Riskante Gewichtsreduktion

Abmagerungsmittel Chitosan hat Nebenwirkungen

Chitosan ist ein Biopolymer, das hauptsächlich aus den Schalen von Garnelen gewonnen wird. Wegen seiner fettblockenden Eigenschaften wird es als Nahrungsergänzungsmittel zur Gewichtsabnahme angeboten. Wissenschaftler stellen diese Wirkung jedoch infrage und berichten von gefährlichen Nebenwirkungen mit Medikamenten.

Abmagerungsmittel-Chitosan-hat-Nebenwirkungen-78652581.jpg
Woman holding pill
Getty Images/Pixland

 

Italienische Forscher beschrieben die Fälle von zwei Frauen, die nach Selbstbehandlung mit dem Abmagerungsmittel Chitosan als Nebenwirkungen epileptische Anfälle erlitten. Beide Patientinnen standen wegen Epilepsie in Behandlung, waren jedoch aufgrund der Einnahme des Epilepsie-Medikaments Valproat seit Jahren anfallsfrei.

Als einzige Ursache für das Wiederauftreten der Anfälle ergab sich Chitosan. Nach Absetzen dieses Mittels kam es zu keinen weiteren epileptischen Anfällen. Die Wissenschaftler sind sich somit sicher, dass  Anfälle Nebenwirkungen der Einnahme des Abmagerungsmittels Chitosan sind. Dafür spricht auch, dass eine der Patientinnen, die nach einer kurzen Pause erneut Chitosan einnahm, erneut unter Anfällen litt. Unter der Einnahme von Chitosan konnten bei dieser Patientin keine wirksamen Spiegel des Epilepsie-Medikaments Valproat im Blut nachgewiesen werden, obwohl sie das Medikament regelmäßig einnahm. Nach dem erneuten Absetzen des Nahrungsergänzungsmittels stieg der Valproatspiegel wieder in den für eine wirksame Behandlung erforderlichen Bereich an und die Anfälle hörten auf.

Kommentar: Chitosan ist auch in Deutschland zum Abnehmen äußerst beliebt. Das Mittel, das aus Schalentieren hergestellt wird, soll Fette im Darm binden, die dann mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Die verfügbaren Studiendaten zeugen jedoch nicht davon, dass mit Chitosan eine Gewichtsreduktion herbeigeführt werden kann, auch sind die Nebenwirkungen gerade für Epileptiker nicht zu unterschätzen. Die Autoren der vorliegenden Fallberichte meinen, dass Chitosan zwar nicht genügend Nahrungsfett bindet, um das Körpergewicht zu reduzieren, dass es aber sehr wohl fettlösliche Medikamente wie etwa Valproat binden könnte, was dann zu den beschriebenen Effekten führt. Wechselwirkungen des Nahrungsergänzungsmittels wurden auch mit Warfarin, einem Medikament, das die Blutgerinnung hemmt, beschrieben.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 21. Januar 2010
Quellen: MMW, Ausgabe 45, November 2009, S. 24Nach Informationen von P. Striano et al.: Chitosan may decrease serum valproate and increase the risk of seizure reappearance. Brit. Med. J. 3339 (2009):b3751. doi: 10.1136/bmj.

Aktuelle Top-Themen
Brainfood: Lebensmittel, die unser Gehirn liebt
Energie für die grauen Zellen

Eine gezielte Ernährung trägt dazu bei, das Gehirn optimal mit Nährstoffen zu versorgen. Intelligenter macht Brainfood allerdings nicht mehr...

Kalorienverbrauch im Alltag: So viel Energie verbrennen Putzen, Sex und Co.
Abnehmen nebenbei

Ob Putzen, Staubsaugen, Kochen oder Sex: Viele Alltagsaktivitäten haben das Zeug zum Sportprogramm. Einige "Disziplinen" verbrennen sogar so viel wie ein Lauftraining mehr...

Moringa: Die gesunde Wirkung des Wunderbaums
Nicht nur zum Abnehmen

Der Moringa-Baum gilt als Nährstoffwunder. Warum sich seine Pflanzenteile besonders für Vegetarier und Übergewichtige eignen mehr...

Schokolade wird erst durch Mikroben gesund
Geheimnis der Schoko-Stoffe gelüftet

Gesunder Genuss: Wie Darmbakterien uns helfen, von der Süßigkeit zu profitieren mehr...

Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Ratgeber
  • NagelpilzNagelpilz

    Nagelpilz ist nicht nur ein Schönheitsproblem. Unsere Tipps für gesunde Nägel und Füße mehr...

  • FersenspornFersensporn

    Jeder Zehnte leidet unter dem schmerzhaften Knochenauswuchs im Bereich der Ferse mehr...

Zum Seitenanfang