Wann Nahrungsergänzung sinnvoll ist

L-Carnitin: Fett verbrennen, Muskeln stärken

L-Carnitin aus Milchprodukten und Fleisch soll beim Abnehmen unterstützen und Sportler leistungsfähiger machen. Wann eine Ergänzung in Form von Tabletten notwendig wird und bei welchen Erkrankungen L-Carnitin therapeutisch eingesetzt wird.

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Von well done über medium bis englisch: Rotes Fleisch wie Rind enthält viel L-Carnitin. Übertreiben sollte man es mit dem Fleischkonsum allerdings nicht...
© iStock.com/Lisovskaya

L-Carnitin steigert die Fettmobilisation in unserem Körper und kurbelt so die Fettverbrennung an. Der Hintergrund: Langkettige Fettsäuren können nur an den Stoff gebunden in die Mitochondrien der Zelle aufgenommen und dort in Energie umgewandelt werden. Also einfach durch Nahrungsergänzung mit L-Carnitin-Tabletten Gewicht reduzieren und Muskelmasse aufbauen? So einfach ist es nicht.

Unser Körper kann die Substanz zwar selbst herstellen, er braucht dazu allerdings die Aminosäuren Lysin und Methionin, die vor allem in rotem Fleisch wie Rind stecken. Auch die Vitamine C, B3, B6 sowie Eisen müssen in ausreichender Menge im Körper vorhanden sein, um L-Carnitin zu synthetisieren.

Die Aufgaben von L-Carnitin im Körper:

  • Fett in Energie umwandeln
  • Gehirnzellen mit Energie versorgen
  • Immunsystem stärken durch das Hemmen entzündungsfördernder Eiweiße, die Aktivierung von T-Lymphozyten und den Schutz vor freien Radikalen
  • dem Zelltod von Muskelzellen entgegenwirken

Fleisch als Hauptlieferant von L-Carnitin

Zwar gehen Ernährungswissenschaftler davon aus, dass man bei ausgewogener Ernährung keinen L-Carnitin-Mangel entwickelt, jedoch gibt es Risikogruppen. Dazu gehören Menschen, die sehr wenig Fleisch essen sowie Vegetarier und Veganer. Zum Vergleich: Ein Mischköstler nimmt täglich rund 100 bis 300 Milligramm L-Carnitin durch die Nahrung auf, ein Vegetarier nur rund 15 bis 25 Prozent dieser Menge.

Gespeichert wird der Stoff vor allem in der Herz- und Skelettmuskulatur: 98 Prozent der vorhandenen Menge an L-Carnitin wird dort benötigt. Führen wir unserem Körper zu viel zu, wird der Überschuss über den Urin wieder ausgeschieden, weshalb eine Nahrungsergänzung über zwei Gramm täglich wenig sinnvoll ist.

Zu L-Carnitin-Lieferanten zählen (die Angaben beziehen sich auf 100 Gramm):

  • Kalbsfleisch (Lende) (132,8 mg)
  • Rindfleisch (Lende) (65 mg)
  • Wildschwein (18 bis 46 mg)
  • Lammfleisch (40,5 mg)
  • getrocknete Steinpilze (38,8 mg)
  • Kaninchen (10,2 bis 24,4 mg)
  • Putenfleisch (21,2 mg)
  • Schweinefleisch (21,1 mg)
  • Camembert (14,4 mg)
  • Ziegenkäse (12,7 mg)
  • Pfifferlinge (12,6 mg)
  • Joghurt (12,2 mg)
  • Hühnchenfleisch (10,4 mg)
  • Lachs (5,8 mg)
  • Erbsen (5,7 mg)
  • Vollfettmilch (2,3 mg)
  • Brot, Nudeln und Reis (0,33 bis 0,75 mg)
  • Nüsse (0,02 bis 0,67 mg)

Dabei rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Fleisch in Maßen genießen. Wer ein Zeichen gegen Massentierhaltung setzen möchte, greift zu Ökosiegeln wie Bioland, demeter oder Neuland.

Zu viel Fleisch schadet nicht nur der Tier- und Umwelt, sondern auch unserer Gesundheit. So birgt ein Übermaß an Steak, Schinken und Wurst auf dem Speiseplan Gefahren für das Gefäßsystem: Forscher aus Cleveland in den USA fanden heraus, dass es Arterioskerlose fördern kann, einen Risikofaktor für Schlaganfall und Herzinfarkt. Außerdem erhöht sich durch häufiges Fleischessen der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) zufolge auch das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen wie etwa Dickdarmtumore.

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Was tun bei L-Carnitin-Mangel?

Ein Mangel äußert sich vor allem durch muskuläre Schwäche, Krämpfe bei körperlicher Anstrengung, Energielosigkeit, Immunschwäche und Konzentrationsschwierigkeiten. Für einen chronischen Mangel an L-Carnitin sprechen Unterzucker (Hypoglykämie) und zu niedriger Blutdruck (Hypotonie). Auch Erkrankungen des Muskelgewebes, die im Extremfall Herzversagen auslösen, können die Folge sein.

Ob ein Mangel besteht, kann man beim Arzt durch einen Bluttest nachweisen lassen. Der Spiegel im Serum sollte dabei zwischen 2,3 bis 5,7 Milligramm pro Liter liegen. Ein Wert darunter kennzeichnet einen Mangel, den Kapseln, Trinklösungen oder Infusionen mit L-Carnitin ausgleichen können.

Nahrungsergänzungsmittel macht Gesunde nicht sportlicher

Was bei einem Mangel nützlich ist, bringt bei gesunden Menschen keinen Effekt. So zeigen Fahrradergometertests und Untersuchungen von Marathonläufern, dass Nahrungsergänzung bei gesunden Sportlern die Leistungs- und Regenerationsfähigkeit nicht verbessert. Auch die Deutsche Sporthochschule Köln führte eine Untersuchung durch. Wissenschaftler verabreichten Sprintern sieben Tage lang jeweils drei Gramm L-Carnitin. Im nachfolgenden Lauf konnten keine Effekte auf Leistungsfähigkeit und Herzfrequenz nachgewiesen werden.

L-Carnitin für Herz und Nerven

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Bei diversen Krankheiten entfaltet L-Carnitin jedoch vorbeugende und therapeutische Wirkung. So fanden Wissenschaftler heraus, dass L-Carnitin Blutfettwerte senkt, das gesunde HDL-Cholesterin steigert und somit das Risiko einer koronaren Herzkrankheit mindern kann. Eingesetzt werden Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich zur medikamentösen Behandlung auch bei anderen kardiovaskulären Erkrankungen wie Angina Pectoris oder Herzinfarkt.

Im Falle eines Diabetes mellitus wirkt L-Carnitin Spätfolgen entgegen – beispielsweise dem häufig auftretenden Erblindungsprozess (diabetischer Katarakt) und Wundheilungsstörungen an den Extremitäten. Ebenfalls soll es die Insulinempfindlichkeit bei Diabetespatienten erhöhen und ihren LDL-Cholesterinwert senken.

Krebspatienten können ebenfalls von einer Ergänzung profitieren, da bei rund 80 Prozent der Betroffenen im fortgeschrittenen Stadium zu wenig L-Carnitin im Blut verfügbar ist. Untersuchungen ergaben, dass die Gabe der Substanz eine chemotherapiebedingte Polyneuropathie lindern, das Gewicht stabilisieren und die Lebensqualität verbessern kann.

Außerdem erweitert L-Carnitin die Blutgefäße, verbessert dadurch die Durchblutung und erhöht die Sauerstoffversorgung im Muskel. Positive Effekte auf Gehirn und Nervensystem wurden ebenso nachgewiesen wie auch eine Linderung der Nebenwirkungen während der Dialyse.

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