Bissverletzungen besser behandeln

Hundebisse bei Babys und Kindern: Erste Hilfe

Jedes zweite Kind erleidet vor seinem 18. Lebensjahr einen Hundebiss. Am häufigsten trifft es Kleinkinder bis zum Vorschulalter. Lifeline zeigt, wie Sie Bissverletzungen vorbeugen und im Ernstfall richtig behandeln.

Hundebiss.JPG
Oft werden kleine Kinder von Hunden gebissen, die sie kennen. Der Biss kann im schlechtesten Fall tiefe Narben hinterlassen oder eine Funktionsstörung nach sich ziehen.
Thinkstock

Hundebisse sind häufig, gerade im Sommer kann das ausgelassene Toben von Hund und Kind in einer Verletzung enden. Kein Wunder: Im Jahr 2010 lebten in deutschen Haushalten 5,3 Millionen Hunde. So wurde die Hälfte aller 18-Jährigen in ihrem Leben schon einmal gebissen. In über 90 Prozent der Fälle stammt das Tier aus dem näheren sozialen Umfeld des Kindes. Meistens ist es sogar der eigene Familienhund, der zuschnappt.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) weist darauf hin, dass Eltern insbesondere kleine Kinder nie aus den Augen lassen sollten, wenn ein Hund im Spiel ist. Vielen Vierbeinern mangele es an Erziehung, außerdem können Babys und Kleinkinder die Signale der Tiere noch nicht deuten. Die Größe des Hundes sagt dabei nichts über seine Gefährlichkeit aus: Mit ihren kräftigen Kiefern können selbst kleinere Hunde schwere Verletzungen verursachen.

Hundebiss mit Wundauflage abdecken und zum Arzt gehen

Wenn es zu einer Bissverletzung gekommen ist, sollten Sie mit Ihrem Kind zum Arzt gehen und die Wunde, falls nötig, kinderchirurgisch versorgen zu lassen. Als erste Hilfe empfehlen Kinderchirurgen, die Verletzung mit einer sterilen Kompresse oder einem Verband abzudecken. Eltern sollten aber keine Versuche unternehmen, die Wunde selbst zu reinigen. Um den Tetanusschutz abzuklären, sei es sinnvoll, den Impfpass des Kindes gleich zum Arzt mitzubringen.

Zwar gehen die meisten Bisse glimpflich aus. „Doch selbst hinter äußerlich eher kleinen und ungefährlich erscheinenden Wunden können sich in der Tiefe ausgedehnte Geweberisse und Quetschungen verbergen“, erläutert Professor Stephan Kellnar von der DGKCH. Werden solche Verletzungen falsch versorgt, drohen Kellnar zufolge langfristige Schäden. Zum Beispiel könne es im Ernstfall passieren, dass infolge des Hundebisses die Finger und Hände eines Kindes einen Teil ihrer Funktion einbüßen oder unnötig große Narben bleiben, sagt der Experte.

hundebiss_kleiner-hund.JPG
Sogar kleine Hunde sind mitunter gefährlich. Auch sie haben Raubtierkiefer, um kräftig zubeißen zu können.
Thinkstock

Tollwut-Impfung vor Reisen nach Indien oder Afrika

Zudem gilt es, Infektionen zu verhindern: „Bei bis zu 20 Prozent der Hundebisse kommt es zu einer Wundinfektion“, sagt der Experte. Krankheitserreger könnten in das Gewebe eindringen und Wundstarrkrampf, Gasbrand oder eine Blutvergiftung hervorrufen. „Außerdem muss geprüft werden, ob der Hund womöglich Tollwut hatte“, sagt Kellnar, der als Chefarzt der Kinderchirurgie am Klinikum Dritter Orden in München arbeitet. Zwar gilt Deutschland seit 2010 als tollwutfrei. Doch die Krankheit ist in anderen (Reise-)Ländern noch verbreitet, vor dem Urlaub empfiehlt sich dann eine Tollwut-Impfung. Das Auswärtige Amt rät unter anderem Uganda-, Indien- und Indonesien-Urlaubern dazu.

Specials
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang