Finanzhilfe für werdende Eltern

Elterngeld und Elterngeld Plus: So stellen Sie den Antrag

Bis zu 1.800 Euro pro Monat können Eltern und Alleinerziehende vom Staat ab Geburt des Kindes bekommen. Zur Berechnung des Elterngelds wird das letzte Netto-Gehalt herangezogen. Dabei ist es wichtig, die Fristen bei der Antragstellung einzuhalten. Alles, was Sie über Elterngeld, Elterngeld Plus, die Berechnung und das Formular wissen sollten.

Elterngeld
Elterngeld unterstützt in der sehr betreuungsintensiven Zeit nach der Geburt eines Kindes.
© iStock.com/Ma-Ke

Wenn das Baby geboren ist, wünschen sich Mütter und immer öfter auch Väter, zu Hause zu bleiben oder zumindest die Arbeitszeit zu verkürzen. Der Gewinn an Zeit mit der Familie ist in der Regel mit einem finanziellen Verlust verbunden. Damit diese wirtschaftlichen Einbußen ausgeglichen oder zumindest verringert werden, hat der Staat das Elterngeld und Elterngeld Plus eingeführt.

Voraussetzungen für das Elterngeld

Das Recht auf Elterngeld und Elterngeld Plus haben Eltern – auch getrennt Lebende – sowie Alleinerziehende. In Ausnahmefällen steht auch Großeltern und Geschwistern Elterngeld zu, wenn diese das Baby betreuen und deshalb nicht oder nicht vollständig arbeiten können. Ebenso kann für Lebensgefährten des leiblichen Elternteils ein Anspruch bestehen. Die Grundvoraussetzungen für Elterngeld sind:

  • Sie leben mit dem Kind in einem Haushalt;
  • Sie sind nicht mehr als 30 Stunden pro Woche erwerbstätig;
  • Ihr Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt ist in Deutschland;
  • Ihr jährliches, zu versteuerndes Durchschnittseinkommen vor Geburt des Kindes liegt zusammen bei unter 500.000 Euro und bei Alleinerziehenden unter 250.000 Euro.
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So lange können Sie Elterngeld beziehen

Ab Geburt des Kindes können Sie 12 Monate Elterngeld erhalten. Falls beide Elternteile das Kind betreuen, können Ihnen sogar 14 Monate zustehen. Voraussetzung für diese weiteren Monate ist, dass der andere Elternteil ebenfalls mindestens zwei Monate lang das Kind betreut und sein Einkommen für diesen Zeitraum wegfällt. Die Eltern können die 14 Monate frei untereinander aufteilen, was ebenfalls für getrennt lebende Eltern gilt. Die Elterngeldmonate müssen nicht am Stück genommen, sondern können gesplittet werden. Auf diese Weise können Sie sich mit dem Partner bei der Kinderbetreuung abwechseln. Wollen die Eltern gleichzeitig zu Hause beim Kind bleiben, erhalten beide für sieben statt 14 Monate das Elterngeld.

Seit dem 1. Juli 2015 gibt es unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, dass Alleinerziehende die Partnermonate für sich nutzen und so ebenfalls volle 14 Monate Elterngeld bekommen können. Sind gewisse Bedingungen erfüllt, kann auch der Lebensgefährte oder die Lebensgefährtin des leiblichen Elternteils Elterngeld bekommen, wenn er oder sie das Kind mitbetreut.

Der Bezugszeitraum für Elterngeld beginnt mit dem Tag, an dem das Kind geboren wurde. Ist Ihr Kind beispielsweise am 12. eines Monats geboren, steht Ihnen Elterngeld bis zum 12. des jeweiligen Monats zu, an dem Ihr Kind 14 Monate alt wird.

Elterngeld berechnen

Mit welcher Höhe können Sie beim Elterngeld rechnen? Alle Eltern, die vor der Geburt des Kindes nicht erwerbstätig waren – etwa Hausfrauen oder Studenten – erhalten den Mindestsatz von 300 Euro Elterngeld. Bei Erwerbstätigen richtet sich das Elterngeld nach dem durchschnittlichen Nettogehalt vor der Geburt des Kindes:

  • bei mehr als 1.240 Euro pro Monat 65 Prozent des Gehalts;
  • bei 1.220 Euro 66 Prozent;
  • zwischen 1.000 und 1.200 Euro 67 Prozent;
  • bei unter 1.000 Euro 100 Prozent.
  • Der Höchstsatz der Familienförderung liegt bei 1.800 Euro. Wer also über 2.770 Euro verdient, bekommt nicht mehr als 1.800 Euro Elterngeld.

Bei einem Nettoverdienst von 2.000 Euro pro Monat beträgt das Elterngeld beispielsweise 65 Prozent und liegt damit bei monatlich 1.300 Euro. Einen ersten Eindruck, mit welcher Höhe Sie beim Elterngeld rechnen können und was Ihnen zusteht, gibt der Elterngeldrechner des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Auch Arbeitslose können das Elterngeld – zumindest teilweise – nutzen. Wer Arbeitslosengeld I bezieht, kann den Mindestsatz von 300 Euro bekommen. Bei Arbeitslosengeld II (Hartz IV) wird das Elterngeld auf die Sozialleistung angerechnet und diese entsprechend gekürzt.

Elterngeld erhöht sich durch Geschwisterbonus

Familien mit mehreren Kindern erhalten zusätzlich einen Geschwisterbonus. Er beträgt zehn Prozent des Elterngeldes. Der Anspruch besteht bei:

  • mindestens einem weiteren Kind unter drei Jahren;
  • mindestens zwei weiteren Kindern unter sechs Jahren;
  • einem behinderten Kind unter 14 Jahren.
  • zu 9monate.de

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Arbeiten und zusätzlich Elterngeld bekommen

Elterngeld und entsprechende Leistungen werden reduziert, wenn Sie während der Monate, die Sie diese Förderung beziehen, arbeiten. Dieser Zuverdienst wird jedoch nicht einfach abgezogen, sondern das Elterngeld berechnet sich neu: Die Elterngeld-Prozentrate (zum Beispiel 65 Prozent) wird dann nur noch auf die Differenz vom Elterngeld und den Zuverdienst angerechnet. Jeden Zuverdienst während des Bezugs von Elterngeld oder Elterngeld Plus sollten Sie bei der Elterngeldstelle unbedingt angeben.

Elterngeld Plus – interessant für alle, die rasch wieder arbeiten

Seit 2015 gibt es neben dem Elterngeld eine weitere Form der Familienförderung: Elterngeld Plus. Es soll sicherstellen, dass Eltern, die nach der Geburt schnell wieder in den Beruf einsteigen (müssen), finanziell nicht benachteiligt werden. Das Elterngeld Plus errechnet sich wie das Elterngeld, allerdings beträgt es nur die Hälfte dieser Summe, wird dafür jedoch doppelt so lange ausgezahlt.

Elterngeld Plus kann also bis zu 28 Monate bezogen werden. Die Abzüge durch Zuverdienst fallen dadurch geringer aus als beim normalen Elterngeld, weshalb Teilzeitarbeit in den ersten Monaten nach der Geburt attraktiver wird.

Partnerschaftsbonus schenkt weitere Monate

Im gleichen Zuge wurde der Partnerschaftsbonus eingeführt: Paare, die sich die Betreuung des Kindes teilen und gleichzeitig für vier Monate lang 25 bis 30 Wochenstunden arbeiten, haben in diesem Zeitraum einen Anspruch auf vier zusätzliche Beiträge Elterngeld Plus.

Diese Zusatzleistung ist sehr beliebt. Laut eines Berichts des Bundesfamilienministeriums haben sich in einigen Regionen Deutschlands schon fast 40 Prozent der jungen Eltern dafür entschieden. Drei Viertel von ihnen bewerten das Elterngeld Plus als eine gute Sache.

Elterngeld – Formular und Antrag richtig stellen

Wer Elterngeld oder Elterngeld Plus beantragen möchte, muss einen schriftlichen Antrag bei der Elterngeldstelle in seinem Bundesland stellen. Eine genaue Adressenliste gibt es auf der Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Den Antrag gibt es online und als Ausdruck bei der Elterngeldstelle in Ihrem Bundesland. Auch in einigen gynäkologischen Praxen, bei Krankenkassen und Entbindungsstationen liegen die Antragsformulare und Informationsblätter zum Elterngeld aus.

Das Antragsformular enthält in erster Linie Fragen zum Verdienst, der Kinderbetreuung und dem gewünschten Bezugszeitraum von Elterngeld oder Elterngeld Plus.

Wie Kinder uns erziehen

Checkliste für den Antrag auf Elterngeld oder Elterngeld Plus

Wichtig für die Beantragung dieser finanziellen Familienförderung sind bestimmte Belege und Dokumente:

  • Einkommensnachweis der letzten 12 Monate;
  • bei Selbständigen der Steuerbescheid oder die Bilanz des letzten Jahres;
  • Geburtsurkunde oder -bescheiniung des Kindes (Verwendungszweck „Elterngeld“ oder „Elterngeld Plus“);
  • Bestätigung der Krankenkasse über Mutterschaftsgeld;
  • Beleg des Arbeitgebers über Zuschuss zum Mutterschaftsgeld;
  • falls Sie im Bezugszeitraum wieder arbeiten: als Angestellter eine Arbeitszeitbestätigung der Firma oder als Selbständiger eine Erklärung über die Arbeitszeit.

Die Fristen beim Elterngeld beachten

Der Antrag auf Elterngeld kann innerhalb der ersten 14 Monate nach der Geburt des Kindes eingereicht werden, doch am besten stellen Sie ihn so früh wie möglich. Rückwirkend wird Elterngeld nämlich nur für die letzten drei Babymonate vor Beginn des Monats gewährt, in dem der Antrag bei der Elterngeldstelle eingegangen ist. Wer Elterngeld oder Elterngeld Plus gleich im Anschluss an die Geburt nutzen möchte, sollte deshalb spätestens am letzten Tag des vierten Lebensmonats des Kindes den Eingangsstempel der zuständigen Behörde auf dem Antrag vorweisen können.

Elterngeld und Elterngeld Plus sind wertvolle finanzielle Hilfen für Familien. Da eine Mitteilungspflicht besteht, sollten Sie sich bei Ihren Auskünften und beim Ausfüllen der Formulare immer an die Wahrheit halten. Bei falschen Auskünften drohen Bußgelder und Rückforderungen. Durch die Digitalisierung sind die Behörden untereinander vernetzt, so dass Fehlmeldungen durchaus auffallen können.

Da Formular und Antrag auf den ersten Blick nicht ganz einfach erscheinen, bieten alle Elterngeldstellen auch eine individuelle Beratung an.

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