Geheimratsecken: Was tun bei Haarausfall?

Wenn sich an den Schläfen plötzlich das Haar lichtet, ist das für viele ein Schock. Immer größer werdende Geheimratsecken können verschiedene Ursachen haben. Wie sich der Haarausfall behandeln lässt und welche Frisuren kaschieren.

Geheimratsecken: Was tun bei Haarausfall?
© Getty Images/ Diego Cervo / EyeEm

Größere Geheimratsecken sind ein typisches Männerphänomen: Fallen die Haare an den Schläfen aus und die kahlen Stellen werden sichtbarer, ist das für viele Männer mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Denn volles Haar wird häufig mit Attraktivität in Verbindung gebracht. Bei Frauen treten Geheimratsecken nur äußerst selten auf.

Artikelinhalte im Überblick:

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Ursachen: Wie entstehen Geheimratsecken?

Dass der Mensch täglich Haare verliert, ist vollkommen normal: Jedes Haar durchläuft einen Wachstumszyklus, bei dem das Haar am Ende ausfällt. Bis zu 100 Haare verlieren Männer und Frauen auf diese Weise pro Tag. Plötzlicher, starker und anhaltender Haarausfall kann hingegen auf verschiedene Ursachen hinweisen. Wenn sich Geheimratsecken ausbilden, kann das zum Beispiel auf Folgendes zurückzuführen sein:

  • Stress

  • Nährstoffmangel, zum Beispiel Eisenmangel

  • Schilddrüsenfunktionsstörung

  • Nebenwirkung von Medikamenten

  • Mechanische Faktoren wie das ständige Tragen einer sehr engen Kopfbedeckung, wodurch ein starker Zug auf die Haare wirkt und sie leichter ausreisen können

  • Androgenetische Alopezie (anlagebedingter Haarausfall/Haarausfall durch männliche Hormone; Androgene sind männliche Geschlechtshormone, die in geringerer Konzentration auch bei der Frau vorkommen)

Androgenetische Alopezie als Ursache von Geheimratsecken

Besonders häufig steckt eine androgenetische Alopezie hinter der Entstehung von Geheimratsecken: 70 Prozent aller Männer und 40 Prozent aller Frauen sind davon betroffen.

Bei der androgenetischen Alopezie handelt es sich nicht um eine Erkrankung. Denn im Gegensatz zu den Gerüchten ist der Haarausfall nicht etwa durch ein Zuviel an Testosteron im Blut bedingt. Die androgenetische Alopezie entsteht, weil die Haarfollikel überempfindlich auf die aktive Form von Testosteron, das sogenannte Dihydrotestosteron (DHT), reagieren. Durch eine erhöhte Aktivität des Enzyms Steroid-5α-Reduktase wird vermehrt Testosteron in Dihydrotestosteron umgewandelt. Als Folge kommt es zu einer Verkleinerung der Haarfollikel, sodass nur noch dünnere und kürzere Haare gebildet werden. Außerdem verkürzt sich die Wachstumsphase der Haare und ihre Ruhephase verlängert sich, wodurch die Haare schneller ausfallen. Im Laufe der Zeit werden dann gar keine neuen Haare mehr gebildet.

Die androgenetische Alopezie zeigt sich beim Mann typischerweise zuerst durch die Bildung von Geheimratsecken und durch das Zurückweichen des Haaransatzes. In einem fortgeschrittenen Stadium kommt Haarausfall am Hinterkopf auf Scheitelhöhe (Tonsur, umgangssprachlich auch bekannt als "Platte") hinzu. Die kahlen Stellen verbinden sich irgendwann miteinander, sodass eine (Teil-)Glatze entsteht. Bei Frauen äußert sich der anlagebedingte Haarausfall nicht durch Geheimratsecken, sondern durch lichter werdendes Haar am Mittelscheitel.

Bei der androgenetischen Alopezie handelt es sich um eine genetisch bedingte Erscheinung, die vererbt wird. Nur weil Geheimratsecken in der Familie vorkommen, müssen sie aber nicht automatisch auch bei allen männlichen Nachkommen entstehen. Auch führen Geheimratsecken nicht zwangsläufig zu einer Glatze.

Ab wann Geheimratsecken?

Da sich mit zunehmendem Lebensalter das Haar natürlicherweise lichtet, werden auch die Geheimratsecken mit der Zeit sichtbarer und sind im Alter daher wesentlich häufiger zu erkennen. Ist ein anlagebedingter Haarausfall für die Geheimratsecken verantwortlich, kann sich dieser oft schon in jungen Jahren bemerkbar machen. Bereits nach der Pubertät beginnt der Haarausfall, weshalb Jugendliche etwa im Alter von 18 bis 20 Jahren Geheimratsecken aufweisen können.

Behandlung: Was hilft gegen Geheimratsecken?

Wer unter starkem oder anhaltendem Haarausfall leidet, sollte eine ärztliche Beratung in Anspruch nehmen. In der hausärztlichen Praxis kann geklärt werden, ob zum Beispiel eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder ein Nährstoffmangel dahintersteckt. Die hautärztliche Praxis kann weiteren Ursachen für die Ausbildung der Geheimratsecken auf den Grund gehen. Dies geschieht unter anderem mit einer Untersuchung der Kopfhaut, der Beurteilung von bestimmten Haarlichtungsmustern, einem Haarzugtest oder mithilfe eines Trichogramms (Haarwurzeluntersuchung).

Ist eine androgenetische Alopezie Ursache für die Geheimratsecken, muss diese nicht notwendigerweise behandelt werden. Eine Therapie wird nur dann erwogen, wenn einen der Haarausfall stört. Dies ist jedoch häufig der Fall – Haarausfall kann sogar zu stärkeren psychischen Beeinträchtigungen führen. Von vermeintlichen Wundermitteln zum Haarwachstum wird jedoch abgeraten: Für die Wirkung solcher Produkte gibt es meist keine wissenschaftlichen Belege.

Folgende Mittel gelten hingegen als wirksam:

  • Minoxidil – rezeptfreies Mittel bei androgenetischer Alopezie: Dieser Wirkstoff ist als Lösung oder Shampoo verfügbar und wird somit lokal äußerlich angewendet. Die Dosierung richtet sich nach dem Geschlecht, weshalb die Packungsbeilage aufmerksam gelesen werden sollte. Zur Therapie mit Minoxidil liegen Daten vor: In 80 bis 90 Prozent der Fälle kann der Haarverlust gestoppt werden, in 50 Prozent der Fälle verdichtet sich das Haar wieder. Wird das Mittel abgesetzt, beginnt der Haarausfall erneut. Auch wenn die Präparate frei verkäuflich sind, gilt: Da Minoxidil mit Nebenwirkungen einhergehen kann, sollte vor der Anwendung eine ärztliche Beratung erfolgen.

  • Finasterid – verschreibungspflichtiges Medikament bei androgenetischer Alopezie: Dieses Medikament wird oral als Tablette eingenommen und wirkt somit systemisch. Der Wirkstoff wird also über die Blutbahn im gesamten Körper verteilt. Das Medikament darf nur von Männern eingenommen werden. Die Wirkung von Finasterid bei hormonell bedingtem Haarausfall ist ebenfalls hoch: In 80 bis 90 Prozent der Fälle wird der Haarausfall gestoppt, in 50 Prozent der Fälle verdichtet sich das Haar. Nach Absetzen des Medikaments kommt es erneut zu Haarausfall.

  • Eigenhaartransplantation: In fortgeschrittenen Stadien kann Eigenhaar an die kahlen Stellen der Geheimratsecken transplantiert werden. Dazu wird Haar vom Hinterkopf entnommen, da die Haarfollikel in diesem Bereich nicht hormonell fehlprogrammiert sind. Die Methode ist kostspieliger als Medikamente, stellt dafür aber eine dauerhafte Lösung bei störenden Geheimratsecken dar. Alternativ können Haarersatzteile oder Perücken in ausgeprägten Fällen von Haarausfall zum Einsatz kommen.

  • Weitere Methoden: Das Haarwachstum könnte auch durch eine Low-Level-Laser-Therapie oder eine PRP-Therapie (Eigenbluttherapie) angeregt werden. Die Studienlage ist hierzu noch gering, weshalb es keine generelle Empfehlung für diese Therapieformen gibt. Ob eine Methode bei Geheimratsecken infrage kommt, kann aber im individuellen Fall ärztlich abgeklärt werden.


Frisuren: Wie lassen sich Geheimratsecken bei Männern kaschieren?

Geheimratsecken sind keine ästhetische Entstellung und kein Grund, sich zu schämen. Man(n) kann daher vollkommen selbstbewusst zu seiner Haarveränderung stehen und muss sich nicht unattraktiv fühlen. Wer die Geheimratsecken aber weniger offensichtlich zur Schau stellen möchte, sollte ein passendes Haarstyling wählen. Am besten lässt man sich von erfahrenen Händen im Salon eine Frisur schneiden, die zum individuellen Typ passt.

Folgende Frisuren sind bei Geheimratsecken zum Beispiel geeignet:

  • Rappelkurz: Bei einem extremen Kurzhaarschnitt schimmert die Kopfhaut überall leicht durch, auf diese Weise fallen die Geheimratsecken weniger auf.

  • Surfer-Look: Wildes Haar mit Pony lässt sich prima über die Geheimratsecken legen. Wichtig ist dabei aber, dass die Haare natürlich dorthin fallen und nicht gegelt werden müssen, deshalb ist ein guter Schnitt ein Muss. Zu langes Haar sowie zu viel Gel in den Haaren ist bei Geheimratsecken nicht zu empfehlen.

  • Extremer Seitenscheitel: Kleinere Geheimratsecken können kaschiert werden, wenn der Scheitel auf der Höhe einer Geheimratsecke gezogen wird und das Haar die andere Seite dadurch komplett verdeckt.

  • Undercut: Bei diesem angesagten Styling werden die Seiten kurz geschnitten, während das Deckhaar lang bleibt und voluminöser wirkt. Wichtig hierbei ist es, das Deckhaar richtig zu stylen, damit die Geheimratsecken auch wirklich weniger ins Auge stechen. Daher unbedingt vorher im Haarsalon Bescheid sagen, dass man sich einen Schnitt wünscht, der die Geheimratsecken kaschiert.

  • Farbwechsel: Helle Strähnen im Haar können den Übergang von Haut und Haar weicher wirken lassen, wodurch die Geheimratsecken weniger auffallen.

  • Bart: Ein Bart kaschiert zwar nicht die Geheimratsecken, er ist aber eine gute Ablenkung. Ein Hingucker-Bart, der zu einem passt, kann im Barber Shop gestylt werden.

  • Glatze: Dieser Schritt klingt ziemlich radikal, kann bei starken Geheimratsecken und Haarausfall an weiteren Stellen aber durchaus eine geeignete Lösung sein. Es gibt viele Typen, denen eine Glatze sehr gut steht. Auch hier eignet sich eine fachgerechte Beratung.

Hausmittel gegen Schuppen: Elf natürliche Helfer
Beratender Experte
Herr Dr. med. Oliver Mainusch

Facharzt für Haut u. Geschlechtskrankheiten in Velbert

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