Leistungen im Pflegefall

Pflegestufen: So viel zahlt die Kasse

Seit Januar 2015 erhalten Pflegebedürftige deutlich mehr Geld von der Pflegeversicherung. Die Leistungen sind je nach Pflegestufe und Art der Betreuung und Unterbringung gestaffelt. Wieviel Geld es gibt, wie die Pflegestufen sich unterscheiden und wie die Beantragung abläuft – unser Überblick.

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Für jede Pflegestufe gelten andere Sätze.
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Ob jemand pflegebedürftig ist, hängt nicht vom Alter oder einer bestimmten Krankheit ab. Per Gesetz ist jemand pflegebedürftig, wenn er aufgrund einer Erkrankung oder Behinderung in erheblichem oder höherem Maße Hilfe braucht. Diese Hilfe erstreckt sich auf die vier Bereiche

  • Körperpflege (Waschen, Kämmen, Duschen, rasieren, zur Toilette gehen)
  • Ernährung  (Mahlzeiten zu sich nehmen, Trinken)
  • Mobilität (Aufstehen, Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Treppen steigen...) und
  • hauswirtschaftliche Versorgung (Kochen, Wohnung reinigen, Kleidung waschen und andere Hausarbeit).

Pflegestufen: So unterscheiden sie sich

Je nachdem, wie viel Zeit täglich für Hilfe aufgewendet werden muss, wird dem Pflegebedürftigen eine Pflegestufe zugeordnet.

  • Pflegestufe I – erhebliche Pflegebedürftigkeit: mindestens einmal täglich ist Hilfe mindestens 90 Minuten lang erforderlich, davon mehr als 45 Minuten in der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, Mobilität). Zusätzlich ist mehrfach in der Woche Hilfe bei der Hauswirtschaft erforderlich.
  • Pflegestufe II – Schwerpflegebedürftigkeit: Hilfebedarf mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten, durchschnittlich drei Stunden tägliche Hilfe, auf die Grundpflege entfallen mindestens zwei Stunden
  • Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftigkeit: Hilfe ist Tag und Nacht erforderlich, im Tagesdurchschnitt fünf Stunden Hilfe erforderlich, davon  mindestens vier Stunden Grundpflege. Wenn der Aufwand für die Pflege diese Kriterien im erheblichen Maße übersteigt, kann die Einstufung als Härtefall beantragt werden. Das ist zum Beispiel nach schweren Schädel-Hirn-Traumen, bei hohem Übergewicht, im Endstadium von Krebserkrankungen, bei schwerer Demenz oder Mehrfacherkrankungen der Fall. Die Pflegekasse zahlt in solchen Fällen unabhängig davon, wo die Pflege erbracht wird, 1.995 Euro pro Monat.

Zusätzlich gibt es noch die Pflegestufe 0. Diese wird zugeteilt, wenn die Voraussetzungen für die Pflegestufe I nicht erfüllt werden, jedoch eine "erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz" besteht. Das betrifft Menschen, die an Demenz erkrankt, geistig behindert oder psychisch krank sind. In den Pflegestufen I und II werden für diese Menschen Zuschläge gewährt.

Finanzielle Leistungen in den einzelnen Pflegestufen

Welche finanziellen Leistungen in den einzelnen Pflegestufen gewährt werden, ist abhängig davon, wo die Betreuung erfolgt: zu Hause durch Angehörige, durch einen Pflegedienst oder in einem Pflegeheim (vollstationäre Betreuung). Bei der Betreuung daheim durch Angehörige heißt die Leistung "Pflegegeld", wird die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst oder in einem Pflegeheim erbracht, nennt sich das Ganze "Pflegesachleistung". Hier ein Überblick über die Beträge:

 

Betreuung Pflegestufe 0 Pflegestufe I

Pflegestufe II

Pflegestufe III
durch pflegende Angehörige daheim

 

bei Demenz u.a.

123 Euro 244 Euro

 

 

316 Euro

458 Euro

 

 

545 Euro

728 Euro
durch ambulanten Pflegedienst

 

bei Demenz u.a.

231 Euro 489 Euro

 

 

689 Euro

1.144 Euro

 

 

1298 Euro

1.612 Euro
in einem Heim (vollstationär)   1.064 Euro 1.330 Euro 1.612 Euro

Weitere Leistungen: Wenn der pflegende Angehörige Urlaub machen will

Wer Angehörige zu Hause pflegt, stößt schnell an seine Belastungsgrenzen und braucht Erholung. Für Urlaub, aber auch, wenn die pflegende Person selbst krank wird oder auch nur kurzzeitig (zum Beispiel wegen Arztbesuchen) verhindert ist, können Leistungen für Ersatz- oder Verhinderungspflege beantragt werden. Eine solche Pflegevertretung ist für maximal 28 Tage pro Jahr möglich, sie kann tage-, wochen- oder auch nur stundenweise erforderlich sein. In der Regel übernehmen ambulante Pflegedienste die Vertretung. Die Pflegekasse zahlt dafür maximal 1.612 Euro pro Jahr.

Für die Pflege daheim werden zudem von der Pflegekasse verschiedene Hilfsmittel und Verbrauchsmittel sowie bauliche Veränderungen in der Wohnung bezahlt.

Wie kann man Pflegegeld bei der Pflegekasse beantragen?

Wer Leistungen der Pflegeversicherung (Pflegegeld oder Pflegesachleistungen) in Anspruch nehmen will, muss einen Antrag bei der Pflegekasse stellen, diese ist bei der Krankenkasse angesiedelt. Antragsberechtigt ist der Versicherte. Wenn der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen so schlecht ist, dass er den Antrag nicht selbst stellen kann, müssen die Angehörigen das für ihn übernehmen.

  • Holen Sie sich für die Beantragung fachkundige und medizinische Unterstützung – bei den betreuenden Ärzten, einem ambulanten Pflegedienst oder dem Heim.
  • Fordern Sie bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen einen Antrag an. Das geht telefonisch oder bei vielen Pflegekassen auch über das Internet. Mit der Anforderung gilt der Antrag als gestellt!
  • Füllen Sie den Antrag aus und senden Sie ihn an die Pflegekasse zurück.
  • Ein Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (kurz: MDK) kommt nach vorheriger Ankündigung in die Wohnung des Pflegebedürftigen und begutachtet ihn dort. Bei diesem Termin ist es hilfreich, wenn eine fachkundige Person (etwa von einem Pflegedienst) mit dabei ist.
  • Der MDK fertigt ein Gutachten über den Pflegebedarf (Hilfebedarf) an.
  • Die Pflegekasse teilt dem Versicherten das Ergebnis mit, spätestens nach fünf Wochen. Wenn eine Notsituation besteht, gilt eine kürzere Frist von zwei Wochen.

Achtung: Wird zwischen Antragsstellung und Bewilligung der Pflegestufe bereits Pflegehilfe nötig, so muss man diese selbst bezahlen. Die Pflegekasse übernimmt diese Kosten dann später ab dem Tag der Antragstellung – aber nur in der Höhe, die der gewährten Pflegestufe entspricht.

Begutachtungsrichtlinien des MDK

Damit die Einstufungen nach gleichen Maßstäben erfolgen, wurden Richtlinien entwickelt. Häufig wird jedoch festgestellt, dass der vom Gutachter erfasste Pflegeaufwand nicht der Zeitbedarf ist, den Sie tatsächlich für die Pflege aufwenden. Tatsächlich werden lediglich die vom Gesetzgeber vorgegebenen Minutenwerte (Zeitkorridore) berücksichtigt. Dies sind zum Beispiel ein bis zwei Minuten für die Hilfe beim Aufstehen, fünf Minuten für die Zahnpflege oder 15 bis 20 Minuten für ein Duschbad.

Besuch des MDK gut vorbereiten

Deshalb ist es wichtig, sich auf diesen Besuch gut vorzubereiten. Vor allen Dingen muss der Pflegebedürftige darauf eingestimmt werden. Denn oft kommt es vor, dass sich der Betroffene während des Besuches besonders anstrengt und eine nötige Pflegebedürftigkeit so herunterspielt. Fähigkeiten und Kompetenzen werden kurzzeitig aktiviert, die im Alltagsleben und auf Dauer gar nicht mehr vorhanden sind. Der Betroffene reißt sich einfach zusammen. Doch genau das ist falsch.

Pflegebedürftigkeit – Protokolle helfen, die Realität zu spiegeln

Der Gutachter bekommt so ein völlig verzerrtes Bild vom Stand der Pflegebedürftigkeit des Betroffenen. Bei der Begutachtung geht es um die Beurteilung der Lebenskompetenzen im Alltag. Um einem falschen Bild vorzubeugen, ist es sehr nützlich, wenn pflegende Angehörige in einer Art Tagebuch aufschreiben, wobei, wie oft und mit welchem zeitlichen Aufwand Sie den zu Pflegenden unterstützen müssen.

Zur Erhebung der Pflegestufe durch den MDK ist es hilfreich, wenn Sie ein Pflegetagebuch führen, außerdem erleichtert es Ihnen das Ausfüllen des Pflegebogens. Auf Basis Ihrer Angaben kann der individuelle Pflege- und Hilfebedarf schneller ermittelt werden.

Tipps für das Pflegetagebuch

  • Notieren Sie in den Tagebuchseiten unter den Zeitaufwand in Minuten täglich die benötigte Zeit.
  • Führen Sie das Tagebuch mindestens für zwei bis drei Wochen.
  • Legen Sie alle relevanten Unterlagen und Berichte von Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegediensten (etwa die Pflegedokumentation) und die Bescheinigungen anderer Sozialleistungsträger bereit.
  • Notieren Sie sich alle Hilfsmittel, die verwendet werden.
  • Stellen Sie alle ärztlich verordneten Medikamente der pflegebedürftigen Person bereit.
  • Überlegen Sie, welche die Pflege erschwerenden Faktoren beim Pflegebedürftigen vorliegen.
  • Ermitteln Sie Größe und Gewicht des Pflegebedürftigen.
  • Notieren Sie, ob gegebenenfalls körperliche und geistige Störungen bestehen.

Wenn Sie mit der Einstufung und der Entscheidung der Pflegekasse nicht einverstanden sind, können Sie innerhalb von vier Wochen nach Zustellung des Bescheids Widerspruch bei der Pflegekasse einlegen. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, einen erneuten Antrag auf Ein- oder Höherstufung zu stellen, wenn sich der Pflegebedarf erhöht hat.

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Letzte Aktualisierung: 28. Mai 2015
Quellen: Bundesministerium für Gesundheit: Pflegeversicherung im Überblick, Stand: Mai 2015

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