Ohne medizinische Indikation bis zur 12. Woche möglich

Schwangerschaftsabbruch: Ablauf, Kosten, Risiken der Abtreibung

Bis zu zwölf Wochen nach der Empfängnis kann eine ungewollte Schwangerschaft abgebrochen werden. Dies kann durch einen operativen Eingriff oder medikamentös geschehen.

Schwangerschaftsabbruch
Vor dem Schwangerschaftsabbruch hat der Gesetzgeber die Pflicht zu einem Beratungsgespräch gesetzt.
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Kommt es ungewollt zu einer Schwangerschaft, haben die betroffenen Frauen die Möglichkeit, bis spätestens zum Ende der 12. Woche nach der Empfängnis einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen.

An sich ist eine Abtreibung, wie ein Schwangerschaftsabbruch umgangssprachlich auch bezeichnet wird, nach deutschem Recht nur rechtskonform, wenn entweder eine medizinische oder kriminologische Indikation vorliegt. Besteht also bei Fortdauer der Schwangerschaft Gefahr für Leib und Leben der Mutter oder ist die Schwangerschaft Folge einer sexuellen Straftat, darf sie bei Vorliegen eines entsprechenden ärztlichen Attests beendet werden.

Medizinische Indikation für Spätabtreibung

Liegt eine medizinische Infikation vor, so kann eine Schwangerschaft auch noch bis zum Ende der Schwangerschaft abgebrochen werden. Wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, sie also Schwangerschaft oder Geburt nicht überleben würde oder aber, wenn das Kind schwerstbehindert zur Welt kommen würde oder nicht lebensfähig ist, dann kann eine sogenannte Spätabtreibung durchgeführt werden. Eine ärztliche Beratung und Wartefrist ist auch hier vorgeschrieben.

Beratungsregelung ermöglicht Schwangerschaftsabbruch ohne Indikation

Das trifft aber nur auf einen Bruchteil der jährlich rund 100.000 Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland zu. Rechtswidrig, aber straffrei kann eine ungewollte Schwangerschaft aber auch ohne Indikation auf Grund der so genannten Beratungsregelung (Paragraf 218 und 219 des Strafgesetzbuches) innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen erfolgen. Die schwangere Frau muss sich dazu einer Schwangerschaftskonfliktberatung bei einer staatlich anerkannten Beratungsstelle unterziehen, sich die erfolgte Beratung bescheinigen lassen und kann dann nach mindestens drei Tagen Bedenkzeit, also frühestens am 4. Tag nach der Beratung, den Eingriff vornehmen lassen.

Ablauf des Schwangerschaftsabbruches

Der Abbruch kann medikamentös oder operativ erfolgen. Absaugung wie medikamentöser Abbruch erfolgen meist ambulant in einer gynäkologischen Praxis. Folgende Methoden sind möglich:

  • Operative Methode: Absaugung

Am häufigsten kommt die die zu den operativen Verfahren zählende Absaugung beziehungsweise Vakuumaspiration, so die medizinische Bezeichnung, zum Einsatz (etwa 70 Prozent der Fälle). Dabei wird entweder nur der Muttermund lokal betäubt, oder der Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt. Der Arzt dehnt zunächst den Muttermund mit speziellen Stiften. Dann führt er ein mit einer Saugpumpe verbundenes Röhrchen in die Gebärmutter ein, über das er den Embryo samt Gebärmutterschleimhaut absaugt.

  • Abbruch per Kürettage

Für noch spätere Schwangerschaftsabbrüche bis zur 16. Woche wende Ärzte gewöhnlich die Kürettage (Ausschabung) an. Während die Frau sich in Vollnarkose befindet, entfernt der Chirug den Fötus mit einer kleinen Zange und schabt anschließend die Gebärmutter aus. Die Kürettage dauert etwas länger als das Absaugen und erfordert somit eine längere Narkose. Die meisten Frauen bleiben deshalb eine Nacht im Krankenhaus.

  • Medikamentöse Methode: "Abtreibungspille"

Bis zum 63. Tag nach Beginn der letzten Regelblutung beziehungsweise bis zur  neunten Schwangerschaftswoche kann eine ungewollte Schwangerschaft auch medikamentös beendet werden. Dabei wird unter ärztlicher Aufsicht zunächst der Wirkstoff Mifepriston eingenommen, der die Entwicklung des Embryos unterbricht. Zugelassen ist hier das Präparat Mifegyne. 36 bis 48 Stunden danach muss die Frau wieder in die Praxis oder Klinik zurückkehren und bekommt dann ein Prostaglandin-Präparat  als Vaginalzäpfchen oder in Tablettenform. Es löst in der Regel innerhalb der folgenden drei bis sechs Stunden Gebärmutterkontraktionen (Wehen) und eine Austoßung der Frucht aus.

Manchmal kann eine erneute Prostaglandin-Einnahme notwendig sein. Bis der Embryo ausgestoßen wurde, sollte die Frau unter ärztlicher Aufsicht bleiben und auch danach zu Hause nicht alleine bleiben, um im Fall von Komplikationen Hilfe zu haben. 

Die medikamentöse Abtreibung ist zwar schonender, jedoch empfinden Frauen die zwei Tage Wartezeit als seelisch sehr belastend.

  • Spätabtreibung: Künstlich herbeigeführte Geburt

Eine späte Abtreibung nach medizinischer Indikation ist für die Frau psychisch besonders belastend. Der Fötus wird - falls er bereits außerhalb der Gebärmutter lebensfähig wäre (ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche) – mit einer Injektion in das Herz getötet. Anschließend bekommt die Frau ein Wehenmittel, welches die Geburt künstlich einleitet. Den Embryo muss die Frau auf natürlichem Weg zur Welt bringen und aktiv bei der Geburt mitwirken.

Nachuntersuchung per Ultraschall nötig

Nach einer Absaugung wird mit einer Ultraschalluntersuchung sicher gestellt, dass keine Gewebereste zurückgeblieben sind, die gegebenenfalls durch eine Ausschabung entfernt werden müssen. Die Ausschabung, medizinisch Kurettage, wurde früher häufig als alleinige Methode des Schwangerschaftsabbruchs  angewendet, verliert aber aufgrund der höheren Komplikationsrate zunehmend an Bedeutung. Dabei wird die Frucht mit einer Kürette, einem löffelartigen Instrument, entfernt. 

Schwere Komplikationen bei Schwangerschaftsabbruch selten

Nach dem Abbruch kommt es zu Blutungen, die zwei bis drei Wochen anhalten können, oft begleitet von Unterleibsbeschwerden.  Schwere Komplikationen sind jedoch selten. So kann es nach einem Schwangerschaftsabbruch zu einer Gebärmutterentzündung kommen oder bei der Absaugung die Gebärmutter verletzt werden. Treten starke Blutungen, Schmerzen, Fieber oder übel riechender Ausfluss auf, sollte in jedem Fall umgehend ein Arzt eingeschaltet werden.

Zu beachten ist, dass die medikamentöse Abbruchmethode bei bestimmten Grunderkrankungen oder Überempfindlichkeiten nicht angewendet werden darf. Dies ist der Fall bei

  • chronischen Nebennierenerkrankungen,
  • schwerem Asthma,
  • bekannter Allergie gegenüber Mifepriston oder einem anderen Bestandteil der Tabletten,
  • bekannter Unverträglichkeit von Prostaglandinen.

Kosten der Abtreibung

Voruntersuchungen, eine eventuelle Nachsorge, Medikamente  und Krankschreibung sind durch die Krankenversicherung abgedeckt. Die Kosten für den eigentlichen Schwangerschaftsabbruch müssen die Krankenkassen jedoch nicht bezahlen. Diese betragen je nach gewählter Methode zwischen 200 und knapp 600 Euro, hinzu kommen der Tagessatz im Krankenhaus bei stationärer Aufnahme.

Wenn das persönliche Einkommen unterhalb des Existenzminimums liegt, übernimmt das jeweilige Bundesland die Kosten. Einen entsprechenden Antrag zur Kostenübernahme müssen Frauen vor dem Eingriff bei der Krankenkasse stellen und dazu ihre Einkommensverhältnisse offenlegen. Maßgeblich sind hierbei nur das Einkommen und Vermögen der Frau. Das Einkommen der Eltern, des Ehemanns oder anderer unterhaltspflichtiger Personen spielt keine Rolle.

Wichtig: Der Arzt oder das Krankenhaus, wo der Abbruch durchgeführt wird, benötigt eine schriftliche Zusage zur Kostenübernahme.

Ist jedoch die körperliche und seelische Gesundheit der Mutter gefährdet, übernehmen die Kassen unabhängig vom Einkommen alle Kosten. Das gleiche gilt für den Fall, dass die Frau durch eine Vergewaltigung schwanger geworden ist.

Psychische Probleme nach Schwangerschaftsabbruch selten

Ein Schwangerschaftsabbruch ist medizinisch gesehen risikoarm. Zwar kann der Eingriff auch psychische Folgen haben. Schwere psychische Erkrankungen als Folge eines Abbruchs sind jedoch in der Regel nicht zu erwarten.

Viele Frauen haben am ersten Tag nach einem Schwangerschaftsabbruch krampfartige Schmerzen und die meisten bluten. Blutungen und Unterleibskrämpfe sind aber normal, sofern sie nicht massiver als bei einer starken Monatsblutung ausfallen. Nach dem Abbruch einer Frühschwangerschaft sind Frauen in der Regel nach zwei Tagen körperlich wieder fit. Folgen gibt es kaum. Bis sich die Gebärmutter zurückbildet, können aber zwei Wochen vergehen: Deshalb ist Sex, Schwimmen und die Benutzung von Tampons während dieser Zeit tabu. Gewöhnlich gibt die Klinik der Frau Antibiotika mit nach Hause, um Infektionen vorzubeugen.

Fortsetzen einer ungewollten Schwangerschaft oft belastender

Die meisten Patientinnen sind nach einer Abtreibung erschöpft und müde. Das ist oft narkosebedingt und meist nur von kurzer Dauer. Manche Frauen spüren als Folgen Erleichterung, andere reagieren teilnahmslos, wieder andere sind traurig und wütend. In den seltensten Fällen durchleben Frauen längerfristige und schwere Depressionen als Folgen einer Abtreibung. Wenn schwere Missstimmungen auftauchen, dann sind zumeist sehr junge Frauen davon betroffen. Aber auch die Patientinnen leiden, die einen Abbruch in einem sehr späten Stadium der Schwangerschaft vornehmen lassen oder eine erwünschte Schwangerschaft abbrechen, weil der Fetus fehlgebildet ist. Grundsätzlich aber ist die Gefahr eines psychischen Zusammenbruchs nach einem Abbruch anscheinend weitaus geringer, als wenn eine ungewollte Schwangerschaft fortgesetzt wird. Ein so genanntes Post-Abtreibungs-Syndrom ist in der Psychologie als Krankheitsbild nicht bekannt.

Trauer nicht mit Reue verwechseln

Trotzdem, selbst eine Frau, die überzeugt ist, mit der Abtreibung die richtige Entscheidung getroffen zu haben, kann die Folgen spüren. Sie mag traurig werden und den Verlust beklagen. Wichtig ist, dass sie über diese Gefühle mit jemandem spricht und keineswegs Trauer mit Reue verwechselt.

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