Gesunde Würze

Koriander: Die heilende Wirkung der Asia-Petersilie

In Indien und anderen Ländern Asiens wird er so universell eingesetzt wie bei uns Petersilie: der Koriander. Welche Inhaltsstoffe das würzige Kraut so wertvoll machen, wozu Grün oder Samen passen und ob Koriander-Liebhaber eine Überdosis fürchten müssen: All das lesen Sie hier.

koriandergrün
Korianderkraut schmeckt zitronig und leicht scharf, es passt in Asia-Suppen und Currys, aber auch in Salate.
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Man liebt oder hasst ihn: Sein intensives Aroma hat dem Koriander die Namen "Wanzendill" oder "Wanzenkraut" eingebracht (von griechisch κοριός für Wanze). Daneben sind die Bezeichnungen Cilantro und chinesische Petersilie geläufig. Denn Koriander wird zum einen in vielen Ländern Asiens und Südamerikas so vielseitig zum Würzen und Dekorieren von Speisen eingesetzt wie bei uns die Petersilie.

Zum anderen sehen sich die Pflanzen auch ziemlich ähnlich, gehören sie doch beide zu den Doldenblütlern. Dem Grün der Petersilie ähneln aber nur die jungen Korianderblätter. Ältere Triebe sind dagegen fein gefiedert, fast wie Dill.

Heilwirkung von Koriander: für die Verdauung und gegen Entzündungen

Koriander (Coriandrum sativum) ist aber nicht nur eines der ältesten bekannten Gewürze – schon im Alten Testament, bei den Pharaonen und im antiken Griechenland fand er Erwähnung –, sondern auch eine vielseitige und potente Heilpflanze. Die Wirkung von Koriandergrün, den Samen (streng genommen: Früchten) der Pflanze und deren Öl hat sich besonders bei Verdauungsproblemen an Magen und Darm bewährt, darunter

Zudem fungiert das Heilkraut als pflanzliches Antibiotikum: In Laborversuchen wirkte Korianderöl zum Beispiel gegen Salmonellen und sogar multiresistente Krankenhauskeime. Ob diese Wirkung aber allein durch den Verzehr von Koriandergrün und -samen erreicht werden kann, bleibt fraglich.

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Darüber hinaus soll Koriander Entzündungen wie rheumatische Beschwerden lindern und einen blutreinigenden Effekt haben, indem er giftige Schwermetalle aus dem Körper leitet. Außerdem sorgt das Heilkraut durch sein frisches Aroma für Linderung bei Mundgeruch. Manche Menschen berichten auch, dass Koriander bei ihnen leicht berauschend bis hin zu aphrodisierend wirkt.

Koriander-Wirkstoffe: Ist eine Überdosis möglich?

Die beschriebenen Wirkungen des Korianders als Heilpflanze gehen auf folgende Inhaltsstoffe zurück:

  • ätherische Öle (vor allem Linalool, außerdem zum Beispiel Koriandrol, Borneol und Geraniol)
  • Dodecenal (verantwortlich für die antibakterielle Wirkung; steckt aufgrund seiner Zitrusnote in Parfüm und Kosmetikprodukten)
  • Kampfer/Campher (fördert die Durchblutung und löst Schleim; kann aber in höherer Dosierung auch zu Verwirrung und getrübtem Sinneszustand führen)
  • Cumarin (nur in geringer Konzentration; der Stoff, der auch in Zimt und Waldmeister steckt, kann nach der Aufnahme großer Mengen zu Schwindel, Kopfschmerzen und anderen Vergiftungserscheinungen führen)

Diese Substanzen finden sich sowohl in den zitronig-scharf schmeckenden Korianderblättern wie auch den eher süßlich-herben, rund drei Millimeter großen, gelb-braunen Samen. Besonders konzentriert liegen die Wirkstoffe aber im Korianderöl vor.

Eine Überdosis an frischem Koriander müssen Freunde des Krauts dennoch nicht fürchten, sofern sie es in gewöhnlichen Mengen über ihr Essen streuen. Das toxisch wirkende Cumarin steckt nur in sehr geringer, gesundheitlich unbedenklicher Menge darin. Für einen Arzneitee aus getrockneten Korianderfrüchten gilt eine Tagesdosis von drei Gramm als empfehlenswert.

Koriander selbst pflanzen, ernten und lagern

Die Korianderpflanze ist ein einjähriges Kraut, das auch in unseren Breiten als Garten-, Balkon- oder Topfpflanze gedeiht. Sie blüht im Sommer einige Wochen lang, danach können Hobbygärtner die Samen ernten. Auch kann man sie aus ganzen Samen erneut selbst ziehen. Wer länger ihre Blätter ernten möchte, sollte dafür sorgen, dass die Korianderpflanze nicht zu viel Sonne abbekommt.

koriander samen ganz
Koriandersamen kann man kaufen (ganz oder gemahlen), sie lassen sich aber auch nach der Blüte der Korianderpflanzen im Kräutergarten oder auf dem Balkon ernten.
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Im Kühlschrank hält das Grün des Korianders besonders gut, wenn man es in feuchtes Küchenpapier wickelt. Wer zu viel hat, kann das Kraut auch einfrieren. Beim Erhitzen dagegen verfliegen die ätherischen Öle im frischen Koriander, weshalb man ihn erst ganz kurz vor dem Servieren auf Suppen und Currys streuen sollte. In hundert Gramm frischem Koriander stecken rund 23 Kilokalorien (kcal) und damit nur wenig mehr als zum Beispiel die gleiche Menge Spinat oder Feldsalat liefern.

Kleine Warenkunde: Wozu passen die Koriander-Pflanzenteile?

Neben asiatischen Gerichten verfeinert Koriandergrün auch Salate, besonders gut harmoniert das Kraut mit Avocado, zum Beispiel in einer würzigen Guacamole. Außerdem lassen sich daraus Pestos und Salsas zubereiten, zum Beispiel die bekannte Würzsoße Mojo verde.

Verwenden kann man nicht nur die gefiederten Blättchen, sondern auch die kleingeschnittenen, zarten Stängel. Mit anderen Gewürzen lässt sich der dominante Koriander eher schlecht kombinieren, am ehesten passen noch Chili und Kreuzkümmel (Cumin) dazu.

Während die grünen Teile der Korianderpflanze vor allem in Thailand, Vietnam und Mexiko beliebt sind, handelt es sich bei gemahlenen Koriandersamen um eine der wichtigsten Zutaten indischer Currymischungen. Die gemahlenen Wurzeln der Pflanze wiederum kommen bisweilen in Marinaden und Currys zum Einsatz.

Für volles Aroma: Koriandersamen trocknen, rösten und mahlen

Frischen Koriander kann man eher schlecht trocknen, seine kugeligen Früchte eignen sich dafür besser. Um die ätherischen Öle und somit das Aroma möglichst zu bewahren, sollte man die getrockneten Samen im Ganzen kaufen und erst kurz vor der Verarbeitung mahlen oder klein mörsern. Am besten entfaltet sich ihr Aroma, wenn man die Körner vor der Verwendung kurz ohne Fett in einer Pfanne röstet. Abgesehen von Currys passen Koriandersamen zu Wurst und Fleisch oder in Gebäck.

Rezepte mit Koriander

1. Originale Mojo verde (grüne Würzsoße)

In der kanarischen Soßenspezialität Mojo verde spielen je nach Variante Petersilie oder Koriander die Hauptrolle. Kommt Letzterer zum Einsatz, heißt die Soße Mojo cilantro. Für dieses gelingsichere Rezept (reicht für ein Fläschchen oder ein Marmeladenglas) benötigt man:

mojo verde mit koriander
Mojo verde heißt so viel wie "grüne Soße". Sie wird zu Fleisch- und Fischgerichten gereicht.
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  • 100 Milliliter (ml) Olivenöl
  • 50 ml Rot- oder Weißweinessig
  • nach Geschmack zwei bis fünf Knoblauchzehen (gehackt)
  • einen Bund frisches Koriandergrün
  • einen Teelöffel (TL) Kreuzkümmel (Cumin)
  • Salz und Pfeffer

Sämtliche Zutaten mit einem Stab- oder Standmixer pürieren. Mögliche Variationen: je nach gewünschter Sämigkeit eine grüne Paprikaschote oder Avocado dazumixen. Falls die Soße zu dickflüssig wird, zusätzlich etwas Öl unterrühren.

2. Kakao mit Koriander- und Chilipulver

Die Antioxidantien in Kakao, schmerzstillende Substanzen der Chilischote und die entzündungshemmende Korianderwirkung machen dieses Getränk zu einem Gesundheitscocktail.

kakao mit gewürzen
Gesund und lecker: heiße Schokolade mit Gewürzen.
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Rezept für ein Glas:

  • 200 ml (eine normal große Tasse) Milch
  • 1 Esslöffel (EL) Kakaopulver
  • jeweils ein Viertel TL Korianderpulver (am besten frisch gemahlen) und Chilipulver

Alle Zutaten in einen Topf geben und auf dem Herd kurz aufkochen lassen. Den Koriander-Chili-Kakao heiß genießen.

3. Pesto mit Koriander und Petersilie

Die Kräuterzwillinge Koriander und Petersilie kann man nicht nur leicht verwechseln, sondern sogar zusammen verwenden, wie dieses leckere und gesunde Pesto-Rezept beweist (reicht locker für zwei Pasta-Portionen):

pesto
Koriander- oder Cilantro-Pesto passt gut zu Nudeln, aber auch zu Hühnchen und Lachs.
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  • je 50 Gramm (g) Koriandergrün und Petersilie
  • zwei bis drei Knoblauchzehen
  • 100 g Mandeln, Walnüsse oder Pinienkerne
  • 100 g frisch geriebener Hartkäse (zum Beispiel Parmesan oder Pecorino)
  • etwa 100 ml Olivenöl
  • etwas Meersalz

Die Kräuter waschen, trockenschütteln oder -schleudern und klein schneiden. Knoblauch und Kerne hacken und mit Koriander, Petersilie, Käse, Salz und etwas Olivenöl in einem Mixer pürieren. Dann nach und nach so viel Öl zugeben und erneut mixen, bis ein glattes, sattgrünes Pesto entstanden ist.

Eklig oder lecker? Forscher finden "Korianderhasser"-Gen

Der Antwort, wieso sich am Koriander-Geschmack die Geister scheiden, sind Wissenschaftler vor einigen Jahren auf die Spur gekommen: Der Unterschied ist, zumindest teilweise, genetisch begründet. Dennoch könnten Menschen, die eine Abneigung gegenüber Koriandergrün haben, sich diese abtrainieren, so die Forscher.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 03. Februar 2016

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