Süßstoffe belasten die Verdauung

"Xucker Light": Erythrit ist kein harmloser Zuckerersatz

Wer den Lakritzgeschmack von Stevia nicht mag, sucht nach einigermaßen gesunden Zucker-Alternativen: Mit Erythrit kommt ein Ersatzstoff auf den Markt, der weniger süß schmeckt und deutlich weniger Kalorien enthält als Rohrzucker. Aber wie gesund ist die neue Süße?

Erythrit
Erythrit oder "Xucker Light" sieht aus wie Zucker, schmeckt aber um rund ein Viertel weniger süß.
Getty Images/iStockphoto

Als nahezu kalorienfreier Zuckerersatzstoff steht Erythrit hoch in der Gunst der Nahrungsmittelkonzerne, denn der Markt ist groß. Für alle Diabetiker zum Beispiel könnte Erythrit der lange ersehnte Traum sein, weil sie nicht mehr nach verstecktem Zucker im Essen suchen müssten.

Zuckeralternativen: Abwechslungsreich – aber gesünder?

Aber nur auf den ersten Blick: Hinter Produktnamen wie Erylite, Sukrin, Erythritol, Neue Süsse, Sucolin, Xucker Light oder auch sweetERY (eine Übersicht finden Sie hier) verbirgt sich ein (bio-)chemisch erzeugter Alkoholzucker, der auch die wenig appetitliche Bezeichnung E968 trägt. Er zählt in der Europäischen Union zur zulassungspflichtigen Gruppe der Süßungsmittel zusammen mit Sorbit, Xylit und Stevia.

Erythrit kommt in der Natur vor und ist in Käse, Obst oder Pistazien nachweisbar. Für die in der Lebensmittelindustrie benötigten großen Mengen wird Erythrit jedoch künstlich hergestellt.

Pilze liefern den "Xucker Light"-Rohstoff Erythrit

Woher kommt der neue Zuckerersatz? Natürliches Erythrit kann nur durch aufwendige chemische Katalyseprozesse aus Weinsäure oder Dialdehydstärke gewonnen werden. Zwei Verfahren, die kostspielig und kompliziert sind. Darum werden osmophile Pilze genutzt, die mit kleinsten Kohlehydraten "gefüttert" werden und diese mittels Fermentation in Ribit, Glycerin, Ethanol, kleine Mehrfachzucker (Oligosaccharide) und eben Erythrit aufspalten.

Warum ersetzen wir nicht gleich den ganzen Zucker in unserer Nahrung durch das kalorienarme E968? Weil Erythrit nur rund die Hälfte der Süße von Zucker erreicht, den unsere Geschmacksnerven zu lieben gelernt haben. Um den gewohnten Geschmack zu erzeugen, sind größere Mengen des weißen Pulvers nötig.

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Erythrit kann zu Verdauungsproblemen führen

Der Zuckerersatz ist bei uns zwar als Lebensmittel-Zusatzstoff zugelassen, muss bei einem Anteil von mehr als zehn Prozent aber mit einem Warnhinweis gekennzeichnet werden. Denn Erythrit wird zwar zu rund 90 Prozent über den Dünndarm aufgenommen und die Niere wieder ausgeschieden. Doch die restlichen zehn Prozent sorgen für typische Nebenwirkungen von Zuckeralkoholen wie etwa Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall - ein Effekt, den gar zu "verliebte" Freunde zuckerfreier Kaugummis kennen dürften. Zudem kann sich die Gesamtmenge schnell auf ein bedenkliches Maß summieren, wenn mehrere erythrithaltige Produkte verzehrt werden.

"Ich habe viele Substanzen kommen und gehen sehen, nachdem sich doch negative Auswirkungen auf den Körper gezeigt haben", sagt Roger Eisen, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin. Wie bei vielen neuen Substanzen lässt sich eine langfristige (Neben-)Wirkung auf unseren Körper durch Erythrit nur vermuten.

Lieber Zucker in Maßen als "Xucker Light" in Massen

Der Lifeline-Ernährungsexperte warnt zudem vor dem Einsatz von Süßstoffen, die zur Appetitsteigerung beispielsweise in der Kälbermast eingesetzt werden. "Ich bin mir nicht sicher, ob es sinnvoll ist, seinen Körper immer wieder mit Süßstoffen zu täuschen," fügt er hinzu - "sinnvoller wäre, die Zufuhr von Zucker generell einzuschränken und die klassischen Zuckerfallen wie Salatdressings, Ketchup oder Müsliriegel zu meiden." (siehe Galerie unter dem Artikel)

Wer dennoch auf Erythrit als Zuckerersatzstoff umsteigen möchte, sollte sich langsam herantasten und auf Nebenwirkungen achten. Dann kann E968 Zuckerersatz sein "ohne den bitteren Nachgeschmack von Stevia, den manche Menschen genetisch bedingt schmecken", erklärt Mediziner Eisen. Und zwar für Diabetiker und all diejenigen, die im Frühjahr verstärkt auf ihre Figur achten.

Drei Zuckeralternativen im Geschmackstest

Sat1

Süßstoffe im Vergleich

 

Stevia

Xylit ("Xucker")

Erythrit ("Xucker Light")

Form Pulver, Tabs, Flüssigextrakt Kristalle Kristalle
Herstellung Extrakt aus Steviablättern Zuckeralkohol aus Rinden oder Maiskolben Zuckeralkohol, gewonnen durch Fermentation von Zucker durch Hefepilze
Geschmack

eher weiter hinten im Mund süß,

bei zu hoher Dosierung ggf. bitterer/ lakritzartiger Nachgeschmack

wie Zucker, aber etwas fruchtiger (ähnelt Traubenzucker) wie Xylit
Kosten 140€/kg ab 9€/kg ab 11€/kg
Kalorien 0 240kcal/100g 20kcal/100g
Süße 200 - 400 Mal so süß wie Zucker Süße fast identisch mit Zucker 60 - 80 Prozent der Süße von Zucker
Verträglichkeit gut Blähende/ abführende Wirkung ab 0,5g/kg Körpergewicht Blähende/ abführende Wirkung ab 1g/kg Körpergewicht während Gewöhnungsphase
Vorteile Auch für Rohkost geeignet (Pulver wird direkt aus den Blättern erzeugt)

Aktiver Schutz vor Karies (nur bei aktivem Verzehr, also Kauen über mindestens fünf Minuten

fördert die Kalziumaufnahme

Schützt vor akuter Mittelohrentzündung

Ähnliche Wirkung wie bei Xylit erwartet, aber noch nicht ausreichend erforscht
Nachteile Bislang nur wenige Rezepte für Kochen und Backen bekannt Für Tiere unverträglich Ähnlich Xylit, aber bislang nur wenig Erfahrungen
weitere Bezeich- nungen Honigblatt, Süßkraut Xucker, Xylitol, Birkenzucker Erylite, Sukrin, Erythritol, Neue Süsse, Sucolin, Xucker Light, sweetERY11
Zehn fiese Zuckerfallen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. März 2015
Quellen: Römpp Online - Version 3.5, 2009, Georg Thieme Verlag, Stuttgart; Carl L. Yaws: Thermophysical Properties of Chemicals and Hydrocarbons. William Andrew, 2008

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