösen.

Was tun? Auf die Pflegeanleitung achten: Beschreibungen wie "bügelfrei", "regenabweisend" oder "knitterarm" sind sichere Hinweise auf chemische Substanzen. Siegel wie "Öko-Tex", "GOTS" oder "IVN Best" zeigen, dass Kleidungsstücke unbedenklich sind. Im Zweifel besser nicht zu importierter, sondern zu qualitativ hochwertiger Ware greifen. Toxikologin Kolossa empfiehlt, neue Kleidung vor dem ersten Tragen stets zu waschen.

Lebensmittel: Glyphosat und Bisphenol A

Auch beim Einkauf im Supermarkt heißt es: auf die Produktauswahl achten! Denn viele Lebensmittel sind ebenfalls belastet. "Risikoträger sind Verpackungen wie Konserven- und Getränkedosen, Folien, Flaschen oder bedruckte Kartonagen", sagt Marike Kolossa. Von dort wandern zum Beispiel enthaltene Weichmacher in unsere Lebensmittel. Ein weiterer Problemstoff, Bisphenol A (BPA), ist etwa in festen Plastikflaschen enthalten. Ganz aktuell hat das Umweltinstitut München das Pflanzenschutzmittel Glyphosat in den 14 meistverkauften deutschen Biersorten entdeckt. Und: 75 Prozent der Deutschen sind deutlich mit Glyphosat belastet – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung. "Glyphosat nehmen wir ebenfalls über die Nahrung auf", erklärt Dr. Kolossa. Besonders Getreideprodukte sind hier Schadstoffträger.

arbeiter spritzt feld
In 14 der meistverkauften deutschen Biere steckt der Unkrautvernichter Glyphosat. Kein Wunder: Jährlich landen mehrere Tausend Tonnen des umstrittenen Mittels auf Äckern und Feldern.
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Risiko: Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Weichmacher und BPA können Leberschäden, Übergewicht und Diabetes verursachen.

Was tun? Wer sich vor Glyphosat schützen will, sollte möglichst Bioprodukte kaufen, im Supermarkt zu regionaler und saisonaler Ware greifen und Fertiggerichte meiden. Lebensmittel zu Hause sollte man in neutralen Behältnissen wie Glas, Edelstahl, Keramik oder Porzellan aufbewahren. Und: möglichst auf Plastikflaschen verzichten.

Elektrosmog: Handy, Router und Co. verstrahlen die Wohnung

Und zu Hause? Dort leben wir inmitten von elektromagnetischen Feldern. Mobilfunk-, WLAN- und Radiowellen durchfluten unsere Wohnung. Das macht vielen Menschen Angst. Alles Einbildung? Eine britische Studie schürt aktuell die Bedenken: Danach hatten 47 Prozent der untersuchten Männer, die ihr Smartphone tagsüber in der Hosentasche tragen, eine verminderte Spermienqualität. Doch selbst wer das Handy aus der Hosentasche verbannt, ist der unsichtbaren Gefahr in vielfältiger Weise ausgesetzt. DECT-Telefone etwa senden 24 Stunden, selbst wenn nicht telefoniert wird. Sendemasten, Stromleitungen, Bluetooth-Verbindungen, Router – sie alle erzeugen die bedenklichen elektromagnetischen Felder bei uns zu Hause.

Risiko: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist eine Dauerbestrahlung möglicherweise krebserregend. Letzte Klarheit gibt es trotz zahlreicher Studien nicht.

Was tun? Router und Telefonbasis möglichst nicht ins Schlafzimmer stellen und das Handy nachts ausschalten. Sogenannte "eWall-Handy-Taschen" dienen als Strahlenschutz, 80 bis 95 Prozent der Strahlen werden so abgeblockt. Für Fenster gibt es spezielle Abschirmvorhänge. Der Abschirmstoff "NOVA" eignet sich besonders als Baldachin für das Bett.

Kosmetika: Mineralöl, Parabene, Aluminium

"Ausgerechnet Kosmetika, die wir alltäglich verwenden, sind nicht frei von Schadstoffen", warnt Dr. Kolossa. 2015 nahm die Stiftung Warentest Cremes, Lippenpflegeprodukte, Körperöle und Haarwachse unter die Lupe. Das erschreckende Ergebnis: In allen 25 untersuchten Produkten fand sie aromatische Kohlenwasserstoffe, sogenannte "Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons" (MOAH). Gefährlich sind MOAH vor allem bei Produkten der Lippenpflege, weil diese verschluckt werden können.

So einfach können wir Aluminium vermeiden

Lifeline/Wochit

frau studiert kosmetik-etikett
Nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei Kosmetika lohnt es sich, die Liste der Inhaltsstoffe zu studieren. Parabene etwa sind gängige Konservierungsmittel in Shampoo und Body Lotion, die hormonähnlich wirken.
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Doch MOAH sind nicht das einzige Problem. Duschgels und Shampoos enthalten laut Studien des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) Parabene. "Auch chemische UV-Filter sind eine Gefahr", ergänzt Marike Kolossa. Und: In Deos und Zahnpasta steckt oft Triclosan.

Risiko: Triclosan sowie chemische UV-Filter wirken im menschlichen Organismus wie körpereigene Botenstoffe und können Stoffwechselstörungen verursachen. Parabene hingegen werden häufig mit Krebserkrankungen in Verbindung gebracht.

Was tun? Ein Blick in die Liste der Inhaltsstoffe lohnt: Viele Hersteller werben mittlerweile mit freiwilligen Verzichtserklärungen wie etwa "aluminiumfrei" oder "triclosanfrei". Und: Die Datenbank "INCI" im Internet liefert nähere Infos zu den jeweiligen Inhaltsstoffen. Eine gute Alternative sind Naturkosmetika.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. Mai 2016
Quellen: mit freundlicher Genehmigung entnommen aus dem TV-Magazin "Gong" (13/2016)

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