Deutschlands giftigste Spinne

Dornfingerspinne – so giftig ist ihr Biss

Mit dem Klimawandel kommt eine gefährliche Spinne nach Deutschland: die Dornfingerspinne. Anders als einheimische Spinnenarten kann diese Spezies mit ihren Mundwerkzeugen die menschliche Haut durchdringen. Wie gefährlich ist die auch als "Todesspinne" bezeichnete Spinne wirklich?

Dornfingerspinne
Die Dornfingerspinne webt ihr Eiernest meist auf Wiesen. Mit Bissen verteidigt sie ihre Brut 24 Stunden am Tag. Diese aufopfernde Brutpflege verlieh ihr den Namennszusatz "Ammen"-Dornfinger.
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Im Hochsommer spinnt die Dornfingerspinne (oder einfach Dornfinger genannt) ihre Fäden von Halm zu Halm in trockenen Wiesen oder im Gebüsch. Nachts begibt sie sich auf Beutefang, ihr Ziel sind kleine Insekten, vermutlich auch Zecken. Kommt ihr dabei ein Mensch in die Quere, kann sie schon mal zubeißen. Weil der Biss sehr schmerzhaft ist und einige Komplikationen haben kann, wurde die kleine Spinne gerade in sozialen Netzwerken wie Facebook oft als Todesspinne bezeichnet, die sich in einer Invasion über ganz Deutschland ausbreiten soll. Doch nicht alles ist richtig, was über die Giftspinne geschrieben wird. Panikmache ist fehl am Platz, wie Experten erklären.

Dornfingerspinne wandert nach Deutschland ein

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Die Dornfingerspinne, auch Ammen-Dornfinger oder Cheiracanthium punctorium ist einen bis eineinhalb Zentimeter groß. Sie ist zart-grünlich, hat auf dem Hinterleib eine rote Zeichnung und ihr Kopf ist orange-braun. Die Beißwerkzeuge sind gelb-rot mit schwarzen Enden gefäbrt. Diese Giftklauen sind stark ausgeprägt und sehen wie Dornen aus, daher auch die Bezeichnung Dornfingerspinne. Die Weibchen haben einen dickeren Hinterleib als die Männchen und gelten als gefährlicher.

Die Dornfingerspinne hängt ihr taubeneigroßes Nest, ein Gespinst aus feinen Fäden, zwischen Grashalmen oder im Gebüsch auf. Dort legt sie Ende Juli bis Anfang August ihre Eier ab. Die jungen Spinnen schlüpfen Ende September. Die Mutter-Spinne, die bis dahin das Nest bewacht und verteidigt hat, stirbt dann und der Nachwuchs überwintert unter bodennahen Gespinst-Nestern unter Blättern.

Die Dornfingerspinne mag es warm. Deshalb fühlt sich die kleine Giftspinne, die ursprünglich aus den Gebieten rund ums Mittelmeer stammt, jetzt auch in Deutschland wohl. In den letzten zehn Jahren hat sie es von Bayern aus bis nach Nordrhein-Westfalen und Brandenburg geschafft. Was sie von einheimischen Spinnen unterscheidet: Mit ihren kräftigen Giftklauen kann der Ammen-Dornfinger die menschliche Haut durchbeißen.

Der Biss der Dornfingerspinne: Symptome und Komplikationen

Mit dem Biss der Dornfingerspinne gelangt über die beiden Giftklauen ein relativ starkes Nervengift in den Körper. Sie ist somit die giftigste Spinne in Mitteleuropa. Ihr Gift betäubt kleine Insekten und tötet sie. Achtung: Für den Menschen ist dieses Gift zwar gefährlich, aber nicht tödlich!

Der Biss der Dornfingerspinne hinterlässt zwei typische, fünf bis zehn Millimeter auseinander liegende, kleine Wunden. Je nachdem, wo die Spinne zubeißt und wie dünn die Haut dort ist, kann das ziemlich weh tun. Vergleichbar ist der Schmerz mit dem durch einen Wespen- oder Bienenstich.

Weil Menschen unterschiedlich auf Insektenstiche reagieren – während manche etwa nicht mal eine leichte Schwellung bekommen, entwickeln andere eine starke allergische Reaktion –, sind auch die Anzeichen bei einem Biss der Dornfingerspinne unterschiedlich.

Folgende Symptome sind möglich:

  • heftige, brennende Schmerzen, die sich ausbreiten

  • Schwellungen, die sich ebenfalls ausbreiten

  • Schmerzen in nahen Lymphknoten; hat die Dornfingerspinne etwa in einen Finger gebissen, tun die Lymphknoten in den Achseln weh.

Starke Reaktionen wie auffällige Hautverfärbung, die weit über die Bissstellen hinausgeht, Schwindel, Erbrechen, Fieber und Kreislaufversagen sind sehr selten und sollten selbstverständlich vom Arzt abgeklärt werden.

Die große Angst, dass nach einem Biss der Dornfingerspinne Gewebe absterben kann, sich also eine Nekrose bildet, ist unbegründet. Weltweit ist nur ein einziger Fall bekannt, wobei sich nach dem Biss eine bohnengroße Nekrose gebildet hat.

Erste Hilfe beim Biss der Dornfingerspinne

Wenn Sie gebissen worden sind, können folgende Tipps die Schmerzen lindern:

  • Kühlen Sie die Bissstellen mit kaltem Wasser oder Kältepacks.

  • Salben gegen Insektenstiche helfen, die Schwellung zu unterdrücken.

  • Ein Wickel mit Quark kühlt und beugt einer Entzündung vor.

In aller Regel sind die Beschwerden nach rund 24 Stunden wieder abgeklungen. Falls Schmerzen, Schwellung und Hautverfärbung jedoch besonders ausgeprägt sind, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Er kann hochwirksame Mittel gegen Entzündung oder Allergien verschreiben, etwa Kortison.

So schützen Sie sich vor Dornfingerspinnen

Durchstreifen Sie hohe Wiesen und Gebüsch im Hochsommer am besten gar nicht. Hier gibt es nicht nur selten Dornfingerspinnen, sondern auch häufig Zecken, die Borreliose und FSME übertragen können – und damit häufig wesentlich gefährlichere Folgen haben als der Biss der Dornfingerspinne.

Falls Sie trotzdem durch Wald und Wiese wandern möchten:

  • Schützen Sie sich mit entsprechender Kleidung, also langärmeligen Hemden und langen Hosen, stopfen Sie die Hosenenden in die Socken und tragen Sie darüber am besten Stiefel.

  • Tragen Sie Repellents auf (insektenabweisende Mittel).

Warum Sie eine Dornfingerspinne nicht töten sollten

Dornfingerspinnen halten sich vorwiegend in der Natur aus. Anders als Hausspinnen fühlen sie sich in geschlossenen Gebäuden nicht wohl. Bei den wenigen bekannten Fällen, wo die Giftspinne in einem Haus gefunden wurde, handelte es sich ausschließlich um Dornfingerspinnen-Männchen, vermutlich auf der Suche nach einem Weibchen.

Viele Menschen töten dann voller Panik die Spinne. Allerdings steht die Dornfingerspinne in Deutschland auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Wer sich traut, fängt die exotische Spinne deshalb mit Glas und festem Papier und lässt sie im Grünen wieder frei.

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