Probiotika & Co.

Functional Food – was ist das?

Functional Food sind angereicherte Lebensmittel, die gegenüber herkömmlichen Lebensmitteln mit einem gesundheitsfördernden Extra aufwarten. Ihr tatsächlicher gesundheitlicher Zusatznutzen ist fraglich und konnte bisher nicht eindeutig bestätigt werden.

Joghurt im Glas
Probiotischer Joghurt zählt zu den beliebtesten Functional Foods
© iStock.com/Karisssa

Eine allgemeingültige Definition für Functional Food existiert nicht. Mit dem Begriff (auch gebräuchlich: funktionelle Lebensmittel) werden in der Regel Nahrungsmittel bezeichnet, die neben ihrem ernährungsphysiologischen Wert einen gesundheitlichen Zusatznutzen aufweisen. Sie sollen die Gesundheit besonders günstig beeinflussen, Erkrankungen vorbeugen, das allgemeine Wohlbefinden steigern und sogar die Leistungsfähigkeit erhöhen.

Erzielt wird dieser gesundheitliche Mehrwert durch die Anreicherung mit gesundheitsfördernden Stoffen wie Antioxidantien, Pro-, Prä- und Symbiotika, sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Fettersatz- und austauschstoffen, speziell modifizierten Fetten, bioaktiven Eiweißen sowie Spurenelementen, Vitaminen und Mineralstoffen.

Präbiotika: Diese 13 Lebensmittel schmecken unseren Darmbakterien

Functional Food – Produkte im Überblick

Inzwischen ist die Palette des Functional Food breit und funktionelle Lebensmittel werden in allen Supermärkten angeboten. Ganz hoch im Kurs stehen mit bestimmten Bakterien (Probiotika), Ballaststoffen (Präbiotika) oder Wirkstoffen angereicherte Milchprodukte wie Joghurt, Quark, Sauermilchprodukte und Käse. Sie sollen die Darmflora und damit auch die Verdauung günstig beeinflussen. 

Gemüse- und Obstsäfte werden mit Antioxidantien (Vitamin C, E und Beta-Carotin) versetzt und dann unter der Bezeichnung ACE-Saft angeboten. Sie machen angeblich zellschädigenden, freien Radikalen den Garaus, stärken die Abwehr, beugen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor und drosseln den Alterungsprozess. Neuerdings werden Erfrischungsgetränke außerdem durch zusätzlich integrierte Ballaststoffe und Omega-3-Fettsäuren zur "Gesundheitswaffe" aus dem Glas.

Einen gesundheitlichen Mehrwert sollen daneben auch funktionale Müslimischungen, Müsliriegel oder Brote und andere Backwaren liefern. Sie trumpfen mit einer Extra-Portion Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe) auf und versprechen eine Stärkung der Abwehrkräfte. Aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften sollen Flavonoide auch präventiv gegen Krebs wirken.

Functional-Food-Milchprodukte

  • Probiotika enthalten physiologische Darmbakterien. Sie sollen das Wachstum erwünschter Bakterien in der Darmflora unterstützen. Auch die im Darm befindlichen Anteile des Immunsystems sollen so gestärkt werden.
     
  • Präbiotika sind unverdauliche, wasserlösliche Ballaststoffe, wie Oligofruktose und Inulin. Ihre Aufgabe ist es, das Wachstum nützlicher Keime im Darm anzuregen und unter anderem Verstopfung, Übergewicht und Krebs vorzubeugen.
     
  • Symbiotika enthalten Pro- und Präbiotika. Die Präbiotika wirken in diesem Fall als Futter für die probiotischen Bakterien.

Gesundheitlicher Mehrwert? Ob Functional Food zu empfehlen ist

Zweifellos besitzen Vitamine und Mineralstoffe in richtiger Dosierung eine günstige Wirkung. Ob Functional Food einen tatsächlichen Nutzen für die Gesundheit mit sich bringt, ist dennoch fraglich. Fest steht, ihr Verzehr garantiert keine optimale und ausgewogene Ernährung. Das sieht auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung so und stellt klar: "Functional Food ist grundsätzlich keine Garantie für eine bedarfsgerechte und ausgewogene Ernährung. Ernährungsfehler lassen sich auch durch den Verzehr von funktionellen Lebensmitteln nicht beseitigen."

ACE-Säfte auf dem Prüfstand

  • Ballaststoffe sind Multitalente: Sie helfen beim Abnehmen, regen die Verdauung an und schützen sogar vor Krebs

Der Vitamin- und Mineralstoffgehalt von Functional Food ist teilweise für den Verbraucher nur schwer nachvollziehbar. Das stellt vor allem beim übermäßigen Konsum von ACE-Säften ein Risiko dar. Eine Überdosierung des darin enthaltenen Beta-Carotins ist zwar grundsätzlich laut der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) unbedenklich, kann Risikogruppen wie Rauchern oder Herz-Kreislauf-Patienten allerdings zum Verhängnis werden. Isoliert zugeführtes Beta-Carotin steigert bei Rauchern das Risiko einer Lungenkrebserkrankung und bei Herz-Kreislauf-Patienten besteht eine erhöhte Sterberisiko.

Da bei natürlichen Lebensmitteln mit Beta-Carotin-Gehalt diese Risiken nicht bestehen, wird der Verzehr von frischem Obst und Gemüse empfohlen. Darüber hinaus stehen einige nicht angereicherte Obst- und Gemüsesäfte den modernen ACE-Säften in nichts nach und übertreffen diese teilweise sogar bezüglich des Gehalts an Antioxidantien. Zu einem ähnlich vernichtenden Urteil kommen verschiedene Studien. Insgesamt konnte kein besonderer gesundheitlicher Nutzen von ACE-Säften festgestellt werden.

Die Grenzen der Pro- und Präbiotika

Die gesundheitsfördernde Wirkung von Probiotika ist wissenschaftlich erwiesen. So ist ihr Einsatz nach einer Antibiotikatherapie sinnvoll. Darüber hinaus wirken die Bakterien Verdauungsstörungen wie Durchfall oder Verstopfung entgegen. Allerdings siedeln sich die im Functional Food enthaltenden Superkeime nicht langfristig im Darm an. Das bedeutet, dass für eine langfristige gesundheitsfördernde Wirkung ein regelmäßiger Probiotika-Konsum notwendig ist. Darüber besitzt jedes Probiotikum spezifische Wirkeigenschaften. Das bedeutet, dass sich nicht alle probiotischen Produkte in ihrer Wirkung gleichen. Ebenso ist die Darmflora eines jeden Menschen einzigartig. Entsprechend kann auch die Wirkung der Probiotika von Mensch zu Mensch variieren.  

Eine regelmäßige ausreichende Präbiotikazufuhr in Form von ballaststoffreicher Ernährung ist ebenfalls durchaus erstrebenswert und hat eine günstige Wirkung auf die Darmflora. Allerdings sollte man die Ballaststoffzufuhr nicht von heute auf morgen signifikant erhöhen, sondern dem Körper Zeit geben, sich daran zu gewöhnen. Sonst ist der Darm überfordert und es kann zu Durchfall oder auch Verstopfung kommen.

Ernährungsregeln: So essen Sie sich gesund und fit
Meistgelesen in dieser Rubrik
Abführende Lebensmittel: Dieses Essen fördert die Verdauung
Gesunde Ernährung

Bestimmte Lebensmittel wirken Verstopfung entgegen, indem sie die Darmtätigkeit sanft anregen. Wir stellen natürliche Abführmittel vor mehr...

Purinhaltige Lebensmittel
Gesunde Ernährung

Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten, etwa Gichtpatienten, sollten purinhaltige Lebensmittel meiden mehr...

Purinarme oder -freie Lebensmittel
Gesunde Ernährung

Sind die Harnsäurewerte erhöht, zum Beispiel bei Gicht, sollte auf purinarme Kost geachtet werden. Doch in welchen Lebensmitteln stecken keine oder nur wenige Purine? Eine Liste gut geeigneter Lebensmittel... mehr...

Aktuelle Artikel Ernährung & Fitness
Unsere Empfehlung
  • Gürtelrose (Herpes zoster): Ursache, Symptome und BehandlungGürtelrose

    Gürtelrose ist mehr als Herpes – oft bleiben danach chronische Schmerzen! mehr...

  • Drehen Sie das Glücksrad!Drehen Sie das Glücksrad!

    Vielleicht ist das Glück heute auf Ihrer Seite. Mit der Teilnahme an unseren interaktiven Gewinnspielen haben Sie die Chance auf hochwertige Preise. mehr...

Body-Mass-Index: BMI schnell und einfach berechnen!

Wie hoch ist Ihr Body-Mass-Index? Finden Sie es heraus!

mehr...
Expertenrat: Gesunde Ernährung

Stellen Sie uns Ihre Fragen zur gesunden Ernährung

Zum Expertenrat
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Zum Seitenanfang