Erkennen und helfen

Mobbing in der Schule und am Arbeitsplatz

Mobbing in der Schule und am Arbeitsplatz kann die Betroffenen extrem belasten. Ein paar Sprüche, ein Scherz über Kollegen, wo gibt es das nicht? Aber: Wo hört der Spaß auf, wo fängt Mobbing an? Was tun, um dem Opfer zu helfen?

Frau sagt Stop mit der Hand
Bis hierhin und nicht weiter – Mobbing kann am besten mit gestärktem Selbstvertrauen begegnet werden.
© iStock.com/michelangeloop

Professor Heinz Leymann, Lernpsychologe und Arbeitswissenschaftler, prägte den Begriff Mobbing erstmals Anfang der 1980er Jahre. Er bezeichnete damit eine Problemform unter Erwachsenen am Arbeitsplatz, die mit bestimmten Verhaltensweisen und einer Wiederholungsstruktur gekoppelt ist. Mobbing ist aber keine Modekrankheit oder neue Erscheinung, sondern ein altbekanntes Phänomen, welches ein gruppendynamischer Prozess ist.

Definition: So erkennt man Mobbing

Nach Leymann ist Mobbing durch die folgenden vier Verhaltensweisen definiert:

  • eine feindliche Absicht gegenüber der Zielperson
  • als feindselig empfundenes Verhalten von Kollegen/Vorgesetzten, auch wenn es nicht so gemeint ist
  • häufige und über einen längeren Zeitraum angewandte psychische Gewalt ("Psychoterror")
  • eine Viktimisierung, das heißt die Zielperson des Mobbings soll Opfer sein und ausgestoßen sowie abgewertet werden

In der Mobbingforschung geht man davon aus, dass Mobbing in Zeiten wirtschaftlicher Rezession zunimmt. Die Konkurrenz um Arbeitsplätze führt zu verstärkter Profilierung auf Kosten von Kollegen. Leider gibt es aber auch Mobbing in der Schule, wo einzelne Kinder ausgegrenzt und zu Opfern stigmatisiert werden.

Psychische Gewalt hat viele Gesichter

Die Anwendung von psychischer Gewalt ist eine der vier Mobbing-Verhaltensweisen. Doch was ist psychische Gewalt im Zusammenhang mit Mobbing am Arbeitsplatz?

  • Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen: Die Kollegen und/oder der Chef hören Ihnen nicht zu, vor allem nicht, wenn Sie sich verteidigen wollen. Man fragt Sie nie nach Ihrer Ansicht.

  • Angriffe auf die sozialen Beziehungen: Sie werden von den Kollegen isoliert. Man spricht nicht mehr mit Ihnen, Sie bekommen keine Antworten.

  • Handlungen mit Auswirkungen auf das soziale Ansehen: Man verbreitet Gerüchte über Sie. Man stellt Ihre Kompetenz, Arbeitsweise und psychische Gesundheit in Frage. Man macht sich über Sie lustig, imitiert Sie.

  • Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation: Man gibt Ihnen kränkende oder sinnlose Aufgaben. Man gibt Ihnen keine oder deutlich zu viele Aufgaben. Man gibt Ihnen Aufgaben, die Ihre Qualifikation massiv unter- oder überfordern.

  • Angriffe auf die Gesundheit: Hierzu zählen sexuelle Belästigung und körperliche Misshandlung. Sie werden zu gesundheitsschädlichen Arbeiten gezwungen.

Mobbing in der Schule

Mobbing ist auch in Schulen unter Kinder und Jugendlichen weit verbreitet. Allerdings ist nicht jeder Streit gleich Mobbing. In der Schule passiert Mobbing allerdings mitunter recht subtil und fällt selbst Lehrern nicht immer als solches auf. Hinweise auf Mobbing in der Schule können sein:

  • Immer wenn ein Kind im Unterricht spricht, tuscheln, kichern und stören die anderen Kinder.
  • Einem Kind wird regelmäßig auf dem Schulweg oder Schulhof aufgelauert, mitunter wird es sogar von Mitschülern erpresst.
  • Ein Lehrer spricht vor der Klasse negativ und/oder abwertend über ein einzelnes Kind.
  • Ein Kind wird zusehends von den Mitschülern isoliert und ausgegrenzt, vielleicht sogar beleidigt und beschimpft.
  • Bilder eines Teenagers werden ohne sein Einverständnis herumgeschickt und verhöhnt (Cybermobbing).

Bei Hinweisen auf Mobbing eines Kindes sollten Eltern und Lehrer dem unbedingt auf den Grund gehen. Je länger Mobbing besteht, desto schwieriger wird es die Strukturen aufzulösen. Außerdem steigt damit die Sicherheit, dass sich psychische Schäden bei dem betroffenen Kind festsetzen.

Wie kann ich Mobbing beim Kind erkennen?

Bei Kindern und Jugendlichen können verschiedene Anzeichen darauf hinweisen, dass sie von Mobbing betroffen sind:

  • Weigerung, zur Schule zu gehen.
  • Zur Schule gefahren werden wollen.
  • Die schulischen Leistungen sinken.
  • Rückzug vom sozialen Leben.
  • Seltsame Erklärungen für verschiedene Dinge, wie beispielsweise Geld verloren (Kind wird evtl. erpresst, mag es aber nicht zugeben)
  • Krankheitszeichen, wie Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, ...
  • Schule schwänzen.
  • Ängste, Depressionen bis hin zu Suizidversuchen.

Was tun, wenn das Kind gemobbt wird?

Wenn das Kind Opfer von Hänseleien oder sogar körperlicher Gewalt wird, ist sensibles Vorgehen sehr wichtig. Viele Kinder denken, dass sie selbst Schuld am Verhalten der anderen Kinder sind und vertrauen sich daher ihren Eltern nur sehr schwer an. Die Eltern sollten signalisieren, dass sie die Sorgen und Ängste des Kindes ernst nehmen und genau hinhören. Das Kind spürt so, dass es den Rückhalt seiner Eltern hat.

Bei einem Verdacht auf Mobbing des Kindes sollten Eltern sich unbedingt an die Schule wenden und zum Handeln auffordern. Hilfe können hier die Schulleitung, der Elternbeirat oder eine Beratungsstelle bieten. Die Schule ist gesetzlich zum Handeln gegen Mobbing verpflichtet, um das Wohl des Kindes zu schützen. Damit sich das Kind selbst aus seiner Opferrolle befreien kann, muss sein Selbstvertrauen so weit gestärkt werden, dass es sich wehren kann. Es muss lernen, sich klar und deutlich zu äußern und die Übergriffe nicht einfach hinzunehmen.

Am effektivsten begegnet man Mobbing mit Selbstvertrauen und Prävention. Wenn sich alle – Eltern, Lehrer und Mitschüler – klar gegen Mobbing positionieren, haben Mobber in der Schule keine Chance.

Wenn Sie weitere Informationen oder eine Beratung über Mobbing in der Schule wünschen, können Sie sich an eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe wenden. Die Adressen finden Sie unter www.schulpsychologie.de.

Tatsächlich kann ein Kind bereits im Kindergarten gemobbt werden. Die Anzeichen und auch Hilfen hierfür sind dieselben wie oben genannt.

Mobbing – was tun? So bieten Sie Hilfe

Von Mobbing sind in der Regel mehrere Personen betroffen: Mobber, Gemobbte und Dulder beziehungsweise Mitläufer. Der letztgenannte Personenkreis trägt oft entscheidend dazu bei, dass eine Mobbing-Situation weiterläuft oder eben beendet werden kann.

Zugegeben: Es ist heikel, sich in eine Mobbing-Situation einzumischen. Es kann bedeuten, selbst zur Zielscheibe verachtungsvoller und aggressiver Strategien zu werden. Vor allem muss man immer damit rechnen, dass sich die eigene Wahrnehmung von der der anderen Personen stark unterscheidet.

Praktisch heißt das: Wenn ich finde, dass eine Person ständig diskriminiert wird, muss das von diesem Menschen noch lange nicht genauso empfunden werden. Darüber hinaus kann es sein, dass die von mir als Mobber wahrgenommenen Menschen ihr Verhalten als humorvoll empfinden und dann mir gegenüber aggressiv werden, wenn ich ihnen diskriminierendes Verhalten unterstelle. Es sollte versucht werden, eine sachliche Aussprache herbeizuführen, in der alle Beteiligten ihre Sichtweise darlegen können. Manchmal kann ein Mediator helfen, eine Konfliktsituation zu analysieren und zu lösen.

Vorgehensweise bei Mobbing am Arbeitsplatz

Personaltrainer und Mobbing-Berater empfehlen für Kollegen, die in einer Mobbing-Situation helfend eingreifen möchten, folgende Vorgehensweise:

  1. Fragen Sie zuerst die gemobbte Person, wie sie die Situation wahrnimmt.

  2. Stimmen Ihre Wahrnehmungen überein, bieten Sie Ihre Hilfe und Unterstützung an.

  3. Sprechen Sie weitere Schritte mit der gemobbten Person ab. Handeln Sie nicht stellvertretend für diese Person, sie entmündigen sie dadurch eher.

  4. Sprechen Sie, am besten einzeln, mit den Mobbern. Beschreiben Sie, möglichst nicht anklagend, wie Sie deren Verhaltensweisen wahrnehmen und hören Sie sich die Ansichten der anderen ruhig an.

  5. Lässt sich auf diese Art und Weise die Situation nicht entschärfen, kann die Situation durch persönliches Eingreifen nicht verbessert werden. Sie sollten dem betroffenen Kollegen in diesem Fall ein Gespräch nahelegen und sich mit ihm gemeinsam an eine Beratungsstelle wenden.

Folgen von Mobbing

Wer gemobbt wird, leidet darunter. Doch er leidet nicht nur im Moment, denn Mobbing kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Viele Gemobbte leiden auch längere Zeit nach dem Geschehen unter Ängsten und Depressionen beziehungsweise Burnout.

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