Jodsalz

Deutschland leidet unter Jodmangel

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Jodsalz ist ein einfaches Mittel gegen Jodmangel.
Getty Images/iStockphoto

Die Jodversorgung der deutschen Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Inzwischen verwenden mehr als 80 Prozent der Haushalte Jodsalz. Ergebnissen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) zufolge leiden aber immer noch sieben Prozent der Kinder in Deutschland unter schwerem Jodmangel.

In den vergangenen Jahren ist jedoch wieder ein Rückgang des Jodsalzverbrauchs und somit ein neuer Jodmangel zu beobachten. Zurückzuführen ist dies vor allem auf den Jodsalzgehalt in Großgebinden, der von 35 Prozent im Jahr 2004 auf derzeit 29 Prozent gesunken ist. Wünschenswert wären laut WHO 70 Prozent. Ursache für die Abnahme sind vermehrte Billigimporte, der Rückgang kleinerer und mittlerer Bäckereien und Metzgereien und der Preisunterschied von herkömmlichem unjodiertem Salz und Jodsalz bei größeren Einkaufseinheiten. Viele Großküchen verwenden daher lieber billiges unjodiertes Salz. Und auch in Fertigprodukten , die in Deutschland zunehmend verzehrt werden, ist häufig unjodiertes Salz enthalten.

Die Folgen von Jodmangel

Jod ist ein essenzieller Baustein der Schilddrüsenhormone. Diese sind wichtig für das Wachstum, für die Skelettentwicklung und auch für die Bildung und Reifung von Nervenzellen im Gehirn. Dementsprechend kann Jodmangel nicht nur zur Entstehung eines Kropfes führen, sondern auch die Intelligenz beeinträchtigen, warnte Prof. Thomas Remer, Dortmund. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern kann schwerer Jodmangel zu deutlichen Intelligenzeinbußen und Entwicklungsverzögerungen führen. Auch im Kindes- und Jugendalter ist eine optimale Jodversorgung wichtig, um eine ideale Entwicklung der Lern- und Merkfähigkeit zu fördern. Und bei Erwachsenen steigt das Risiko für Depressionen und Fertilitätsstörungen, wenn die Jodversorgung nicht stimmt.

Erhöhter Jodbedarf bei Schwangeren und Säuglingen

Besonders wichtig ist eine ausreichende Jodversorgung für Schwangere und Stillende, sonst drohen den Kindern neuronale Entwicklungsstörungen und geistige Retardierung (Reifungsverzögerung beziehungsweise -hemmung). Zudem steigen die Raten der Fehl- und Frühgeburten und das Risiko für Depressionen post partum (nach der Geburt). Ernähren sich diese Frauen nicht bewusst mit jodhaltigen Lebensmitteln wie etwa Jodsalz, wird die Einnahme von Jodtabletten (100–150 μg/Tag) empfohlen um einen Jodmangel zu vermeiden. Doch gerade bei schwangeren Frauen ist wieder häufiger ein Jodmangel zu beobachten, berichtete Remer, weil Jodpräparate nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden.

Gefährdet sind auch Säuglinge, deren Mütter keine Fertignahrung kaufen, sondern die Säuglingsnahrung selbst zubereiten. Der Jodbedarf eines acht Monate alten Kindes liegt bei 80 bis 100 μg täglich. Das wird bei selbst zubereiteter Säuglingsnahrung häufig nicht erreicht, weil die für Getreidebreie verwendeten pflanzlichen Lebensmittel äußerst jodarm sind, so Remer.

Wer sind die Risikogruppen von Jodmangel?

Ursprünglich wurde angenommen, dass vor allem sozial schwache Gruppen besonders häufig von Jodmangel betroffen seien. Aber nach den Ergebnissen der KIGGS-Studie stimmt das nicht. Demnach ist der Jodmangel nicht vom sozioökonomischen Status abhängig. Bei Schwangeren, Kindern und Jugendlichen sollte man besonders auf eine ausreichende Jodversorgung unter anderem mit Jodsalz achten. Jodmangel macht sich durch eine vergrößerte Schilddrüse bemerkbar. Bei der Schuleingangsuntersuchung sollten per Tastuntersuchung diejenigen Kinder herausgefiltert werden, die eine Jodsubstitution benötigen. Die Jodtabletten sollten mindestens bis zum Abschluss der Pubertät eingenommen werden.

Bei den Erwachsenen gehört die Schilddrüsenuntersuchung eigentlich zu jeder Check-up-Untersuchung. Wenn ein Knoten getastet wird, ist eine entsprechende Abklärung und Therapie erforderlich.

Autor: Dr. Judith Neumaier
Letzte Aktualisierung: 22. Oktober 2009
Quellen: Pressegespräch „Kropflos glücklich – erfolgreich entwickelt“, München, 23. 4. 2009 (Veranstalter: Arbeitskreis Jodmangel)/MMW-Fortschr. Med. Nr. 43 / 2009 (151. Jg.)

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