Therapien A bis Z

Hörgerät

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Hörgeräte verstärken den Schalldruck, der ins Ohr gelangt.
(c) iStockphoto

Bei einem Hörgerät (Hörapparat, Hörhilfe) handelt es sich um eine Vorrichtung zum Ausgleich eines verminderten Hörvermögens bei bestimmten Formen der Schwerhörigkeit. Hörgeräte verstärken den zum Ohr gelangenden Schalldruck und wirken auf diese Weise der Schwerhörigkeit entgegen. Es gibt unterschiedliche Arten von Hörgeräten – die Auswahl erfolgt auf Basis medizinischer Aspekte und persönlicher Vorlieben.

 

Vom Hörrohr zum elektronischen Wandler

Die früher verwendeten mechanischen Hörgeräte waren meist trichterförmig (Hörrohr). Sie verstärkten den auf das Ohr auftreffenden Schalldruck, indem sie die schallauffangende Fläche vergrößerten. Der Effekt auf das Hörvermögen war stark begrenzt, gleichzeitig waren die trichterförmigen Hörapparate in ihrer Handhabung eher unkomfortabel, weil sie mit den Händen an das Ohr gehalten werden mussten.

Die später entwickelten und heute üblichen elektronischen Hörgeräte wandeln den Schall in elektrische Schwingungen um, diese werden verstärkt und wieder in Schall zurückverwandelt. Elektronische Hörgeräte bestehen aus einem Eingangswandler („Sensor“ oder „Mikrophon“), einem Signalverstärker, einem Ausgangswandler („Driver“) und einer Stromquelle (Batterie bzw. Akku). Der vom Ausgangswandler abgegebene Schall wird dem Trommelfell zugeführt und versetzt dieses in Schwingung. Die Schwingung wird vom Trommelfell aus auf die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel) im Mittelohr und von dort ins Innenohr weitergeleitet.

Externe und implantierbare Hörgeräte

Es gibt verschiedene Arten von Hörgeräten, die sich in ihrer Funktionsweise und in der Art und Weise, wie sie getragen werden, unterscheiden. Zur Auswahl stehen:

  • Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO-Geräte)
  • Im-Ohr-Hörgeräte (IO-Geräte)
  • Implantierbare Hörgeräte
  • Knochenleitungshörgeräte
  • Hörbrillen

Externe Hörgeräte

Die klassischen elektronischen Hörgeräte werden extern, d.h. am äußeren Ohr angebracht. Sie sind entweder hinter der Ohrmuschel verankert (Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte, HdO-Geräte) oder liegen im äußeren Gehörgang (Im-Ohr-Hörgeräte, IO-Geräte).

Implantierbare Hörgeräte

Ende der 1970er Jahre wurden die ersten implantierbaren Hörgeräte entwickelt. Sie werden teilweise oder vollständig in den Körper eingesetzt. Beispiele sind:

  • Cochleaimplantate:
    Ersetzen die Funktion der Hörschnecke des Innenohres
  • Hirnstammimplantate:
    Ersetzen die Funktion des Hörnervs
  • Piezoelektrische Wandler:
    Übertragen statt des Schalls mikromechanische Schwingungen im hörbaren Frequenzbereich über die Gehörknöchelchen auf das Innenohr bzw. ins Vestibulum des Innenohres. Teilimplantierbar = nur Teile des Hörgerätes, z.B. der akustische Wandler, werden implantiert; Vollimplantierbar = alle Einzelkomponenten werden implantiert
  • Elektromagnetischer Wandler:
    Elektromagnetisches Funktionsprinzip, ebenfalls teil- und vollimplantierbare Geräte

Wesentliche Vorteile der implantierbaren Hörgeräte bestehen darin, dass sie für die Umwelt nicht sichtbar sind und die Träger dadurch nicht als schwerhörig oder gar „behindert“ stigmatisiert werden. Gleichzeitig ist mit den implantierbaren Geräten ein höherer Tragekomfort verbunden – die Geräte müssen nicht immer wieder neu angelegt oder eingesetzt werden und der Gehörgang wird nicht verlegt. Vollimplantierbare Hörgeräte können sogar beim Baden oder Schwimmen getragen werden. Ein Nachteil der Implantation besteht darin, dass das Gerät nur in einer Operation eingesetzt werden kann, bei der die üblichen Operationsrisiken bestehen.

Knochenleitungshörgeräte

Bei Knochenleitungshörgeräten wird nicht die Luftleitung, sondern die Knochenleitung zur Übertragung des Schalls auf das Innenohr ausgenutzt. Bei externen Hörgeräten gelingt dies, indem sie auf die Haut hinter dem äußeren Ohr gesetzt und mit einem Stirnband, einem Bügel oder einem Brillengestell (Hörbrille) gehalten werden. Doch auch eine Verankerung am Knochen durch Teil- oder Vollimplantate ist möglich. Dabei wird ein Titanimplantat unter der Haut am Knochen angebracht, wodurch die dämpfenden Effekte der Haut wegfallen. Die akustische Übertragung verbessert sich erheblich.

Nicht alle Hörgerätearten sind für alle Patienten und Formen der Schwerhörigkeit geeignet oder empfohlen – hier gilt es also, eine individuell optimale Lösung zu finden.

Kostenerstattung

Führt der Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO-Arzt) eine entsprechende Untersuchung durch und verordnet eine Hörhilfe, werden die Kosten von der gesetzlichen Krankenkasse in der Regel bis zu einem bestimmten Festbetrag übernommen. Der Festbetrag deckt eine „ausreichend zweckmäßige Versorgung“ ab. Diese Regelung wurde allerdings vom Bundessozialgericht in einem Grundsatzurteil (B 3 KR 20/08 R) für unzulässig erklärt: Die Versicherten müssen mit Hörgeräten versorgt werden, die nach dem Stand der Medizintechnik die bestmögliche Angleichung an das Hörvermögen Gesunder erlauben und auch im Alltag erhebliche Vorteile bieten. Am besten ist es, sich vor der Anschaffung des Hörgerätes bei der jeweiligen Krankenkasse bezüglich der Kostenübernahme zu erkundigen.

Autor: Kathrin Sommer (DVGE Verlag für Gesundheit und Ernährung)
Letzte Aktualisierung: 10. Februar 2012
Quellen: • Federspil, P.A.: Knochenverankerte Hörgeräte (BAHA). In: HNO 57(3), (2009), S. 216-222 • Luers, J.C. et al.: Implantierbare Hörgeräte. In: HNO 59(10), (2011), S. 980-987 • Gerichtsurteil. Krankenkasse muss digitales Hörgerät finanzieren. In: HNO-Nachrichten 2, (2010), S. 12 • Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von Hilfsmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung (Hilfsmittel-Richtlinie/HilfsM-RL). Neufassung vom 16. Oktober 2008, veröffentlicht im Bundesanzeiger 2009, Nr. 61 S. 462, in Kraft getreten am 7. Februar 2009 (URL: http://www.kvwl.de/arzt/recht/kbv/richtlinien/richtl_hilfsmittel.pdf) • Brockhaus Enzyklopädie. 17. völlig neubearbeitete Auflage. 8. Band. 1969 • Informationen der Stiftung Warentest: 07/2006 (URL: http://www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik/test/Hoergeraeteakustiker-Fuenf-grosse-Ketten-im-Vergleich-1390011-1390124/)

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