Brille, Zähne, Augen-OP: Das Finanzamt beteiligt sich

Krankheitskosten von der Steuer absetzen

Akupunktur, Brille, Hörgerät, Zahnersatz: Bei vielen Leistungen bezahlt die Krankenkasse häufig nicht die kompletten Kosten. Doch auch das Finanzamt beteiligt sich an den Ausgaben. Wie man Krankheitskosten von der Steuer absetzen kann.

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Für eine neue Brille gibt es von der Krankenkasse seit der Gesundheitsreform kein Geld mehr. Unter Umständen zahlt aber das Finanzamt einen Teilbetrag zurück.
© iStock.com/mediaphotos

Medikamente gegen den lästigen Heuschnupfen, eine teure Brille oder Kontaktlinsen wegen der Sehschwäche oder eine Zahnprothese: Für viele medizinische Leistungen zahlen die Krankenkassen nur Teilbeträge oder gar nichts mehr.

Allerdings können sich Patienten einen Teil des Geldes vom Finanzamt zurückholen. Normalerweise werden Krankheitskosten in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt. In seltenen Fällen können diese sogar als Betriebsausgaben (bei Selbstständigen) beziehungsweise Werbungskosten (bei Angestellten) angesetzt werden.

Was sind Krankheitskosten überhaupt?

Als Krankheitskosten gelten alle Aufwendungen, die zur Heilung oder zur Linderung einer Krankheit vom Patienten selbst getragen werden müssen. Kosten, die entstehen, um eine Krankheit erträglicher zu machen, gehören ebenfalls dazu. Steuerlich geltend machen kann ein Steuerzahler dabei jedoch nur die Kosten, die er selbst tragen musste und nicht bereits von einer anderen Versicherung wie der Krankenkasse oder der gesetzlichen Unfallversicherung erstattet bekommen hat. Dagegen beteiligt sich der Fiskus nicht an der Vorbeugung von Erkrankungen: Kosten für eine gesunde Ernährung oder Ausgaben für Sport können dem Finanzamt nicht in Rechnung gestellt werden.

Wichtig fürs Finanzamt: Attest vom Arzt

Jede Leistung, für die aufgelaufene Kosten in der Steuererklärung geltend gemacht werden, muss vom Arzt bescheinigt sein. Aus diesem Attest muss die medizinische Notwendigkeit für die Therapie, ein bestimmtes Medikament oder Hilfsmittel hervorgehen. Ansonsten werden die Kosten nicht vom Finanzamt anerkannt. Wichtig: Dieses Attest kann nicht im Nachhinein ausgestellt werden. Das Ausstellungsdatum muss vor Beginn der Behandlung liegen, für die die Ausgaben abgerechnet werden.

Welche Krankheitskosten können abgesetzt werden?

Absetzbar sind Zuzahlungen zu Heil- und Hilfsmitteln wie Zahnersatz, Brillen, Kontaktlinsen, Hörgeräten, Gehhilfen und Prothesen. Kosten, die für bestimmte Behandlungen anfallen –  etwa Logopädie, Akupunktur, Psychotherapie, künstliche Befruchtung, eine Augenoperation oder eine Kur – , können ebenfalls geltend gemacht werden.

Frei verkäufliche Medikamente sind nur dann von der Steuer absetzbar, wenn aus einem ärztlichen Attest hervorgeht, dass die Einnahme medizinisch notwendig ist. Dies gilt auch für wissenschaftlich noch nicht anerkannte Heilmethoden. Hier ist vor der Behandlung ein amts- oder vertrauensärztliches Attest nötig, aus dem sich die medizinische Notwendigkeit für diese Behandlungsmethode zweifelsfrei ergibt.

Ebenfalls abgesetzt werden können Fahrtkosten zu den Ärzten, zu Behandlungen und zur Apotheke. Hier empfiehlt es sich, eine genaue Aufstellung anzufertigen, wann man welchen Arzt oder welche Behandlung besucht hat und welche Entfernungen zurückgelegt wurden.

Finanzamt verlangt "zumutbare Eigenbelastung"

Wer seine selbst bezahlten Rezepte und Arztrechnungen beim Finanzamt einreicht, muss wissen: Der Fiskus beteiligt sich erst ab einer bestimmten Untergrenze. "Außergewöhnliche Belastungen liegen grundsätzlich dann vor, wenn dem Steuerzahler größere Aufwendungen erwachsen, als sie der überwiegenden Mehrzahl von Steuerzahlern gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstandes entstehen", erklärt der Bund der Steuerzahler (BdSt). Das heißt: Das Finanzamt erkennt nicht den vollen Betrag an, sondern errechnet eine sogenannte "zumutbare Belastung".

Die Grenze für die Eigenbelastung ist individuell verschieden. Die zumutbare Belastung beträgt zwischen einem und sieben Prozent der Einkünfte eines Kalenderjahres. Es richtet sich nach der Höhe des Einkommens, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder. Ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 50.000 Euro muss so zum Beispiel 1.500 Euro an Krankheitskosten zunächst aus eigener Tasche bezahlen. Bei einem Single mit 42.000 Euro Jahreseinkommen sind es bereits 2.520 Euro. Der jeweils darüber hinausgehende Betrag wird vom Finanzamt als außergewöhnliche Belastung anerkannt.

Künftig keine Eigenbelastung mehr?

Ob die Eigenbelastung bei Krankheitskosten tatsächlich getragen werden muss, beschäftigt derzeit jedoch den Bundesfinanzhof (BFH). Eine Entscheidung dazu wird noch für 2014 erwartet, ein für den Steuerzahler positives Urteil würde auch rückwirkend gelten.

Steuerexperten empfehlen, bereits jetzt die Belege für 2014 zu sammeln, die mit Krankheitskosten zu tun haben – ungeachtet einer möglichen Eigenbelastung. Außerdem können Krankheitskosten für 2012 und 2013 noch geltend gemacht werden, sofern für diese Jahre noch keine Steuererklärung abgegeben wurde oder rechtskräftig ist.

Krankheitskosten können Betriebsausgaben oder Werbungskosten sein

Wurde eine Krankheit durch den Beruf verursacht, können die entstandenen Kosten auch Betriebsausgaben beziehungsweise Werbungskosten sein. Das kann bei typischen Berufskrankheiten wie Lärmschäden, Bandscheibenvorfällen und Allergien oder bei einem betrieblich bedingten Unfall angebracht sein.

Zuletzt bestätigte der BFH 2013, dass Aufwendungen zur Wiederherstellung der Gesundheit als Werbungskosten abziehbar sind, wenn es sich um eine Berufskrankheit handelt. Diese Aufwendungen werden bereits ab dem ersten Euro berücksichtigt – hier gibt es keine zumutbare Eigenbelastung. Auch die Kosten für eine Umschulung nach einer Berufskrankheit können als Werbungskosten geltend gemacht werden, wenn sie nicht bereits anderweitig erstattet wurden.

Beratender Experte
Frau Lucia Cremer

Kinderkrankenschwester und frühkindliche Entwicklungsbegleitung

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