Frühjahrsplage

Zecken wieder in Lauerposition

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Auf langen Gräsern und Zweigen warten Zecken auf vorbeistreifende Säugetiere - oder Menschen.
Getty Images/iStockphoto

Wenn jetzt die Temperaturen wieder über sieben Grad klettern, erklimmen Zecken Grashalme und Sträucher, um nach potentiellen Opfern Ausschau zu halten. Was tun, wenn sie zustechen?

Ab etwa sieben Grad Außentemperatur werden die blutsaugenden Plagegeister aus der Familie der Spinnentiere aktiv. Damit ist die Zeckensaison 2012 eröffnet. Holzbock, Auwald- oder Braune Hundezecke, die hierzulande häufigsten Zeckenarten, klettern auf trockene Grashalme oder am Boden liegende Zweige und warten auf einen "Wirt", einen Vier- oder Zweibeiner, den sie anzapfen können.

"Zecken-Check" nach dem Spaziergang

Sie lassen sich dabei nicht etwa von Bäumen auf ihre Opfer fallen, wie oft fälschlicherweise behauptet wird. Zecken halten sich vielmehr immer in Bodennähe auf, nicht mehr als einen bis 1,5 Meter über dem Grund. Sobald sich eine vier- oder zweibeinige Nahrungsquelle durch die Bodenerschütterungen beim Auftreten, Änderung der Lichtintensität und/oder Geruch ankündigt, wechselt die Zecke aus der Ruhe- in die Lauerposition mit nach oben gestreckten Vorderbeinen, bereit, sich blitzschnell an ihren Wirt zu heften, wenn dieser an ihr vorbeistreift. Bis die Zecke mit ihrer Mahlzeit beginnt, kann über eine Stunde vergehen - Zeit, eine Zecke zu entdecken und zu entfernen, bevor sie Schaden anrichten konnte. Deshalb sollte sich jeder nach einem Spaziergang im Grünen erstmal auf Zecken überprüfen.

Zunächst wandert die Zecke die Haut entlang und sucht eine geeignete Stelle. Aus Sicht der Zecke heißt das: möglichst unbehaart, weich mit dünner haut und gut durchblutet. Beim Menschen kann dies beispielsweise der Genitalbereich oder eine Achselhöhle sein.

"Wunderöffnung" mit Betäubung

Mit ihren scherenartigen Beißwerkzeugen schneidet sie die Haut auf und gibt gleichzeitig ein Sekret ab, das die Blutgerinnung verhindert, Gewebe auflöst und eine betäubende Wirkung entfaltet, die allerdings einen Juckreiz nach einiger Zeit nicht verhindern kann. Die Zecke senkt nun ihren Stechrüssel in die Wunde und beginnt zu saugen. Für sie unverdauliche Bestandteile des Bluts und der Gewebsflüssigkeit, die sie aufnimmt, gibt sie wieder an den Wirt zurück. Das macht die Zeckenattacke so gefährlich, denn auf diese Weise können Krankheitserreger durch die Zecke übertragen werden. Deshalb sollte eine Zecke so schnell wie möglich entfernt werden: Je länger sie Gelegenheit zum Saugen hat, desto mehr Erreger kann sie an ihren Wirt abgeben.

Vorsicht ist vor allem bei Streifzügen durch Lichtungen mit hohen Gräsern, entlang von Waldrändern oder auch durch Laub- und Mischwäldern geboten: Dies sind bevorzugte Aufenthaltsorte der Zecke. Sie kommen aber auch in Parkanlagen und Gärten vor, die an ein Waldgebiet angrenzen.

Südwesten Deutschlands ist Risikogebiet

Der Südwesten Deutschlands ist dabei eine Zecken-Hochburg. Angaben der Universität Hohenheim zufolge traten von den mehr als 400 FSME-Fällen 2011 über 85 Prozent in Süddeutschland auf. FSME, das Kürzel für Frühsommer-Meningoenzephalitis, wird in Deutschland ausschließlich durch Zeckenstiche übertragen. Sie ist vergleichsweise selten: Nur ein bis fünf Prozent der Zecken tragen den FSME-Erreger. Aufgrund der Schwere der Erkrankung empfielt das Robert-Koch-Institut jedoch die Impfung gegen die Virusinfektion für ausgewiesene Risikogebiete, die Krankekassen übernehmen hier auch die Impfkosten.

Deutlich häufiger übertragen Zecken die Borreliose , eine Bakterieninfektion, gegen die es keinen Impfstoff gibt. Man geht davon aus, dass bis zu 35 Prozent der Zecken mit dem Erreger infiziert sind. Bei den meisten der jährlich deutschlandweit 50.000 bis 60.000 Erkrankungen nach einem Zeckenstich handelt es sich um eine Borreliose-Infektiion. Ein Zeckenstich ist dennoch kein Grund zur Panik: Im Durchschnitt ist nur bei 1,5 bis sechs Prozent der Betroffenen mit einer Borreliose-Infektion zu rechnen, und nur 0,3 bis 1,4 Prozent erkranken tatsächlich. Andere mögliche Erkrankungen nach einem Zeckenstich wie beispielsweise die Ehrlichiose treten in Deutschland noch sehr viel seltener auf.

Eng anliegende, helle Kleidung ist der beste Zeckenschutz

Dennoch ist angesichts der schwerwiegenden Folgen einer Infektion durch einen Zeckenstich Vorsicht geboten. Die besteht vor allem darin, vor einem Ausflug in Risikogebiete die Haut möglichst zu bedecken - eng anliegende helle Kleidung ist am besten geeignet - und unbedeckte Haut mit Zeckenschutzmittel zu behandeln. Hier kommt es auf die Auswahl der geeigneten Produkte an: Nicht immer hält das Zeckenschutzmittel, was die Packungsaufschrift verspricht. Zu dieser Einschätzung kam die Stiftung Wahrentest in einem 2008 veröffentlichten Test.

Sollte es doch zu einem Zeckenstich kommen, sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehört, die Einstichstelle nach dem entfernt zu beobachten. Zeigen sich Rötungen oder andere Veränderungen, sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden.

Mit den steigenden Temperaturen werden jetzt auch die Zecken immer aktiver - im Frühjahr haben sie Hochsaison. Im Sommer nimmt die Aktivität dann wieder ab, da der Holzbock, die in Deutschland häufigste Zeckenart, hohe Temperaturen nicht gut verträgt. Im Herbst erreicht die Zeckenaktivität einen zweiten Höhepunkt. Wo die Zecken wann wie aktiv sind, zeigt die Seite Zeckenwetter.de tagesaktuell an.

Zecken weiter auf dem Vormarsch

Insgesamt gehen Experten davon aus, dass Anzahl und Verbreitung der Zecken zunehmen. Insbesondere in Risikogebieten sollte jeder Bescheid wissen über die Gefahr durch Zecken und wie ihr begegnet werden kann. Eine Vortragsveranstaltung am 22. März im Rahmen des 1. Süddeutschen Zeckenkongresses an der Universität Hohenheim bietet Interessierten die Möglichkeit, sich rund um das Thema Zecke schlau zu machen.

Zecken

Frühling: Beginn der Zeckensaison. Bis zu 30 Prozent der Zecken in Deutschland sind heutzutage mit Borreliose-Bakterien infiziert, gegen die Infektion gibt es noch keine Impfung.

FrankenFernsehen

Die besten Tipps gegen Zecken

Autor: Lifeline Redaktion / rs
Letzte Aktualisierung: 20. März 2012
Quellen: Informationen des Dezernats Gesundheit und Verbraucherschutz Landkreis Ludwigsburg dpa

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