Frühzeitige Wechseljahre: Symptome, Behandlung und Kinderwunsch

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Von vorzeitigen Wechseljahren sprechen Ärzte, wenn diese vor dem 40. Lebensjahr einsetzen. Was das bedeutet, was Ursachen sein können, Symptome, Risiken und welche Behandlung, auch bei Kinderwunsch, infrage kommt, lesen Sie hier.

vorzeitige wechseljahre
Vorzeitige Wechseljahre setzen vor dem 40. Lebensjahr ein und führen zu typischen Wechseljahrsbeschwerden wie Schlafstörungen.
© iStock.com/Wavebreakmedia

Artikelinhalte im Überblick:

Sind das die Wechseljahre? Symptome im Überblick

Wann handelt es sich um vorzeitige Wechseljahre?

Durchschnittlich kommen Frauen in ihren 40igern in die Wechseljahre und erleben mit Anfang 50 ihre letzte Periodenblutung. Die Eierstöcke stellen dann die Arbeit ein und die Hormone haben sich komplett umgestellt. Wenn diese Hormonumstellung mit allem, was sie für die Frau mich sich bringt, bereits vor dem 40. Lebensjahr einsetzt, handelt es sich um vorzeitige Wechseljahre. Mediziner sprechen dann von einer prämaturen Menopause oder vom Klimakterium präcox. Etwa drei bis fünf Prozent der Frauen sind bereits mit 40 in den Wechseljahren. Sehr wenige kommen sogar schon mit 35 Jahren in die Wechseljahre. Die Wechseljahre sind grundsätzlich ein natürlicher Prozess, allerdings werden frühzeitige Wechseljahre als krankhaft eingeordnet, da sie durch den Hormonmangel auch einige Folgen für betroffene Frauen nach sich ziehen können.

Vorzeitige Menopause: Zweierlei Gründe

Mediziner unterteilen die Ursachen in zwei Kategorien. Entweder ist die Tätigkeit der Eierstöcke gestört oder die Eizellen werden beschleunigt abgebaut. Ein häufiger Grund für vorzeitige Wechseljahre ist die Entfernung beider Eierstöcke. Oft sind die Symptome der vorzeitigen Wechseljahre dann stark, da es für den Körper sehr plötzlich zu einem Hormonentzug kommt. Möglich ist auch, dass die Eierstöcke durch Bestrahlung oder eine Chemotherapie, beispielsweise im Zuge einer Krebsbehandlung, geschädigt worden sind.

Bekannt sind auch genetische Ursachen, die auf Veränderungen verschiedener Chromosomen zurückzuführen sind. Zudem können Autoimmunkrankheiten bewirken, dass der Körper Abwehrstoffe produziert, die die Funktion der Eierstöcke blockieren. Beispiele dafür sind rheumatoide Arthritis und Niereninsuffizienz. In vielen Fällen jedoch bleibt die Ursache für ein vorzeitiges Klimakterium im Dunkeln.

Symptome vorzeitiger Wechseljahre

Dass sie in die vorzeitigen Wechseljahre kommen, bemerken jüngere Frauen vor allem durch Unregelmäßigkeiten des Zyklus. Wie im normalen Klimakterium kann es zu einer unregelmäßigen Regelblutung kommen: Manchmal ist sie einige Monate normal und setzt dann mehrmals aus. Viele Frauen erleben zudem typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, nächtliche Schweißausbrüche oder Scheidentrockenheit. Frauen, die solche Symptome bemerken, sollten auf jeden Fall eine Gynäkologin oder einen Gynäkologen aufsuchen. Sie oder er kann mittels Hormontests feststellen, ob wirklich vorzeitige Wechseljahre vorliegen.

Frau in den Wechseljahren
Selbsttest
Bin ich in den Wechseljahren?

Während der Wechseljahre verändert sich das Hormonsystem in einem langsamen, wechselhaften Prozess, der von einer Reihe typischer körperlicher und psychischer Anzeichen und Symptome begleitet wird. Ausmaß und Ausprägung der Symptome variieren von Frau zu Frau teilweise erheblich und gerade zu Beginn der hormonellen Umstellung sind die Anzeichen oft unspezifisch und diffus. Dieser Test kann erste Hinweise auf das Vorhandensein und die Schwere einer möglichen Wechseljahrssymptomatik geben.

Diagnose und Behandlung vorzeitiger Wechseljahre

Vor einer Therapie muss eine eindeutige Diagnose der vorzeitigen Wechseljahre stehen. Ein begründeter Verdacht besteht, wenn bei einer Frau unter 40 die Periodenblutung seit mindestens vier Monaten ausgeblieben ist, obwohl keine Schwangerschaft besteht. Dann sollte ein Gynäkologe oder eine Gynäkologin den Hormongehalt im Blut bestimmen.

Um festzustellen, ob eine Frau in den Wechseljahren ist, kann ein Gynäkologe den Spiegel des follikelstimulierenden Hormons (FSH) im Blut bestimmen. Experten empfehlen zwei FSH-Tests im Abstand von einem Monat. Der Bluttest zeigt an, ob der FSH-Wert erhöht ist. Das weist darauf hin, dass die Eierstöcke nicht ordnungsgemäß arbeiten. Anhand von weiteren Untersuchungen lässt sich der Verdacht auf Wechseljahre dann weiter erhärten. Eine Reihe von Untersuchungen, etwa die Messung der Knochendichte, können den Verdacht auf vorzeitige Wechseljahre erhärten und wichtige Hinweise für eine geeignete Hormontherapie geben.

Bei vorzeitigen Wechseljahren raten Experten zu einer Hormontherapie, um Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Folgen und Risiken vorzeitiger Wechseljahre

Inzwischen herrscht Konsens darüber, dass bei vorzeitigen Wechseljahren eine Hormontherapie bis ungefähr zum 50. Lebensjahr erfolgen sollte. Denn so behandelt man nicht nur die Beschwerden, sondern beugt einer Unterversorgung aller Organe vor, die von der Funktion der Geschlechtshormone, vor allem von Östrogen, abhängig sind. Vor allem die Folgen des sinkenden Östrogenspiegels für das Herz-Kreislauf-System und die Knochen sollen damit vermieden werden. Junge Frauen erhalten oft eine höher dosierte Hormontherapie als Frauen in natürlichen Wechseljahren. Um ihren Körper wieder an diese Hormone zu gewöhnen, beginnt die Behandlung mit einer niedrigen Dosis und wird langsam gesteigert.

Zusätzlich zur Hormontherapie ist es für junge Frauen besonders wichtig, auf eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung zu achten, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Osteoporose und andere Langzeitschäden durch einen Östrogenmangel zu verringern.

Familienplanung und frühzeitige Wechseljahre

Trotz vorzeitiger Wechseljahre kann es zu einer Schwangerschaft kommen. Frauen ohne Kinderwunsch sollten daher auf jeden Fall für Verhütung sorgen. Wichtig zu wissen ist auch, dass eine Hormontherapie nicht vor einer Schwangerschaft schützt.

Für Frauen mit vorzeitiger Menopause, die einen Kinderwunsch haben, existiert derzeit keine Behandlung. Die Menopause zeigt an, dass der Vorrat an Eizellen aufgebraucht ist, den jede Frau von Geburt an in sich trägt. Es ist dann eigentlich nicht mehr möglich, auf natürlichem Weg ein Kind zu bekommen. Nur in Einzelfällen gibt es nach Jahren erneut einen Eisprung und die Frau kann schwanger werden. Theoretisch gibt es die Möglichkeit einer Eizellspende, die in Deutschland aber verboten ist. Machen einer Frau mit Kinderwunsch die vorzeitigen Wechseljahre sehr zu schaffen, sollte sie überlegen, ob ihr eine Wechseljahrsgruppe oder Gespräche mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin darüber weiterhelfen können.

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Beratender Experte
Frau Dr. Barbara Grüne

Fachärztin für Gynäkologie u. Geburtshilfe

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