Medizin-Mythos der Woche (2)

Sitzheizung, Slips und Sauna schaden Spermien

Ein heißes Bad, Sauna und Sitzheizung: Das alles ist angenehm und entspannend, schadet aber der Fruchtbarkeit des Mannes – zumindest kurzfristig.

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Zumindest vorübergehend schaden die Wärme einer Sitzheizung, ein heißes Bad oder auch enge Hosen und Unterhosen der Spermienqualität.
© iStock.com/BraunS

Nur wenig beschäftigt Männer, zumal solche mit Kinderwunsch, mehr als ihr Allerheiligstes: die Qualität, Zahl und Beweglichkeit der Samenzellen. Entsprechend kursieren dutzende Ratschläge, was die Spermien fit halten soll – vor allem aber, was ihnen angeblich schadet. Dazu zählen:

  • der Laptop auf dem Schoß und das Handy in der Hosentasche schaden dem Stolz des Mannes
  • Saunagänge, Whirlpool-Sessions, Thermal- und Wannenbäder machen unfruchtbar
  • langes Sitzen, gerade mit Sitzheizung, senkt die Zeugungsfähigkeit
  • enge Unterwäsche und Beinkleidung gehen zu Lasten der Fruchtbarkeit
  • lange Sonnenbäder reduzieren die Zahl der Spermien

All diese Empfehlungen zielen auf dasselbe ab: Spermien mögen keine Wärme. Das stimmt, die optimale Betriebstemperatur der Hoden liegt rund zwei Grad unter der Körperkerntemperatur. Daher befinden sich die Keimdrüsen nicht im Inneren des Körpers, sondern außen – obwohl das für die empfindlichen Organe ein erhöhtes Verletzungsrisiko bedeutet und es durch die Wanderung der Keimdrüsen in der Embryonalentwicklung zu Fehlständen kommen kann. Daran zeigt sich einmal mehr: Die Evolution schließt aus vorhandenen Bauteilen den bestmöglichen Kompromiss – Perfektion entsteht dabei so gut wie nie.

Durch Laptop auf dem Schoß wird es Spermien schnell zu warm

Ein heißes Bad, ein Saunagang oder auch die Sitzheizung im Auto machen Männer also tatsächlich weniger fruchtbar. Allerdings nur auf Zeit – es sei denn, sie fahren beruflich Bus oder Taxi und haben ein Faible für die Sitzheizung. Ähnlich verhält es sich mit Laptop und Handy: Die Geräte strahlen, ob durch den normalen Betrieb oder ihr elektromagnetisches Feld, Wärme ab, die den Spermien zu viel werden kann. Gerade der Laptop lässt eine Art Mikrosauna entstehen, wenn er stundenlang auf den zusammengepressten Oberschenkeln liegt.

Dieser Effekt verpufft jedoch schnell und betrifft nur die zu diesem Zeitpunkt bereits fertigen Spermien. Zukünftig gebildete Samenzellen tragen keinen Schaden davon. Gleiches gilt für das Saunieren, wie eine kleine Studie zeigt, die im Februar veröffentlich wurde. Männer, die sich über drei Monate hinweg zwei Mal pro Woche eine Viertelstunde zum Schwitzen in eine finnische Sauna setzten, wiesen demnach eine geringere Spermienzahl auf. Die Wirkung erwies sich aber als reversibel.

„Hodenbaden“ als Verhütung

Keine Sorgen machen müssen sich Männer, die beruflich viel sitzen. Allerdings: Ab und zu die Sitzposition zu wechseln, keine knackengen Hosen zu tragen und die Beine nicht dauerhaft übereinander zu schlagen, freut Hoden und Spermien. Wer sich trotzdem um seine Zeugungskraft sorgt: Spezielle Bürostühle sorgen mit einem „Belüftungsschlitz“ für kühle Luft von unten.

Die Beobachtung, dass Hitze den Spermien und damit der Zeugungsfähigkeit schadet, ist übrigens keineswegs neu: Bis in die späten Achtziger des vergangenen Jahrhunderts nutzten Männer dieses Wissen für sich zur Empfängnisverhütung. Beim sogenannten „Zürcher Hodenbaden“ tunkten sie die Testikel in etwa 45 Grad heißes Wasser, wie Augenzeugen berichten. Die Methode wurde schließlich – unter anderem wegen HIV und Aids – vom Kondom abgelöst.

Allerdings kann zum Beispiel Sonnenhitze allein keine Erklärung für geringe Spermienzahlen im Ejakulat sein – wären doch tropische und heiße Länder wie Afrika oder Indien andernfalls längst entvölkert. Stattdessen scheint die Verdunstungskälte durch Hautschweiß die Hoden ausreichend abzukühlen. Um der Samenqualität und dem Erbgut der Zellen dauerhaft zu schaden, müsste die Überhitzung der Geschlechtsorgane über Monate anhalten.    

Enge Retro-Boxershorts schaden den Spermien

Einen größeren, weil langfristigeren Einfluss hat die Wahl der Kleidung. Und der Unterwäsche, wie britische Forscher 2012 herausfanden. Aufschluss über die Spermienqualität und damit die Zeugungsfähigkeit gibt die Motilität, soll heißen, wie viele bewegliche Spermien sich in einem Milliliter Ejakulat tummeln. Einen höheren MSC-Wert hatten der Untersuchung zufolge Briten, die weite Boxershorts engen Slips vorzogen – oder zumindest manchmal abwechselten. Ähnlich wie die körperbetonten Retro-Shorts und Slips dürften sich sehr enge Jeans auswirken, die die Hoden dauerhaft an den Körper pressen und so erwärmen.

Die üblichen Verdächtigen – etwa Übergewicht, Alkohol, Nikotin und andere Drogen sowie Umweltgifte – sprach die Studie dagegen frei: Sie schaden der Spermienqualität demnach wenig bis gar nicht. Außerdem lasse sich der Effekt umkehren, wenn etwa ungesunde Essgewohnheiten umgestellt würden. Trotzdem lohnt sich eine vernünftige Ernährung nicht nur für den Hodenträger, sondern auch für seine wuseligen Samenzellen. Junge Männer, die gern Fast Food essen, weisen einer Untersuchung der Uni Harvard zufolge eine weit schlechtere Samenqualität auf als Probanden, die sich ausgewogen ernähren. Dieser Zusammenhang gilt selbst für diejenigen Fans von Burger und Fritten, die einen normalen BMI haben und Sport treiben.

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