Europaweite Studie der TU Dresden

Psychische Störungen nehmen zu

Die gesamtgesellschaftliche Belastung durch psychische und neurologische Erkrankungen in der EU ist deutlich größer als bislang angenommen. Die Missstände in der Versorgung sind dramatisch. So die Ergebnisse einer Studie der TU Dresden, die über drei Jahre lang in allen 27 EU-Staaten sowie der Schweiz, Island und Norwegen durchgeführt wurde.

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Wer an "Depersonalisierung", dem Gefühl von Entfremdung sich selbst gegenüber, leidet, braucht fachgerechte Hilfe.
(c) Erik Snyder

Zunehmend klagen Menschen in der Industriegesellschaft über Depressionen, Burnout, Ängste oder Panikattacken . Die gesellschaftliche Belastung durch psychische Störungen ist inzwischen größer als die durch Krebs oder Herzerkrankungen.

Gesundheitspolititsche Herausforderung des 21. Jahrhunderts

Psychische Störungen werden von den Hausärzten kaum diagnostiziert und fachgerecht behandelt. Sie sind europaweit zur größten gesundheitspolitischen Herausforderung des 21. Jahrhunderts geworden. Jährlich leiden 38,2 Prozent aller Einwohner der EU (164,8 Millionen Menschen) unter einer klinisch bedeutsamen psychischen Störung.

Dies sind die Hauptergebnisse einer wissenschaftlichen Studie, die vom Dresdner Psychologen Prof. Hans-Ulrich Wittchen (TU Dresden) geleitet und vom European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) sowie dem European Brain Council (EBC) präsentiert wurde.

Weniger als ein Drittel der Betroffenen wird behandelt

Die Autoren stellen zudem dramatische Missstände in der Versorgung fest. Weniger als ein Drittel aller Betroffenen wird überhaupt behandelt, zumeist nicht im Einklang mit fachlichen Richtlinien. Rechnet man die neurologischen Erkrankungen noch dazu, ist das „wahre“ Ausmaß der gesellschaftlichen Belastung noch deutlich höher. Angesichts steigender Lebenserwartung und der damit einhergehenden Zunahme von Alterserkrankungen werden in der Studie konzertierte Aktionen in der klinischen Grundlagen- und der Versorgungsforschung gefordert, um Versorgung und Prävention zu verbessern und die gesundheits-ökonomische Belastung nachhaltig zu reduzieren.

Die Studienergebnisse (veröffentlicht in „European Neuropsychopharmacology“) basieren auf einer über drei Jahre durchgeführten wissenschaftlichen Arbeit und beziehen sich auf alle 27 EU Staaten sowie die Schweiz, Island und Norwegen mit einer Gesamt-Einwohnerzahl von 514 Millionen Menschen. Es wurden mehr als 100 unterschiedliche psychische und neurologische Krankheitsbilder berücksichtigt. Damit ist dies die weltweit erste Studie, die ein nahezu vollständiges Spektrum von psychischen und neurologischen Störungen umfasst. Sie liefert erstmals ein realistisches Bild zur Häufigkeit und Belastung psychischer Störungen für Europa als Ganzes.

http://www.psychologie.tu-dresden.de

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ORF

Autor: Lifeline Redaktion / Jutta Keller
Letzte Aktualisierung: 12. Dezember 2011
Quellen: European Neuropsychopharmacology

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