Ursachen, Symptome & Diagnose der Demenzform

Frontotemporale Demenz: Morbus Pick führt zu Persönlichkeitsänderung

Wird ein lebenslang umgänglicher Mensch in Gesellschaft zunehmend "unmöglich" oder apathisch, könnte die seltene Frontotemporale Demenz schuld an der Persönlichkeitsänderung sein.

Frontotemporale Demenz
Frontotemporale Demenz: Abbau in bestimmten Gehirnarealen bewirkt die Veränderung im Wesen und Verhalten.
iStock

Frontotemporale Demenz (auch Morbus Pick genannt) ist eine seltene Demenzform, die wenig bekannt ist. Ziehen zeitlebens freundliche Menschen sich zunehmend zurück, wird das gemeinhin als Eigenheit des Alters interpretiert. Lassen die kognitiven Fähigkeiten nach, kommen uns die Begriffe wie "Altersstarrsinn" und "Alzheimer" über die Lippen. Wenn sich ältere Herrschaften aber extrem daneben benehmen, wird ihre Gesellschaft meiden, wer die Wahl hat.

Demenztest: Nur vergesslich oder dement?

Nur für deren Familienangehörige gibt es häufig kein Entrinnen: Bis zur totalen Erschöpfung leiden so manche – Ehepartner und Kinder – unter den Zumutungen und Verirrungen eines Familienmitglieds. Empört, schockiert und fassungslos sind die Angehörigen häufig wegen des unziemlichen Verhaltens ihres bislang durchaus umgänglichen Verwandten. Eher akzeptieren können sie den Wandel der Persönlichkeit eventuell, wenn ihnen klar ist, dass er Folge krankheitsbedingter Prozesse im Gehirn ist.

Wesensveränderung bei Frontotemporaler Demenz

Tatsächlich kann die unbegreifliche Veränderung des Wesens und des Verhaltens durch eine spezielle Form der Demenz begründet sein, die man Frontotemporale Demenz (FTD) oder auch Morbus Pick nennt. Morbus Pick ist eine eher seltene Form der Demenz, bei der es zum Absterben von Nervenzellen im Bereich der Stirnlappen (Frontallappen) und der Schläfenlappen (Temporallappen) des Gehirns kommt. Bemerkbar macht sich der Abbau dieser Gehirnareale vor allem durch Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens.

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Morbus Pick beginnt bei den meisten der Betroffenen zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Sie kann aber auch schon in den Zwanzigern oder erst jenseits der 80 entstehen, wenngleich das extrem selten vorkommt. Zu den Symptomen, die durch die Picksche Krankheit ausgelöst werden, zählen anfangs häufig Antriebslosigkeit, Apathie, aber auch Enthemmung, Witzelsucht, euphorische Verflachung sowie ein gestörtes Sozialverhalten.

Morbus Pick macht Betroffene distanzlos

Der Kranke vernachlässigt sich selbst und andere, lebt nur noch elementare Bedürfnisse aus: Essen, Trinken und Befriedigung des Sexualtriebs stehen im Vordergrund, Hemmungen oder gar Scham scheint der Betroffene zunehmend zu verlieren. Sein Wesen scheint vergröbert, er agiert distanzlos und ist im geistigen Niveau gesenkt. Später auftretende Symptome wie Sprachstörungen weisen auf eine temporale Atrophie hin. Mittlerweile weiß man auch, dass Menschen mit Frontotemporaler Demenz in aller Regel innerhalb von sechs bis acht Jahren sterben.

Charakteristischerweise fällt bei Menschen mit Frontotemporaler Demenz die starke Persönlichkeitsveränderung auf, wobei Intelligenz und die zeitlich und räumliche Orientierungsfähigkeit anfangs noch sehr gut intakt sind. Zu klassischen Symptomen von Verwirrtheit kommt es nämlich erst im späteren Verlauf der Erkrankung.

Stoffwechsel-Änderung im Gehirn löst Frontotemporale Demenz aus

Zu unterscheiden gilt es Morbus Pick vor allem von anderen Formen der Demenz, etwa Alzheimer oder der Creutzfeld-Jakob-Erkrankung. Der Abbauprozess speziell im Bereich der Stirn und der Schläfenlappen lässt sich auf bildlichen Darstellungen des Gehirns erkennen. Zu den relevanten Untersuchungsmethoden zählen die Computertomographie (CT) und die Kernspintomographie (MRT). Noch konkretere Hinweise liefert eine Positronen-Emissions-Tomographie (PET).

Mit der PET lassen sich Stoffwechselvorgänge im Körper auf dem Bildschirm darstellen. Man injiziert den Betroffenen radioaktiv markierte Substanzen (Tracer), deren Verteilung im menschlichen Körper mit der PET-Kamera aufgezeichnet wird. Diese Tracer werden nämlich in den Stoffwechsel eingeschleust, so wie beispielsweise Zucker, Eiweißbausteine oder auch Wasser. Da diese radioaktiven Substanzen im Körper weitgehend normal umgesetzt (verstoffwechselt, metabolisiert) werden, ist mit der PET eine Darstellung der natürlichen Zellfunktion möglich.

Diagnose der Frontotemporalen Demenz mittels Aufnahmen des Gehirns

Mithilfe der Untersuchung erhält man Bilder des Gehirns, als hätte man das Organ in dünne Scheibchen geschnitten. Damit lässt sich erkennen, in welchen Bereichen des Gehirns viel Stoffwechsel stattfindet, und welche weitgehend untätig bleiben. Wenn vor allem in der Stirn und in den Zonen der Schläfe "Funktstille" herrscht, handelt es sich bei der Erkrankung wahrscheinlich um eine Frontotemporale Demenz.

Die sogenannte Prävalenz der Pickschen Krankheit wird auf rund 3,4 pro 100.000 Menschen geschätzt. Im Vergleich zu den viel häufiger vorkommenden Demenzformen – der Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz (wie nach einem Schlaganfall ) – ist die Frontotemporale Demenz eine sehr seltene Krankheit. Möglich ist jedoch, dass bislang viele Menschen mit Morbus Pick einfach als Alzheimer-Demente eingestuft wurden. Und selbst wenn die Pick-Fraktion nur zwei Prozent aller rund 800.000 Demenz-Kranken ausmacht, sind das in Deutschland immer noch 16.000 Menschen.

Hintergrundinformationen zur Krankheit

"Frontotemporal" bezeichnet den Ort im Gehirn, wo die Rückbildung beginnt: fronto = vorne (hinter der Stirn) und temporal = seitlich (an den Schläfen). Abgekürzt wird der Fachbetriff "Frontotemporale Demenz" häufig mit dem Kürzel FTD.

"Pick" – genauer gesagt Arnold Pick – war der Name des Prager Neurologen, der als erster bei der Obduktion von recht früh verstorbenen Altersschwachsinnigen die besondere Zersetzung der Stirn- und Schläfen-Gehirnlappen feststellte, diese Veränderungen als eigene Krankheit einstufte und die Beschreibung seiner Entdeckungen im Jahr 1892 publizierte. Ihm zu Ehren nennt man die Frontotemporale Demenz heute "Morbus Pick".

Autor:
Letzte Aktualisierung: 26. Juni 2017
Durch:
Quellen: Falk Höhnel: Leben mit Morbus Pick. Alzheimer-Forum Online http://www.alzheimerforum.de/2/5/3/morbus-pick.html (Stand 10/2011)

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