Fehlbildung des Brustkorbs

Trichterbrust: Symptome und Behandlung

Eine Trichterbrust verursacht nur selten körperliche Beschwerden. Allerdings leiden viele Betroffene unter dem optischen Erscheinungsbild der Fehlbildung. Was ist eine Trichterbrust und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Jugendlicher schaut deprimiert in den Spiegel.
Gerade für Jugendliche ist eine Trichterbrust psychisch oft sehr belastend.
© iStock.com/Brian Niles

Die Trichterbrust (auch "Pectus excavatum") ist eine angeborene Fehlbildung des Brustkorbs: Das Brustbein steht auffällig nach innen, sodass die vordere Brustwand trichterförmig vertieft ist. Etwa eins von 300 bis 400 Neugeborenen ist von der Fehlbildung betroffen, Jungen deutlich häufiger als Mädchen.

Direkt nach der Geburt fällt eine Trichterbrust kaum auf, während des Wachstums nimmt das Ausmaß der Fehlbildung dann zu – vor allem in der Pubertät. Meist wird die Diagnose innerhalb des ersten Lebensjahres gestellt.

Artikelinhalte im Überblick:

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Wieso entsteht eine Trichterbrust?

Ein Pectus excavatum entsteht, weil das Wachstum von Knochen- und Knorpelgewebe im Bereich der Rippen gestört ist. Warum es dazu kommt, ist noch nicht sicher geklärt. Wissenschaftler gehen von einer genetischen Veranlagung aus: Die Trichterbrust tritt innerhalb bestimmter Familien gehäuft auf.

Symptome der Trichterbrust

Für viele Betroffene ist das optische Erscheinungsbild der Trichterbrust eine große psychische Belastung. Starke körperliche Beschwerden sind jedoch eher selten. In ausgeprägten Fällen kann die Fehlbildung die Herz-Lungen-Funktion beeinträchtigen und dadurch die körperliche Leistungsfähigkeit vermindern.

Wie sieht eine Trichterbrust aus?

Das Ausmaß der Fehlbildung variiert stark. Bei manchen Betroffenen besteht ein deutlicher Unterschied zwischen rechter und linker Seite.

Typische Kennzeichen:

  • Die vordere Brustwand ist eingesunken, insbesondere der untere Anteil des Brustbeins. Am unter Rippenbogen stehen oft die Rippen heraus.

  • Häufig geht die Trichterbrust mit einer Fehlhaltung einher: Die Schultern hängen nach vorne und unten, die Brustwirbelsäule ist nach vorne gekrümmt und der Bauch wölbt sich hervor.

  • Wenn die Trichterbrust bei einer Frau nicht gleichseitig ausgeprägt ist, kann dies zu Brüsten mit unterschiedlicher Form und Größe führen.

  • Während des Wachstums kann eine S-förmige Verbiegung der Wirbelsäule (Skoliose) dazukommen.

Psychische Folgen der Fehlbildung

Insbesondere Jugendliche leiden häufig unter dem ästhetischen Aspekt der Fehlbildung und halten sich von allen Aktivitäten fern, bei denen der nackte Oberkörper sichtbar ist. Sie treiben keinen Sport und ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Bei Frauen verstärken unterschiedlich große Brüste das Problem oft noch.

Körperliche Beschwerden

Folgende körperliche Symptome können auftreten:

  • Schmerzen im Brustkorb und Rücken

  • Ein erhöhter Druck auf den Magen kann Reflux und in der Folge Sodbrennen verursachen. 

  • Ist die Trichterbrust stark ausgeprägt, hat das Herz weniger Platz. Bei einigen Betroffenen ist dadurch das Schlagvolumen des Herzens (die Blutmenge, die es mit einem Schlag transportieren kann) vermindert. Mögliche Folgen sind Herzrasen und Atemnot bei körperlicher Belastung.

  • Das verkleinerte Volumen des Brustkorbs kann sich auf die Lungenfunktion auswirken. Es ist umstritten, ob es dadurch zu Atembeschwerden und Atemnot kommen kann.

Kinder mit Trichterbrust haben meist keine körperlichen Beschwerden, da der kindliche Brustkorb noch weich und relativ elastisch ist. Herz und Lunge können sich an die anatomische Situation im Brustkorb anpassen. Ab Beginn der Pubertät sind aufgrund der zunehmenden Starrheit des Brustkorbs Einschränkungen möglich.

Welche Untersuchungen sind notwendig?

Damit der Arzt eine Trichterbrust beurteilen kann, reicht häufig ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Der Mediziner hört das Herz mit dem Stethoskop ab, misst die Tiefe des Trichters und tastet Brustwand und Wirbelsäule des Patienten ab. Eine Bilddokumentation ist hilfreich, um den Krankheitsverlauf beurteilen zu können. Weitere Untersuchungen sind bei ausgeprägten Formen notwendig, etwa um die Notwendigkeit einer OP abzuklären.

Was tun bei Trichterbrust?

Welche Therapie sinnvoll ist, hängt neben dem Schweregrad des Pectus excavatum auch von Alter und Wunsch des Betroffenen ab. Bei den meisten Patienten ergänzen sich die verschiedenen Therapiemöglichkeiten:

  • Krankengymnastik: Wenn der Betroffene die Übungen konsequent und regelmäßig durchführt, kann Krankengymnastik insbesondere während der Wachstumsphase Körperfehlhaltungen und Schmerzen entgegenwirken. Zum Einsatz kommen Stärkungsübungen für Brust und Rücken sowie Atemübungen und Ausdauerdauertraining.

  • Saugglocke: Die Saugglocke erzeugt Unterdruck und soll bei täglicher Anwendung zu einer Anhebung des Trichters und so zu einer allmählichen Korrektur der Fehlstellung führen. Die Patienten müssen die Saugglocke etwa zwei bis drei Jahre lang jeden Tag für ein bis drei Stunden auf die Trichterbrust aufsetzen. Obwohl Belege für eine Wirksamkeit vorliegen, bezahlt die Krankenkasse diese Behandlung in den wenigsten Fällen.

  • Trichterbrust-OP: Bei körperlichen Symptomen wie Atemnot und Herzrasen oder bei starker psychischer Belastung kann eine Operation helfen.

Operation zur Korrektur der Trichterbrust

Es gibt unterschiedliche Operationsmethoden. Die am weitesten verbreitete ist die minimal-invasive Trichterbrustkorrektur nach Nuss. Bei dieser Methode schiebt der Chirurg ein oder zwei U-förmige Bügel unter den Trichterboden und fixiert sie seitlich an den Rippen. Die Bügel heben das Brustbein an. Nach der Operation muss der Patient noch einige Tage in der Klinik bleiben, meist ist eine längere Schmerztherapie notwendig. Nach drei Jahren muss der Chirurg die Bügel in einer zweiten Operation entfernen.

Die Trichterbrustkorrektur nach Nuss findet idealerweise nach Abschluss des Längenwachstums statt, also wenn die Patienten zwischen 16 und 20 Jahre alt sind. Die Methode kann aber auch bei älteren Patienten zum Einsatz kommen.

Wie bei jeder Operation sind auch bei einer Trichterbrust-OP Komplikationen möglich. Gerade bei Patienten, die bei nur leichten Beschwerden oder aus kosmetischen Gründen eine OP wünschen, ist es wichtig, Nutzen und Risiko der Therapiemöglichkeiten gut abzuwägen.

Auch nach einer Operation ist Physiotherapie wichtig, um die Muskulatur aufzubauen und eine aufrechte Haltung zu unterstützen. Ideal sind – auch für nicht operierte Patienten – ergänzende Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Laufen, die die allgemeine Muskulatur kräftigen und eine gesunde Körperhaltung fördern.


Verlauf und Prognose der Trichterbrust

Da eine Trichterbrust nur selten zu starken körperlichen Beeinträchtigungen führt, ist der Gesundheitszustand der Betroffenen meist auch ohne Behandlung gut. Eine gezielte Physiotherapie kann Schmerzen und Haltungsschäden bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen für gewöhnlich verhindern. Auch Operationen zur Korrektur der Trichterbrust sind in der Regel erfolgreich.

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