Zu kleiner Penis, unfruchtbar

Intimchirurgie beim Mann

Warum Männer eine Operation im Genitalbereich wollen

Der Leidensdruck ist meist hoch, wenn Männer sich zu einer Operation im Genitalbereich entscheiden: Vorhautverengung, Penisverkrümmung, Mikropenis, Sterilisation und Kinderwunsch nach Sterilisation - erfahren Sie mehr über die häufigsten Ursachen für intimchirurgische Eingriffe, welche Operationen unter Experten umstritten sind und wie die Urologie helfen kann.

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Vor allem ein krummer oder zu kleiner Penis bedeutet für Männer ein großes Problem.
©iStock.com/nickpo

Intimoperationen bei Männern liegen  laut der Boulevardpresse im Trend - allem voran die Penisverlängerung und -verdickung.  „Grundsätzlich nimmt der Trend zur Verschönerung und zur Verjugendlichung bei Männern und Frauen rasant zu“, bestätigt Professor Dr. Michael Sohn, Chefarzt der Klinik für Urologie am Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main. Dabei handelt es sich nicht um ein deutsches Phänomen, vor allem in südeuropäischen Ländern wird auf Schönheit per Skalpell ein großer Wert gelegt.

Vorsicht bei Penisverlängerung

Eine seriöse Statistik über die Zahl der Eingriffe, um den Penis respektabler zu machen, existiert jedoch nicht. Eine medizinische Indikation für eine Penisvergrößerung gibt es nur beim – sehr seltenen Mikropenis. Das bedeutet, dass das Geschlechtsteil bei Erektion nicht größer als 7,5 Zentimeter ist. Damit ist es schwer, sexuelle Befriedigung mit einer Frau zu erreichen. Außerdem kann durch angeborene Missbildungen oder durch Narben und Unfallfolgen der Penis im umgebenden Gewebe versteckt und sozusagen gefangen sein. Deshalb wird in diesen Fällen die Operation auch von der Krankenkasse gezahlt – im Gegensatz zu Verlängerung und Vergrößerung bei einem normalen Penis.

Operativ bestehen verschiedene Möglichkeiten, den Penis und die umgebenden Weichteile plastisch zu rekonstruieren. Beispielsweise können die Schwellkörper des Penis aus den Umgebungsstrukturen gelöst werden. Dies geht jedoch möglicherweise zu  Lasten der Stabilität des erigierten Penis. Eine tatsächliche Vergrößerung der Schwellkörper ist technisch sehr aufwendig, von zahlreichen Komplikationen belastet und unter Experten sehr umstritten. „Deshalb lehnen die Fachgesellschaften für Urologie, Andrologie und Sexualmedizin diese Eingriffe bei einem normal großen Penis ab,“ stellt Experte Sohn klar.

Doch es  gibt bei Männern eine Reihe von Krankheiten in diesem Bereich, die eine operative Behandlung erfordern.

Vorhautverengung (Phimose)

Die häufigste darunter ist die Phimose, also die Vorhautverengung. Dabei lässt sich die Vorhaut nicht über die Eichel zurückschieben. Der kleine Hautring ist beim Embryo mit der Eichel noch verwachsen und löst sich in der Regel beim Neugeborenen. Bei vielen Kindern passiert das jedoch erst im Laufe der ersten Lebensjahre. Nur bei acht Prozent der Jungen tritt dies bis zum achten Lebensjahr nicht ein. Übrigens kann sich auch später im Leben die Vorhaut wieder verengen, etwa durch Entzündungen oder Verletzungen. „Bei Erwachsenen erhöht eine Phimose das Risiko für ernst zu nehmende Peniskrankheiten“, warnt Urologe Sohn. Dies ist vor allem die Entwicklung eines Peniskrebses.

Es gibt bei der Phimose verschiedene Schweregrade – die Vorhaut lässt sich nicht vollständig zurückschieben, nur im erigierten Zustand nicht zurückschieben, oder sogar auch im entspannten Zustand. Bei leichterer Ausprägung kann der Urologe im Kindesalter mit Salben Erfolg haben, sonst hilft nur die Operation. Bei der sogenannten Beschneidung oder auch Zirkumzision entfernt der Chirurg das Segment der zu engen Vorhaut und vernäht die Ränder wieder miteinander.

Penisverkrümmung

Neben den eher seltenen angeborenen Verkrümmungen des Penis ist die sogenannte erworbene Penisverkrümmung (Induratio penis plastica , IPP) mit zunehmendem Alter ein relativ häufiges Krankheitsbild erwachsener Männer (sechs bis neun Prozent betroffen). Der Leidensdruck ist bei vielen Betroffenen groß, 50 Prozent entwickeln darüber eine Depression.

Die Verkrümmung verursacht zu Beginn der Erkrankung Schmerzen bei der Erektion, oft wird ein Geschlechtsverkehr unmöglich. Die Krankheit kann in Schüben verlaufen. Anfangs macht sich die Veränderung nur beim erigierten Penis bemerkbar, später lassen sich auch im entspannten Zustand harte Narbenbildungen am Schwellkörper tasten. Die eigentliche Ursache der IPP ist unbekannt, Auslöser sind vermutlich Entzündungen, die sich mit den Krankheitsprozessen bei rheumatischen Erkrankungen vergleichen lassen. „Die Entzündungen hinterlassen Narben im Schwellkörpergewebe“, erklärt der Experte. Verhärtungen, Plaques und Knoten verkürzen den Penis auf der betroffenen Seite, eine Knickbildung bei Erektion stellt sich ein.

Beträgt der Winkel bis zu 30 Grad, besteht meist noch keine Beeinträchtigung beim Geschlechtsverkehr. Diese gilt auch für angeborene Verkrümmungen des Penis. In diesen Fällen muss noch nicht operativ behandelt werden. Ist der Knick ausgeprägter, rät der Urologe zu einer Operation. Allerdings ist der Eingriff nur dann erfolgreich, wenn er nicht in der akuten Phase der IPP erfolgt, sondern wenn die Krankheit zum sicheren Stillstand gekommen ist. Während der Entzündung können Medikamente helfen, die Krankheit abzubremsen. Bei der Operation wird auf der gesunden Seite des Penis das Bindegewebe gerafft, damit wird der Penis begradigt, allerdings hierbei auch etwas verkürzt. „Bei Penisverkrümmungen von mehr als 60 Grad nutzen wir diese Methode nicht gerne“, berichtet der Urologe.  „In diesen Fällen ist es besser, den Plaque zu entfernen oder einzuschneiden, den Penis zu strecken und den so entstandenen Defekt dann mit körpereigenem Gewebe oder biologisch abbaubarem Material abzudecken.“ Der Eingriff erfolgt stationär unter Vollnarkose und kann je nach Ausprägung der IPP mehrere Stunden dauern.

Stoßwellentherapien und Bestrahlung, mit denen früher versucht wurde, die IPP zu behandeln, haben sich inzwischen als wenig sinnvoll erwiesen, ergänzt der Chefarzt.

Empfängnisverhütung durch Sterilisation und Refertilisation

Viele der Patienten, die den Urologen aufsuchen, wünschen eine Sterilisation. In Deutschland wird dieser Eingriff bei zirka 50.000 Männern pro Jahr durchgeführt. Männer, die sich für diese definitive Empfängnisverhütung entscheiden, haben meist  bereits mehrere Kinder. Die Sterilisation (Vasektomie) ist ein kleiner Eingriff, der in der Regel ambulant unter örtlicher Betäubung vorgenommen wird. Der Urologe legt über einen winzigen Hautschnitt die beiden Samenleiter frei, durchtrennt sie, entfernt ein kleines Stück und unterbindet und verödet die beiden Enden der durchtrennten Samenleiter. Nach dem Eingriff dauert es bis zu drei Monaten, bis das Ejakulat tatsächlich keine Spermien mehr enthält.

„Bis zu sechs Prozent der Patienten haben jedoch nach der Vasektomie doch wieder einen erneuten Kinderwunsch“, berichtet der Urologe aus der Praxis. Meist ist das der Fall, wenn eine neue Partnerschaft eingegangen wird. Dann lässt sich die Vasektomie operativ rückgängig machen – auch, wenn der Eingriff schon viele Jahre zurückliegt. Prof. Sohn: „Bis zu zehn Jahre nach der Vasektomie liegt die Erfolgsrate der Refertilisation um die 50 Prozent. Danach verschlechtern sich die Ergebnisse“.  In dem Eingriff, der unter Vollnarkose erfolgt und der bis zu drei Stunden dauern kann, werden die Samenleiterenden wieder eröffnet und mikrochirurgisch miteinander verbunden. Die Operation ist bei Kinderwunsch nach Vasektomie auf jeden Fall einen Versuch wert, denn die alternativen In-vitro-Techniken  bei unerfülltem Kinderwunsch sind für ein Paar sehr aufwendig, kostenintensiv und für die Frau belastend.

Hydrozele – Wasser im  Hodensack

Daneben ist oft auch der sogenannte Wasserbruch (Hydrozele) eine Indikation für eine Genitaloperation beim Mann. Der Hodensack – medizinisch Skrotum – schwillt unter Umständen schmerzhaft an. Die Ursache ist eine Flüssigkeitsansammlung zwischen den Hodenhüllen. Oft weisen Neugeborene diese Veränderung auf. Anfangs sind Bauchhöhle und Skrotum noch nicht verschlossen, so kann Flüssigkeit aus der Bauchhöhle in die Hodenhüllen gelangen. Meist verschwindet die Hydrozele mit drei bis vier Monaten. Doch auch erwachsene Männer können an einem Wasserbruch erkranken, etwa durch Entzündungen oder nach Gewalteinwirkung. Bei der Operation einer Hydrozele wird der Hodensack über einen kleinen Schnitt eröffnet, die Flüssigkeit abgelassen, die Hodenhüllen vernäht und der Einschnitt wieder geschlossen.

Varikozele – Krampfadern am Hodensack

Vor allem junge Männer sind von dieser Venenerkrankung betroffen, statistisch weisen 15 Prozent der männlichen Bevölkerung eine Varikozele auf. Auslöser ist eine Klappeninsuffizienz in den ableitenden Venen im Hodensack. Die Krampfadern am Skrotum tun meist nicht weh. Die ausgeprägte Varikozele kann jedoch schmerzen und Spannungsgefühle, gerade bei sportlicher Aktivität  verursachen. Doch Männer sollten nicht erst dann zum Urologen gehen, wenn Beschwerden auftreten.

„Eine Varikozele mindert häufig die Fertilität“, warnt Professor Sohn. Die erweiterten Venen mit ihrer Blutmenge überwärmen nämlich die Hoden – und damit auch die Spermien, die bekanntlich in diesen Keimdrüsen gebildet werden, Wärme schadet jedoch den Spermien.

Die operative Behandlung der Varikozele ist daher sinnvoll. Dabei stehen verschiedene operative Techniken zur Verfügung. Anders als bei Krampfadern am Bein, die während einer Operation chirurgisch entfernt werden, geht der Urologe bei der operativen Behandlung der Varikozele jedoch anders vor.  Verschiedene operative Techniken stehen zur Auswahl. So können die Krampfadern laparoskopisch – also mit Hilfe der sogenannten Schlüssellochtechnik - durch den Bauch oder durch kleine Schnitte im Unterbauch oder in der Leistenregion unterbunden werden. Dabei verödet der Chirurg unter radiologischer Kontrolle die verantwortlichen Venen verödet.

Die sicherste und dauerhafteste Beseitigung einer Varikozele ist durch einen kleinen Leistenschnitt unter Anwendung mikrochirurgischer Techniken zu erreichen. Nach einer erfolgreichen Operation schwillt die Varikozele nicht mehr an, die Schmerzen verschwinden, die Hoden verfügen wieder über eine „spermienfreundliche“ Umgebung.

Was tun bei Potenzproblemen?

Potenzprobleme zählen zu den häufigsten Störungen bei Männern. Was hilft dagegen? Woher stammen Erektionsstörungen und was kann Mann dagegen tun? Antworten gibt Professor Siegfried Meryn in der ORF-Sendung "Bewusst gesund".

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