Früh reif, spät aufgeklärt

Wenn Teenager schwanger werden

Sie sind erst zehn und – schwanger. Teenager – Mädchen, aber auch Jungen – werden immer früher geschlechtsreif. 2002 haben 20 Zehnjährige abgetrieben, zeigt ein Blick in die Erhebungen des Statistischen Bundesamtes. 1996 steht dort noch eine Null. Kinder und Jugendliche werden zu spät aufgeklärt – Sexualerziehung gehört schon in Kindergärten und Grundschulen.

Wenn Teenager schwanger werden
Viele Teenager werden heute sehr früh schwanger
Getty Images/iStockphoto

"Die sexuelle Reife hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter vorverlagert", erklärt Norbert Kluge, Sexualforscher aus Landau. Da die Aufklärung hinterherhinkt, kommt es immer wieder vor, dass schon Teenager schwanger werden. Bei jedem Altersjahrgang verschiebt sich der Zeitpunkt der ersten Menstruation und des ersten Samenergusses um etwa 0,2 Jahre nach vorne, hat die Forschungsstelle für Sexualwissenschaft und Sexualpädagogik an der Universität Landau herausgefunden. Gründe sehen Wissenschaftler in einer besseren Ernährung, der Anreicherung von Lebensmitteln mit zusätzlichen Nährstoffen und einer optimierten Gesundheitsversorgung.

Rund 13.000 Teenager waren 2001 schwanger

Die Folgen sind alarmierend: Immer mehr Teenager werden schwanger. Dies verdeutlicht eine Studie Kluges auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes: 2002 stieg die Zahl der Abtreibungen bei den Zehn- bis 14-jährigen Mädchen bundesweit um 9,3 Prozent auf 761 Fälle. Mittlerweile entfällt etwa jeder zehnte Schwangerschaftsabbruch bei Minderjährigen auf die Gruppe der Zehn- bis 14-Jährigen. Diese Entwicklung bei jungen Mädchen verläuft sogar gegen den Trend in der weiblichen Gesamtbevölkerung. Denn insgesamt ist die Zahl der Abtreibungen im Jahr 2002 im Bundesgebiet um 3,4 Prozent gesunken. Gleichzeitig brachten mehr minderjährige Mütter ein Kind zur Welt. Addiert man Abbrüche und Geburten, so wuchs die Zahl der schwangeren Teenager von 1996 bis 2001 um 35,4 Prozent auf fast 13.000.

Schulen klären zu spät auf

Als eine Ursache für schwangere Teenager sieht Sexualforscher Kluge die unzureichende Aufklärung in der Schule. Der Sexualkundeunterricht dort sei nicht auf die Frühreife eingestellt. Das Thema "Verhütung" stünde in vielen Bundesländern zu spät auf dem Lehrplan, in Rheinland-Pfalz beispielsweise erst in der neunten Klasse. Sexualerziehung müsse insgesamt viel früher beginnen, auch schon im Kindergarten und nicht erst ab der dritten Grundschulklasse, fordert der Wissenschaftler. Vor allem jungen Teenagern sei oft nicht bewusst, welche Folgen Sex haben könne. So benutzt fast jeder fünfte Jugendliche beim "Ersten Mal" keine Verhütungsmittel, ergab eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 2001. Das Einstiegsalter liegt danach zurzeit bei 15 Jahren im Schnitt.

Neue Aufklärungsmaterialien für Grundschule und Kindergarten

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat Konsequenzen aus der sich häufenden Zahl der schwanger werdenden Teenager gezogen. "Ausklärung muss bereits in der Phase der Vorpubertät einsetzen", sagte BZgA-Direktorin Elisabeth Pott anlässlich der Vorstellung eines neuen Medienpakets zur Sexualaufklärung in Grundschulen. "Dem Leben auf der Spur" richtet sich an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren. Außerdem hat die BZgA eine Initiative zur sexuellen Aufklärung in Kindergärten gestartet. Zusammen mit dem Musiktheater Rumpelstil entstand ein Musikmärchen, das Kinderfragen zur Sexualität behandelt. Neben dem Musical "Nase, Bauch und Po" sieht das Projekt auch Fortbildungen für Erzieher vor. Die BZgA betont: "Sexualaufklärung ist keine einmalige Angelegenheit, sondern muss kontinuierlich und dem jeweiligen Alter und Wissenstand des Kindes entsprechend angeboten werden." Das betrifft die Aufklärung in Kindergarten und Schule genauso wie im Elternhaus.

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Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2007
Quellen: Nach Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Statistischen Bundesamtes

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