Kindliche Lust

Psychosexuelle Entwicklung: Wie Kinder die Lust für sich entdecken

Lust empfindet der Mensch nicht erst, wenn er in die Pubertät kommt. Kinder sind vom ersten Augenblick an sexuelle Wesen. Eltern ist der Ausdruck kindlicher Lust oft unangenehm – Sexualität ist doch was für Große. Gegen die Unsicherheiten im Umgang mit kindlicher Sexualität hilft es zu wissen, welche psychosexuellen Entwicklungsphasen Kinder durchleben.

kind mit schokoschnute
Schon Kleinstkinder verschaffen sich lustvolle Erlebnisse, zum Beispiel beim Lutschen an den Fingern (orale Phase). Etwa im zweiten Lebensjahr erkunden sie ihren ganzen Körper, durchlaufen nach Freud die narzisstische, anale und phallische Phase.
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Schon im ersten Lebensjahr macht das Baby sinnliche Erfahrungen, und zwar überwiegend über den Mund. Saugen an Mutterbrust oder Flasche befriedigt den Hunger und verschafft dem Kind ein wohliges Gefühl – mit Sexualität, wie Erwachsene sie verstehen, hat das bei Kindern nichts zu tun. Die sinnliche Freude am Saugen und Nuckeln überträgt sich oft auf andere Gegenstände wie Schnuller, Daumen oder Schmusetuch. Deswegen heißt dieser Lebensabschnitt nach Sigmund Freud auch orale Phase.

Auch über die Haut nimmt das Baby ständig angenehme Gefühle wahr, beim Schmusen, Baden oder wenn es gepflegt wird. Sobald Babys mit wenigen Monaten zu greifen beginnen, untersuchen sie ihren Körper, entdecken ihre Genitalien. Bei Berührungen können sie durchaus angenehmes Prickeln empfinden; Erektionen sind bei kleinen Jungen nichts Ungewöhnliches.

Anale und phallische Phase: Kindliche Sexualität erwacht im zweiten Lebensjahr

Im zweiten Lebensjahr beginnen Kinder, sich zunächst für ihre Ausscheidungen zu interessieren. Sie erlernen die Kontrolle über die Schließmuskeln und entdecken dabei, dass Zurückhalten und Loslassen lustvoll sein können (anale Phase nach Freud).

Die Kinder beginnen ihre Genitalien bewusst zu untersuchen und zu begreifen, dass sie Mädchen oder Jungen sind (phallische Phase). Stolz präsentieren sie die Zeichen ihre Männlichkeit oder Weiblichkeit. Die Kinder finden heraus, dass sie ihre Geschlechtsorgane bewusst stimulieren können. Sie fangen an, Sexualität zu erleben. Dabei können sie sich durchaus schon zu einer Art Orgasmus bringen.

Drei bis sechs Jahre: "Wenn ich groß bin, heirate ich dich"

Im Alter von drei bis sechs Jahren zeigen Kinder ein wachsendes Interesse an Sexualität. Bei Doktorspielen mit Gleichaltrigen untersuchen sie sich gegenseitig "untenrum". Mädchen umgarnen jetzt den Vater, Jungen machen der Mutter Heiratsanträge. Auf den gleichgeschlechtlichen Elternteil reagieren die Kinder häufig mit Eifersucht und Rivalität. Freud nannte dieses Phänomen angelehnt an die griechische Mythologie Ödipus-Komplex.

Ihre vermeintliche Geschlechterrolle proben die Kleinen oft reichlich überzogen: Jungen geben sich als starke Machos; Mädchen sind fürsorgliche Puppenmuttis und schöne Prinzessinnen. Im sechsten Lebensjahr beginnen die Kinder sich überwiegend Spielkameraden des gleichen Geschlechts zuzuwenden. Das hilft ihnen, ihre Geschlechterrolle weiter zu festigen.

Siebtes bis zehntes Lebensjahr: Die Ruhe vor dem Sturm

In der Zeit zwischen Schuleintritt und dem zehnten Lebensjahr ruht die Entwicklung der Sexualität fast vollständig, Sigmund Freud nannte sie darum Latenzphase. Schamgefühle erwachen, die Kinder grenzen sich zunehmend von den Eltern ab, werden selbstständiger, weisen Zärtlichkeiten und körperliche Nähe öfter zurück. Mädchen sind gern in kleinen Grüppchen zusammen. Jungen ziehen größere Cliquen vor. Jungen- und Mädchengruppen treten über neckische Provokationen in spielerischen Kontakt. Obwohl sie diese Annäherungsversuche immer wieder als "doof" bezeichnen, empfinden sie sie auch als aufregend.

Elftes bis 16. Lebensjahr: Hormone spielen in der Pubertät verrückt

In der beginnenden Pubertät verändert sich der Körper rasant durch die vermehrt ausgeschütteten Geschlechtshormone. Die kindliche, auf sich selbst bezogene Sexualität der Kinder wendet sich jetzt gezielt anderen zu. Sexuelle Fantasien spielen eine wichtige Rolle. Fast alle Jugendlichen machen Erfahrung mit Selbstbefriedigung, es kommt zu ersten sexuellen Kontakten. Darum ist auch von der genitalen Phase die Rede.

Mädchen werden mit der Regelblutung etwa zwischen elf und 16 Jahren geschlechtsreif. Jungen erleben ungefähr zwischen zehn und zwölf Jahren ihren ersten Samenerguss. Pubertierende leiden unter stark schwankenden Stimmungen und innerer Zerrissenheit. Oft fällt es ihnen schwer, ihr verändertes Äußeres anzunehmen.

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