Kein Alkohol, kein Schweinefleisch, keine Zusatzstoffe

Ramadan und halal: Die Ernährungsregeln der Muslime

Gläubige Muslime halten nicht nur den Fastenmonat Ramadan ein, sondern leben auch das ganze Jahr über "halal". Dazu gehört weit mehr als der Verzicht auf Schweinefleisch und Alkohol.

Ramadan, Halal
Am Ende des Fastenmonats Ramadan steht das Zuckerfest. Begonnen wird das Festmahl meist mit einer Dattel und einem Schluck Wasser.
© iStock.com/PaulCowan

Mehr als eine Milliarde Muslime auf der ganze Welt fasten im Ramadan. Der Begriff ist arabisch und bedeutet "der heiße Monat". Damit ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender gemeint, der im Jahr 2015 im gregorianischen Kalender auf den Zeitraum von 18. Juni bis einschließlich 16. Juli fällt. Dabei bezieht sich das Fasten auf Anweisungen im Koran, dem heiligen Buch der Muslime.

Ramadan: Strenges Fasten von früh bis spät

Die wichtigsten Regeln beim Ramadan sind einfach: Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang dürfen die Gläubigen nicht rauchen und keinen Sex haben sowie weder essen noch trinken. Die Sonne soll also nicht am Himmel stehen, wenn sie Hunger oder Durst nachgeben.

Das kann je nach Region extrem schwierig sein. Muslime in Norwegen dürften im Ramadan streng genommen gar nichts essen und trinken. Denn im entsprechenden Monat geht die Sonne dort niemals richtig unter. Gläubige Muslime in den Ländern der Mitternachtssonne haben sich deshalb unterschiedlich geeinigt. Manche unterbrechen das intermittierende Hungerfasten zwischen 23.00 und drei Uhr früh, andere richten sich nach dem Sonnenaufgang und -untergang in Mekka.

Für Schwangere und ihre Kinder ist Hungerfasten riskant

Ausgenommen von dieser Regel sind lediglich Kinder bis zur Pubertät, alte und schwache Menschen, Kranke, Schwangere, stillende Mütter und Frauen, die gerade ihre Menstruation haben. Zudem müssen auch Reisende nicht den Ramadan einhalten, sie können die Fastentage nachholen.

Denn vor allem das Verbot, den ganzen Tag nichts zu trinken, könnte bei diesen Personengruppen gesundheitliche Folgen haben, etwa Dehydrierung und Kreislaufschwäche, bei Kindern Wachstumsstörungen.

Vor allem für Schwangere könnte das Hungerfasten problematisch sein. Während der Schwangerschaft ist der Energie- und Flüssigkeitsbedarf der Frau erhöht. Nur so wird die optimale Versorgung des Kindes garantiert. Hungerfasten während dieser Zeit beeinflusst also nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die des heranwachsenden Kindes. Mögliche Folgen von Fasten in der Schwangerschaft umfassen:

  • Folsäuremangel mit dem Risiko von Neuralrohrdefekten wie Anenzephalie (Teile des Gehirns und des Schädels bilden sich nicht aus) und Spina bifida, bekannt als offener Rücken

    • Hier geht es zum Test

      In Schwangerschaft und Stillzeit ist Folsäure unverzichtbar. Haben Sie genug davon?

  • Jodmangel mit Entwicklungsverzögerung des Kindes.

Deshalb sieht der Koran vor, dass Schwangere den Ramadan nicht einhalten müssen. Allerdings zeigt die Statistik, dass sich die Mehrheit der Muslima trotzdem nach dem Ramadan richtet. Für die Gesundheit der Kinder kann das jedoch negative Folgen haben. Eine große US-Studie hat Daten muslimischer Mütter und deren Kinder aus Uganda, dem Irak und den USA analysiert.

Es zeigte sich, dass vor allem, wenn der Ramadan in die ersten Schwangerschaftsmonate fiel, die Schwangerschaft kürzer dauerte und die Kinder ein geringeres Geburtsgewicht aufwiesen. Außerdem kamen weniger Jungen zur Welt als bei Müttern, die nicht gefastet hatten.

Zuckerfest: Fastenbrechen mit Wasser und Datteln

Wenn die Sonne im Ramadan untergegangen ist, bedeutet das jedoch nicht, dass alles an Essen und Trinken hemmungslos nachgeholt wird. Gläubige Muslime halten sich beim Nachtessen wiederum streng an die Vorgaben des Koran. Er rät, den Magen nur mit einem Drittel Essen und einem Drittel Flüssigkeit zu füllen. Das letzte Drittel soll leer bleiben.

Beendet wird der Fastenmonat mit dem Fest des Fastenbrechens, das auch Zuckerfest genannt wird. Nach einem gemeinsamen Gebet wird zuerst ein Schluck Wasser genommen oder eine Dattel gegessen. Danach gibt es alles, worauf so lange verzichtet werden musste. Meist dauert das Fest drei Tage lang. Im Mittelpunkt steht dabei die Familie. Gegenseitige Verwandtenbesuche mit Festessen und Geschenken sind der Brauch.

Halal (erlaubt) oder haram (verboten)?

Für gläubige Muslime kommt jedoch auch zu diesen Mahlzeiten nichts auf den Tisch, was nicht "halal" ist. Halal ist arabisch und steht für erlaubt oder zulässig, das Gegenteil ist "haram", was verboten bedeutet. Folgende Lebensmittel sind für Muslime haram:

  • Schweinefleisch
  • Alkohol
  • Getränke, denen Alkohol entzogen wurde (etwa alkoholfreie Biere, Sekte und Weine)
  • Blut
  • Kadaver – das bedeutet Fleisch von einem Tier, das nicht islamisch geschlachtet ist. Halal schlachten heißt schächten, also ausbluten lassen.
  • Käse, der mit Lab (Enzyme aus dem Kälbermagen) von nicht halal-geschlachteten Tieren hergestellt wurde. Rund ein Drittel des Käses weltweit wird mit Lab hergestellt, der übrigens nicht auf der Inhaltsstoffe-Liste des Produkts aufgeführt werden muss.
  • Landtiere ohne Ohren (Schlangen)
  • Tiere, die andere Tiere fressen

Auch die Herstellung sollte halal erfolgen

Daneben müssen zahlreiche weitere Vorgaben erfüllt sein, damit ein Lebensmittel halal ist: Jeder Rohstoff und Inhaltsstoff muss rein sein. So ist Gelatine verboten, wenn sie – wie es gewöhnlich der Fall ist – von Schweinen stammt. Auch bestimmte Zusatzstoffe werden gemieden, etwa Emulgatoren aus Speisefett. Je stärker ein Lebensmittel verarbeitet wurde, desto schwieriger ist es zu erkennen, ob es halal ist oder nicht.

Halal bezieht sich jedoch auch auf die Verarbeitungsschritte. So dürfen etwa die Maschinen, die Lebensmittel herstellen, nicht mit Chemikalien geputzt und gewartet werden, die Alkohol enthalten. Auch Verpackung, Lagerung und Transport sollten halal erfolgen, also ohne den Kontakt mit Alkohol und Schweinefleischbestandteilen vonstatten gehen.

Halal bedeutet auch natürlich und gesund

Neben diesen eindeutigen Regeln ist es für Muslime wichtig, möglichst frische und unbehandelte Lebensmittel und Getränke zu konsumieren. Auch das bedeutet halal im weiteren Sinne, es ähnelt somit dem Clean-Eating-Prinzip. So gibt es etwa Halal-Cola ohne Zucker, die stattdessen mit Dattelsirup gesüßt wird.

Damit die Unterscheidung von Halal-Produkten leichter fällt, gibt es ein Halal-Siegel, welches Zertifizierungsstellen vergeben. So können Muslime sicher sein, sich tatsächlich ihrem Glauben entsprechend zu ernähren.

Clean Eating: Tipps und Rezepte
Artikel zum Thema
  • Perricone-DiätPerricone-Diät

    Gegen Fett und Falten soll die Diät des Promi-Dermatologen Dr. Nicholas Perricone helfen mehr...

Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Aktuelle Fragen aus der Community
  • Forum Ernährung, Diät und Abnehmen
    Kombination Milch / Feige
    14.09.2019 | 09:55 Uhr

    Guten Morgen,  bin mir nicht sicher ob ich diese Frage hier in's Forum stellen kann. Habe...  mehr...

  • Expertenrat Ernährung, Diät und Abnehmen
    Gewichtszunahme nach Anorexie hört nicht auf!
    28.08.2019 | 10:58 Uhr

    Guten Tag,meine erwachsene Tochter hatte innerhalb von 10 Monaten fast 40 kg abgenommen...  mehr...

  • Expertenrat Ernährung, Diät und Abnehmen
    Beta Carotin
    27.08.2019 | 14:05 Uhr

    Hallo ich hätte mal eine Frage. Meine Haut ist leider sher blass (heller Hauttyp 2) nun...  mehr...

Meistgeklickt zum Thema
"Xucker Light": Erythrit ist kein harmloser Zuckerersatz
Süßstoffe belasten die Verdauung

Kennen Sie Erythrit? Es ist ein Zuckerersatz ähnlich wie Stevia. Wie gesund ist die neue Süße? mehr...

Für Nerven, Herz und Haut: So gesund ist Sauerkraut
Milchsäurebakterien und Vitamin B12

Der gegorene Weißkohl ist leckeres Lebensmittel und zugleich probiotische Naturarznei mehr...

Die 20 besten Magnesium-Lieferanten
Ernährung & Fitness

Magnesium hält Muskeln und Nerven fit. Holen Sie sich den Mineralstoff mit diesen Lebensmitteln! mehr...

Haben Sie eine Frage?

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren
Wunschgewicht: Erreichen und halten - nur wie?

Erreichen und halten? Machen Sie den Test!

mehr...

Zum Seitenanfang

afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2012/Monat: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über Gong Verlag GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.lifeline.de

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien.
Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.