Plötzlicher Sehverlust

Augeninfarkt oder Sehsturz – gibt es Heilung?

Er kommt plötzlich und tut nicht weh, kann jedoch auf Dauer zu Erblindung führen: Der Augeninfarkt bewirkt, dass Sehnerv und Netzhaut nicht mehr ausreichend durchblutet werden und absterben können. Nur bei schneller Behandlung haben Sehsturz-Patienten eine Chance auf Heilung.

Augeninfarkt,sehsturz
Machen Sie den Test, ob Sie einen Augeninfarkt hatten: Halten Sie jeweils ein Auge zu und überprüfen Sie, ob das andere richtig sieht. Nach einem Augeninfarkt wird oft ein Auge blind, ohne dass der Betroffene es bemerkt.
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Genaue Zahlen, wie häufig der Augeninfarkt oder Augensturz auftritt, gibt es nicht. Fest steht, dass Männer häufiger betroffen sind als Frauen und dass der Sehsturz, medizinisch Anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION), vor allem mit zunehmendem Alter ein Risiko darstellt. Der Augeninfarkt tritt meist nur an einem Auge auf. Die umgangssprachlich Bezeichnung Augeninfarkt und Sehsturz ist übrigens nicht zufällig. Es gibt wichtige Parallelen zum Herzinfarkt und dem Hörsturz.

Was ist ein Augeninfarkt? Definition und Ursachen

Alle drei Krankheiten haben nämlich den gleichen Auslöser: Es handelt es sich um eine akute Durchblutungsstörung. Dabei kommt es darauf an, wo der Gefäßverschluss auftritt: Beim Herzinfarkt sind die Gefäße am Herzen betroffen, beim Hörsturz die im Ohr/Gehirn und beim Augeninfarkt Blutgefäße am Sehnerv und/oder der Netzhaut.

Blutgefäße, die vom oder zum Auge führen, können sich massiv verengen oder werden durch ein abgerissenes Plaqueteilchen oder ein Blutgerinnsel (Thrombus) verstopft. Zusätzlich können Gefäße platzen. Je nachdem, wo der Gefäßverschluss (Embolie) auftritt, kommt es in der Folge zu

  • Durchblutungsstörungen,

  • Sauerstoffmangel und

  • Gewebeuntergang in der Netzhaut und/oder dem Sehnervenkopf.

Die Risikofaktoren für einen Sehsturz

Vor allem Diabetiker sind für Gefäßerkrankungen wie den Augeninfarkt gefährdet. Daneben gibt es noch weitere Risikofaktoren:

  • Bluthochdruck

  • Fettstoffwechselstörungen und erhöhte Blutfettwerte

  • Arteriosklerose (Gefäßverkalkung)

  • Rauchen

  • Alter

  • Bewegungsmangel und

  • Flüssigkeitsmangel durch zu wenig trinken

Bereits jeder einzelne dieser Faktoren kann die Fließeigenschaften des Blutes beeinträchtigen, Blutgerinnsel und Gefäßverengungen herbeiführen. Oft liegen jedoch vor allem bei älteren Menschen mehrere dieser Risikofaktoren vor, sodass sich die Gefahr potenziert. Doch auch für jüngere Personengruppen, die etwa übergewichtig sind, rauchen und sich wenig bewegen, steigt das Risiko für einen Augeninfarkt.

Augeninfarkt durch Potenzpillen wie Viagra?

  • Was verbirgt sich hinter AMD? Was ist ein Sicca-Syndrom und worin liegt der Unterschied zwischen Grauem und Grünem Star? Der Ratgeber informiert über Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten

Daneben erhöht Weitsichtigkeit die Gefahr für einen Sehsturz. Vermutlich ist es die besondere Form des Augapfels, die hier eine Rolle spielt. Bei Weitsichtigkeit ist der Augapfel etwas kürzer. Das verändert geringfügig die Situation der Blutgefäße, die das Auge versorgen.

Möglicherweise erhöhen auch Medikamente wie PDE-5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil) die Gefahr eines Augeninfarkts. Es gibt Hinweise darauf, dass Männer, die bereits einen Risikofaktor wie Diabetes, Bluthochdruck oder Arteriosklerose aufweisen, nach der Einnahme der Potenzpillen einen Sehsturz erlitten haben, wie das Journal of Neuro-Ophtalmology berichtete.

Symptome eines Augeninfarkts: Das sind die Anzeichen

Anders als der Herzinfarkt tut der Augeninfarkt oder Hörsturz meist nicht weh. Die Symptome treten plötzlich auf und können sehr unterschiedlich ausfallen, darunter

  • Schleiersehen,

  • schwarzer Fleck im Auge oder

  • Erblindung für Sekunden oder Minuten.

Besonders heimtückisch daran ist, dass die Symptome wieder verschwinden können. Der Betroffene meint, damit sei alles überstanden. Doch oft schreitet der Gewebeuntergang unbemerkt fort. Deshalb sollten Sie immer sofort zum Arzt gehen, wenn Sie Sehstörungen bemerken, auch wenn diese sich scheinbar wieder auflösen. Denn die Folgen eines Augeninfarkts sind dramatisch:

  • In der Netzhaut entstehen Entzündungen und es bilden sich Ödeme.

  • Der Augeninnendruck erhöht sich (Glaukom, Grüner Star).

  • Netzhautteile und

  • der Sehnerv sterben ab,

  • Erblindung tritt ein.

Diagnose des Augeninfarkts erfolgt oft zufällig

Ein besonderes Phänomen dabei ist: Oft bemerken die Betroffenen gar nicht, dass sie auf einem Auge bereits so gut wie blind sind. Die Erklärung: Zum einen treten keine Schmerzen auf. Zum anderen sieht das zweite Auge weiterhin gut. Das Gehirn gleicht dadurch nach und nach das Fehlen der Sehleistung des blinden Auges beinahe vollständig aus. Erst eine Routineuntersuchung beim Augenarzt deckt in vielen Fällen auf, dass ein Sehsturz zur einseitigen Erblindung geführt hat.

Die ausführliche Anamnese, worin der Patient seine Beschwerden beschreibt, ist der erste Schritt zur Diagnose eines Augeninfarkts. Danach folgt ein einfacher Sehtest mit Ziffern und Buchstaben, wobei die Sehkraft der Augen einzeln überprüft wird. Ein Auge wird dabei also immer abgedeckt. Die weiteren Diagnosemittel, um einen Augeninfarkt festzustellen:

  • Pupillenreflex überprüfen

  • Untersuchung des Augenhintergrunds, der Netzhaut und des Sehnervs

Meist kann der Augenarzt auf diese Weise mit großer Sicherheit feststellen, ob, wo und in welchem Ausmaß ein Augeninfarkt eingetreten ist.

Behandlung eines Augeninfarkts: Ist der Sehsturz heilbar?

Ein Augeninfarkt ist immer ein akuter Notfall, der sofort behandelt werden sollte. Mit verschiedenen Medikamenten, die das Blut verdünnen (Fibrinolyse) und Entzündungen stoppen (etwa Kortison) kann die Zerstörung der Netzhaut aufgehalten werden. Meist verabreicht der Arzt die Wirkstoffe per Injektion. Andere Medikamente senken den erhöhten Augeninnendruck. All diese Maßnahmen entlasten das Auge.

Wird die Behandlung innerhalb von 90 Minuten eingeleitet, kann eine dauerhafte Zerstörung von Netzhautzellen verhindert werden. Im zweiten Schritt stoppt eine Laserbehandlung Einblutungen in die Netzhaut und löst Gefäßverengungen.

Setzt die Behandlung rechtzeitig ein, ist also eine Heilung des Augeninfarktes möglich. Dazu muss jedoch das kleine Zeitfenster von 90 Minuten nach Auftreten der ersten Anzeichen genutzt werden. Erfolgt die Behandlung später, bleibt in den meisten Fällen eine Sehverschlechterung zurück.

Wie Sie einem Augeninfarkt vorbeugen

Gesunde Gefäße und gute Blutwerte: So lautet das Rezept, das vor einem Augeninfarkt schützen kann. Zu den geeigneten Maßnahmen gehören:

  • Ernähren Sie sich von gesunden Lebensmitteln – essen Sie also wenig Fleisch, am besten keine Wurst, viel frisches Obst und Gemüse, Fisch, sowie fettarme Milchprodukte und Vollkorn in jeder Form.

  • Gehen Sie jeden Tag mindestens eine halbe Stunde an die frische Luft. Ein flotter Spaziergang oder etwas Walking unterstützen die gesunde Wirkung der Frischluft.

  • Treiben Sie zusätzlich etwas Sport – nichts, was mit Stress verbunden ist, jedoch auf sanfte Weise die Ausdauer fördert. Ideal sind Nordic Walken, langsames Joggen, Schwimmen, Radfahren, Wandern, Tanzen.

  • Vermeiden Sie Stress und sorgen Sie für Entspannungspausen. Ob das gezielt ist, etwa mit autogenem Training, oder einfach mit klassischer Musik und einem Buch, bleibt jedem selbst überlassen. Wichtig ist, den Kopf frei zu bekommen und innere Ruhe zuzulassen.

  • Nehmen Sie Vorsorgeuntersuchungen wahr, lassen Sie Ihre Blutwerte und Ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren. So können Sie Risikofaktoren für den Augeninfarkt frühzeitig erkennen und ihnen sinnvoll entgegenwirken.

Sehstörungen und was sie bedeuten
Beitrag zum Thema aus der Community
  • Forum Wechseljahre
    Schlecht sehen
    13.07.2014 | 13:42 Uhr

    Hallo Ihr Lieben! Kann seit einer Stunde auf dem linken Auge schlecht sehen. Alles etwas...   mehr...

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