Ungesunde Fettverteilung

Bauchfett bedroht gerade Normalgewichtige

US-amerikanische Forscher haben den Zusammenhang zwischen Fettverteilung und Herzkrankheiten beleuchtet. Mit überraschendem Ergebnis: Fettleibige mit wenig Bauchfett leben herzgesünder als Normalgewichtige mit überproportional viel Speck in der Leibesmitte.

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Viel Bauchfett bedeutet ein besonders hohes Risiko für verstopfte Herzkranzgefäße - gerade wenn der BMI im Normbereich liegt.
© iStock.com/AtnoYdur

Bauchfett ist weit mehr als ein ästhetisches Problem. Das sehr stoffwechselaktive Gewebe belastet das Herz-Kreislauf-System. Besonders gefährdet sind aber nicht etwa adipöse, also fettleibige Menschen, sondern Normalgewichtige mit viel Fett im Bauchbereich. Das ist das Resultat einer US-amerikanischen Studie, für die fünf Untersuchungen mit insgesamt über 15.500 Teilnehmern ausgewertet wurden.

Alle Probanden litten an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße. Die sogenannten Koronararterien versorgen das Herz mit Blut. Ablagerungen verengen sie und führen zu Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt oder plötzlichem Herztod.

Bauchfett als tödliches Risiko

Die Teilnehmer waren durchschnittlich 66 Jahre alt und durchliefen verschiedene medizinische und körperliche Tests. So bestimmten die Wissenschaftler den Body-Mass-Index (BMI) der Probanden. Er gibt das Verhältnis von Körpergewicht zu –größe wieder, sagt aber nichts über die Fettverteilung aus. Das Fett im Bauchraum wurde je nach Studie anhand des Bauchumfangs oder des Taille-Hüft-Quotienten bestimmt (waist-to-hip ratio, kurz WHR). Die WHR erhält, wer seinen Bauch- durch den Hüftumfang teilt.

Im Laufe der folgenden fünf Jahre starben fast 4700 Probanden, also knapp ein Drittel aller Studienteilnehmer mit einer Erkrankung der Herzkranzgefäße. Die Auswertung der Daten enthüllte zur Überraschung der Forscher, dass normalgewichtige Patienten dabei die schlechteste Prognose aufwiesen – aber nur, wenn sie am Bauch deutliche Fettpolster angesetzt hatten.

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Normalgewichtige mit dickem Bauch leben gefährlich

Ein BMI von 22 gepaart mit übermäßigem Bauchfett bedeutete demnach eine um 17 Prozent höhere Sterbewahrscheinlichkeit im Vergleich zu normalgewichtigen Personen mit schlanker Taille. Das Risiko der Normalgewichtigen mit dickem Bauch lag zugleich 31 Prozent höher als das Übergewichtiger mit einem BMI von 26 und sogar 57 Prozent höher als das von Fettleibigen mit BMI 30 und einer Bauchfett-Menge im Normbereich.

Das Fett im Bauchraum sammelt sich an den inneren Organen, die Zellen bilden dort deutlich mehr Botenstoffe als gewöhnliches Fettgewebe. Dazu gehören auch Substanzen, die Entzündungen fördern und dadurch vermutlich die Blutgefäßwände schädigen – was das stark erhöhte Risiko für Herzerkrankungen erklären könnte.

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WHR ebenso wichtig wie BMI

Zur Einschätzung des Sterberisikos bei koronaren Herzkrankheiten sollte daher nicht nur der BMI, sondern auch die Verteilung des Fetts herangezogen werden, raten die Autoren. Um das gesundheitsschädliche Bauchfett loszuwerden, eignen sich Fitnessübungen für den Bauch sowie eine insgesamt ausgewogene Ernährung.

Welche Soll- und Grenzwerte für das Taille-Hüft-Verhältnis von Frauen beziehungsweise Männern gelten, können Sie der folgenden Tabelle entnehmen:

  Frau Mann
Normalgewicht unter 0,8 unter 0,9
Übergewicht 0,8 bis 0,84 0,9 bis 0,99
Fettleibigkeit über 0,85 über 1

 

Warum ist Bauchfett so gefährlich?

Zwei Tatsachen machen Bauchfett zu einem hohen Gesundheitsrisiko: Einerseits entlässt Bauchfett mehr Fettbestandteile als alle anderen Fettdepots des Körpers ins Blut. Bauchfett erhöht den Blutfettspiegel enorm, vor allem den Gehalt des Cholesterinwerte: Das sagen LDL-HDL-Quotient, Gesamtcholesterin und Triglyzeride aus. Hohe Blutfettwerte stehen in Zusammenhang mit zahlreichen Krankheiten wie beispielsweise

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    Während sich manche Abnehmstrategien für die einen prima eignen, sind sie für andere überhaupt nicht ideal. Ermitteln Sie, zu welchem Diät-Typ Sie gehören.

Der zweite Grund, warum Bauchfett besonders ungesund ist: Das Fett um die Körpermitte herum ist sehr stoffwechselsaktiv. Es handelt sich dabei nicht um einfache Energiereserven, die der Körper einlagert, um bei Bedarf Nahrungsengpässe auszugleichen.

Bauchfett produziert Signalstoffe sowie Hormone und sendet sie in den gesamten Organismus aus. Inzwischen sind mehr als 20 Hormone und Signalstoffe bekannt, die Bauchfett bilden oder deren Produktion es beeinflussen kann. Dazu gehören etwa:

  • Leptin

  • Adiponektin

  • Interleukin 6

Bauchfett verbrennen nützt der Gesundheit

Die Wirkung dieser drei Stoffe ist fatal: Leptin wirkt zwar normalerweise als Appetitbremse. Es signalisiert dem Gehirn, dass ein Mensch satt ist. Ein Übermaß an Bauchfett produziert jedoch zu viel Leptin. Wird das Gehirn mit diesem Überangebot bombardiert, werden seine Leptinrezeptoren stumpf. Die „Satt-Wirkung“ verliert sich und das Gegenteil „Hunger“ stellt sich durch das Überangebot an Leptin ein. Das erklärt, warum dicke Menschen oft wesentlich mehr Hunger und Appetit verspüren als Normalgewichtige.

Umgekehrt verhält es sich mit dem Hormon Adiponektin. Ein hoher Adiponektinspiegel ist positiv, denn er unterstützt die Insulinempfindlichkeit. Je mehr Bauchfett vorhanden ist, desto weniger Adiponektin bilden die Fettzellen. Der niedrige Adiponektin-Blutspiegel verhindert, dass Insulin richtig wirken kann. Es kommt zu einer Inuslinresistenz, einer Art Vorstufe von Diabetes. Der Blutzuckermessung, das Diabetesrisiko steigt rasant.

Zusätzlich kommt Interleukin 6 als Entzündungsstoff zum Tragen. In normalen Mengen unterstützt Interleukin 6 das Immunsystem. Hohe Konzentrationen, wie sie von Bauchfett gebildet werden, stehen jedoch in Zusammenhang mit Entzündungen. Damit begünstigt der Entzündungsstoff unter anderem

Risiko Bauchfett: Mit diesen Krankheiten müssen Sie rechnen

Bauchfett wirkt also mehrfach negativ auf unsere Gesundheit: Es erhöht den Blutdruck, die Blutfettwerte sowie das Diabetesrisiko – was Mediziner als metabolisches Syndrom zusammenfassen. Das metabolische Syndrom gilt als Vorstufe zu den bereits genannten Volkskrankheiten von Arteriosklerose bis Schlaganfall.

Bauchfett erhöht das Risiko für diese Krankheiten um ein Vielfaches – bereits jede seiner negativen Funktionen allein würde das Krankheitsrisiko steigen lassen. Die Kombination der Wirkungen von Blutfetten und Hormonen, die vom Bauchfett ausgehen, steigert den Effekt also zusätzlich. Daneben haben Studien gezeigt, dass Bauchfett noch weitere Krankheiten begünstigt, etwa Krebs sowie Asthma bronchiale.

Bauchfett verlieren geht beim "Birnen-Typ" besser

Am besten ist es deshalb, Bauchfett gar nicht erst anzusetzen oder bereits vorhandenes schnell zu reduzieren. Das ist wichtig, um gesund zu bleiben und keine Lebensjahre zu verschenken. Allerdings ist das nicht ganz einfach. Denn an welcher Stelle wir das Fett ansetzen, ist unter anderem genetisch bedingt. Und wer zum sogenannten „Apfel-Typ“ zählt, also Übergewicht um die Körpermitte sammelt, tut sich mit dem Abbauen von Bauchfett besonders schwer. Vor allem Männer gehören zum Apfel-Typ. Testosteron spielt nämlich eine Rolle bei der Fettverteilung im Körper.

Anders ist das für den „Birnen-Typ“, der mehr an Po und Oberschenkel dick wird. Dazu gehören vor allem Frauen. Erst wenn ein Mensch vom Birnen-Typ stark übergewichtig ist, sammelt sich auch in der Taille Fett. Vorteil beim Birnen-Typ: Durch Sport und Fasten verliert er das Bauchfett vergleichsweise schnell. Hier  schmelzen Fettdepots zuerst, erst danach werden die Polster an Po und Oberschenkeln in Angriff genommen.

Bauchfett wegtrainieren mit Spezialgeräten?

Rasch und am besten ohne Diät und Sport – viele hoffen, auf diese Weise abzunehmen und so auch ihr ungesundes Bauchfett loszuwerden. Dabei sollen Bauch-Weg-Unterhosen, Bauchweg-Gürtel und andere spezielle Gerätschaften helfen. Allerdings sind sie keine langfristige und gesunde Lösung gegen das Bauchfett. Mediziner, Ernährungswissenschaftler und Sportwissenschaftler raten hiervon eher ab, weil wissenschaftliche Beweise fehlen. Sie empfehlen dagegen < Gesunde Ernährung und viel Fitness & Sport – und zwar langfristig, um der neuerlichen Entstehung von zu viel Bauchfett keine Chance zu geben.

Bauchfett loswerden mit "Bauch-weg-Diäten"

In diesem Zusammenhang werden immer wieder spezielle Bauch-Weg-Diäten angepriesen. Sie sollen vor allem das Bauchfett abbauen. Das ist allerdings ein Trugschluss. Mit keiner < Diät & Abnehmenlässt sich genau bestimmen, wo die Pfunde purzeln.

Der einzige Weg, um Bauchfett mit Sicherheit zu reduzieren: Eine ausgewogene, gesunde Ernährung mit viel Eiweiß, sowie Obst und Gemüse, die in einer negativen Kalorienbilanz resultiert. Auf zu viel Fett und Kohlenhydrate sollten Sie verzichten – dann geht nicht nur das Bauchfett weg, sondern auch andere Fettpölsterchen schwinden.

Als Faustregel gilt dabei: Die Menge der über Essen und Getränke aufgenommenen Kalorien muss kleiner sein als diejenige, die Sie verbrennen. Nur mit dieser Kalorienbilanz greift der Körper das Bauchfett an.

Auch mit Sport lässt sich Bauchfett abbauen

Unterstützen lässt sich dieser Prozess durch Sport. Sport verbrennt Kalorien. Wer täglich etwas Sport treibt, darf mehr essen, als seinem normalen Tagesumsatz entspricht – oder er hält die streng berechnete Kalorienmenge ein und nimmt durch den Sport schneller ab. Kraftsport, aber auch Ausdauersport treibt die Fettverbrennung an. Prinzipiell erhöht jedoch jede Art von Bewegung die Fettverbrennung und lässt somit auch das Bauchfett schmelzen.

Gesunde Ernährung und Sport zahlen sich schon nach kurzer Zeit aus: Auch wenn äußerlich noch keine große Veränderung zu sehen ist. Schon eine kleine Reduzierung des Bauchumfangs bewirkt bessere Blutwerte und mehr Lebensjahre.

 

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