Wenn jeder Schritt schmerzt

Fersensporn (Kalkaneussporn): Behandlung von Fersenschmerzen

Stechende Fersenschmerzen stehen häufig in Zusammenhang mit einem Fersensporn, auch Kalkaneussporn genannt. Der knöcherne Auswuchs am Fersenbein muss an sich nicht behandelt werden. Nur wenn Beschwerden hinzukommen, ist eine Behandlung nötig. Aber was ist ein Fersensporn eigentlich? Alles rund um Symptome, Therapie und Ursachen.

Frau hat Schmerzen am Fuß
Ein Fersensporn verursacht meist keine Beschwerden. Erst wenn zum Beispiel eine Entzündung dazukommt, entstehen Fersenschmerzen.
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Das Gewicht unseres Körpers lastet beim Stehen, Gehen und Laufen komplett auf unseren Füßen. Das geht vor allem an der Ferse nicht immer spurlos vorbei: Viele Menschen leiden unter stechenden Fersenschmerzen, im Volksmund als Fersensporn bezeichnet.

Von einem Fersensporn (Kalkaneussporn) ist die Rede, wenn sich am Übergang der Fußsohlensehnenplatte (auch Aponeurosis plantaris, Plantaraponeurose, Plantarsehne oder Plantarfaszie genannt) zur Ferse ein dornartiger, knöcherner Auswuchs bildet.

Mediziner sprechen weniger vom Fersensporn als vielmehr vom Fersenschmerz. Denn der Fersensporn an sich ist schmerzlos und muss daher selten behandelt werden. Erst, wenn sich zusätzlich zum Fersensporn eine Entzündung gebildet hat, kommt es zu therapiebedürftigen Fersenschmerzen.

Fersenschmerzen, die von Laien häufig mit dem Fersensporn gleichgesetzt werden, lassen sich unterteilen in:

  • dorsalen Fersenschmerz (Haglund-Exostose oder Haglundferse, oft auch bezeichnet als oberer Fersensporn): Durch Reizung der Achillessehne kommt es zu einer Entzündung, die wiederum zur Bildung einer aufgerauten knöchernen Verdickung führt. Der Übergang zur Sehne verkalkt. Häufig sind davon Sportler betroffen.

  • medialen (auch bezeichnet als unterer oder plantarer) Fersenschmerz: Ihn meinen Laien, wenn sie vom Fersensporn sprechen. Eine Knochenzacke unterhalb der Ferse (der eigentliche Fersensporn) ist jedoch eher eine Begleiterscheinung, nicht die Ursache des medialen Fersenschmerzes. Diesem können verschiedene Erkrankungen zugrunde liegen.

Zehn Prozent der Bevölkerung entwickeln laut Schätzungen einen Fersensporn. Am häufigsten sind 40- bis 60-Jährige betroffen.

Fersensporn: So wird man ihn los

Symptome: Daran erkennt man den Fersensporn

Bei einem Fersensporn handelt es sich um eine Knochenzacke am Fersenbein (Calcaneus). Daher wird der Fersensporn auch als Kalkaneussporn bezeichnet. Er selbst verursacht meist keine Beschwerden, vielmehr ist eine Entzündung des umliegenden Gewebes meist für die Fersenschmerzen verantwortlich.

"Der Fersensporn ist an sich schmerzlos", sagt Johannes Flechtenmacher, Facharzt für Orthopädie und Präsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU). Es kann jedoch zu stechenden Schmerzen kommen, wenn sich das umliegende Gewebe entzündet.

Ein dorsaler Fersensschmerz (Haglund-Exostose) kann zusätzlich zu Schmerzen beim Abrollen und bei Zug auf die Achillessehne mit Schwellungen und Rötungen einhergehen.

Ein medialer Fersenschmerz (oft in Verbindung mit einem plantaren Fersensporn) kann sich durch Anlaufschmerzen äußern, die nach den ersten Schritten häufig abklingen.

Manchmal lässt sich ein Fersensporn sogar ertasten. Das ist dann der Fall, wenn er bereits eine gewisse Größe erreicht hat.

Der eigentliche Fersensporn ist nur in Verbindung mit anderen Erkrankungen, zum Beispiel einer Entzündung der Plantarsehne, die das Fußgewölbe stützt, schmerzhaft. Daher wird der Auswuchs oft gar nicht entdeckt. Ohne Beschwerden ist auch keine Behandlung nötig.

Wie entsteht ein Fersensporn? Die Ursachen

Beim Fersensporn handelt es sich um eine degenerative, also durch Verschleiß bedingte Krankheit. Er entsteht meist durch eine übermäßige oder falsche Belastung des Fußes.

Die Haglund-Exostose (dorsaler Fersenschmerz) bildet sich durch Druck auf die Achillessehne und betrifft häufig Sportler. Die Achillessehne wird gereizt, es kommt zu einer Verdickung der Ferse. Der Übergang zur Sehne verkalkt, es bildet sich ein Knochenauswuchs, der zudem etwas aufgeraut ist. Das umliegende Gewebe entzündet sich und schmerzt.

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Der plantare Fersensporn kommt häufig in Verbindung mit dem medialen (plantaren) Fersenschmerz vor. Dieser kann durch verschiedene Erkrankungen entstehen, zum Beispiel: 

  • eine Entzündung der Fußsohlensehnenplatte (Plantarsehne oder Plantarfaszie): Man nennt diese Entzündung eine Plantarfasziitis oder Fasciitis plantaris.

  • ein Engpasssyndrom namens Tarsaltunnelsyndrom: Der Schienbeinnerv, der auch durch den Fuß läuft, ist gereizt oder geschädigt.

  • eine Reizung anderer Nerven oder Muskeln, die an der Fußsohlensehnenplatte verlaufen.

Risikofaktoren für die Entwicklung von Fersenschmerzen sind Tätigkeiten, aber auch anatomische Gegebenheiten, die die Achilles- beziehungsweise Plantarsehne überlasten:

  • schlecht sitzende und vor allem zu enge Schuhe ohne dämpfende Wirkung

  • übertriebene sportliche Aktivität oder übermäßiger Sport in untrainiertem Zustand (vor allem bei wiederholten Belastungen, zum Beispiel durch Laufen und Springen)

  • langes Stehen, etwa am Arbeitsplatz

  • schwere körperliche Arbeiten

  • Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas)

  • angeborene Formabweichung des Fersenknochens

  • Fehlstellungen des Fußes, zum Beispiel ein Knick-Fuß oder Plattfuß

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Fersensporn: So läuft die Diagnose

Verschiedene Erkrankungen können Fersenschmerzen und Fersensporn auslösen. Die genaue Ursache hinter den Beschwerden ermittelt der Arzt über eine Differentialdiagnose.

"Der Fersenschmerz ist ein komplexes Bild", sagt Orthopäde Johannes Flechtenmacher. Krankheiten wie Rheuma, Morbus Bechterew oder Gicht müssen ausgeschlossen werden.

Bei der Differentialdiagnose geht der Arzt folgendermaßen vor:

  • Anamnese: Der Arzt erörtert mit dem Patienten dessen Krankengeschichte. Macht der Betroffene beispielsweise viel Sport? Welche Schuhe trägt er dabei?

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    Klinische Untersuchung: Lässt sich der Schmerz durch Druck provozieren?

  • Röntgen: Aufnahmen von der Ferse, aber auch vom Sprunggelenk, geben Aufschluss über die anatomischen Gegebenheiten.

  • Ultraschall

  • Unter Umständen ist eine Kernspintomographie sinnvoll.

Der tatsächliche Fersensporn wird über Röntgenaufnahmen entdeckt. Dann ist ein ein bis fünf Millimeter langer Knochenauswuchs am Fersenbein (Calcaneus) zu erkennen.

Häufig bleibt ein Fersensporn, der keine Beschwerden verursacht, unentdeckt und muss dann auch nicht behandelt werden. Erst wenn Fersenschmerzen hinzukommen, besteht Handlungsbedarf.

Therapie bei Fersenschmerzen: Wirksame Behandlung ohne Operation

Im Vordergrund der Behandlung von Fersenschmerzen steht nicht die Entfernung des Fersensporns, sondern die Bekämpfung der Erkrankung, die zum Fersenschmerz führt.

Röntgenbild Fersensporn
Ein Fersensporn – auch Kalkaneussporn genannt – ist ein dornartiger Knochenauswuchs, der sich am Fersenbein bilden kann. 
Fotolia

Beschwerden können nach Ansicht von Johannes Flechtenmacher in 98 bis 99 Prozent der Fälle durch konservative (also nicht-operative) Behandlungsmethoden beseitigt werden:

  • Gegen die Entzündung der Sehnen kann eine ein- oder zweimalige Infiltrationsbehandlung durchgeführt werden. Dabei wird eine Kombination aus lokalem Anästhetikum und kortisonähnlichen Substanzen (Kortikoide) in bestimmte Punkte der Ferse gespritzt, was gute Ergebnisse erzielt. Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten.

  • Stoßwellentherapie (auch Extrakorporale Stoßwellentherapie oder ESWT genannt): Mithilfe von hochenergetischen Schallwellen, die außerhalb des Körpers erzeugt werden, behandelt man unter anderem Entzündungen und Verkalkungen. Das Verfahren ist nicht immer schmerzfrei, jedoch risikoarm und wird vor allem dann eingesetzt, wenn andere konservative Behandlungsmethoden nicht anschlagen. Weil die Wirksamkeit wissenschaftlich nicht bewiesen ist, muss der Patient die Kosten selbst tragen.

  • Gut gepolsterte Einlagen, gegebenenfalls mit Lochaussparung an den betroffenen Stellen, verhindern weitere Überbelastung. Die Einlagen sollten eine Fersenweichbettung aufweisen. Vorsicht: Gerne werden Einlagen mit einem hohen Längsgewölbe verschrieben. Diese heben das Fußgewölbe an, was bei Patienten mit medialen Fußschmerzen kontraproduktiv ist, da zusätzlicher Druck auf die Plantarfaszie ausgeübt wird. Die Einlagen sollten diesen Bereich vielmehr entlasten und der bei Bewegung heraustretenden Plantarfaszie durch einen Kanal Spielraum gewähren. Mit einer dynamischen Ganganalyse beim Orthopädieschuhtechniker kann das oft besser berücksichtigt werden als mit einem bloßen Kaltschaum-Abdruck. Die Kosten für die Einlagen werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

  • Kältetherapie

  • Fußgymnastische Übungen, die Füße und Sehnen entlasten, sowie Dehnungsübungen

  • Manche Patienten berichten auch von einer Besserung ihrer Beschwerden durch homöopathische Mittel.

Obwohl die Heilungsaussichten durch diese konservativen Therapieformen gut sind, kann es zu Rückfällen kommen. Nur wenn die nicht-operative Behandlung auf Dauer nicht wirksam ist, kommt ein chirurgischer Eingriff in Betracht, um den Fersenschmerz zu beheben.

Bei dem endoskopischen (minimal-invasiven) Eingriff werden über ein bis zwei Hautschnitte in die Fußsohle eine Kamera sowie chirurgische Instrumente eingeführt. Während des Eingriffs wird in der Regel die Plantarfaszie eingeschnitten (partielle Plantarfasziektomie), um eine größere Dehnbarkeit der Sehne zu erreichen. Vor einer operativen Abtragung des Fersensporns selbst wird gewarnt. Nur wenn der Kalkaneussporn sehr groß ist, wird auch der Knochenauswuchs selbst mit einer Fräse entfernt.

Fersensporn: Verlauf nach der Therapie

Die Aussichten auf Beschwerdefreiheit nach einer konservativen Behandlung des Fersensporns sind gut. Die Meinungen über die Wirksamkeit des operativen Eingriffs sind hingegen gespalten.

In 98 bis 99 Prozent der Fälle sind nicht-operative Therapien bei Fersenschmerzen erfolgreich. Trotzdem kann es zu Rückfällen kommen.

Auch nach einer operativen Fersenspornabtragung können erneut Schmerzen auftreten. Laut BVOU-Präsident Johannes Flechtenmacher erzielt die OP im Allgemeinen keine guten Ergebnisse. Wurden die Beschwerden jedoch erst durch die Deformität des Knochenauswuches verursacht, kann eine Abtragung des Fersensporns dies dauerhaft beheben, erklären die Spezialisten der Orthopädischen Gelenk-Klinik in Freiburg auf ihrer Internetseite.

Der Fuß muss bis zu sechs Wochen nach der OP geschont werden und darf nur teilweise belastet werden. Ein Gipsverband oder Gipsersatz kann nötig sein.

Die Narben an der Fußsohle nach einer Operation sind mitunter sehr schmerzhaft. Sind die Wunden komplett abgeheilt, kann der Fuß wieder voll belastet werden. Manchmal ist während des Heilungsprozesses auch eine begleitende Physiotherapie notwendig. Eine lange Beschwerdedauer vor der Operation sowie Übergewicht können das Ergebnis beeinträchtigen.

Fersensporn verhindern: Maßnahmen zur Vorbeugung

Fersenschmerzen und damit auch einem Fersensporn kann man vorbeugen, indem man Überbelastung oder Fehlbelastung des Fußes vermeidet. 

Wichtigste Maßnahme, um Fersenschmerz und Fersensporn zu verhindern, ist passendes Schuhwerk mit abfedernder, dämpfender Wirkung. Die Schuhe dürfen nicht zu eng sein und so Druck auf die Achillessehne ausüben (Risiko für Haglund-Exostose).

Experten raten außerdem dazu, bei starker Belastung durch langes Stehen des Öfteren die Körperhaltung zu variieren.

  • zum BMI-Rechner

    Zu dick? Zu dünn? Mit dem BMI-Rechner finden Sie schnell heraus, ob Ihr Körpergewicht im Normbereich liegt - oder ob Sie ein paar Pfunde abnehmen sollten.

Wer übergewichtig (BMI über 25) oder fettleibig ist (BMI ab 30) und Probleme mit schmerzenden Füßen hat, sollte über eine Gewichtsreduktion nachdenken. Jedes überschüssige Kilo Körperfett belastet nicht nur die Gelenke (Gefahr für Rheuma und Arthrose), sondern auch die Füße, auf denen das gesamte Körpergewicht lastet, enorm.

Um den Kalkaneussporn durch Sport zu verhindern, sollte man neben passenden Schuhen auf ausreichende Aufwärm- und Dehnübungen vor beziehungsweise nach dem Training achten und Überbelastung vermeiden.

Plötzlich schmerzt jeder Schritt? Das könnte ein Fersensporn sein!

Autor:
Letzte Aktualisierung: 18. März 2016
Quellen: Dr. med. Johannes Flechtenmacher: Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Präsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), www.ortho-zentrum.de; www.gelenk-klinik.de; Martin Hübsch: Orthopädieschuhtechnikermeister bei der Firma Streifeneder; AOK Bundesverband; Techniker Krankenkasse; Das neue große Gesundheitsbuch: Medizinisches Wissen und ärztlicher Rat für die ganze Familie; Prof. Dr. med. H. Lucas; Sonderausgabe 1999; Lehrbuch Anatomie; Urban & Schwarzenberg, 2. Auflage

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