Frühjahrsplage

Zecken wieder in Lauerposition

Zecke_getty_102773094.jpg
Auf langen Gräsern und Zweigen warten Zecken auf vorbeistreifende Säugetiere - oder Menschen.
Getty Images/iStockphoto

Wenn jetzt die Temperaturen wieder über sieben Grad klettern, erklimmen Zecken Grashalme und Sträucher, um nach potentiellen Opfern Ausschau zu halten. Was tun, wenn sie zustechen?

Ab etwa sieben Grad Außentemperatur werden die blutsaugenden Plagegeister aus der Familie der Spinnentiere aktiv. Damit ist die Zeckensaison 2012 eröffnet. Holzbock, Auwald- oder Braune Hundezecke, die hierzulande häufigsten Zeckenarten, klettern auf trockene Grashalme oder am Boden liegende Zweige und warten auf einen "Wirt", einen Vier- oder Zweibeiner, den sie anzapfen können.

"Zecken-Check" nach dem Spaziergang

Sie lassen sich dabei nicht etwa von Bäumen auf ihre Opfer fallen, wie oft fälschlicherweise behauptet wird. Zecken halten sich vielmehr immer in Bodennähe auf, nicht mehr als einen bis 1,5 Meter über dem Grund. Sobald sich eine vier- oder zweibeinige Nahrungsquelle durch die Bodenerschütterungen beim Auftreten, Änderung der Lichtintensität und/oder Geruch ankündigt, wechselt die Zecke aus der Ruhe- in die Lauerposition mit nach oben gestreckten Vorderbeinen, bereit, sich blitzschnell an ihren Wirt zu heften, wenn dieser an ihr vorbeistreift. Bis die Zecke mit ihrer Mahlzeit beginnt, kann über eine Stunde vergehen - Zeit, eine Zecke zu entdecken und zu entfernen, bevor sie Schaden anrichten konnte. Deshalb sollte sich jeder nach einem Spaziergang im Grünen erstmal auf Zecken überprüfen.

Zunächst wandert die Zecke die Haut entlang und sucht eine geeignete Stelle. Aus Sicht der Zecke heißt das: möglichst unbehaart, weich mit dünner haut und gut durchblutet. Beim Menschen kann dies beispielsweise der Genitalbereich oder eine Achselhöhle sein.

"Wunderöffnung" mit Betäubung

Mit ihren scherenartigen Beißwerkzeugen schneidet sie die Haut auf und gibt gleichzeitig ein Sekret ab, das die Blutgerinnung verhindert, Gewebe auflöst und eine betäubende Wirkung entfaltet, die allerdings einen Juckreiz nach einiger Zeit nicht verhindern kann. Die Zecke senkt nun ihren Stechrüssel in die Wunde und beginnt zu saugen. Für sie unverdauliche Bestandteile des Bluts und der Gewebsflüssigkeit, die sie aufnimmt, gibt sie wieder an den Wirt zurück. Das macht die Zeckenattacke so gefährlich, denn auf diese Weise können Krankheitserreger durch die Zecke übertragen werden. Deshalb sollte eine Zecke so schnell wie möglich entfernt werden: Je länger sie Gelegenheit zum Saugen hat, desto mehr Erreger kann sie an ihren Wirt abgeben.

Vorsicht ist vor allem bei Streifzügen durch Lichtungen mit hohen Gräsern, entlang von Waldrändern oder auch durch Laub- und Mischwäldern geboten: Dies sind bevorzugte Aufenthaltsorte der Zecke. Sie kommen aber auch in Parkanlagen und Gärten vor, die an ein Waldgebiet angrenzen.

Südwesten Deutschlands ist Risikogebiet

Der Südwesten Deutschlands ist dabei eine Zecken-Hochburg. Angaben der Universität Hohenheim zufolge traten von den mehr als 400 FSME-Fällen 2011 über 85 Prozent in Süddeutschland auf. FSME, das Kürzel für Frühsommer-Meningoenzephalitis, wird in Deutschland ausschließlich durch Zeckenstiche übertragen. Sie ist vergleichsweise selten: Nur ein bis fünf Prozent der Zecken tragen den FSME-Erreger. Aufgrund der Schwere der Erkrankung empfielt das Robert-Koch-Institut jedoch die Impfung gegen die Virusinfektion für ausgewiesene Risikogebiete, die Krankekassen übernehmen hier auch die Impfkosten.

Deutlich häufiger übertragen Zecken die Borreliose , eine Bakterieninfektion, gegen die es keinen Impfstoff gibt. Man geht davon aus, dass bis zu 35 Prozent der Zecken mit dem Erreger infiziert sind. Bei den meisten der jährlich deutschlandweit 50.000 bis 60.000 Erkrankungen nach einem Zeckenstich handelt es sich um eine Borreliose-Infektiion. Ein Zeckenstich ist dennoch kein Grund zur Panik: Im Durchschnitt ist nur bei 1,5 bis sechs Prozent der Betroffenen mit einer Borreliose-Infektion zu rechnen, und nur 0,3 bis 1,4 Prozent erkranken tatsächlich. Andere mögliche Erkrankungen nach einem Zeckenstich wie beispielsweise die Ehrlichiose treten in Deutschland noch sehr viel seltener auf.

Eng anliegende, helle Kleidung ist der beste Zeckenschutz

Dennoch ist angesichts der schwerwiegenden Folgen einer Infektion durch einen Zeckenstich Vorsicht geboten. Die besteht vor allem darin, vor einem Ausflug in Risikogebiete die Haut möglichst zu bedecken - eng anliegende helle Kleidung ist am besten geeignet - und unbedeckte Haut mit Zeckenschutzmittel zu behandeln. Hier kommt es auf die Auswahl der geeigneten Produkte an: Nicht immer hält das Zeckenschutzmittel, was die Packungsaufschrift verspricht. Zu dieser Einschätzung kam die Stiftung Wahrentest in einem 2008 veröffentlichten Test.

Sollte es doch zu einem Zeckenstich kommen, sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehört, die Einstichstelle nach dem entfernt zu beobachten. Zeigen sich Rötungen oder andere Veränderungen, sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden.

Mit den steigenden Temperaturen werden jetzt auch die Zecken immer aktiver - im Frühjahr haben sie Hochsaison. Im Sommer nimmt die Aktivität dann wieder ab, da der Holzbock, die in Deutschland häufigste Zeckenart, hohe Temperaturen nicht gut verträgt. Im Herbst erreicht die Zeckenaktivität einen zweiten Höhepunkt. Wo die Zecken wann wie aktiv sind, zeigt die Seite Zeckenwetter.de tagesaktuell an.

Zecken weiter auf dem Vormarsch

Insgesamt gehen Experten davon aus, dass Anzahl und Verbreitung der Zecken zunehmen. Insbesondere in Risikogebieten sollte jeder Bescheid wissen über die Gefahr durch Zecken und wie ihr begegnet werden kann. Eine Vortragsveranstaltung am 22. März im Rahmen des 1. Süddeutschen Zeckenkongresses an der Universität Hohenheim bietet Interessierten die Möglichkeit, sich rund um das Thema Zecke schlau zu machen.

Zecken

Frühling: Beginn der Zeckensaison. Bis zu 30 Prozent der Zecken in Deutschland sind heutzutage mit Borreliose-Bakterien infiziert, gegen die Infektion gibt es noch keine Impfung.

FrankenFernsehen

Die besten Tipps gegen Zecken
1 von 6
  • 200322623-001.jpg
    Zecken lauern im Gras, Gebüsch und Unterholz – hier ist Vorsicht geboten!

    Von wegen, Zecken fallen von den Bäumen! Dieser Mythos hält sich zwar hartnäckig in vielen Köpfen, er hat aber mit der Realität recht wenig zu tun. Denn viel höher als einige Zentimeter über den Boden kommen Zecken nicht hinaus. Die kleinen Blutsauger krabbeln viel lieber im Garten, in städtischen Parks oder auf der Dorfwiese umher. Auch im Gebüsch und im Unterholz sind Zecken zu finden. Hier ist also erhöhte Vorsicht geboten. Barfußlaufen oder ein Nickerchen in der Wiese erhöhen das Zeckenstich-Risiko!

    (c) David De Lossy

  • 94068051.jpg
    Auf befestigten Wegen bleiben

    Egal ob bei der Joggingrunde oder beim Spaziergang mit der ganzen Familie – wer sich vor Zeckenstichen schützen will, sollte auf befestigten Wegen bleiben und Abkürzungen querfeldein lieber vermeiden. Denn hier lauern die Zecken und warten nur darauf, sich auf einen vorbeikommenden Wirt abstreifen zu lassen.

    (c) David De Lossy

  • 83252475.jpg
    Lange Kleidung und geschlossene Schuhe

    Zum Schutz vor Zecken raten Experten zu langärmligen Shirts und langen Hosen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Haut von Kleidung bedeckt ist, desto besser. Feste Schuhe sind besser als offene Sandalen. Wer hier ganz sicher gehen will, der steckt die Hose in die Socken. Eine wirkungsvolle Barriere, die Zecken den Zugang zur Haut zusätzlich erschwert. Tipp: Achten Sie bei der Auswahl der Kleidung auf helle Stoffe, denn diese machen leichter, Zecken schnell zu erkennen.

    (c) David De Lossy

  • 104297654.jpg
    Nacht dem Aufenthalt im Freien:

    Körper nach Zecken absuchen Zeckenstiche sind in der Regel nicht schmerzhaft und bleiben daher häufig unbemerkt. Während der Zeckensaison ist es daher umso wichtiger, den Körper nach dem Aufenthalt im Grünen gründlich auf Zecken hin zu untersuchen. Beachten Sie, dass Zecken gerne in den Achseln, der Kniekehle, den Beininnenseiten, hinter den Ohren oder auch am Kopf zustechen. Auch die Füße sollten bei der Suche nach Zecken nicht ausgelassen werden.

    (c) David De Lossy

  • 95031306.jpg
    Im Fall des Falles: Zecken schnell entfernen

    Sollten Sie einen Zeckenstich bemerkt haben, ist es wichtig, die Zecke möglichst rasch zu entfernen. Denn je länger die Zecke in der Haut verankert ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit der Übertragung von Krankheitserregern. Hausmittel wie Klebstoff oder Teebaumöl zur Entfernung der Zecke sollte allerdings tunlichst vermieden werden. Denn diese Mittel lösen einen regelrechten Todeskampf der Zecke aus –unter Stress entleert das Tier seinen Darminhalt in die Wunde. Und damit können jede Menge Krankheitserreger übertragen werden! Besser: Greifen Sie die Zecke mit einer Zeckenzange möglichst nah an der Hautoberfläche und ziehen Sie den Parasiten gerade heraus.

    (c) Thinkstock

  • 86509417.jpg
    Haustiere regelmäßig nach Zecken absuchen

    Auch Tiere wie Hunde oder Katzen sind beliebte Wirte der Zecken. Doch die Zecke sticht nicht immer sofort zu – sie lässt sich auch gerne auf den Vierbeinern ein Stück weit mitnehmen. Und das bis in die eigenen vier Wände! Dann ist der Weg zum Menschen nicht mehr weit. Wer sich und seine Familie schützen will, sollte daher auch seine Haustiere nach dem Aufenthalt im Freien gründlich nach Zecken untersuchen. Ein Zeckenhalsband kann zusätzlich schützen.

    (C) 2009 Jupiterimages

Autor: Lifeline Redaktion / rs
Letzte Aktualisierung: 20. März 2012
Quellen: Informationen des Dezernats Gesundheit und Verbraucherschutz Landkreis Ludwigsburg dpa

Neueste Fragen aus der Community
Aktuelle Top-Themen
13 Heuschnupfen-Mythen im Faktencheck
Volksleiden Pollenallergie

Der Heuschnupfen ist eine Volkskrankheit. Deshalb prüft Lifeline 13 Aussagen rund um Allergien gegen Hasel, Birke, Gräser und Co. mehr...

MCP-Tropfen gestoppt: Das sind die Alternativen
Metoclopramid gegen Übelkeit

Nach dem Aus für MCP-Tropfen suchen viele nach Ausweichmöglichkeiten. Lifeline klärt wichtige Fragen mehr...

Alkohol und Rauchen: Deutschlands stille Killer
Jahrbuch Sucht 2014

Ursache Nummer eins für einen frühen Tod bleibt das Rauchen. Kaum besser, aber akzeptiert: Alkohol mehr...

Mers-Virus befällt zwölf weitere Menschen
Neuinfektionen mit dem Coronavirus

Im arabischen Raum breitet sich das gefährliche Mers-Coronavirus weiter aus mehr...

Fragen Sie unser Gesundheitsteam

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Ratgeber
  • AllergieAllergie

    Bei Kindern treten sie gehäuft auf und jeder vierte Erwachsene quält sich: Allergien. Alles zum Thema

  • NagelpilzNagelpilz

    Nagelpilz ist häufig ein verschleppter Hautpilz. Erfahren Sie mehr über Erkrankung und Behandlung

  • SchönheitsoperationenSchönheitsoperationen

    Von Brustvergrößerung bis Fettabsaugen: Alle wichtigen Infos zu den häufigsten Schönheits-OPs

Lifeline auf Twitter folgen



Zum Seitenanfang