Forderung der Verbraucherorganisation Foodwatch

Verbot von bestimmten Margarinesorten gefordert

Margarine mit Pflanzensterinen, die den Cholesterinspiegel senken kann, soll wegen Gesundheitsrisiken nicht mehr in Supermärkten verkauft werden

margarine buttergesund
Besser als Margarine aufs Brot schmeckt Butter. Aber Vorsicht: viele Kalorien. Daher nicht zu dick schmieren!

Margarine mit Pflanzensterinen, die angeblich den Cholesterinspiegel senken, soll nach Auffassung der Verbraucherorganisation Foodwatch wegen möglicher Gesundheitsrisiken nicht in Supermärkten verkauft werden. Es mehrten sich "Hinweise auf bedenkliche Nebenwirkungen", erklärte ein Sprecher von Foodwatch in Berlin.

Wer keinen erhöhten Cholesterinspiegel hat, sollte auch keine Pflanzensterine zu sich nehmen. Denn ein nachweislicher Effekt dieser pflanzlichen Zusatzstoffe auf die Herzgesundheit fehle bislang.

Die Organisation Foodwatch spricht daher von einem "Schwindel" und fordert die Hersteller auf der Internettochterseite abgespeist.de dazu auf, den Verkauf von Margarine-Sorten mit Pflanzensterinen zu stoppen und dafür erst einmal eine Zulassung als Medikament zu beantragen. So seien laut Foodwatch die beschriebenen Sterine zum Beispiel in Becel pro-activ von Unilever, Deli Reform Active von den Walter Rau Lebensmittelwerken, Benecol von Emmi sowie Danacol von Danone enthalten. Deshalb ist das Bestreben der Verbraucherschutzorgansisation, den Lebensmittelgiganten Unilever dazu zu bewegen, dass etwa "Becel pro-activ" nur noch auf ärztliche Empfehlung hin in Apotheken zu erhalten ist. Oliver Huizinga von Foodwatch forderte: "Unilever sollte den freien Verkauf an Jedermann im Supermarkt stoppen und ein Zulassungsverfahren als Medikament anstrengen, damit die nach dem Arzneimittelrecht zuständigen Behörden den gesundheitlichen Nutzen sowie die Risiken und Nebenwirkungen beurteilen können."

Was sind Pflanzensterine?

Becel pro-activ sind hochkonzentriert pflanzliche Phytosterine zugesetzt, dies sind bestimmte chemische Verbindungen, die praktisch baugleich sind mit Cholesterin und Co. – Gift für die Gefäße. Unilever hat zudem nachgewiesen, dass sie das "schlechte" LDL-Cholesterin im Blut senken können. Doch Wirkung ist nicht gleich Nutzen: Ob eine durch Pflanzensterine bewirkte Senkung des Cholesterinspiegels auch das Risiko für Herzinfarkt senkt, ist nicht belegt, anders als bei cholesterinsenkenden Arzneimitteln. In der Beeinflussung von Blut-Laborwerten allein jedoch liegt noch kein gesundheitlicher Nutzen.

Im Gegenteil gibt es in Studien Hinweise auf Nebenwirkungen von Pflanzensterinen. Diese könnten das Risiko für Herzerkrankungen sogar erhöhen, anstatt zu senken, indem sie verursachen, was sie verhindern sollten: Ablagerungen in Gefäßen.

Gefährliche Selbstmedikation im Supermarkt

"Becel pro-activ für jedes Kind zugänglich neben Rama und Lätta im Supermarkt anzubieten, ist die Aufforderung zu einer womöglich gefährlichen Selbstmedikation", erklärt Sprecher Huizinga die Gründe für die Foodwatch-Forderung. In Übereinstimmung mit der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) bläst das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in ein ähnliches Horn mit dem Rat, "dass der Verzehr von Lebensmitteln mit Phytosterinen von gesunden Menschen, die keinen erhöhten Cholesterinspiegel haben, ausdrücklich vermieden werden sollte". In seiner Werbung jedoch suggeriere der Unilever-Konzern, mit der Margarine könnte praktisch Jeder, der nur "ein wenig besorgt" über seinen Cholesterinspiegel ist, vorsorglich - eben "pro-aktiv" - etwas für seine gesunde Ernährung tun.

Trend zu Functional Food

Foodwatch forderte ebenso die Hersteller anderer cholesterinsenkender Produkte auf, diese als Medikament zu behandeln und nicht länger frei als Lebensmittel zu verkaufen. Denn es ist zum allgemeinen Trend geworden, dass Lebensmittel neben ihrer nährenden Funktion auch noch gesünder machen sollen durch Zusätze. Sie werden landläufig als Functional Food bezeichnet - also Essen mit (zusätzlicher) Funktion. Die gängigsten Zusatzstoffe sind Milchsäure-Bakterien, pflanzliche Sterine, Omega-3-Fettsäuren oder Folsäure.

Jedoch Vorsicht, lieber Verbraucher, dahinter verbirgt sich in den meisten Fällen eine äußerst geschickte Werbestrategie, mit der die angereicherten Lebensmittel weitaus teurer über die Ladentheke wandern sollen als zuvor! Dass funktionelle Lebensmittel die täglichen Ernährungsfehler nicht ausgleichen, davor warnt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Wer sich indes vollwertig ernährt sowie täglich Gemüse, Salat und Obst verspeist, dessen Versorgung sollte mit allen notwendigen Nährstoffen ausreichend sein.

Umfrage: Verbraucher sind skeptisch

Aber zum Glück können die meisten Verbraucher in Deutschland laut einer Umfrage nicht viel mit solchen Lebensmitteln anfangen. 80 Prozent der Bundesbürger halten die Herstellerangaben zur Wirkung solcher funktioneller Lebensmittel für "eher" oder "überhaupt nicht" glaubwürdig, wie eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab.

60 Prozent können den versprochenen Zusatznutzen anhand der Informationen auf der Verpackung nicht recht einschätzen. 59 Prozent sind skeptisch, dass sie zum Beispiel einen "funktionellen" Joghurt im Supermarkt überhaupt sofort von einem "normalen" Produkt unterscheiden können.

Die zehn gängigsten Ernährungsirrtümer
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    Das stimmt so nicht, denn Fleisch hat keine Poren, sondern Muskelfasern. Es soll dennoch heiß angebraten werden, damit die Oberfläche verschmort und sich dabei die Aminosäuren mit den Zuckermolekülen verbinden. Dabei entstehen ein paar hundert verschiedene Geschmacksmoleküle, die so genannten Röstaromen.

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    Das stimmt so nicht. Lediglich das Vitamin B1 wird vom menschlichen Stoffwechsel benötigt, um den Zucker in Energie zu verwandeln.

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    Das ist eine Pauschalisierung, die ebenfalls so nicht ganz stimmt. Erst wenn Sie Rohkost und Salat mit einem Dressing beispielsweise "anmachen", erhält der Körper das Komplettpaket, mit dem er die in dem rohen Gemüse die für ihn notwendigen Nährstoffe für sich aufsplitten kann. Wird die Rohkost erhitzt, kann das bei manchen Gemüsen sogar besser für den Menschen sein, weil die Zellwände aufbrechen und er die Nährstoffe besser verarbeiten kann. Es kommt also ganz darauf an - wie meistens.

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    Genau das Gegenteil ist der Fall: natives Olivenöl kann Temperaturen von bis zu 180 Grad vertragen. Sofern es raffiniertes Öl der Olive ist, dann hält es sogar bis 230 Grad stand. Oder irrt ganz Italien?

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    Es sind nicht die Nudeln selbst, sondern die darin enthaltenen Kohlenhydrate. Die sind aber auch in Brot und Kartoffeln enthalten oder Süßkram. Was beim Verzehr von Kohlenhydraten glücklich macht, ist der Botenstoff Serotonin, der im Gehirn entsteht.

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    Gerücht 18: Milch verschleimt

    Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Milch unsere Atemwege verschleimt. Dafür gibt es jedoch wissenschaftliche keinerlei Beweise. Wer sie also verträgt, der kann sich ruhig sein Glas Milch am Tag oder den Schluck im Kaffee gönnen!

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    Gerücht 19: Salz ist ein Gewürz

    Von wegen! Salz ist ein Mineral, das in großen Mengen genossen das Risiko für Schlanganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Wirklich würzen sollte der Koch mit Kräutern - und erst am Tisch darf der Esser wenig nachsalzen. Das wäre ideal.

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    Gerücht 20: Käse schließt den Magen

    In Frankreich wird er zum Abschluss eines Mahls in kleinen Stücken gegessen - womöglich rührt daher sein Ruf. Da Käse oftmals sehr fett ist, sorgt er für ein ordentliches Sättigungsgefühl. Da der Magen fetthaltige Speisen langsamer an den Darm "abgibt", ist der Esser länger satt. Und würde der Franzose nun den fetten Käse schon zu Beginn verspeisen, dann bliebe kein Appetit mehr für die restlichen leckeren Schmankerl der französischen Küche. Schlau, unsere Nachbarn!

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    Gerücht 21: Nahrung hat heute weniger Nährwert

    Es wurden aktuelle Mittelwerte mit den Angaben früherer Nährwerttabellen verglichen. Dabei kam zutage, dass es über die vergangenen 50 Jahre nur geringe Schwankungen im durchschnittlichen Nährwertgehalt gab.

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Autor: sl / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 10. November 2011
Quellen: Foodwatch/ www.gesundheit-report.de

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