Ganglion betrifft nicht nur Sportler

Überbein am Gelenk oder an der Sehne

Bei einem Überbein (Ganglion) handelt es sich um einen gutartigen Tumor, der besonders häufig an den Hand- und Fingergelenken sowie den Sehnenscheiden auftritt. Woher das Ganglion kommt und welche Therapien helfen.

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Vor allem am Handgelenk kann sich ein Überbein bilden.
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Ein Überbein, medizinisch Ganglion, kann nur wenige Millimeter klein sein, jedoch auch die Größe einer Pflaume erreichen. Kleine Überbeine verursachen meist keine Beschwerden. Allerdings empfinden manche den kleinen Knubbel als unschön. Für sie ist das Überbein also eher ein kosmetisches Problem. Seinen Ursprung hat das Ganglion an Sehnenscheiden oder Gelenkkapseln, von wo aus es sich stielförmig bis unter die Hautoberfläche ausbreitet. Besonders häufig kommt es am Handgelenk, Handwurzelknochen, Sprunggelenk und Fußknochen vor. Laut Statistik haben eher Frauen ein Ganglion als Männer. Meist tritt der Tumor bis zum 50. Lebensjahr auf, danach lässt sich davon ausgehen, dass kein neues entsteht.

Großes Ganglion bereitet oft Schmerzen

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Erreicht der elastische Knoten jedoch eine gewisse Größe und beeinträchtigt er dabei Nerven, Blutgefäße, Sehnen oder Muskeln, löst es manchmal erhebliche Schmerzen und Taubheitsgefühle aus. Zusätzlich kann das Ganglion die Gelenkfunktion beeinträchtigen. Überbeine haben jedoch die Tendenz, immer mal wieder zu wachsen, dann wieder zu schrumpfen und sogar zu verschwinden. Manchmal kann sogar ein größeres Überbein auf diese Weise ohne Behandlung sich gänzlich auflösen.

Die Auslöser für das Überbein

Das Ganglion ist ein gutartiger Weichteiltumor mit einem Stiel, gefüllt mit einer gallertähnlichen Masse. Hauptbestandteil ist die körpereigene Hyaluronsäure. Das Überbein gehört damit zur Gattung der Zysten.

Vermutlich gibt es eine familiäre Veranlagung für das Auftreten von Ganglien. Häufig bildet sich das Überbein jedoch in Bereichen, die ständig gereizt und überlastet sind. Das Bindegewebe an den Sehnenscheiden oder am Gelenk produziert dadurch mehr Flüssigkeit. Überbeine entstehen deshalb besonders häufig an der so genannten "Maushand", also der Hand, die die Computermaus bedient.  Menschen, die viel am PC arbeiten, haben deshalb ein hohes Risiko für Überbeine an der Hand.

Risikofaktor Sehnenschaden oder Kapselriss

Auch eine Sehnenverletzung oder ein Kapselriss kann die Entstehung eines Überbeins begünstigen. Dann bildet der Körper vermehrt Gelenkflüssigkeit (Synovia). Diese tritt in das umliegende Gewebe aus und kapselt sich ab. Ein Ganglion hat sich gebildet. - eine Erklärung, warum Sportler auffallend häufig Überbeine haben.

Verschiedene Formen von Gangliom

Der Arzt unterscheidet zwischen unterschiedlichen Varianten des Überbeins, je nachdem, in welchem Bereich sich die Tumoren bilden:

  • Hangelenksgangliom - bildet sich am Handgelenk innen oder außen, wird bis zu zwei Zentimeter groß, kaum Bewegungseinschränkungen.
  • Ringband-Ganglion - sitzt im Bereich des Fingergrundgelenks, dort wo ein Ring getragen wird. Es führt häufig zu Bewegungseinschränkung und wird etwa einen Zentimeter groß.
  • Fingermittelglied-Ganglion - Ganglien an den Fingern betreffen etwa Musiker wie Geiger, Cellisten oder Klavierspieler
  • Fingerendglied-Ganglion
  • Kniekehlen-Ganglion - tritt vor allem bei Läufern auf
  • Fußrücken-Ganglion

Diagnose eines Ganglions

Bereits durch die Beschreibung der Beschwerden, der Blickdiagnose und Tasten erkennt der Arzt meist, dass es sich um ein Überbein handelt. Die Haut über der kleinen Kugel lässt sich verschieben, das Ganglion selbst jedoch nicht. Mit letzter Sicherheit lässt sich jedoch nur per Punktion feststellen, ob es sich tatsächlich um ein Ganglion handelt. Diese labortechnische Untersuchung ist jedoch meist nicht nötig, weil es keine bösartigen Tumore gibt, die von außen wie ein Ganglion aussehen.

Daneben kann ein Ganglion ähnlich wie die Gelenkveränderung durch Arthrose aussehen. Hier helfen Ultraschall, Röntgen oder MRT (Magnetresonanztomografie) dabei herauszufinden, welchen Ursprung der Knubbel hat.

Therapien beim Überbein

Ein Ganglion lässt sich auf verschiedene Weise behandeln:

  • Der betroffene Bereich wird mit einer Schiene ruhiggestellt. Damit wird die Überreizung aus dem Gelenk oder der Sehne genommen und manchmal bildet sich das Ganglion dadurch zurück.
  • Mit der Punktion wird die Flüssigkeit aus der Kapsel gezogen und das Überbein fällt in sich zusammen. Bei dieser Methode besteht jedoch die Gefahr, dass sich das Überbein wieder auffüllt.
  • Der Arzt injiziert Hyaluronidase in das Ganglion.  Diese Enzyme bauen Hyaluronsäure, den Haupbestandteil des Überbeins, einfach ab.
  • Eine Kortisoninjektion kann Schwellung und Entzündung lindern.
  • Operation - das Überbein wird mit dem Stiel über einen kleinen Schnitt entfernt. Dabei schließt der Chirurg die Verbindung zwischen Kapsel und Sehne/Gelenk. Doch auch nach dieser radikalen Therapie kann das Ganglion in bis zu 20 Prozent der Fälle wiederauftreten.

Mit dem Hammer gegen das Überbein

Früher rückten Ärzte dem Überbein übrigens mit einem Hammer zu Leibe. Der gezielte Schlag auf das Ganglion ließ die Kapsel zerbersten. Die Flüssigkeit gelangte in das umliegende Gewebe. Der Körper baute sie nach und nach ab. Für einige Zeit war das Überbein also weg oder wenigstens wesentlich kleiner. Weil jedoch die Teile der Kapsel und ihr Stil noch vorhanden waren, bildete sich der Tumor meist erneut.

Einem Ganglion vorbeugen

Besteht in Ihrer Familie eine Veranlagung zur Bildung von Überbeinen, lässt sich kaum gezielt dagegen vorbeugen. Denn es liegt in Ihren Genen, ein Ganglion oder sogar mehrere zu bekommen. Doch mit bestimmten Vorbeugemaßnahmen können Sie einiges dafür tun, dass die Überbeine nicht noch größer werden - oder, falls bei Ihnen keine familiäre Belastung besteht, erst gar nicht auftreten. Zwar ist die genaue Ursache für ein Ganglion noch nicht wissenschaftlich bewiesen. Ein Zusammenhang zwischen Überbeanspruchung von Sehnen/Gelenken und der Entstehung eines Überbeins ist jedoch relativ sicher. Sinnvoll ist deshalb zur Vorbeugung:

  • Führen Sie vor und nach dem Sport Dehnübungen durch.
  • Vermeiden Sie einseitige, ständige Überlastung der Gelenke und Sehnen.
  • Gönnen Sie der Maushand immer wieder Entspannungsmomente. Strecken, dehnen und lockern Sie dabei Ihre Finger, bewegen Sie das Handgelenk sanft in alle Richtungen.

Autor:
Letzte Aktualisierung:07. Juli 2014
Quellen: Kloeters, O. und Müller, M.: Crashkurs Chirurgie: Repetitorium mit Einarbeitung der wichtigsten Prüfungsfakten. Elsevier, München Rössler, H. und Rüther, W.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Elsevier, München Maibaum, S. et al.: Therapielexikon der Sportmedizin. Springer, Heidelberg

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