Die häufigsten Fragen

Grünes Rezept: Das sollten Sie wissen!

Seit 2004 müssen Patienten rezeptfreie Arzneimittel aus der eigenen Tasche finanzieren. Trotzdem sind solche Mittel bei vielen Beschwerden erwiesenermaßen gut wirksam. Ärzte können deshalb seit gut zehn Jahren auf das grüne Rezept zurückgreifen. Es dient dem Patienten als eine Art Einkaufszettel oder Merkhilfe. Dem Apotheker wiederum macht der Vordruck klar, welches Präparat und welche Dosierung der Arzt für sinnvoll hält.

grünes Privatrezept
Das grüne Rezept ist eine Kauf- und Therapieempfehlung des Arztes für den Patienten.
Tom Lück/Wikimedia Creative Commons lizenziert unter BY-SA-3.0

Auf rund jedem fünften Rezept, das Ärzte hierzulande ausdrucken, steht ein rezeptfreies Arzneimittel. Ein Widerspruch? Nein, denn für solche Verordnungen nutzen niedergelassene Mediziner das grüne Rezept. Obwohl es seit 2004 eingesetzt wird, haben noch immer viele Patienten Fragezeichen in den Augen, wenn ihnen der Arzt statt eines rosafarbenen den grünen Vordruck aushändigt.

Lifeline beantwortet die häufigsten Fragen rund um das grüne Rezept. 

1. Was bedeutet ein grünes Rezept?

Ärzte aller Fachrichtungen verwenden die grünen Vordrucke, wenn sie ein rezeptfreies Arzneimittel für die Behandlung als sinnvoll erachten. Solche Präparate, zum Beispiel gegen Erkältungsbeschwerden oder Nagelpilz, werden Patienten ab einem Alter von zwölf Jahren seit 2004 in aller Regel nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Der Patient muss den vollen Kaufpreis in der Apotheke bezahlen.

Weil sich aber rezeptfreie Arzneimittel in der Therapie zahlreicher Krankheitsbilder bewährt haben, hat der Arzt seit 2004 auch die Möglichkeit, seine Therapieempfehlungen im Bereich apothekenpflichtiger Medikamente auf einem grünen Rezept festzuhalten. Diese Arzneimittel bezeichnet man auch als OTC-Präparate, weil sie ohne Rezept über den Verkaufstisch der Apotheke gehen können ("over the counter", kurz OTC).

Oft vermerkt der Mediziner auf einem Rezept gleich mehrere OTC-Präparate, zum Beispiel eines gegen die Schnupfennase und eines gegen Husten. Auch Packungsgröße und Dosierung kann er darauf festhalten, was dem Patienten und Apotheker die Auswahl des individuell richtigen Mittels erleichtert.

2. Was unterscheidet grüne von rosafarbenen oder blauen Rezepten?

Das rosa Kassenrezept halten viele für den Normalfall, wenn sie eine Hausarztpraxis verlassen. Darauf vermerkt der Arzt rezeptpflichtige Arzneimittel wie zum Beispiel Antibiotika, welche Apotheker nicht ohne ein solches Rezept aushändigen dürfen. Die Kosten trägt die gesetzliche Krankenversicherung, der Patient muss in der Apotheke lediglich eine Zuzahlung in Höhe von fünf bis zehn Euro entrichten.

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Für Privatversicherte gibt es blaue Rezepte, welche sie zur Erstattung bei ihrer Krankenkasse einreichen können. Zusätzlich benutzt der Arzt gelbe Vordrucke für Betäubungsmittel-Rezepte, die auch kürzer gültig sind als rosa und blaue Rezepte (sieben Tage statt drei Monate nach der Verordnung).

3. Sind Arzneimittel auf grünen Rezepten weniger wirksam?

Nein. Der Arzt entscheidet sich je nach Einzelfall für die wirkungsvollste und zugleich sanfteste, also möglichst nebenwirkungsarme Therapie. Das grüne Rezept bedeutet, dass der Arzt eine rezeptfreie Arznei für das Mittel der Wahl hält und ihr zum Beispiel wegen geringerer Nebenwirkungen den Vorzug vor einem verschreibungspflichtigen Medikament gegeben hat. Die Verordnung auf dem grünen Rezept bedeutet also, dass es sich um ein wirksames und häufig gut verträgliches Arzneimittel handelt.

Der Hauptunterschied zu Medikamenten auf rosa Rezepten: Präparate auf dem grünen Rezept fielen 2004 aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen, weshalb Patienten nun in den meisten Fällen selbst für die OTC-Präparate aufkommen müssen (Ausnahmen siehe Frage 7).

4. Wieso ist das grüne Rezept sinnvoll?

Das grüne Rezept erfüllt mehrere Aufgaben. Zum einen dient es dem Patienten als Merkhilfe. Zum anderen weiß der Apotheker damit auf den ersten Blick, welches Mittel der Arzt dem Patienten zukommen lassen will. Der Pharmazeut übernimmt dann die Beratung des Patienten hinsichtlich Dosierung, Einnahmedauer und -schema.

Zudem schafft die Verordnung eines Arzneimittels auf dem grünen Rezept Vertrauen. Für den Patienten wird so ersichtlich, dass der Arzt Kauf und Einnahme therapeutisch für zwingend notwendig hält und es sich um ein wirksames Arzneimittel handelt, das wegen seines vorteilhaften Nutzen-Risiko-Profils frei von der Rezeptpflicht ist.

Knapp jede zweite in Deutschland ausgehändigte Arzneimittelpackung fällt in den Bereich der Selbstmedikation. Auch das unterstreicht die Bedeutung des grünen Rezepts, das Patienten konkrete Tipps und Hinweise an die Hand gibt.

5. Muss ich ein grünes Rezept einlösen?

Nein. Allerdings signalisiert die Verordnung dem Patienten, dass der Arzt das auf dem grünen Rezept vermerkte Arzneimittel medizinisch für notwendig erachtet, auch wenn die Kasse die Kosten seit rund einem Jahrzehnt nicht mehr trägt. Oft wählen Hausärzte gezielt OTC-Präparate für die Behandlung, weil sie weniger Nebenwirkungen haben oder durch pflanzliche Inhaltsstoffe besonders schonend wirken.

Dennoch sind auch bei rezeptfreien Arzneimitteln Wechsel- und Nebenwirkungen möglich, wenn auch meist schwächer als bei verordnungspflichtigen Präparaten. Die ausführliche Beratung durch den Apotheker ist deshalb auch bei grünen Rezepten unabdingbar. 

6. Wie lange ist ein grünes Rezept gültig?

Das grüne Rezept ist im Gegensatz zu allen anderen Vordrucken, die der Arzt ausfüllt, unbegrenzt gültig und kann auch mehrere Monate bis Jahre nach dem Arztbesuch in der Apotheke eingelöst werden.

7. Muss ich beim grünen Rezept wirklich alles selbst bezahlen?

Nicht ganz. Viele Kassen wie beispielsweise die Techniker Krankenkasse (TK) halten in ihren erweiterten Satzungsleistungen fest, unter welchen Bedingungen und zu welchem Anteil sie die vom Patienten getätigten Ausgaben für OTC-Arzneimittel erstatten. Die TK etwa macht Ausnahmen, wenn Allergiker in der Apotheke Antihistaminika kaufen oder Demenzkranke Mittel mit Gingko-biloba-Extrakt benötigen.

Zudem kann man die entstandenen Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen von der Einkommenssteuer absetzen. Dazu ist es nötig, die grünen Rezepte eines Jahres und die Quittungen der dazugehörigen Apothekenbesuche aufzubewahren.

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