Wenn das Schlafengehen zur Qual wird
Schluss mit Schlafstörungen
Sechs Prozent der Deutschen leidet unter Schlafstörungen. Häufiger Grund ist der falsche Umgang mit Schlaf, so lautet der Tenor von Experten. Erfahren Sie, was jeder selbst dafür tun kann, damit die Nacht geruhsam wird.
Die Ursache für den Schlafmangel zu finden ist nicht einfach. Denn erst tagsüber, wenn man müde und erschöpft ist, zeigt sich: Die Nacht hat keinen erholsamen Schlaf gebracht. "Oft ist ein falscher Umgang mit dem Schlaf das Problem", erläutert der Schlafforscher Jürgen Zulley aus Regensburg. In vielen Fällen können Betroffene mit einer verbesserten Lebensweise selbst einen Weg zu einer geruhsameren Nacht finden.
Nach wochenlangen Schlafstörungen muss gehandelt werden
"Leicht ist so eine Verhaltensänderung nicht", sagt Zulley, Präsident der Deutschen Akademie für Gesundheit und Schlaf (DAGS). Er beschäftigt sich seit 35 Jahren mit dem Thema. Etwa sechs Prozent der Gesamtbevölkerung leiden an einer behandlungsbedürftigen Ein- und Durchschlafstörung, schätzt der Experte. Von solch einer Insomnie (Lateinisch somnus, zu Deutsch Schlaf) sprechen Mediziner, wenn mehr als vier Wochen jede Nacht so schlecht verlaufen ist, dass der Tag deutlich beeinträchtigt ist. Spätestens dann wird es Zeit zu handeln.
Viele Betroffene suchen zunächst Rat bei Menschen mit dem gleichen Problem. Hartmut Rentmeister leitet einen Selbsthilfeverein in Solingen und wird oft angerufen. "Medizinischen Rat kann ich natürlich nicht geben, dafür ist der Hausarzt zuständig", sagt Rentmeister. "Vielen hilft aber allein schon, dass sie mit anderen darüber reden und Tipps bekommen, wer oder was helfen könnte."
Der alkoholische "Schlummertrunk" ist tabu
Wenn dann als erstes Hausmittelchen empfohlen werden, hat Schlafexperte Zulley nichts dagegen - solange es kein Alkohol ist. "Der 'Schlummertrunk' ist keine Hilfe, sondern eine Gefahr für den guten Schlaf und die Gesundheit", sagt Zulley. Heiße Milch mit Honig oder Baldrian hingegen können helfen.
Auch das berühmte 'Schäfchen zählen' ist eine Möglichkeit, da es eine monotone Stimulation darstellt, das heißt, es schläfert ein. Hörbücher oder ruhige Musik erfüllen denselben Zweck. "Entspannung ist der Königsweg in den Schlaf", betont Zulley.
Gegen Schlaflosigkeit gibt es keine Standardbehandlung
Ganz wesentlich ist es, bestimmte Grundregeln für gutes Schlafen einzuhalten. So sollte man sich erst Schlafen legen, wenn man wirklich müde ist. Am Wochenende ist es mitunter hilfreich, zur gewohnten Zeit aufzustehen. Rentmeister empfiehlt außerdem eine gute Schlafumgebung: "Man muss sich im Schlafzimmer wohlfühlen, das Bett muss zu Alter und Gewicht passen und die Temperatur muss stimmen", sagt er. Etwas wärmere Temperaturen sind oft besser, als zu kalte Räume.
Wenn es trotz aller Tipps und Tricks nicht besser wird, ist der Gang zum Arzt erforderlich. "Der Hausarzt schließt dann zunächst aus, ob eine Erkrankung vorliegt, die die Insomnie verursacht", sagt Marie-Luise Hansen, Ärztliche Leiterin des Kompetenzzentrums Schlafmedizin an der Universitätsklinik Charité in Berlin. Schlaflosigkeit kann eine Begleiterscheinung von Erkrankungen wie Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson), Alzheimer oder auch Depressionen sein. Ist das nicht der Fall, können unter Umständen Schlafmittel helfen, die jedoch nicht länger als vier Wochen eingenommen werden sollten. Ist auch das erfolglos, müssen Schlafmediziner ran. "Die Insomnie ist sehr komplex", sagt Hansen. "Eine Standardbehandlung gibt es nicht."
Der Schlaf wird trainiert
"Die Natur gibt uns vor, bei Dunkelheit zu schlafen und bei Helligkeit wach zu sein. Also trainieren wir zum Beispiel, beim ersten Tageslicht aufzustehen und aktiv zu werden", beschreibt Hansen ein Therapieelement, das auch jeder selbst anwenden kann. "Der Aufstehzeitpunkt ist der wichtigste Zeitpunkt des Tages", betont die Schlafmedizinerin.
Eine etwas grob wirkende Methode wird angewandt, wenn die Einschlafstörung sehr ausgeprägt ist. Der Betroffene soll dann bewusst wach bleiben, bis es nicht mehr anders geht und er endlich einschläft. "Der Körper holt dann die besonders wichtigen Schlafphasen nach, es wird dadurch ein besonders effizienter Schlaf trainiert", erklärt Hansen.
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